Anmerkung: Dies ist eine FanFiktion, entstanden auf dem Furnament von J.K. Rowlig. Alle Hauptpersonen, außer Pearl Hooker, gehören ihr und werden immer ihr Eigentum bleiben, ich verdiene kein Geld mit dieser Seite und will niemand sein Eigentum streitig machen.
Kurze Zusammenfassung: Voldemort zeigt nun, da Harry 16 Jahre alt ist, seine gesamte Macht. Keiner scheint ihn aufhalten zu können und bedrohlich nähert er sich dem Kern GB, Hogwarts. Mit neuen Freunden und kräftiger Unterstützung schafft der Junge, der überlebte, wieder knapp dem Tod zu entkommen und versucht erneut die Welt zu retten. (zudem kommen viele schnulzige Stellen, aber so bin ich halt)
Pairings: SS/YC; HP/GW; HG/RW; PH/DM; NL/PP; TB/LT
Da ich mich nicht so sicher mit der FSK Verteilung auskenne, kann ich nicht 100%ig sagen, ob ich weise entscheide, aber ich denke, ab 13/14 ist angemessen... :D
Okay, zum Schluss noch eine kleine Warnung: Dies ist meine erste FanFic, als ich angefangen hatte sie zu schreiben, wusste ich noch nichts von Mary Sues oder ähnlichem. Pearl ist anfangs bestimmt jemand in der Richtung, später versuche ich das zu bereinigen, ist aber nicht so leicht.
Zu dem kommt noch, dass die Handlung vollkommen unlogisch und an manchen Stellen keinen rechten Sinn ergeben, trotzdem hoffe ich, das ihr Geduld mit mir habt und nicht gleich alles verurteilt... okay, dafür müsste erst einmal jemand hier hin kommen...
Harry lag auf seinem Bett und starrte an die Decke. Er war jetzt bereits vier Wochen im Ligusterweg. Seine Prüfungsergebnisse waren noch nicht da. Aber er bekam jeden Tag Post von Hermine, Ron, Hagrid oder anderen vom Orden. Einmal hatte er schon mit Hermine telefoniert. Die Dursleys haben es zwar nur sehr widerwillig erlaubt, aber sie erinnerten sich immer an die Warnung von Moody, wenn sie Harry was verweigern wollten und so waren sie gezwungen es ihm zu gestatten...
Am Telefon hat Hermine ihm alles erzählt, was sie herausgefunden hatte. Sie war die erste Woche mit ihren Eltern in Schweden, aber schon zwei Wochen war sie bei Ron und er wollte so gerne auch dorthin, aber er wusste, dass Dumbledore ihn nicht lassen würde, nicht so zeitig zumindest. Was hatte er doch gleich vor den Ferien gesagt? Er hatte ihn mit einem Zauber belegt, so dass er jedes Jahr zu einer Blutsverwandten seiner Mutter müsste, weil sie für ihn gestorben war, und da es nur noch Tante Petunia gab, musste er halt zu ihr und zu ihrem Mann Vernon und natürlich auch zu ihrem Sohn Dudley. Der jetzt noch dicker war, als all die Jahre davor zusammen. Er traf sich abends immer mit seiner Gang und verprügelte kleine Kinder. Seine Eltern schluckten immer noch die Lüge, er sei zum Tee, bei den Eltern seiner Freunde eingeladen. Na ja, ihn störte es nicht.
Harry war mit seinen Gedanken bei Sirius, sein Pate, der vor den Ferien von Todessern umgebracht worden war. Er träumte jede Nacht von dem Vorfall in der Mysteriumsabteilung und machte sich dann, wenn er aufwachte immer schwere Vorwürfe. Na immerhin klappte es jetzt besser mit der Okklumentik Er dachte jetzt immer abends daran seinen Geist zu verschließen, um nicht wieder von Voldemort in eine Falle gelockt zu werden...
Harrys Ferien waren zwar nicht so toll, wie er sie sich vorgestellt hat, weil er mit seinen traurigen Gedanken allein gelassen wurde, aber es war das erste Jahr, wo sich die Dursleys wirklich bemühten, nett zu ihm zu sein. Petunia hat sogar schon einmal mit ihm über seine Eltern gesprochen. Sie hat ihm ein Foto von ihnen gegeben und gesagt, dass sie es nicht länger aufheben will, weil sie nie mit ihrer Schwester klargekommen ist. Trotzdem hatte sie 15 Jahre dieses Foto aufgehoben. Harry war ein bisschen verwirrt, aber auch dankbar für diese Geste. Es war sogar ein bewegliches Foto. Das überraschte ihn um so mehr, weil er wusste, das Petunia, genau wie der Rest der Dursleys, Magie hasste. Und trotzdem hat sie es nicht weggeworfen? Er war ein bisschen verwirrt, aber es war ihm auch egal.
Er wollte so schnell wie möglich in den Fuchsbau. Zum Grimauldplatz wollte er nie mehr zurück. Es war auch gar nicht nötig. Das Haus war im Laufe des letzten Jahres fertig entgiftet worden und so hatte er da sowieso nichts mehr zu suchen. Außerdem erinnerte es ihn zu sehr an Sirius.
„Harry! Essen, komme bitte herunter!“, ertönte es von unten. Obwohl Harry gar kein Hunger hatte und auch keine Lust hatte sich zu bewegen, erhob er sich. Er wollte den Dursleys unbedingt eine Frage stellen und dazu eignete sich das Abendessen wunderbar.
Es roch eigentlich ganz lecker, auch wenn Harry wusste, dass es nicht wirklich lecker sein konnte. Petunia kochte immer noch Diätessen, weil das die Schulschwester von Dudley verordnet hat. Heute gab es Auberginen- Zucchini- Pfanne.
„Onkel Vernon? Tante Petunia? Ich hätte da eine Frage!”, versuchte Harry vorsichtig ein Gespräch anzufangen.
„Worum geht es? Wieder was mit deiner Schule? Oder geht es nur um deine Freunde? Du weißt, wie ungern ich damit zu tun habe! Also verärgere mich nicht unnötig!“, erwiderte Vernon katzenfreundlich.
„Nein, nein, ganz sicher nicht. Ich wollte euch nur fragen, ob ihr irgendwelche Nachrichten bekommen habt“, setzte Harry zaghaft fort.
Petunia und Vernon schauten sich verwundert an.
„Wie kommst du darauf???“
„Naja, ihr seid dieses Jahr so anders zu mir und wenn das nur der Fall ist, weil ihr von Moody ne Drohung gehört habt,... na ja, ich wollte eben nur die genaueren Ursachen dafür kennen.“
„Nun ja, klar, wie haben schon Respekt vor diesem komischen Kauz mit dem unheimlichen Auge, aber wir können selbst zu dir nicht unfreundlich sein, wenn du einen wichtigen Menschen verloren hast!!“, antwortete Petunia schlicht.
Also, irgendwas stimmte nicht. Das war nicht seine wahre Verwandtschaft. Das konnte nicht sein. Er schob sich schnell sein Essen rein und verabschiedete sich hastig, noch vor dem Nachtisch. Er musste sofort seine Hedwig losschicken. Irgendwas stimmte hier nicht!!!
Am nächsten Morgen wachte er Schweiß gebadet auf, er hatte geträumt, er wäre Voldemort und hätte eine Versammlung einberufen, bei der viele schreckliche Sachen geplant waren. Und er war sich jetzt nicht sicher, ob er das jetzt als Traum, oder als Wahrheit deuten soll. Letzten Abend hatte er vergessen seinen Geist zu verschließen. Das hatte er nun davon. Er blickte um sich und entdeckte mehrere Stapel von Tagespropheten um sich. Tja, das waren die vom letzten Sommer und die von diesem Sommer. Da hatte sich schon was angesammelt. Auf einer Zeitung prangte ein großes Foto von Askaban und der Schlagzeile: Todesser ausgebrochen. Bitte schickt Hinweise an den Tagespropheten weiter oder ans Ministerium. Abteilung Schwerverbrechen durch Fluchmorde oder Giftmorde!
Gestern Abend hatte er nach dem Essen sofort eine Eule zu Hermine und Ron geschickt. Ihm wurde die Geschichte mit den Dursleys zu heikel. Er wusste, dass da was nicht stimmte und er hatte Angst, dass sie unter dem Imperius-Fluch standen. Das konnte schließlich sein. Irgendein Todesser hatte sich eingeschlichen und beobachte jetzt alles, aber was für ein Zweck hätte Voldemort damit erreicht??
Von unten hörte er Geschirrgeklapper. Was ging dort vor? Es war grad mal sechs Uhr morgens! War das etwa wieder Tonks, die mit den anderen gekommen war, um ihn abzuholen? Langsam schlich er runter, um nachzusehen.
Als er in der Küche ankam entdeckte er dort Petunia, die einen Kuchen backte. Vor Schreck knallte er gegen die Tür, durch dessen Schlitz er seine Tante kurz vorher noch beobachtet hat.
„Oh mein Gott hast du mich erschreckt!“, kreischte sie ihn an, beruhigte sich dann aber schnell und fragte ihn: „ Junge, was machst du so früh hier unten? Wir wollten dich überraschen! Geh schnell wieder nach oben. In zwei Stunden kannst du wieder runter kommen!!!
Verwirrt ging Harry wieder hoch. Dort erwarteten ihn vier Eulen. Eine von Hogwards, eine von Ron, Ginny und Hermine, eine von Hagrid und eine von... so unglaublich das auch klang: Cho Chang.
Harry war jetzt noch verwirrter. Warum waren alle diese Eulen hier? Unter anderem Pig und Hedwig. Er verstand die Welt nicht mehr, aber trotzdem freute er sich unheimlich. Langsam ging er zur „Hogwardtseule“. Sie trug einen Dicken Brief am Fuß. Sobald er diesen gelöste hatte, schlug sie ihre Flügel auseinander und flog aus dem Fenster. Aufgeregt öffnete er ihn. Beinahe wusste er schon, was drinnen war.
Sehr geehrter Mister Potter,
durch dieses Schreiben wollen wir ihnen ihre Prüfungsergebnisse zukommen lassen. Wir freuen uns, dass wir ihnen sagen können, dass sie versetzt worden sind und bitten sie nun ihre Fächer zu wählen und uns das beigelegte Formular ausgefüllt zurück zu schicken.
Außerdem wurden sie wieder in die Qudditchmannschaft aufgenommen.
Professor Dumbledore und ich wünschen ihnen einen fröhlichen Geburtstag!
Mit freundlichen Grüßen,
Stellvertretenden Schulleiterin
Ach ja! ER hatte Geburtstag. Das hatte er wirklich vergessen, es war ihm aber im Moment auch egal. Eilig schlug er den zweiten Zettel auf und verschlang die Zeilen, die seine Prüfungsergebnisse verkündeten.
Zeugnis der 5. Klasse der Hogwartsschule
Zauberkunst O
Zaubertränke E – A
Geschichte der Zauberei S
Magische Geschöpfe E
Verwandlung E – A
Verteidigung gegen die dunklen Künste O
Wahrsagen M
Kräuterkunde E
Astronomie A
Sie haben insgesamt 7 ZAG´s erreicht.
Hauslehrerin
Harry zuckte ein bisschen zusammen, als er sein Zeugnis sah. In zwei Fächern war er durchgefallen. Glücklicherweise waren es Fächer, die er nicht brauchte, um ein Auror zu werden. Aber das er in Zauberkunst ein „Ohnegleichen“ geschafft hat, überraschte ihn so, dass er vor Glück zehn Minuten nichts machen konnte, außer im Zimmer zu stehen und sein Zeugnis anzustarren. Durch Hedwigs geklackere erwachte er dann endlich aus seiner Trance und nahm den anderen Eulen ihre Briefe ab und las jeden einzelnen. Alle haben ihnen liebe Grüße und Happy Birthday gewünscht, doch Rons, Hermines und Ginnys Brief beinhaltete auch noch, dass sie ihn in drei Tagen abholen wollen.
Doch Chos Brief rührte ihn sehr. Im Zug, der sie nach Hause gebracht hatte, dachte er noch, dass Cho für ihn gestorben war, aber jetzt kamen in ihm neue Gefühle hoch. So ein Mist auch! Sie schrieb:
Lieber Harry,
als aller erstes will ich dir zum Geburtstag gratulieren. Ich wünsche dir alles Gute und viel Freude in deinen restlichen Ferien.
Doch ich möchte diesen Brief auch nutzen, um mich bei dir zu entschuldigen. Ich habe mich nicht fair verhalten. Ich war grundlos eifersüchtig auf Hermine und ich habe dich mit dem Thema Cedric nur gequält, was ich wirklich nicht wollte, aber ich konnte nicht anders. ICH musste darüber sprechen. Das habe ich jetzt auch endlich getan, und zwar mit Hermine. Sie hat mir erstaunlicher Weise gut geholfen (falls du dich fragst, wie es dazu kam: Wir haben uns zufällig in Schweden getroffen).
Na, wie dem auch sei, ich hoffe du verzeihst mir, dass ich so unausstehlich war und das ich versucht hatte dich mit Michael eifersüchtig zu machen. Der arme Kerl wurde von mir nur ausgenutzt (bei ihm habe ich mich auch entschuldigt). Ich wünsche dir noch schöne Ferien!
in Liebe
Cho
Harry legte den Brief behutsam unter das lose Dielenbrett. Der Hohlraum darunter war schon ziemlich voll. Er musste wohl oder übel mal aussortieren.
Hagrid hatte ihn ein Buch über Drachen geschenkt. Von Ginny bekam er eine wunderschöne Feder (wenn er an seine andere dachte, dann musste er zugeben, dass dieser viel schöner war). Von Ron bekam er eine magische Weltkarte und von Hermine ebenfalls ein Buch – war ja klar – Zaubertränke: Schwierigkeitsgrad 6.
Oh Hermine, wann wirst du es endlich lernen? Harry schmunzelte in seine Geschenke und freute sich mehr denn je. Und dann fiel ihm Petunia ein. Sie hatte einen Kuchen gebacken, was mehr als ungewöhnlich war. Er machte sich wirklich Sorgen. Hat es denn nun was mit Voldemort zu tun, oder was? Bildete er sich das alles ein oder war ER derjenige, der verhext war?
„Harry! Komm mit!“
Vernon war ins Zimmer gekommen und lotste Harry runter in die Küche, wo ihn ein Wunder erwartete. Der Tisch war festlich geschmückt. Ein leckerer Kuchen war in der Mitte und drum herum standen mehrere Geschenke. Dudley, der erst einige Wochen davor Geburtstag hatte und um die 40 Geschenke bekommen hat, stand schmollend in der Ecke. Er schien tierisch eifersüchtig auf Harry zu sein, obwohl er, im Gegensatz zu ihm, grad mal fünf Geschenke bekommen hat. Und das auch das erste Mal in seinen 15 Jahren, die er bei seinen Verwandten lebte.
„Ist das für mich???“, fragte Harry, immer noch gerührt.
„Natürlich, wer wird denn heute sonst noch 16? Ich glaube niemand anderes, als du! Na los Junge, mach sie auf, die Geschenke!“, forderte Vernon Harry auf. Er schien seine wahre Freude daran zu haben.
Harry konnte das alles nicht mehr verarbeiten. Erst vergaß er seinen Geburtstag, dann bekam er gleich vier Eulen, noch vor dem Frühstück. Gleich danach versetzten die Dursleys Harry in eine Art Schockzustand, indem sie seit sechs Jahren das erste mal wieder an seinen Geburtstag dachten. (Er bekam von ihnen einen riesigen Stapel Pergament und Tinte, seltene Zaubertrankzutaten, unter anderem Nieswurzpulver, getrocknete Drachenleberstreifen, Milzkraut, Skarabäusbeine und 100%iger Silberdistelextrakt, sowie eine detaillierte Sternkarte und ein viel besseres Messingkessel-Set, als er es hatte, und einen riesigen Koffer, der so ähnlich aufgebaut war, wie der von Mad-Eye Moody, allerdings nur mit fünf Fächern – er wunderte sich immer noch, woher sie das alles hatten). Und zuletzt warteten nach dem Frühstück zwei weitere Eulen und ein Rabe in seinem Zimmer.
Die Eulen waren von Lupin und Tonks und der Rabe war von einer völlig unbekannten Person. Als erstes öffnete er das Paket vom Raben, der auch sofort, ohne einen weiteren Laut von sich zu geben, wieder wegflog. Das Paket war sehr groß und Harry wickelte ungeduldig das Packpapier ab, unter ihm erschien ein Wandteppich. Was...? Es war der selbe Teppich, wie der, den Sirius ihm gezeigt hatte. Es war der Stammbaumwandteppich. Auf ihm war eine Nachricht geheftet. Halte ihn in Ehren! Verliere ihn niemals, er darf nicht den falschen in die Hände Fallen!! Wer zum Henker schickte ihm so was??? Er betrachtete ihn genauer. Die Brandlöcher waren weg. Stattdessen waren die Namen, die erst weggesprengt waren, wieder erschienen. Harry rollte ihn wieder behutsam zusammen und packte ihn in eine Ecke. Immer noch verwundert packte er das Geschenk von Tonks aus. Es war ein unsortierter Stapel von Fotos. Alles Leute, die Harry kannte. Dumbledore, Lupin, Moody, die Weasleys, Ron, Hermine, er selbst, sie selbst, Cho, Ginny, Hedwig und noch viele, viele mehr. Und das schönste war, es waren ungewöhnliche Fotos. Schnappschüsse, mit lustigen Grimassen, irren Verrenkungen, interessanten Figuren und Situationen. Harry freute sich sehr darüber. Mit hoher Erwartung wickelte er das Papier vom letzten Paket, das von Lupin. Er hatte ihm eine sich immer wieder füllende Keksdose geschickt. Jetzt musste Harry nicht mehr den ekeligen Kram von seiner Tante essen. Dabei war ein Brief:
Hallo Harry,
ich habe gehört, dass du zur Zeit ganz schlechte Essbedingungen hast, deshalb dachte ich mir, eine Dose mit leckeren Keksen, die sich immer wieder füllt, wäre eine ganz passende Idee.
Du hast dich bestimmt gewundert, warum deine Tante und dein Onkel so unglaublich nett zu dir sind. Nun, dass ist das Geschenk von Moody an dich (ich soll dir übrigens liebe Grüße ausrichten), er hat sie mit einem kleinen Zauber ein bisschen.. na ja... netter gezaubert.
So, ich muss mich jetzt auch sputen. Ich soll dich von allen Ordenmitgliedern grüßen und dir von ihnen zum Geburtstag gratulieren.
Liebe Grüße
Remus Lupin
Harry faltete den Brief glücklich zusammen und blickte hoch. Auf einmal stört ihn das Chaos in seinem Zimmer. An der längsten Wand war ein instabiles Regal, indem ein paar Kinderbücher von Dudley lagen. Vor dem Regal waren die kaputten Sachen von seinen Cousin aufgeschichtet und verstaubt. In dem bewohnbaren Zimmerteil stand in der Mitte sein Bett, um das Bett waren die Tagespropheten gestapelt. Im restlichem Zimmer waren seine Bücher verstreut. Seine Klamotten waren im kaputten Kleiderschrank auch nicht wirklich gut aufgehoben. Auf seinem Bett lagen seine jüngsten Geschenke und er wusste nicht, was er machen sollte. Ihm stieg das Chaos zu Kopf. Doch da am ihm die rettende Idee. Nur... konnte er das wagen? War das nicht zu unverschämt? Nein, er hat all die Jahre nichts umsonst bekommen, er musste für alles mit Unterdrückung bezahlen und jetzt, wo die Dursleys mal milde gestimmt waren, konnte er sich auch mal so was leisten.
Er rannte die Treppe runter und stürmte in die Küche, wo Vernon am Tisch saß und die Samstagszeitung las.
„Onkel Vernon...?“
„Lass mal Junge, ich finde ja auch, dass dein Zimmer ungeheuerlich aussieht. Wir fahren sofort in den Baumarkt und kaufen Holz, um dir vernünftige Regale zu bauen, dann werden wir noch deine Wand neu streichen und den Kleiderschrank reparieren. Brauchst du auch ein neues Bett? Bestimm, oder? Das ist doch schon sechszehn Jahre alt. Das geht nicht.“
Harry schaute verdattert den nun hoch blickenden Vernon an.
„Willst du mich auf den Arm nehmen? Meinst du das wirklich ernst?“
„Natürlich Junge“, meinte Vernon und stand auf, komm, wir fahren jetzt. Er gab Petunia einen Kuss und ging mit Harry raus, der es immer noch nicht fassen konnte.
Zwei Tage später hatte Harry ein Zimmer, wie er es sich immer gewünscht hatte. Die Decke war schwarz gestrichen und mit weißen Punkten versehen. Er hat dafür fünf Stunden gebraucht, damit es wie die Milchstraße aussah.
Die Wände waren hellblau. Sein Regal war die ganze Wand langgestreckt, dass nun mit seinen Zauberbüchern vollgestopft war. Sein Bett war jetzt auch viel größer. Er könnte sich nun wälzen wie er wollte, ohne das die Gefahr lief, dass er aus dem Bett fiel. Sein Kleiderschrank war auch fast wie neu und er hatte jetzt eine riesige Truhe im Zimmer – die hatte Vernon für ein Schnäppchen erstanden - , in der er jetzt die ganzen Zeitungen aufbewahrte. An die Wand hatte er den Wandteppich von Sirius aufgehängt, sowie die magische Weltkarte von Ron und die Sternkarte von den Dursleys. Nichts erinnerte Harry an den alten Zustand des Zimmers. Und das schönste war: Dudley schmollte mehr denn je und ignorierte Harry so gut es ging. Harry war jetzt ein richtig glücklicher Junge.
In der Nacht wachte er auf. Er wurde durch einen sehr lauten Knall aufgeweckt. Er war ziemlich verunsichert und wollte lieber nachschauen. Doch als er die Tür öffnete, bekam er erst mal einen riesigen Schrecken, er war nicht mehr im Ligusterweg, sondern im Fuchsbau. Neun Paar Augen schauten ihn an (Arthur, Molly, Ron und Ginny Weasley, Hermine Granger, Nymphodora Tonks, Alastor Moody, Mundungus und Remus Lupin) und alle schienen sich Sorgen zu machen.
„Gott sei Dank, er hat es noch geschafft. Das war wirklich knapp!“, brach Moody dann schließlich das Schweigen.
„Wie...? Was...?Wo...? Warum bin ich jetzt auf einmal hier?“, stotterte Harry vor sich hin.
„Sagen wir so, du hast verdammtes Glück, dass du überhaupt noch irgendwo sein kannst! Vor drei Minuten wurde der Ligusterweg durch einen Fluch vollständig gesprengt. Deine Tante, deinen Onkel und deinen Cousin konnten wir leider nicht mehr retten. Nur noch Mrs. Figg und die McGrafths, die bei euch drei Häuser weiter wohnten. Für die andern war es zu spät. Tut mir leid“, erklärte Moody in geschäftiger Stimme.
„Aber ich dachte, ich sei dort geschützt!“
„Das dachten wir auch, wir wissen noch nicht, wie dieser Schutz gebrochen wurde. Dumbledore ist gerade auf dem Weg Nachforschungen in den Gang zu bringen“, sagte Tonks verzweifelt.
„Und wie habt ihr es geschafft mein Zimmer mit zu bekommen? Wie hat das hier überhaupt Platz gefunden?“, fragte Harry. Er konnte es zwar immer noch nicht fassen, aber er konnte gewiss noch schlechter schlafen, wenn er das nicht wusste.
„Na, das war ein Demotus-Zauber, anders hätten wir dich nicht hier herschaffen können, zumindest nicht schneller. Und es war ja sowieso schon sehr knapp. Der Demotus-Zauber bewirkt, dass ein Zauberer oder eine Hexe samt des Raumes, in dem er oder sie sich grad befindet, an einen anderen Ort befördert wird. Rons Zimmer musste dafür zwar drauf gehen, aber das ist nicht so schlimm, weil er ja jetzt Fred und Georges Zimmer bekommen hat!“, antwortete Lupin mit einer weisen Stimme.
„Ja Harry, du wirst diesen Sommer erst mal bei uns verbringen, aber nun gehst du wieder schlafen! Morgen bereden wir alles weitere. Gute Nacht!“, mischte sich Mrs. Weasley ein und scheuchte die anderen fort, so dass Harry wieder alleine war. Dabei wollte er eigentlich gar nicht mehr alleine sein. Er hatte unglaublich viele Fragen auf Lager und er wusste, dass er wieder mit Albträumen gequält werden würde, weil er es niemals schaffen könnte, seinen Geist JETZT zu schließen!
Harry stand auf einer großen Wiese, er sah niemanden und kam sich ziemlich verloren vor, nicht einmal Blumen wuchsen hier und es war alles einfach nur trostlos. Doch da er sich nicht anders zu helfen wusste ging er los, auch wenn er wusste, dass er wahrscheinlich nur im Kreis laufen würde. Plötzlich war die Wiese aber keine Wiese mehr, sonder eine Wüste. Jetzt gab es nur noch Sand und eine brennende Hitze. Harry spürte, wie seine Kehle immer trockener wurde er den Drang verspürte Wasser trinken zu wollen. Und dann hörte er auf einmal seinen Namen.
„Harry! Harry!“
Er nahm nur noch verschwommene Bilder war, das eine sah aus wie eine Frau mit roten Haaren. Neben ihr ein Mann mit schwarzen Haaren und einer Brille.
„Harry! Verdammt noch mal, wach auf! Es ist schon lange Zeit zum Aufstehen. Du hast schon das Frühstück verpasst! Jetzt steh endlich auf!!!!!!“
Harry spürte, wie jemand an seiner Schulter zerrte und versuchte ihn wachzurütteln. Erst dachte er, es wäre Ron, aber die Stimme klang gar nicht nach ihm. Er schlug die Augen auf und starrte in ein paar grünblaue Augen. Rote Haare kitzelten ihn und er musste niesen.
„Gesundheit! Und jetzt steh bitte auf, Mom ist schon ganz aufgewühlt. Sie war schon am überlegen, ob sie einen Heiler herbestellen sollte. Tu uns bitte ein Gefallen und mach, dass du aus dem Bett kommst!“
„Danke. Ginny, sag, wo ist Ron?“
„Unten, er hilft Hermine und Lupin dabei Mom zu beruhigen. Sie konnte gar nicht schlafen. Sie ist total aufgewühlt wegen dir.“
„Wieso...? Ach ja...“
Jetzt fiel es Harry wieder ein. Seine Verwandten sind gestern ums Leben gekommen und er ist nur knapp dem Tode entkommen. Komischerweise fühlte er sich gar nicht zittrig oder so. Er war ganz ruhig und sprang jetzt aus dem Bett, um schnell zu Mrs. Weasley zu rennen um sie zu beruhigen und ihr zu sagen, dass es ihm gut ginge.
Ginny war ziemlich genervt. Wer weiß, was sie heute schon alles erlebt hatte. Er ging die wackelige Treppe der Weasleys runter, immer noch am überlegen, wie der Zauber wohl genau funktionieren mag, der ihn hier hingebracht hat. Als er unten ankam, hörte er schon von weitem das schluchzen von Molly Weasley.
Er beeilte sich noch ein bisschen mehr und erreichte schließlich die Küche, in der Mrs. Weasley auf einem Schemel saß und von Ron, Hermine und Lupin umkreist war. Als sie Harry bemerkte entfuhr ihrem Mund ein kleiner Schrei.
„Harry! Wie geht es dir? Was möchtest du essen? Hast du Durst? Ron hohl ein Glas!“
„Beruhigen sie sich Mrs. Weasley. Mir geht es wirklich gut. Ich habe sehr gut geschlafen und möchte nicht, dass sie sich meinetwegen Umstände machen.“
„Bist du sicher, dass es dir gut geht? Manchmal trägt man einen Schock davon ohne es zu merken. Du hast immerhin deine einzigen Verwandten verloren. Du musst doch wenigstens ein bisschen Trauer verspüren. Jetzt, gleich nach der Geschichte mit Sirius...“
„Molly bitte“, mischte sich Lupin ein.
Harry wurde schweigsam. Ja, er schien den Tod geradezu anzuziehen. Erst sein Pate, der einzige, den er als Bruder, Vater und Freund zugleich gesehen hat und dann seine Verwandten, die ihm zwar nicht wirklich am Herzen lagen, aber ihn immerhin aufgenommen haben.
„Ach, es geht schon. Ich werde es verkraften. Ich habe ja gute Freunde, die mir zur Seite stehen“, antwortete Harry schließlich und schielte zu Ron, Hermine und Ginny, die inzwischen auch dazugekommen war, hinüber. Alle drei nickten und wandten sich wieder Mrs. Weasley zu.“ Mom, ich glaube, wir essen jetzt, und dann werden wir vier rausgehen und...“, fing Ron an.
„... und ein bisschen lernen, das lenkt Harry ab und tun müssen wir es eh, weil wir noch Unmengen von Hausaufgaben haben!“, beendete Hermine den Satz und bewegte sich dem Küchenschrank zu um 10 Teller rauszusuchen.
„Moody ist nicht hier, Hermine, wir brauchen nur neun Teller“, sagte Mrs. Weasley, die inzwischen ihre Tränen weggewischt hat, wie in Trance.
„Oh... okay“, murmelte Hermine und stellte einen zurück.
Ron zog Harry beiseite und wisperte ihm was ins Ohr.
„Harry, wir müssen dir ganz viel erzählen. Es ist ja soviel passiert. Gleich im Garten...“, fing er an.
„Hey ihr beiden, kommt ihr nun?“, fragte Mrs. Weasley jetzt, wieder in ihrer normalen Stimme. Das Essen wird kalt!!!
„Ja klar“, antwortete Harry, obwohl er zu gern gewusst hätte, was denn nun mit dem Garten ist.
Am Tisch war es ziemlich ruhig. Alle starrten irgendwohin und kauten genüsslich das Essen, was hervorragend schmeckte. Harry beobachtete, wie Ron immer mal wieder zu Hermine rüberschielte und wenn er mal wegsah, dann schaute Hermine zu ihm. Hat er was nicht mitbekommen?
Nach dem Essen scheuchte Mrs. Weasley alle aus der Küche, sie sagte, sie wolle saubermachen und könnte Störenfriede nicht gebrauchen. Sie schien ihre alte forsche Art zurückerlangt haben, von der Verzweiflung war keine Spur mehr.
Während sie in den Garten gingen, Ron schlenderte neben Harry, der wiederum Ginny und Hermine folgte, die einige Schritte vor ihnen war.
„Was ist eigentlich zwischen dir und Hermine??“, fragte Harry vorsichtig.
„Was sollte sein? Worauf willst du hinaus??“, fragte Ron unsicher zurück.
„Ihr habt euch die ganze Zeit so komisch angesehen und da...“, erwiderte Harry.
„Ach, sie hat mich auch angesehen? Bist du dir sicher?“, wollte Ron neugierig wissen.
„Ja. Was ist nun? Du kannst mir nicht sagen, dass alles ist wie früher! Du benimmst dich irgendwie komisch!“, hackte Harry nach.
„Nun ja... ach, wir sind da. Ich erzähle es dir später!“, lenkte Ron plötzlich ab.
Sie waren im hintersten Teil des Gartens angekommen. Vor ihnen lag ein kleiner wackeliger Schuppen, der vollkommen mit Efeu zugewachsen war. Davor lag ein kleiner gelber Kindergummistiefel.
„Bei drei fassen wir ihn alle an!!“, erklärte Hermine.
„Ist das ein Port...“, wollte Harry anfangen zu fragen, als Hermine schon bis drei gezählt hat und er den Gummistiefel berührte um in ein ihm fremdes Zimmer gebracht zu werden.
In diesem Zimmer war es sehr kalt. Es gab kein Licht und die Fenster waren anscheinend alle kaputt.
„Wo sind wir?“, wunderte sich Harry völlig verdattert.
„Wir wissen es selbst nicht. Dumbledore hat den Portschlüssel für uns angefertigt. Das ist ein geheimer Raum, der uns schützt. Wir dürfen ihn aber nicht verlassen“, klärte Hermine ihn auf.
„Man Harry wir müssen dir soviel erzählen. Dumbledore hat uns jetzt in die meisten Sachen eingeweiht. Er war der Meinung, das wir einige der wenigen sind, die schon vor ihrem 17 Geburtstag von allem Bescheid wissen müssen. Vor allem du. Deshalb hat er uns alles erklärt, aber als erstes musst du einen alten Schwur leisten, der dich mit Zauberkraft daran hindert etwas über diesen Ort zu verraten, falls du gezwungen wirst. Dann klappt das nicht mal mit Vertarsium...“, sprudelte es aus Ron ohne Punkt und Komma heraus und Harry hatte seine Mühe ihm zu folgen.
„Ron, stopp!“, fuhr Hermine ihn an.
„Harry, als erstes leistest du jetzt diesen Schwur, dann kannst du fragen, was du willst und wir werden dir alles erzählen. Dann wirst du auch erfahren, was mit die in Zukunft geschehen wird, das haben wir gestern Nacht noch geklärt. ... Also, stell dich mal dort drüben in den Kreis“, sagte Hermine und zeigte auf einen großen Kreis im hinteren Teil des Zimmers. Erst als Harry näher hinsah erkannte er, dass der Rand des Kreises aus merkwürdigen Symbolen bestand. Er stellte sich hinein und spürte plötzlich ein ganz komisches Gefühl in sich, so, als ob ihm jemand in den Gedärmen herumfuhrwerkte.
Er sah zu Hermine hinüber die jetzt etwas sehr merkwürdiges vor sich hinmurmelte und schließlich zu Harry gewand sagte: „Und jetzt sprich mir nach. Danach musst du dich noch zweimal um dich selbst drehen und dann Rückwärts aus dem Kreis gehen, wenn du das nicht tust, dann passiert was ganz furchtbares, also Harry, konzentrier dich!!!!!!
„Tacem eo fortis et durus numquam dicem veritatem hui loci!“, hörte Harry Hermine murmeln. Er konzentrierte sich und sprach ihr nach, danach drehte er sich zweimal um sich selbst und machte dann drei Schritte nach hinten um aus den kreis zukommen. Er dreht sich um und blickte in Hermines Gesicht, es schien eine Erleichterung zu fühlen.
„Wer weiß alles von diesem Ort?“, fragte Harry, ein bisschen kribbelte immer noch sein Bauch.
„Zwanzig Leute, Ron, Ginny, Dumbledore, Tonks, Lupin, Arthur und Molly Weasley, Fred und George, die jetzt übrigens in London wohnen, Professor McGonagall, Professor Snape, Moody, Mundungus, Kingsley, Charly und Bill, du und ich und noch zwei aus dem Orden, die wir aber noch nie gesehen haben...!“, ratterte Hermine runter ohne großartig zu überlegen.
„Haben die alle dieses Ritual durchgezogen?“, hackte Harry weiter nach und fragte sich, warum er keine wichtigeren Fragen stellte.
„Ja, ausnahmslos jeder“, antwortete Hermine blitzschnell.
„Was macht der Orden jetzt denn jetzt ganz genau???“, wollte Harry dann wissen.
„Wir haben Spione bei den Todessern, wie zum Beispiel Snape, dann sind noch einige im Ministerium, die versuchen alles wichtige aufzuschnappen. Andere wiederum nehmen Kontakt zu anderen Ländern, bzw. anderen Rassen auf, um Bündnisse zu schaffen. Der Rest arbeitet am Schreibtisch und sucht alle Informationen zusammen, um daraus ein Konzept zu schaffen oder sie jagen Todesser“, gab Ron, der bis dahin ziemlich still war, von sich.
„Was haben wir für eine Rolle im Orden???“
Diese Frage brannte nun schon ziemlich lange auf Harrys Seele und endlich konnte er sie aussprechen.
Diesmal stockte Hermine aber, genauso wie Ron. Schließlich kam eine zögerliche Antwort aus Hermines Mund.
„Wir wissen es nicht genau. Darüber wurde nicht gesprochen. Aber Dumbledore hat so was angedeutet, dass wir, also Ron, du und ich, eine besondere Ausbildung bekommen werden, und zwar noch während unserer Schulzeit.“
Dann herrschte einige Zeit eine unheimliche Stille. Harry überlegte, was Dumbledore damit wohl meinte, Hermine ging in der Zeit im Raum umher und Zündete alle Lampen an und rückte Stühle, die in der Ecke standen, heran, damit sie sich setzten konnten.
Plötzlich vernahm Harry eine Stimme aus dem hintersten Winkel des Raumes. Er hatte ganz vergessen, das Ginny mitgekommen war, sie war darauf gleich verschwunden, und er hatte sich keinen Kopf darum gemacht.
„Das ist doch ganz klar. Harry ist der Schlüssel zu Voldemort. Er wird immer einer besonderen Gefahr geliefert sein und muss dafür gewappnet werden und weil ihr beiden nun mal seine besten Freunde seid, werdet ihr gleich mitausgebildet. Was ist daran so schwer?“
Harry setzte sich auf einen der von Hermine rangerückten Stühle und grübelte über Ginnys Worte. Sie könnte sogar recht damit haben. Und je mehr er sich darüber den Kopf zerbrach, desto offensichtlicher wurde es für ihn. Warum war er nicht selbst darauf gekommen. Er blickte hoch, um weiter Fragen zu stellen, als er plötzlich in drei paar Augen schaute. Die anderen hatten sich lautlos zu ihm gesetzt.
„Du hast recht Ginny, das wird wohl stimmen. Wofür ist dieser Raum eigentlich??? Außer um uns einen Schutz zu bieten?“
„Er ist für nichts anderes da“, meinte Ginny, „nur für geheime Gespräche oder geheime Ausführungen vom Ritualen. Manchmal kommen wir hier auch hin, um einfach nur weg von Mom und Dad zu sein, die sind in letzter Zeit unglaublich nervös und schreien gleich rum, wenn man es ihnen nicht gleich recht macht. Ich denke, die sind voll überstrapaziert.“
Ron zuckte zusammen, wahrscheinlich stellte er sich gerade vor, wie sie sich anschrieen.
Harry überlegte, was er wohl noch fragen könnte. Aber über das meiste wusste er jetzt schon Bescheid... nur nicht...
„Wie konnte der Schutz durchbrochen werden, den ich im Haus der Dursleys hatte? Das hätte doch eigentlich gar nicht passieren dürfen!!!!“
Ron, Ginny und Ron sahen sich an. Nach einer Weile öffnete Ginny den Mund, bereit zu einer Antwort.
„Es wird viel gemunkelt. Angeblich wurde doch noch ein Blutsverwandter von dir gefunden, aber das glaubt Dumbledore wirklich nicht. Wahrscheinlicher ist es, das Voldemorts Wissenschaftler einen Fluch gefunden haben, um den Schutz zu durchbrechen, aber genaueres wissen wir wirklich nicht. Dumbledore wird es herausfinden!“.
„Wird er dann mit mir persönlich sprechen??? Er hat doch die Befürchtung, das Voldemort ihn durch mit ausspioniert, oder?“
„Wie läuft es mit deiner Okklumentik?“, fragte Hermine ganz ruhig.
„Eigentlich ganz gut, okay, in den letzten drei Tagen nicht wirklich, weil ich meinen Geist nicht verschlossen habe, aber die Nächte davor hatte ich nur Albträume von der Geschichte in der Mysteriumsabteilung.“
Harry stockte ein bisschen. Er erinnerte sich nicht gerne daran. Im wurde schmerzlich bewusst, dass er Sirius schrecklich vermisste. Er machte sich Vorwürfe, dass er seine ganze freie Zeit nicht mit ihm verbracht hat, sondern große Teile mit Ron und Hermine und er wurde plötzlich ein bisschen wütend auf sie. Warum war er bloß gestorben?? Er verstand es nicht. Alle, die er liebte, wurden ihm durch Voldemort oder seine Anhänger genommen. Ob Ron und Hermine noch lange bei ihm blieben? Und was war mit Cho und Ginny? Sie alle lagen ihm am Herzen. Würde Voldemort ihm auch diese Menschen entreißen wollen? Plötzlich merkte er, wie ihm eine Hand den Rücken streichelte.
Er blickte auf und merkte, wie er auf dem ziemlich verstaubten Boden kniete und die Hände vors Gesicht geschlagen hat. Wie war er dort hingekommen? Er wusste es nicht, aber es war auch egal. Er fühlte sich besser, als er registrierte, dass seine Freunde bei ihm waren. Ginny, die zu ihm gekommen war und ihn getätschelt hat, fragte ihn leise: „Geht es dir gut? Ich glaube, wir sollten besser wieder nach Hause gehen, es ist schon lange Zeit Abendbrot zu essen und Mum macht sich bestimmt Sorgen.“
Harry nickte und die andern beiden standen jetzt auch auf und zu viert gingen sie zum Portschlüssel um zum Fuchsbau kommen zu können.
Den Rest des Abends lagen sie im Garten rum, tranken Limonade und sprachen über alles mögliche. Ron und Hermine gaben sich sehr große Mühe, dass es sich um belanglose Dinge handelte. So unterhielten sie sich über ihre UTZ-Kurse und Quidditch (was sonst) und über die Neuwahlen des Zauberreiministers. Arthur Weasley hat sich mit aufstellen lassen, und so waren Ron und Ginny ziemlich aufgeregt, wie es wohl laufen würde...
Am Abend fielen alle müde ins Bett. Harry konnte sich immer noch nicht daran gewöhnen, dass er zwar in seinem eigenem Zimmer schlief, aber doch bei den Weasleys war. Aber daran musste er sich wohl gewöhnen. Er schaute auf seinen Wecker und erschrak, dass es erst 22 Uhr war, er dachte, er lag schon viel länger wach. Plötzlich klopfte es.
„Ja?“
Die Tür öffnete sich und ein roter Haarschopf schaute herein. Es war Ron.
„Wow, dein Zimmer ist ja wirklich cool. Vor allem die Decke. So etwas muss ich mir auch mal anschaffen!“, begrüßte ihn Ron und kam ehrfürchtig herein.
„Wenn du willst, dann kann ich dir helfen, dir dein Zimmer auch so einzurichten.“
Harry erinnerte sich dunkel an das Zimmer, was Ron jetzt gehörte. Es war sehr groß und wirkte sehr freundlich, was wohl an den großen Fenstern gelegen hat.
„Das wäre echt cool!“, meinte Ron schlicht. Irgendetwas schien ihn zu beschäftigen und dann fiel ihm ein, dass er ihn fragen wollte, was denn nun zwischen ihm und Hermine wäre.
„Ron?...“
„Ja, ich weiß, ich benehme mich ein bisschen komisch, aber weißt du, es ist ein sehr komisches Gefühl in ein Mädchen verliebt zu sein, was man sonst immer nur als Kumpel angesehen hast, mit dem man gut streiten kann. Ich weiß nicht, ob ich es ihr sagen soll. Ich komme mir dabei so blöd vor. Weißt du, sie ist so schlau und ich komme immer nur mit hängen und Würgen durch. Ich fühle mich in ihrer Nähe immer so schwach und weiß einfach nicht, was ich machen soll. Es ist einfach schrecklich, das Gefühl und gleichzeitig ist es auch wunderschön. Ich kann mich auf gar nichts mehr konzentrieren. Mein Buch schlägt die ganze Zeit Purzelbäume und wenn ich sie länger als zehn Stunden nicht sehe, dann bekomme ich Entzugserscheinungen! Harry, du hast einfach mehr Erfahrungen. Was soll ich machen?“, ratterte Ron runter ohne auf Interpunktionszeichen zu achten und klang dabei sehr betrübt.
Harry war überrascht Ron so reden zu hören. Die Beschreibung seiner Gefühle erinnerten ihn sehr an die, die er vor nicht all zu langer Zeit noch für Cho empfunden hat. Aber er wusste echt nicht, wie er seinem besten Freund helfen konnte.
„Ron, ich denke du besitzt genug Mut, sonst wärst du ja nicht nach Griffindor gekommen, um es ihr zu sagen. Mehr weiß ich leider auch nicht. Man muss einen Sprung ins kalte Wasser wagen, sonst kann es gar nicht klappen.“
„Ich trau mich aber nicht!“, gab Ron kleinlaut zu.
„Und was verlangst du jetzt von mir? Soll ich sie etwa für dich fragen?“
„Bloß nicht! Harry, du musst mir versprechen, dass du ihr niemals auch nur ein Sterbenswörtchen erzählst, okay?“
Harry schrak erschrocken zurück.
„Mein Gott Ron, das hatte ich gar nicht vor, ich wollte dir nur klar machen, dass ich genauso ratlos bin wie du!“
Harry hatte nicht erwartet, dass Ron so emotional reagieren würde. Nach einer Weile des Schweigens, es war bereits 23 Uhr, meinte Harry: „Am besten wir schlafen erst mal und überlegen uns morgen was, okay?“
Ron nickte Harry dankbar an.
„Echt Harry, so einen guten Freund wie dich findet man nur schwer.“
Mit diesen Worten verließ Ron das Zimmer und Harry dachte, dass er jetzt endlich schlafen könnte, aber irgendwie schien das Schicksal von ihm zu verlangen, dass er diese Nacht durchmachen sollte.
Kurz nachdem Ron verschwunden war, klopfte es an der Tür, schon etwas genervt ertönte aus Harrys Mund ein „Ja?“ und Hermine kam in einem recht kurzem Nachthemd herein, so dass Harry erst mal schlucken musste.
„Harry, ich muss mit dir reden. Und zwar über...“
„...Ron?“, unterbrach Harry sie.
Hermine setzte sich und machte dann ein etwas skeptisches Gesicht.
„Woher weißt du das?“
Harry wurde rot.
„Ähm… ich weiß nicht. Ich habe euch beim Mittagessen beobachtet und du hast ihn immer mal wieder angesehen.“
„Oh mein Gott, war das so offensichtlich? Oh Schreck, ob er auch was gemerkt hat? Harry, ich brauche wirklich deine Hilfe. Ich weiß nicht mehr, was mit mir geschieht. Andauernd muss ich an ihn denken. Ich kann mich nicht mal auf Snapes Aufsatz konzentrieren. Es ist furchtbar. Mein Bauch fühlt sich die ganze Zeit an, als ob ich Achterbahn fahren würde und Nachts träume ich von ihm. ... Harry, das ist nicht lustig!“
Hermine schrie fast, als sie das Grinsen auf seinem Gesicht sah.
„Oh, natürlich. Erzähl weiter.“
„In seiner Gegenwart fühle ich mich so langweilig. Er ist immer so lustig und bringt mich zum Lachen. Natürlich, wir haben uns oft gestritten, aber das hat mir immer geholfen meine Gefühle zu unterdrücken und sie auszutricksen.“
Sie schwieg eine Weile, ehe sie fortfuhr.
„Kannst du mir helfen?“
„Nein. Da musst du alleine durch.“
„Harry, vielleicht ist es dir nicht klar, aber ich wäre nicht zu dir gekommen, wenn ich nicht so verzweifelt wäre!“
Harry überlegte. Sollte er von dem Gespräch, was er eben mit Ron hatte, erzählen, das würde Ron gar nicht gefallen. Außerdem hatte er es ihm versprochen, nein, das konnte er nicht machen. Was aber dann? Es tat ihm schon fast weh, dass seine besten Freunde sich so quälten, also sagte er erst mal das gleiche, was er zu Ron gesagt hat.
„Wir gehen jetzt erst mal schlafen und überlegen uns morgen etwas.“
„Danke“, presste Hermine hervor, „Ginny weiß es auch. Sie will sich auch was überlegen. Gute Nacht.“
Hermine stand auf und Harry bemerkte, dass Hermine unter dem kurzen Nachthemd noch eine Hot Pants anhatte und war irgendwie erleichtert.
„Ach Harry, sag Ron nichts davon. Bitte. Ich weiß, er ist dein bester Freund, aber das wäre mir einfach zu peinlich!“
„Klar, versteht sich von selbst!“
Hermine verschwand und Harry legte sich auf den Rücken. Er fand diese Situation einfach nur lächerlich. Beide mochten sich wirklich gerne und sagten es nicht, obwohl sie keinen Grund hatten Angst zu haben, es war echt schrecklich.
Während Harry so in seine Gedanken versunken war bemerkte er nicht das Klopfen, deshalb schreckte er ziemlich blass hoch, als ihn jemand an der Schulter berührte.
„Harry? Ich muss mit dir reden!“
„Ginny, du auch? In wen bist du denn verliebt, in Dumbledore?“
Ginny ließ ein kleines Lachen von sich hören und schaute ihn dann aber ernst an.
„Nein, ich bin doch in dich verliebt, das weißt du doch, aber deshalb wollte ich nicht mit dir reden. Es geht um Ron und Hermine. Ich finde... sie... stellen sich einfach lächerlich an!“
„Das finde ich auch, aber irgendwie tun sie mir echt leid. Weißt du, was sie jetzt machen? Ich hoffe, sie schlafen endlich, sonst können sie morgen nicht mal mehr stehen – es war bereits nach Mitternacht – außerdem müssen sie doch von einander träumen, damit sie keine Entzugserscheinungen erleiden.“
Den letzten Teil betonte er besonders sarkastisch.
„Das wäre nicht das Problem. Sie spielen zusammen Karten. Irgendein Muggelspiel, Rommee oder so ähnlich.“
„Wie bitte? Sie spielen zusammen Karten? Um diese Uhrzeit?“
„Ja, Hermine kam zu mir, wahrscheinlich in der Zeit, als Ron bei dir war, danach ging sie, um mit dir zu reden, weil ich ihr nicht helfen konnte. Kurz danach kam Ron und wollte sich mit mir über das besagte Thema unterhalten, ich war schon voll genervt. Und dann kam Hermine wieder und sie schlug vor, das wir Rommee spielen könnten, sie könne eh nicht schlafen. Ron war total begeistert, obwohl er schon die ganze Zeit rumgegähnt hat. Echt, so eine kranke Verliebtheit habe ich noch nie gesehen!“
Ginny klang sehr genervt.
„Und jetzt belagern sie dein Zimmer?“
„Ja, aber wenn sie gleich nicht draußen sind, dann geh ich in Rons Bett, dann müssen sie halt zu zweit in einem Zimmer schlafen. Vielleicht redet dann einer von ihnen im Schlaf, der andere weiß Bescheid und wir haben endlich Ruhe!“
„Das hört sich gut an, aber was machen wir, wenn das nicht klappt?“
Ginny und Harry sahen sich an. Beide überlegten ziemlich lange, bis Ginny das Schweigen unterbrach.
„Das hat doch keinen Sinn! Jetzt sind wir wahrscheinlich die ganzen Ferien beschäftigt, um die beiden zusammen zukriegen. Am besten schließen wir sie beide in einen Raum und lassen sie erst raus, wenn sie sich ihre Liebe gestanden haben!“
Dabei hob Ginny ihre Arme dramatisch.
Harry hüllte sich in Schweigen. Er schielte zu Ginny hinüber und bemerkte, das sie wirklich schön war. Sie hatte einen karierten Schlafanzug an, in dem sich ihre Figur ziemlich deutlich abzeichnetet. Ihre Haare hatte sie zu einem unordentlichen Pferdeschwanz gebunden, aus dem einige Haarsträhnen fielen. Hatte sie es ernst gemeint, als sie sagte, sie sei in ihn verliebt? Ihm fiel Cho ein. Er hatte ihr immer noch nicht geantwortet. Man, die Liebe war wirklich kompliziert, erst recht, wenn man nicht mal wusste, wann man es war und wann nicht. Bei Ron und Hermine war es vielleicht ziemlich deutlich, aber bei ihm zweifelte er immer noch. Cho mochte er immer noch, obwohl er eigentlich dachte, sie sei ein abgeschlossenes Kapitel, aber mochte er sie immer noch so, wie damals, als er sie unter dem Mistelzweig im Da-Raum geküsst hat?
„Harry?“
Er schreckte hoch und sah in Ginnys Augen. Welche Farbe sollte das eigentlich sein? Grün, grau oder blau? Es war irgendeine Mischung aus diesen Farben und sie gefiel ihm.
„Ja?“
„Alles in Ordnung? Du schweigst jetzt seit zehn Minuten und ich fragte mich nur, ob du vielleicht mit offenen Augen geschlafen hast!“
„Nein, ich habe nur über etwas nachgedacht. Wir sollten jetzt wirklich schlafen gehen, es ist schon ziemlich spät!“
„Du hast recht. Gute Nacht!“
Sie ging hinaus, aber Harry hatte sich noch nicht mal richtig hingelegt, als sie schon wieder da war.
„Harry, das musst du dir ansehen!!“, rief sie leise. Sie war glühend rot vor Aufregung.
„Was ist passiert?“
„Komm einfach mit!“
Sie fasste seine Hand und zog ihn aus dem Bett. Es schien sie nicht im geringsten zu stören, dass er nur eine Boxershorts anhatte.
Sie führte ihn in ihr Zimmer und er musste sich die Hand vor den Mund halten um nicht lautlos zu lachen.
Dort lagen Hermine und Ron. Um sie herum lagen die Karten. Hermine lag ziemlich verknotet halb auf Ron. Sein Arm war um ihre Schulter gelegt und er lag in einem kuriosen Winkel. Morgen würde er bestimmt Knochenschmerzen haben, aber darüber dachte Harry eigentlich nicht nach. Er freute sich für die beiden.
„Hmm... ob sie sich ausgesprochen haben?“, fragte Harry leise, eher zu sich selbst, als zu Ginny, aber sie hatte ihn gehört.
„Ich weiß es nicht, vielleicht, vielleicht auch nicht. Das kann ich jetzt nicht beurteilen. Aber ich habe ein kleines Problem, was mich jetzt ein bisschen mehr beschäftigt!“
„Und das wäre?“
„Das Bett von Ron ist ebenfalls besetzt. Ich weiß nicht, wo ich schlafen soll!“, sie klang ein bisschen überfordert, aber auf eine sehr niedliche Art und Weise.
„Wer schläft denn in seinem Bett?“, fragte er ungläubig.
„Krummbein, Hedwig und Pig. Ach ja, und Janis.“
„Warum verjagst du sie dann nicht? Und wer ist Janis?“
„Meine Katze. Ich habe es ja versucht, aber Pig hat mich gepickt und Janis gekratzt.“
Sie zeigte ihren Arm, wo ein paar tiefe Kratzer zu sehen waren.
Er konnte es nicht glauben. Er nahm ihre Hand und zog sie in Rons Zimmer. Er erblickte die vier Tiere tatsächlich auf dem Bett und wunderte sich, weil das so gar nicht passte. Janis, eine schwarze, wunderschöne Katze lag ausgestreckt auf dem Bett, genau wie Krummbein, die beiden Eulen beanspruchten auch viel Platz, somit war das ganze Bett besetzt. Harry näherte sich ihnen leise und packte Hedwig um sie vom Bett zu holen. Die einzige Reaktion, die sie darauf zeigte war, das sie Harry heftig in den Arm pickte und so ein paar rote Punkte hinterließ. Er wunderte sich über das Verhalten dieser Tiere und drehte sich zu Ginny.
„Ich glaube, es ist am Besten, wenn du bei mir schläfst.“
Sie nickte leicht. So blieben sie eine Weile stehen, bis Harry es nicht mehr aushielt. Er gähnte und bewegte sich zur Tür. Sie folgte ihm.
Als sie bei Harrys Zimmer angekommen waren räusperte sich Ginny leise.
„Ähm... soll ich auf dem Boden schlafen? Oder ...“
Harry schüttelte heftig den Kopf.
„Erstens hättest du das auch in den anderen beiden Zimmern tun können und zweitens ist das viel zu unbequem. Entweder ICH schlafe auf dem Boden oder ich ...“
„Das ist doch genauso bescheuert. Wir schlafen einfach beide in deinem Bett und fertig. Es ist ja groß genug oder...“, Ginny hielt inne und beobachtete seinen Gesichtsausdruck, „ist dir das zu unangenehm?“
„Nein, nein, ist okay, das ist natürlich auch ne Möglichkeit!“ er lächelte sie leise an und dann legten sie sich beide ins Bett, es war inzwischen halb zwei und er war tot müde.
Am nächsten Morgen erwachte Harry ziemlich plötzlich und er bemerkte, wie er Ginny in den Armen hielt. Wann war das denn passiert? Am liebsten hätte er sie jetzt ruckartig losgelassen, aber dann hätte er sie geweckt. Seine Arme waren eingeschlafen, aber er wollte sie lieber nicht wecken, also verharrte er so eine Weile. Er schaute sich interessiert ihre Nackenhäarchen an und ein Schauer lief ihm über den Rücken. Aber er war angenehm. Er wusste nicht mehr, wovon er geträumt hat, was er als sehr angenehm empfand, denn dann war es recht wahrscheinlich, dass er keinen Albtraum gehabt hatte.
Er schaute wieder zu Ginny, erst da bemerkte er, dass ihre Haare offen waren. Sie hatte anscheinend im Schlaf ihr Haargummi verloren. Es wellte sich über ihren Rücken und ein Paar Haare kitzelten ihn, so dass er fast niesen musste. Wie schön es war sie in seinen Armen zu halten.
Er schaute auf die Uhr und musste lächeln. Es war grade mal halb sechs. Er konnte ruhig noch mal einschlafen.
Ginny flackerte mit den Augen, bevor sie sie ganz öffnete. Sie fühlte sich sehr geborgen und merkte plötzlich, dass sich zwei Arme um sie geschlungen hatten. Sie erschrak ein bisschen, bis ihr einfiel, dass sie in Harrys Bett lag. Sie schloss noch einmal die Augen und sog dieses angenehme Gefühl in sich hinein. Sie hat sich noch nie so beschützt gefühlt. Wenn Harry wüsste...
Um zehn Uhr streifte etwas sehr haariges Harrys Füße. Er wachte davon auf und zuckte etwas zusammen. Seine Arme schmerzten langsam wirklich. Er hatte sie nämlich immer noch um Ginny geschlungen.
„Krummbein! Verzieh dich! Du kitzelst mich!“, zischelte er ganz leise, weil er Ginny nicht wecken wollte, aber er schien sie trotzdem geweckt zu haben. Er hörte sie nämlich was flüstern.
„Harry? Bist du wach?“
„Ja...ähm... Ginny? Würde es dich stören, wenn ich jetzt meine Arme...ähm... zurück ziehen würde? Sie schmerzen ganz schön und ich glaube schon fast, dass sie blau angelaufen sind!“
Ginny lachte leise auf.
„Ja klar.“
Sie dreht sich um und Harry konnte nun seine Arme zurückziehen. Es fühlte sich unglaublich erleichternd an. Aber nun lag Ginny so, dass er ihr in die Augen schaute. So lagen sie dann eine Weile und starrten sich an und Harry überlegte, was er jetzt machen sollte. Er fühlte sich ganz zittrig und sein Herz schlug Purzelbäume. Man, so zerwühlt hat er sich lange nicht mehr gefühlt. Aber was war mit Cho? Liebte er nun sie oder Ginny? Oder keine von beiden? Um die Situation nicht eskalieren zu lassen erhob er sich ruckartig und meinte: „Ich finde, wir sollten mal schauen, was Hermine und Ron machen.“
Hörte er da ein Seufzen? Selbst wenn es so war, sie erhob sich ebenfalls und beide schlichen sich in ihr Zimmer. Von untern hörten sie Geschirr klirren. Dann einen ziemlichen Krach und ein paar laute Flüche.
„Mum hat wohl wieder die Teller fallen lassen. Das passiert ihr in letzter Zeit öfters!“
Als sie in ihr Zimmer kamen blieb ihnen der Atem weg. Da saßen Ron und Hermine, in einem gebührenden Abstand und spielten Karten. Es sah irgendwie nicht danach aus, als ob sie sich ausgesprochen hatten.
„Guten Morgen!“, klang es fröhlich von Hermine.
„Habt ihr gut geschlafen?“
Bildete Harry sich das jetzt ein oder warf Hermine Ginny einen fragenden Blick zu, den sie mit einem leichten Kopfschütteln beantwortete?
„Ja, eigentlich schon, meine Arme sind nur eingeschlafen und ihr?“
Hermine blickte ganz plötzlich wieder auf und lächelte in Ginnys Richtung. Hatte er jetzt Halluzinationen?
„Och wir haben eigentlich auch ganz gut geschlafen! Mir tut nur der Hals weh. Den habe ich mir wohl verrenkt.“, antwortete Ron mit einem leichten Gähnen. Er sah vielversprechend zu Harry. War heute der Tag der Augenkommunikation?
„Wollt ihr nicht mitspielen?“, fragte Hermine schnell. Wir haben gerade erst angefangen.
„Gerne, ihr müsst mir das Spiel nur kurz erklären!“, erwiderte Ginny.
Sie setzten sich dazu und nach einer kurzen Erklärung spielten sie tatsächlich eine Stunde lang Rommee.
Harry wunderte sich darüber ein bisschen, wie es ja kein magisches Spiel war und er eigentlich erwartet hatte, dass Ron so was niemals spielen würde.
So vergingen einige Tage. Sie aßen zum Frühstück, Mittag und Abendbrot etwas und waren die restliche Zeit draußen im Garten oder im Zimmer von Harry. Sie spielten Karten, redeten oder lernten für die Schule. Aber irgendwas fehlte Harry und nach vier Tagen wurde es ihm auch endlich bewusst. Ihm fehlte Ginny. Morgens, wenn er aufwachte, dann war das erste, was er merkte, dass sie nicht da war. Er träumte von ihr und morgens fragte er sich jedes Mal, ob er vielleicht doch mal die Hilfe von einem Heiler aufsuchen sollte. Vielleicht hatte er ja irgendwelche schlimmen Folgen erlitten, von denen er wirklich nichts bemerkt hatte, so, wie Mrs. Weasley es gesagt hatte.
Er ertappte sich selbst dabei, wie er jede Bewegung von Ginny beobachtete und wie er sie musterte, wenn sie sich bückte oder streckte. Dann zuckte er immer zusammen und guckte demonstrativ in eine andere Richtung. Cho hatte er immer noch nicht geschrieben, was wohl auch daran lag, dass er nicht wusste, was er ihr schreiben sollte. Er konnte schlecht schreiben:
Hey Cho,
es freut mich, dass du endlich jemanden gefunden hast, mit dem du deine Probleme besprechen konntest. Ich bin dir auch nicht böse, ich habe mich ja auch wie ein Idiot benommen, aber mir hat es auch gezeigt, dass ich dich wohl nicht genug liebe, sonst hätte ich mich doch viel mehr angestrengt. Ich hoffe DU bist jetzt nicht böse oder so, aber ich glaube, wir sollten einfach nur Freunde bleiben! Ich habe dich sehr gerne, aber ich liebe dich einfach nicht mehr. Ich hoffe du verstehst das.
Ich denke schon, dass ich noch schöne Ferien haben werde, ich bin jetzt bei den Weasleys. Wie war es denn in Schweden? Ich war noch nie im Ausland. Hast du vielleicht ein paar Bilder gemacht? Naja, ich wünsche dir auch noch schöne Ferien und würde mich freuen, wenn du trotzdem noch mit mir im Kontakt bleibst. Ich würde dich gerne als Freundin gewinnen, nur eben als normale Freundin.
Schöne Ferien noch!
Alles Gute
Harry
Aber warum nicht? Traute er sich bloß nicht die Karten offen auf den Tisch zu legen? Er beschloss genau diesen Brief zu verfassen und abzuschicken. Eine Stunde später hatte er es erledigt und fühlte sich unglaublich frei.
Hermine, Ron und Ginny sahen ihn erstaunt an, als er wieder auftauchte. Ihm fiel ein, dass er gar nicht gesagt hatte, wohin er gehen wollte.
„Da bist du ja, wir dachten schon, dass du die Nase nun von uns voll hättest und dich deshalb verkrochen hast!“, meinte Ron etwas steif.
„Quatsch. Ich habe Cho nur einen Brief geschrieben. Ich hatte irgendwie vergessen euch zu sagen, das ich gleich zurück bin.“
„Dein >gleich< hat ganz schön lange gedauert. Was hast du ihr denn geschrieben?“, fragte Hermine, unverschämt neugierig. Aber Harry verzieh ihr dafür, er wäre schließlich genauso neugierig gewesen, und erzählte den dreien alle von Cho und ihm. Als er geendet hatte, hatte er irgendwie das Gefühl, das alle erleichtert aufatmeten.
An jenem Abend trennten sich die Vier das erste mal. Ron und Harry gingen in Harrys Zimmer und Hermine und Ginny blieben in Ginnys Zimmer.
Als sich die beiden Jungs auf das Bett gesetzt hatten, schaute Ron Harry neugierig an.
„So, nun ist eine Woche vergangen, als ich dich um Hilfe bat, ist dir in der Zeit etwas brauchbares eingefallen?“
Harry fragte sich, ob Hermine Ginny jetzt das gleiche fragte.
„Erst mal habe ich eine Frage an dich. Was war los, als ihr Karten gespielt habt?“
„Was soll da gewesen sein? Wir haben halt Karten gespielt.“ Antwortete Ron etwas patzig.
„Und danach? Ginny und ich haben euch gesehen. Es war ein Bild für die Götter!“
Ron sah Harry entsetzt an.
„Du hast uns gesehen? Also gut, ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr so wirklich, was passiert ist. Ich weiß nur noch, das ich am Morgen aufgewacht bin und mich ganz erschrocken aufgesetzt habe. Davon ist Hermine natürlich aufgewacht. Sie hat mich ein bisschen entsetzt angesehen und ist dann weggerutscht. Ach einer Zeit hatte sie mich dann gefragt, ob wir wieder Karten spielen wollen und dann kamt ihr auch schon.“
„Soso, ... Ron! Warum hast du dich so angestellt? Hättest du sie im Arm gehalten, dann wäre sie vielleicht auch nicht weggerutscht und alles hätte sich von selbst geklärt.“
„Das glaube ich nicht. Sie hatte mich wirklich komisch angesehen. Ich glaube, es war ganz richtig, das ich mich schnell von ihr gelöst habe...“
Harry seufzte. Er wusste es natürlich besser, aber er konnte das ja nicht sagen. Also schwieg er und schaute sich interessiert die Wand hinter Ron an. An ihr hing der Wandteppich, der früher in Sirius Haus gehangen hatte.
„Harry? Was ist mit dir und meiner Schwester?“
„Hä?“
„Du weißt genau, was ich meine. Du schaust sie immer so an. Bist du...?“
„...ähm... ich weiß nicht. Manchmal glaube ich ja, und manchmal glaube ich nein.“
Er überlegte, ob er ihm von der Nacht erzählen sollte. Warum eigentlich nicht? Er war ja auch ehrlich zu Harry gewesen, aber dann erinnerte er sich an Rons Reaktion, als er erfahren hatte, dass sie mit Michael Corner zusammen war. Er sollte es trotzdem wagen...
„Ich muss dir was sagen Ron“, begann er und sein Gegenüber spitze seine Ohren. Er erzählte ihm von der Nacht, als er (also Ron) mit Hermine in Ginnys Zimmer geschlafen hatte und diese dann in seinem Bett übernachten wollte, aber die Tiere so verrückt gespielt hatten und eben den ganzen Kram, der danach passiert ist. Als er geendet hatte, war eine geschlagene Stunde vergangen, weil er keine einzige Gefühlsbeschreibung weggelassen hatte, um Ron klar zu machen, in welcher Situation er sich befand.
Erst schwieg Ron beharrlich, aber er schien amüsiert zu sein. Seine Mundwinkel zuckten nämlich. Nach einer Weile fing er dann an zu sprechen.
„Mann Junge, du bist über beide Ohren schwer verliebt! Das ist ja fast schon schlimmer, als bei mir!“ Und er grinste ihn an.
„Ja scheint so, aber du warst zuerst damit diesem Problem, also müssen wir deins auch zuerst lösen!“, meinte Harry bestimmt.
„Allerdings!“, antwortete Ron mit gespielter Hochnäsigkeit und stemmte die Hände in die Hüften.
„Aber ich habe keine Ahnung, was du machen könntest. Meine Vorschläge werden dir nämlich bestimmt nicht gefallen.“
„Egal, erzähl sie mir!“, forderte Ron.
„Also gut. Du könntest ihr einen Brief schreiben, oder es ihr einfach sagen. Du könntest jetzt zu ihr hingehen und sie einfach auf den Mund küssen. Oder... du gehst jetzt zu ihr, ich werde Ginny aus dem Zimmer lotsen, und schlägst ihr vor wieder mit ihr Karten zu spielen, du würdest gerne ein neues Spiel lernen. Dann spielt ihr so lange, bis ihr müde seid und...“
Ron sah ihn zweifelnd an. Ich bezweifle, dass wir noch mal in so einer verkorksten Situation aufwachen.“
„Aber es ist möglich. Warum versuchst du es nicht einfach?“
„Ich weiß nicht, ich habe wohl einfach Schiss!“, murmelte Ron sehr leise.
„Komisch, du willst dein Leben auf einem Schachbrett für mich opfern, du überwindest deine Angst zu Spinnen und steigst danach mit mir in eine grausame Kammer, du willst mir helfen gegen Sirius kämpfen helfen, obwohl du ein gebrochenes Bein hattest und du machst mich fertig, weil du im vierten Jahr keinen Bock mehr auf meine Berühmtheit hattest und du hast noch so viele andere Sachen getan, die wirklich mutig waren, aber so was bekommst du nicht hin?“, Harry steigerte sich immer mehr in seine kleine Rede hinein und hatte nur bei Sirius ein bisschen gestockt. Ihn zu erwähnen ist ihm ein bisschen schwergefallen.
„Du hast ja recht, okay, wir versuchen es. Aber wie willst du Ginny hinauslotsen?“
„Das wird nicht schwer, lass mich mal machen, aber versprich mir eins! Wenn es so klappt, dann benimm dich nicht wieder wie ein Idiot!“
„Versprochen!“
Zwei Stunden später saßen Harry und Ginny immer noch auf seinem Bett und unterhielten sich über das Verhalten von magischen Tieren. Ginny aus dem Zimmer zu lotsen war wirklich nicht schwer gewesen. Er hatte ihr einfach nur einen vielversprechenden Blick zugeworfen und sie war ihm ohne Fragen zu stellen gefolgt. Als sie an ihrem Zimmer vorbei gekommen waren sahen sie wieder diese Merkwürdige Kombination der Katzen und der Eulen.
„Ich muss wohl wieder bei dir schlafen Harry!“, hatte Ginny leichthin gesagt und Harry hatte bloß genickt.
Dann waren sie in sein Zimmer gegangen und hatten seit dem nicht aufgehört sich zu unterhalten. Sie wollten noch eine weitere Stunde warten, um dann zu schauen, wie es bei den beiden lief. Ginny hatte natürlich sofort verstanden, als er ihr diese Blick zugeworfen hatte. Sie hatte sich gefreut, dass er den selben Einfall gehabt hatte, wie sie.
„Kannst du dir ausmalen, warum sich Janis, Krummbein, Hedwig und Pig so komisch benehmen? Ich verstehe es einfach nicht, als ob sie fühlen würden, da...“, Ginny brach ab und schaute verlegen an die decke.
„Ja?“, hackte Harry nach.
„Nichts! Ist schon okay“, erwiderte Ginny etwas nervös.
Harry war zwar etwas skeptisch, aber dann ließ er doch ab.
„Ich weiß es nicht. Vielleicht spüren sie ja wirklich irgendwas, es sind schließlich magische Tiere, es ist nur die Frage was.“
„Genau!“, stimmte sie schnell zu und überlegte krampfhaft, wie sie das Thema wechseln sollte.
Harry schwieg. Er überlegte. Er hatte Ron indirekt einen Feigling genannt. Aber war er besser? Auch er schaffte es nicht ehrlich zu Ginny zu sein, außerdem beschäftigte ihn der Satz, den Ginny vor ca. einer Woche zu ihm gesagt hatte. Nein, ich bin doch in dich verliebt, das weißt du doch, aber deshalb wollte ich nicht mit dir reden. Hatte sie das ernst gemeint? Wenn ja, dann war sie wahrscheinlich die mutigste von ihnen allen.
„Harry? Worüber denkst du nach?“
„Was die beiden wohl machen“, log er schnell ohne auch nur annähernd rot zu werden.
„Ja, das frage ich mich auch, leider ist es noch zu früh. Die beiden schlafen höchstwahrscheinlich noch nicht.“
„Das glaube ich auch.“
„Und was wollen wir so lange machen? Etwa auch Karten spielen?“
„Klar, könne wir, ich habe zufällig auch einen Satz Karten.“
Ginny war überrascht, das hatte sie jetzt nicht erwartet. Eigentlich wollte sie gar nicht Karten spielen. Aber dann war das Angebot doch irgendwie verlockend.
„Kannst denn auch noch was anderes außer Rommee?“
„Ja...“
Sie verbrachten die nächsten zwei Stunden damit Canasta, Doppelkopf und Mau Mau zu spielen. Doch als es dann kurz vor Mitternacht war legte Harry plötzlich die Karten weg und schaute Ginny an. Sie bekam eine Gänsehaut, als sie ihm in die grünen Augen sah und zitterte ein bisschen.
„Ist dir kalt?“, fragte er führsorglich und rutschte zu ihr rüber um seinen Arm um sie zu legen. Sie hatte nur die karierte Hose ihres Schlafanzugs an und ein Top. Er war in Boxershorts und T-Shirt. Ein warmes Gefühl der Geborgenheit überkam sie. Am liebsten hätte sie die restliche Zeit ihres Lebens in dieser Haltung gesessen, aber das ging ja nicht.
„Wollen wir jetzt schauen, wie es den beiden geht?“
Ginny nickte, sie war schon ein bisschen müde, aber die Neugier siegte und sie erhob sich.
Diesmal war das Bild, was sich ihnen erbot, nicht ganz so schön, aber besser, als erwartet. Hermines Kopf lag auf Rons Bauch, Rons Hand auf ihrem Bauch. Sie sahen irgendwie süß zusammen aus. Ginny lächelte zufrieden. Wenn sie doch auch schon so weit wäre. Sie wusste nicht, wie Harry zu ihr stand. Hermine hat zwar gesagt, dass er sie auf jeden Fall mögen muss, weil er ihr sonst nie den Vorschlag gemacht hätte, mit in seinem Zimmer zu schlafen, aber sie zweifelte immer noch ein bisschen. Das heißt schließlich nichts. Aber es wunderte sie das Verhalten der Tiere wirklich. Fühlten sie wirklich, was Ginny sich wünschte und besetzten deshalb Rons Bett oder was war los?
Sie fühlte eine Hand, die nach ihrer griff, sie sah hoch und folgte Harry dann.
Als sie im Bett lagen starrten beide zur Decke und dachten nach. Jedes Mal, wenn sie dachten, der andere würde es nicht merken, rutschten sie näher an den anderen heran. Nach zehn Minuten berührten sich ihre Schultern. Harry ärgerte sich. Mein Gott, warum benehme ich mich nur so bescheuert? Er drehte sich zur Seite und musterte sie. Sie merkte das wohl, starrte aber stur zur Decke, sie bewunderte die Milchstraße und mit welcher Sorgfalt sie gemalt worden war. Aber nach fünf Minuten hielt sie nicht mehr aus, sie drehte sich ebenfalls und sah ihm nun in die grünen Augen und er in ihre blaugraugrünen zurück. Mein Gott, warum schaffe ich es nicht? Harry kämpfte mit sich. Sein Mut verließ ihn. Und er sollte ein Griffindor sein? Aber was ist, wenn sie gar nicht so fühlt wie er? Dann würde er sich zu Affen machen. Plötzlich streckte Ginny ihre Hände nach ihm aus und nahm ihm seine Brille ab.
„Oh, die habe ich ganz vergessen!“, er lächelte sie an und sie lächelte einfach nur zurück. Dann drehte sie sich zu seinem Nachttisch, um die Brille darauf zu legen. Sie wünschte sich jetzt sehnlich, dass er sie wieder so umarmte, wie vor einer Woche. Oder waren es jetzt doch schon zwei? Wie lange war Harry jetzt schon hier im Fuchsbau?
„Bitte, mach, dass er mich wieder so in den Armen hält, dann werde ich versprechen, dass ich ihn küssen werde ohne Angst zu haben, dass er mich zurückweist“, flüsterte Ginny in sich hinein. Wen bat sie da um so was?
Sie spürte, wie sie zwei Hände um ihre Taille schlangen. Harry zog sie an sich ran und sie spürte seinen Atem Oje! Ihr ganzer Körper kribbelte und sie musste den Atem anhalten, sonst hätte sie bestimmt hyperventiliert. Es fühlte sich wirklich gut an. Jetzt musste sie den Teil ihrer Abmachung einhalten. Moment... mit wem hatte sie diese Vereinbarung abgemacht, mit niemanden. Trotzdem hatte sie das Gefühl sie müsse sich an das Versprechen halten, was sie sich selbst gegeben hatte.
Harry war überrascht, dass er es geschafft hatte, seine Angst zu überwinden und sie einfach in den Arm genommen hatte. Jetzt fühlte er sich sicher, dabei war er es, der hier die Sicherheit symbolisierte, aber das war ihm gar nicht klar. Okay, dachte er, sie hatte sich nicht weggedreht oder ihn weggeschoben. Es schien sie nicht zu stören, nein, sie schien es irgendwie zu genießen. Sollte er jetzt noch einen Schritt weiter gehen, oder einfach nur warten? Er merkte, wie sie sich in seiner Umarmung drehte. Sollte er sie jetzt loslassen. Er lockerte seinen Griff.
„Nicht!“, flüsterte sie. Jetzt konnte sie ihn genau sehen. Seine grünen Augen, seine Nase, die nicht zu groß und nicht zu klein war, seine schwarzen, unordentlichen Haare, seine Blitznarbe. Sie strich mit einem Finger ganz sanft über seine Stirn, so leicht, dass er es kaum spürte. Dann betrachtete sie seinen Mund. Den hatte sie bis jetzt immer sorgfältig ausgelassen, wenn sie ihn betrachtet hatte. Plötzlich spürte sie seine Lippen auf ihren. Es war nicht mal klar, wer diesen Kuss angefangen hatte, aber beide waren erleichtert, endlich über den Schatten gesprungen zu sein. Harry merkte, dass dieser Kuss so ganz anders war als die, die er mit Cho erlebt hatte. Ginny ging es ähnlich. Michael hatte sie nie so geküsst. Woran lag das? Beide genossen den Augenblick, bis sie sich voneinander lösten. Wenige Minuten später waren beide eingeschlafen. Ihnen war gar nicht bewusst gewesen, wie müde sie eigentlich waren.
Am nächsten morgen erwachte Harry. Er sah alles verschwommen, seine Brille lag auf dem Nachttischchen, an den er jetzt nicht rankam, weil er sonst Ginny geweckt hätte. Er blickte zur Tür und sah dort zwei Personen. Er ahnte zwar, dass es Ron und Hermine waren, aber er war nicht sicher, es hätten auch Mr. Und Mrs. Weasley sein können. Aber dann merkte er, dass er einfach noch tot müde war und er fiel in die Kissen zurück und schlief weiter. Es war ja auch erst halb sieben, und sie haben erst spät geschlafen, im Gegensatz zu Hermine und Ron.
Es waren tatsächlich die beiden, die im Türrahmen standen. Rons Arm lag um Hermines Taille. Die beiden waren heute morgen aufgewacht und Ron war wieder kurz davor gewesen sich ruckartig zu erheben, aber er rief sich früh genug die Mahnungen von Harry ins Gedächtnis. „Wenn es so klappt, dann benehme dich nicht wieder wie ein Idiot!“ Er blieb also ruhig liegen und beobachtete Hermines Gesicht. Es war ihm nie aufgefallen, aber sie hatte ein paar ganz kleine Sommersprossen auf der Nase, als er fast fertig war sie zu Zählen, flackerten ihre Augen und sie wachte auf. Sie spürte sofort in welcher Position sie sich befand und sie war kurz davor aufzuschrecken und ans andere Ende des Bettes zu fliehen, aber dann fielen ihr wieder Ginnys Worte ein. „Ron wird denken du magst ihn nicht. Bleib liegen und warte, wenn nichts passiert, dann sag Guten Morgen. Es wird schon klappen!“ Sie blieb also ruhig liegen. Sie war schon soweit Ginnys Rat zu befolgen, als Ron als erstes den Mund aufgemacht hatte.
„Hast du gut geschlafen?“
„Ja, dein Bauch war ein besseres Kissen, als ich es mir ausgemalt hatte.“, antwortete Hermine und als ihr bewusst wurde, was sie da gesagt hatte wurde sie knallrot, aber Ron sagte darauf nichts. Er lächelte nur und fühlte sich eigenartig gut.
„Ja, du warst auch eine Wunderbare Decke!“, spielte Ron das Spiel weiter und die Röte verschwand aus Hermines Gesicht. Er machte sich also nicht über sie lustig, dachte sie erleichtert.
„Das will ich hoffen! Ich habe schließlich geübt. Extra für dich“, erwiderte sie darauf. So ging es eine ganze Weile, bis sie es so weit gebracht hatten, dass sie am Ende auf dem Boden lagen und sich nicht mehr halten konnten vor lachen und dann war es auch schon geschehen, der erste Kuss und alles ängstliche und unwohl sein verschwand im Nichts. Es war so ganz anders als bei Harry und Ginny passiert und doch lag da irgendeine Verbindung. Seit dieser Nacht, der Nacht der Gefühle, war das Band zwischen den Vieren gefestigt und schien eine Stabilität erreicht zu haben, die es vermochte, dass das Band nie reißen konnte.
Harry und Ginny erwachten erst um halb elf, und auch nur, weil Mrs. Weasleys Stimme so laut durchs Haus hallte, dass sie Tote hätte wecken können. Ginny und Harry fielen vor Schreck aus dem Bett und mussten dann willkürlich lachen. Harry küsste sie ohne Hemmungen auf den Mund und wünschten ihr einen Guten Morgen und fragte sie, ob sie gut geschlafen hatte.
„Wunderbar, leider muss Mum so eine laute Stimme haben, sonst hätte ich noch bis Weihnachten so weiterschlafen können. Naja, wir sollten uns vielleicht anziehen und dann nach unten gehen!“
„Ja, du hast recht,... wie es jetzt wohl mit Ron und Hermine läuft?“
„Recht gut, würde ich sagen!“, erklang es von der Tür.
Ginny und Harry sahen auf und erblickten Ron und Hermine und es war eindeutig was passiert. Leider hatte Harry immer noch seine Brille nicht auf, deshalb streckte er seine Hand aus, um sie sich zu angeln. Er setzte sie auf und grinste, als er das Bild endlich klar sah. Hermine hatte sich an Ron gelehnt und er hielt sie mit seinem Arm fest.
Ginny rappelte sich hoch und verschwand aus dem Zimmer. Hermine löste sich von Ron, gab ihm einen Kuss und folgte ihr. Ron sah zu Harry, der sich gerade anzog und grinste.
„Da haben wir es wohl beide geschafft, was?“, fragte Ron mit einem leisen Lachen in der Stimme
„Sieht so aus“, lachte Harry zurück, „wir sind schon tolle Hechte!“, fügte er dann nach kurzem Überlegen sarkastisch hinzu.
„Ja, wenn wir uns nicht gehabt hätten und uns so tolle Tipps gegeben hätten, dann hätte das wahrscheinlich nie geklappt.“
Harry wollte gerade sagen, dass Ron ihn nicht wirklich mit Tipp vollgestopft hatte, aber dann ließ er es doch sein. Es war ihm letztendlich sowieso egal.
Als sie nach unten kamen, wo Mrs. Weasley schon ungeduldig wartete, erwartete sie eine Überraschung. Am Tisch saßen außer Ginny und Hermine noch Dumbledore, Mr. Weasley, Charlie und Lupin. Sie begrüßten die beiden freundlich und dann wurden sie von Mrs. Weasley unsanft auf einen Stuhl geschubst.
„Harry, wir müssen gleich reden. Wir haben herausgefunden, wie der Schutz durchbrochen worden war!“, sagte Dumbledore, während er sich reichlich Marmelade auf sein Toast schmierte.
„Was...?“, wollte schon fragen, aber Dumbledore legte seinen Finger beschwichtigend auf seinen Mund. Er blickte panisch zu Ginny rüber und sie versuchte ihn mit einem Lächeln zu beruhigen.
„Nicht bei Tisch Harry, wir wollen jetzt erst mal in Ruhe frühstücken, dann klären wir alles weitere im geheimen Raum. Hermine, Ron und Ginny kommen mit. Es wird vielleicht ganz interessant, wie ihr das auffasst. Ich muss mit euch nämlich auch noch was anderes besprechen!“, dabei schaute Dumbledore sehr geheimnisvoll drein.
Während des Essens wurde weiter nicht viel gesprochen. Er beobachtete alle Anwesenden und bemerkte mit einem kleinen Schreck, wie Mrs. Weasley misstrauisch zu Hermine und Ron schaute, die, als sie es bemerkten, sich nicht mal mehr anschauten.
Harry wusste nicht im geringsten, wie Mrs. Weasley sich benahm, wenn eines ihrer Kinder eine Beziehung führte. Er wollte gar nicht wissen, wie sie reagieren würde, wenn sie wüsste, was mit ihm und ihrer Tochter ist. Aber das schien sie noch gar nicht bemerkt zu haben, was wohl daran lag, dass sie nicht nebeneinander saßen und so keine Möglichkeit hatten irgendetwas zu tun. Sie warfen sich nur gelegentlich Blicke zu. Hermine und Ron dagegen hatten sich die ganze Zeit mit ihren Blicken verschlungen und das ist Mrs. Weasley wohl aufgefallen. Als sie sich geräuspert hatte, hatten beide schnell in eine andere Richtung gesehen. Dumbledore beobachtete seine Schützlinge unauffällig und schmunzelte in sich hinein.
Nachdem Essen gingen alle in den Garten und die vier Freunde und Dumbledore begaben sich zum geheimen Raum. Dort angekommen bestürmten die Vier Dumbledore sofort mit Fragen, aber statt sie zu beantworten setzt er sich lächelnd auf einen Stuhl und schaute sie an.
„So, jetzt seid ihr erst mal still. Ich will euch jetzt erzählen, wie der Schutz durchbrochen werden konnte und dann muss ich euch was wichtiges Fragen.“
„Aber...“, wand Harry ein, doch Dumbledore unterbrach ihn mit einer schlichten Handbewegung.
„Jetzt sei ruhig und hör zu. Also:
Voldemort beschäftigt viele Zauberwissenschaftler unter dem Imperius-Fluch. Sie entdecken Gegenflüche oder erfinden neue. Die letzten Wochen waren sie damit beschäftigt, einen zu finden, der deinen Schutz durchzubrechen vermochte. Ein gewisser Adam Cronin fand etwas. Man müsste einen organischen Stoff deiner Familie in jemanden einpflanzen...“
„Wie bitte? Einen organischen Stoff von meiner Familie einpflanzen? Wie soll ich das verstehen?“, unterbrach ihn Harry empört.
„Es tut mir leid, Harry. Sie haben das Grab deiner Eltern geschändet und Knochenüberreste deiner Mutter mitgenommen...“, erklärte Dumbledore traurig. Harry wurde schlecht. Er schloss seinen Mund und versuchte sich darauf zu konzentrieren Dumbledore weiter zu zu hören.
„Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, ... und ihn dann mit einem alten ägyptischen Zauber belegen. Diese Person stirbt ein paar Wochen später, weil dieser Zauber schreckliche Schmerzen verursacht und den Zauberer entkräftet. Voldemort war also begeistert und belegte einen seiner etwas unwichtigeren Todesserinnen mit diesem Zauber, damit sie deine Straße sprengen würde. Das klappte auch, Gott sei Dank hatten wir unsere Informanten. Die Todesserin, die das angerichtet hat liegt jetzt in St. Mungo und unsere Heiler versuchen ein Gegenmittel für sie zu finden, aber es ist ziemlich hoffnungslos.“
„Wer ist diese Todesserin?“, fragte Hermine leise.
„Es ist nicht mal eine richtige Todesserin, sondern die Frau eines Todessers. Es ist...!“
„... Narcissa Malfoy?“, fragte Harry plötzlich und blickte Dumbledore erwartungsvoll an.
„Ja... woher weißt du das?“, Dumbledore war vollkommen verwirrt und blickte ihn neugierig an.
„Ich weiß es nicht, es war einfach auf einmal da. Wo ist Lucius?“
„Verschollen, genauso wie der Rest der Todesser. Harry, wir läuft es mit deiner Okklumentik?“
„Gut. Ich träume keinen realen Träume mehr, sonder habe immer nur den Albtraum von der Nacht in der Mysteriumsabteilung. Oder ich träume ziemlich kuriose Sachen, die gar keinen Sinn er geben.“
Er erinnerte sich an letzte Nacht, in der er von Kürbispasteten und Kürbissaft geträumt hatte. Er hatte im Traum einen Schlafanzug voller Kürbisse angehabt und musste schmunzeln, als er sich daran erinnerte. Doch nach kurzem Besinnen riss er sich zusammen und machte ein ernstes Gesicht.
„Aber wofür ist das wichtig?“
„Nun ja, ich muss wissen, ob ich mich länger in deiner Gegenwart aufhalten kann ohne befürchten zu müssen, dass irgendwas passiert.“
Alle fünf schwiegen eine Weile.
„Und was ist jetzt mit Malfoy? Ich mein...Draco Malfoy!“, wollte Ron wissen.
„Der hat doch jetzt gar niemanden mehr.“
„Sehr gut bemerkt Mr. Weasley. Nun, er wird erst mal auf dem Sitz seiner Eltern bleiben. Dort sind genug Menschen, die auf ihn ein Auge haben. Wenn er dann wieder zur Schule geht überlege ich mir was. Aber tut mir einen Gefallen, ja? Versucht einfach jedem Konflikt mit ihm aus dem Weg zu gehen, okay?“
„Professor Dumbledore! Er ist derjenige, der immer den Streit anfängt!“, protestierte Ron.
„Dann geht im gänzlich aus dem Weg!“, erwiderte Dumbledore.
„So, und nun muss ich euch fragen, ob ihr es euch zutraut neben der Schule eine Spezialausbildung zu machen? Dich Harry kann ich leider nicht fragen, du musst sie sowieso machen, aber ihr anderen drei müsst nicht, es wäre nur Vorteilhaft!“
„Wieso?“, fragte Ginny neugierig.
„Weil ihr einer besonderen Gefahr geliefert seid, dadurch, dass ihr mit Harry befreundet seid. ... Ja, auch du gehörst jetzt dazu Ginny. Ich hatte mich sowieso gewundert, wie lange ihr noch brauchen würdet.“
Ginny und Harry sahen sich an und wurden gleichzeitig rot. Hermine unterdrückte ein lautes Lachen und auch Ron presste seine Hand auf den Mund um nicht laut loszubrüllen.
„Voldemort hat eine Vorliebe dafür entwickelt Harry zu locken und zwar mit Menschen, die ihm sehr am Herzen liegen. Da gehörst du jetzt nun mal an die erste Stelle Ginny.“
Harry konnte es immer noch nicht fassen.
„Woher wissen sie das?“, fragte er vollkommen verblüfft.
„Oh, ich bin ganz gut in Legilimentik, das hatte ich dir ja schon mal gesagt, aber diese Fähigkeiten musste ich nicht einmal benutzen um deinen Gesichtsausdruck deuten zu können, den du beim Frühstück hattest.“
„Ich bin dabei!“, klang es aus der Ecke, in der Hermine stand.
„Ich auch!“, stimmte Ron zu, der ihre Hand ziemlich fest hielt, so fest, dass seine Knöchel hervor standen. Aber sie hatte damit anscheinend kein Problem, dass er ihre Hand fast zerquetschte. Es schien für sie eine Geste der Sicherheit zu sein.
„Ich bin doch jetzt erst im fünften Jahrgang! Für mich sind jetzt die ganzen ZAG´s dran und ich weiß nicht, ob ich das überhaupt schaffen kann.“ Ginny klang ziemlich verzweifelt.
„Gerade dir würde ich empfehlen mitzumachen. Du bist in größter Gefahr! Außerdem denke ich, dass dir die drei bestimmt helfen werden“, ermutigte Dumbledore sie.
„Okay, ich versuche es, aber ich brauche unbedingt eure Hilfe.“
„Na klar, das versteht sich von selbst!“, ertönte es aus drei Mündern.
„So, dann wäre da noch ein letztes... Harry, du wurdest von Professor McGonagall zum Mannschaftskapitän ernannt. Du solltest dir also schon mal überlegen, wie du die nun nicht besetzten Plätze am besten besetzt. Es fehlen zwei Jäger und zwei Treiber. Die beiden, die letztes Jahr George und Fred ersetzt hatten, sind leider zurückgetreten. Sie sagten, es sei ihnen zu gefährlich.“
Harry riss ungläubig die Augen auf.
„Ich? Mannschaftskapitän? Ich dachte, ich hätte Lebenslanges Spielverbot? Außerdem hat der Tag gar nicht genug Stunden, damit ich eine Mannschaft trainiere, eine Spezialausbildung mache UND mich auf die UTZ´s vorbereite. Oder soll ich aufhören zu schlafen? Wie stellen sie sich das vor??“
„Das Spielverbot wurde aufgehoben, das hat Minerva dir auch geschrieben, und ich habe größtes Vertrauen in dir, dass du das alles schaffst. Die Spezialausbildung wird übrigens hier stattfinden. Ich werde den Portschlüssel also nach Hogwarts bringen. Den Rest der Ferien müsst ihr dann wohl mit dem Garten vorlieb nehmen. Aber hier ist es ja sowieso nicht allzu schön, nicht wahr? Und nun müssen wir zurück. Ich habe Hunger.“
So schnell wie Dumbledore das Thema gewechselt hatte, waren sie auch wieder zurück.
Selbst im hintersten Teil des Gartens rochen sie schon das Essen, was Mrs. Weasley gekocht hatte.
Die nächsten Wochen gingen dahin und schneller als erwartet war die letzte Woche der Ferien erreicht. Sie hatten die Tage hauptsächlich mit Lernen und Hausaufgaben machen verbracht und hatten abends Karten gespielt. Hermine brachte ihnen noch eine Menge andere Spiele bei, auch Brettspiele. Ginny und Ron verloren kein Wort darüber, dass es Muggelspiele waren. Alle hatten ihren Spaß und wenn die Tiere der Meinung waren, dass es Zeit war, dass die Paare wieder mehr Zeit miteinander verbrachten, dann breiteten sie sich auf Rons Bett aus und ließen sich partout nicht hinunterlotsen.
Dann übernachtete Ginny wieder bei Harry und Ron und Hermine blieben in Ginnys Zimmer. Die Nächte genoss Harry ganz besonders. Meistens schliefen sie dann erst sehr spät, weil sie sich noch lange unterhielten. Ginny lag dann immer in seinen Armen und spürte, dass sie bei ihm wirklich Geborgenheit gefunden hat, ein Gefühl, was sie schon seit längerem vermisst hat. Nach einiger Zeit wussten sie so viel voneinander, als ob sie sich schon ihr ganzes Leben kennen würden. Sie kannten ihre Ängste, Träume und Freuden und konnten sich nach einigen Wochen schon fast ohne Worte verständigen.
Nach drei Wochen war es Mrs. Weasley aber zu bunt geworden und sie nahm die Vier beiseite, um mit ihnen ein ernstes Wort zu reden.
„Hört mal“, sagte sie, „Arthur und ich fühlen uns noch nicht alt genug um Großeltern zu werden. Stellt also bitte nichts Dummes an! Ich sehe es gar nicht gerne, wenn ihr zusammen in einem Bett übernachtet. Ginny, du bist sowieso viel zu jung dafür!“
Hermine und Harry sahen ziemlich erschrocken drein. Ron hatte eine Augenbraue hochgezogen und Ginny fing laut an zu lachen.
„Man Mum!“, rief sie, „wie kommst du nur auf solche Gedanken? Vom Küssen wird man doch nicht schwanger, wirklich nicht. Und mehr passiert doch gar nicht! Was glaubst du von uns?“
Darauf schien Mrs. Weasley keine Antwort zu haben und Hermine und Harry seufzten erleichtert auf.
So war dann also die letzte Woche gekommen und die Zeit, in die Winkelgasse zu gehen, um sich mit seinen neuen Schulbüchern einzudecken. Harry schaute stirnrunzelnd auf seine Liste. Er hatte Verteidigung gegen die dunklen Künste und Verwandlungen als Leistungskurs und Zaubertränke und Zauberkunst als Grundkurs gewählt. Seine Wahlkurse waren Dunkle Kreaturen und Grundwissen der magischen Heilung. Als er das Formular abgeschickt hatte, hatte er schon am nächsten Tag die Antwort. Zum einen die Bücherliste und zum andern eine Notiz von Snape. Er drohte ihm seine Eingeweide rauszureißen, wenn er sich nicht anstrengen würde. Außerdem musste er eine Nachprüfung ablegen, weil er in Snapes Augen zu schlecht abgeschlossen hatte. Er hatte gestöhnt, als er das gelesen hatte und hatte die ganze Zeit fast nur Zaubertränke gelernt. Hermine hatte ihm dabei ein bisschen geholfen.
Seine Bücherliste lautete wie folgt:
Miranda Habicht: Lehrbuch der Zaubersprüche, höchstes Niveau
Quentin Adamson: Lexikon der dunklen Kreaturen
Solveig Frankens: Zauberkunst der Meister
Catherine Janis: Erste Hilfe Zauber bei schweren Verletzungen
Claudius Stephens: Höchst Potente Zaubertränke
F. J. Marxs: Praktische defensive Magie und ihr Einsatz gegen die dunklen Künste, Band 1 - 6
Er runzelte die Stirn. Wie viele Bücher mochte er schon haben? Alleine durch die Schule bestimmt an die 40 Bücher. Er lächelte, als er merkte, das er sechs Bücher nicht kaufen musste. Sie standen oben in seinem Schrank und er konnte sie bereits auswendig, was ebenfalls ein Vorteil war. An das Buch von diesem Claudius Stephens erinnerte er sich auch. Er hatte es in seinem zweiten Jahr schon mal gesehen, damals hatten sie es für ihren Vielsaft gebraucht. Er blickte hoch und sah Hermine schmunzeln. Er wusste warum.
Sie hatten zusammen Zaubertränke, Zauberkunst, Verwandlung, Verteidigung gegen die dunklen Künste und Grundwissen der magischen Heilung. Sie hatte sich entschlossen auf einen Beruf im Krankenhaus zu streben. Mit Ron hatte er nur Dunkle Kreaturen und Verteidigung gegen die dunklen Künste zusammen. Er wollte seinem Bruder nachstreben und irgendetwas mit magischen Tieren machen.
So gingen sie also nach dem Frühstück am Donnerstag vor dem ersten Schultag in die Winkelgasse. Mrs. Weasley ließ sie alleine gehen. Sie hatte ihnen noch eine lange Einkaufsliste mitgegeben, mit Sachen, die sie noch besorgen sollte. Ein lautes Stöhnen vernahmen sie von Ron, als er die Liste in dem Empfang nahm.
„Mum! Wir brauchen den Hogwarts-Express um das alles tragen zu können!!“
„Oh Ronald, stell dich nicht so an. Das sind nur fünf Bücher, ein Umhang aus der Reinigung und ein paar Zutaten!“, gab Molly Weasley mit genervter Stimme von sich.
Fünf Minuten später hatten sich alle im Wohnzimmer vor dem Kamin versammelt. Harry erinnerte sich dunkel an seine erste Reise mit Flohpulver und schauderte bei dem Gedanken. Er mochte diese Art von Reisen nicht besonders.
Als alle in der Winkelgasse sicher angekommen waren, schaute sich Ron neugierig um.
„Ich weiß nicht, aber irgendwie finde ich das komisch. Letztes Jahr haben sie dich nicht ein einziges Mal unbeaufsichtigt gelassen und jetzt lassen sie dich alleine mit uns zur Winkelgasse, irgendetwas ist hier faul!“, meinte er leise.
„Ich glaube nicht, dass wir unbeobachtet sind, aber Dumbledore will uns das Gefühl von Freiheit und Selbstständigkeit geben“, erwiderte Hermine darauf wichtigtuerisch.
Sie schlenderten durch die Winkelgasse und machten als erstes bei Gringotts der Zauberbank halt. Sie teilten sich auf um schneller hier raus zu sein, weil sie alle die Gefährte der Kobolde nicht mochten und schnell wieder raus wollten. Weil Hermine keine Verlies hatte fuhr sie bei Harry mit, da Ron und Ginny nur zu einem Verlies mussten. Aber vorher gingen sie zu einem Schalter um Muggelgeld für Hermine zu wechseln. Ihre Eltern haben ihr welches mitgegeben, damit sie ihre Schulsachen kaufen konnte. Harry staunte nicht schlecht, als er endlich nach sechs Jahren erfuhr, wie viel Sickel ein Pfund waren. Für hundert Pfund bekam Hermine fünfzehn Galleonen und fünf Sickel. Sie steckte alles in ihre Handtasche und begab sich dann mit Harry zu seinem Verlies. Die fahrt war, so wie immer, rasend schnell und Harry war froh, dass er nicht so viel gefrühstückt hat. Als er sein Verlies öffnete erschrak ein wenig. Das Vermächtnis seiner Eltern hatte sich mehr als zur Hälfte reduziert. Es würde wohl gerade noch für seine beiden Schuljahre langen und dann vielleicht noch ein Jahr länger. Er raffte ein paar Galleonen zusammen und steckte sie in seine Tasche.
Die beiden Jungen atmeten tief ein, als sie wieder an die frische Luft kamen, es schien ihnen beide nicht so gut zu gehen, wenn sie durchgeschüttelt wurden. Den Mädchen schien es gut zu gehen.
Als erstes gingen sie zu Flourish&Blotts, um all die Bücher zu kaufen. Als sie rein kamen entdeckten sie einige Schüler aus ihrem Jahrgang. Seamus und Dean winkten ihnen zu und sie winkten zurück.
„Ach ne Harry, hast du dir jetzt doch Ginny geschnappt?“, kam es von Seamus spöttisch rüber.
Harry, der seinen Arm um Ginnys Taille gelegt hatte, drückte sie noch mehr an sich und funkelte ihn böse an. Der aber fasste das nicht böse auf und Harry entspannte sich wieder. Das war nur wieder einer von Seamus´ typischen Sprüchen und er achtete nicht weiter darauf. Das nächste Opfer von seinem Schulkamerad waren Ron und Hermine. Die beiden störte das aber noch weniger als Harry und die einzige Reaktion von Ron war, dass er Hermine einen Kuss gab, so dass Seamus vor erstaunen der Unterkiefer runterklappte. Dean kicherte leise und begrüßte die vier.
„Wie waren eure Ferien?“, fragte er und schaute lächelnd auf die vier.
„Ach, ich sehe schon... welche Kurse habt ihr belegt?“, fragte er dann und schaute sie erwartungsvoll an.
„Dunkle Kreaturen, Verwandlungen, Zaubertränke...“, antwortete Harry und schaute dabei angestrengt auf seine Liste.
„DU hast Zaubertränke freiwillig gewählt? Harry, du hast dieses Fach immer gehasst! Bist du sicher, dass du nicht unter irgendeinen Bann stehst?“, fragte Seamus ungläubig. Harry verstand ihn schon, er hat dieses Fach wirklich nie gemocht. Snape hasste Harry und er ihn. Trotzdem hatte er sich seid Sirius´ Tod in den Kopf gesetzt auf jeden Fall Auror zu werden. Niemand konnte ihn daran hindern, nicht einmal Snape. Er hätte es zwar auch gerne gesehen, wenn Zaubertränke nicht so wichtig wäre, aber wenn es nun mal wichtig war, dann würde er auch das überleben. Er musste schließlich nur noch zwei Jahre zur Schule.
„Ja Seamus. Ich entscheide aus freien Willen, so unwahrscheinlich das auch klingt. Ich brauche das später und mit Hermines Hilfe schaffe ich das schon!“ Und Harry sah zu Hermine rüber, die ihm zustimmend zunickte.
So unterhielten sie sich noch eine Weile und nach fast zwei Stunden verließen sie dann das Büchergeschäft und schlenderten zur Apotheke. Harry und Hermine brauchten wichtige Zutaten für dieses Schuljahr und Ginny musste ihren Routinevorrat erneuern. Auch Ron musste was besorgen und zwar für seine Mutter. Getrocknete Schleimpilze, Drachenmilch und Hippogreifkrallen sollte er in Rauen Mengen besorgen. Als sie auch das erledigt hatten, schlenderten sie zu Florean Fortescues Eissalon. Sie bestellten sich alle vier den Überraschungseisbecher (Seamus und Dean hatten sie kurz vor der Apotheke verlassen, weil sie ihre Eltern im Tropfenden Kessel treffen sollten).
„Wo müssen wir jetzt noch hin?“, fragte Ginny, während sie ihren Löffel nahm und von der ersten Kugel Eis probierte. Die Eiskugel war türkis und hatte kleine pinke Streusel um sich rum. Harry verzog das Gesicht, als er diese Farbzusammenstellung sah und Ginny zog ihre Stirn zusammen, als sie davon probierte. Sie sahen sich an und mussten sofort lachen.
„Zu Madam Malkiens und Weasleys Zauberhafte Zauberscherze. Ich habe Fred und George versprochen sie zu besuchen!“, beantwortete Ron Ginnys Frage. Die schien befriedigt und machte sich wieder an ihren Eisbecher. Es gab noch mehr Sorten, die so grausam aussahen, wie die türkis-pinke, aber immerhin schmeckten die besser.
Auch die anderen machten sich jetzt über ihr Eis her und wunderten sich über so manchen Geschmack.
Als Harry bezahlt hatte, er hatte die anderen eingeladen, denn er besaß immer noch mehr als die Weasleys, auch wenn sein Vorrat abgenommen hat, gingen sie los zu Madam Mallkiens. Während Ron zur Theke ging um den Umhang für seine Mutter zu holen gingen Ginny und Hermine zu der Abteilung, wo es die Ballkleider gab.
Dieses Jahr würden sie wieder auf den Weihnachtsball gehen, und da muss man ja dementsprechend bekleidet sein. In der Zeit, in der sie von einer jungen, blonden Hexe beraten wurden, stand Harry mitten im Geschäft und sah sich um. Würde sein einziger Festumhang noch passen? Es war zwei Jahre her, als er ihn das letzte Mal anhatte und er war in der Zeit noch ein paar Stücke gewachsen. Also war es ziemlich unwahrscheinlich. Er drehte sich so lange, bis seine Augen die Abteilung der Herrenmoden erblickten. Er schlenderte betont unauffällig dorthin und betrachtete die Angebotenen Stücke.
„Harry, du brauchst dir keinen neuen suchen. Fred und George hatten mir doch letztes Jahr ne ganze Garnitur Festumhänge geschenkt. Die kann ich eh nicht alle tragen und es ist einer dabei, der sich ganz furchtbar mit meinen Haaren beißt, da wollte ich dich eh fragen, ob du den haben willst“, hörte Harry eine Stimme hinter sich. Ron war unauffällig aufgetaucht und er war erleichtert, das er sich darum also nicht kümmern musste. Er nickte also und sagte noch: „Das wäre echt cool, Ron, ich hatte schon Angst ich müsste mich jetzt den Kleiderproblemen stellen. Sie lächelten sich an und begaben sich auf die Suche nach ihren Freundinnen.
„Hermine, glaubst, das könnte passen?“, fragte Ginny gerade, als Harry und Ron dazu kamen. Sie hielt ein schwarzes Kleid hoch, es war raffiniert bestickt, aber Harry wurde schlecht, als er die Kombination Ginny und schwarzes Kleid sah.
„Das macht dich blass, Ginny, nimm lieber ein farbenfroheres!“, riet Harry ihr und diese hob darauf erstaunt die Augenbraunen.
„Ich wusste gar nicht, das du dafür so ein gutes Auge hast Harry, aber du hast recht, es macht dich wirklich blass, Ginny!“, trug Hermine bei.
„Ihr werdet wohl recht haben“, meinte Ginny lachend und hängte es wieder weg. Aber fünf Minuten hatte sie schon ein neues auserwählt und diesmal blieb Harry die Spucke weg. Es war Tannengrün und aus einem samtartigen Stoff. Der Ausschnitt war sehr breit, so dass die Schultern frei blieben, die Ärmel gingen bis zum Ellenbogen.. Am Rücken wurde es gebunden und es war mit einem silbernen Faden bestickt. Ginny würde darin klasse aussehen.
„Und das?“, fragte sie in einem unsicheren Ton in Richtung Hermine.
Diese blickte zu Harry und lachte.
„Harry scheint die Sprache verloren zu haben, es sieht wirklich toll aus, probier es mal an!“, Ginny verschwand hinter einem Vorhang und Harry stand immer noch wie in Trance mitten im Laden und kam erst wieder in die richtige Welt zurück, als Ron ihn wachrüttelte.
„Man Alter, dich hat´s wirklich erwischt. Wenn sie das Kleid nimmt, dann werdet ihr zusammen toll aussehen. Der Umhang für dich ist nämlich weinrot.“
Harry konnte sich immer noch nicht bewegen und sagen anscheinend auch nicht. Und als Ginny zum Vorschein kam fiel er fast in Ohnmacht. So schön war sie.
Ginny entschloss sich das Kleid zu kaufen und verlor somit ihr ganzes Erspartes, aber es war ihr egal. Sie wusste, das ihre Mum das nicht verstehen wird, aber sie musste es halt haben.
Als Ginny und Hermine bezahlt haben, Hermine hatte sich ein lavendelfarbenes Miederkleid ausgesucht, in dem sie genauso toll aussah, wie Ginny in dem tannengrünen. Ron wurde in einen ähnlichen Schockzustand versetz wie Harry und diesem fiel darauf nichts besseres ein als: „Man Alter, dich hat´s ganz schön erwischt!“
Nachdem sie ihre Besorgungen in Madam Mallkiens Geschäft erledigt hatten, schlenderten sie auf die Nr. 93 zu, in der sich der Laden der Weasley-Zwillinge befinden sollte.
Von außen sah der Laden eher nicht viel versprechend aus, aber sobald man drinnen war, wusste man, die Besitzer dieses Geschäft wussten, was sie tun. Der Laden war klein. Alle Wände waren mit Regalen zugestellt in denen alle möglichen Süßigkeiten mit Nebenwirkungen standen. Natürlich war auch ein Regal für die Weasleyfeuerwerkskörper da. Den Rest der Scherzartikel war Harry unbekannt, aber er fühlte sich trotzdem sofort wohl. Eine sommersprossige, rothaarige Person erschien aus einem Hinterraum, der mit einem Vorhang abgetrennt war, und trug eine Kiste im Arm.
„Fred! Hey, wie geht es dir?“, fragte Ron freudig.
Der junge Mann mit der Kiste im Arm blickte hoch und ein breites Grinsen huschte über sein Gesicht. Ihm war nicht entgangen, das er und Hermine sich an den Händen hielten.
„So, unser werter Bruder und unsere werte Schwester besuchen uns auch mal wieder? Und sie sind sogar in Begleitung gekommen... Hey George! Besuch!“, den letzen Teil brüllte er in die Richtung, aus der er gerade gekommen war.
Ein zweiter junger Mann, nicht minder sommersprossig, trat durch den Vorhang.
„Ron, Ginny! Cool das ihr vorbei kommst! Ach, ihr beide auch hier? Schön...“ George entblößte eine Reihe blitzender Zähne, als er grinste. So standen die Vier eine Weile schweigend mitten im Laden, aber es störte nicht weiter, es war nicht gerade viel Betrieb.
Nach einer Weile brach Ginny das Schweigen.
„Wie läuft euer Laden? Ich hoffe normaler Weise besser, als jetzt.“
Sie schaute demonstrativ um sich herum. Fred merkte das wohl.
„Das meiste Geld nehmen wir über Bestellungen ein. Ihr glaubt gar nicht wie viele Kunden wir aus Hogwarts haben! Anscheinend gefielen ihnen unsere Sachen. Die Nasch-und-Schwänz-Leckerreinen laufen wie am Schnürchen und machen den meisten Umsatz aus.“
Hermine runzelte missbilligend die Stirn. Schon in Hogwarts hatte sie so ihre Probleme im Kampf gegen die Weasley Scherzartikel. Aber hier konnte sie nichts mehr sagen. Die Schüler kauften sie freiwillig, und nun war sie ja nicht mehr Vertrauensschülerin für Fred und George.
George schaute auf die Uhr.
„Oh Mann, schon so spät! Wir haben eigentlich seid zehn Minuten Ladenschluss.“ Er ging zur Tür und hängte ein ´Closed-Schild` davor.
„Kommt, im Hinterzimmer haben wir Kaffee und Tee und eine gemütliche Sitzgarnitur“, meinte George augenzwinkernd. Die Vier folgten ihm also und erblickten ein kleines Zimmer. Es war mit Regalen vollgestopft, die wiederum mit Büchern, allerlei Geräten und Süßigkeiten vollgestopft waren. In der Mitte des Raumes war ein kleiner Eichentisch umstellt mit zwei Sofas und einen Sessel. Fred kam mit Tee und Kaffe aus einem noch weiterem Hinterzimmer und stellte die Kannen mit einer Schüssel Keksen auf den Tisch. Dann setzte er sich in den Sessel und schaute die anderen erwartungsvoll an. Langsam setzten sie sich Bewegung und nahmen ebenfalls Platz. Harry und Ginny setzten sich auf das kleinere Sofa, die anderen drei auf das größere. George schenkte ein und fing eine Unterhaltung an. Sie redeten bis in die Nacht über belangsloses und interessantes Zeug, die Kekse rührte keiner an, mit Grund, könnte man sagen. - Wer weiß was die Zwillinge da rein getan haben? Und schließlich aßen sie ja auch nichts davon. – Aber Tee wurde reichlich getrunken. Als es dann aber langsam Mittenacht wurde schreckte Ron schließlich hoch. Hermine, die sich an ihn gelehnt hatte wurde nach vorne geschubst und landete unsanft auf dem Boden.
„Man Ron, sag doch, wenn du aufstehen willst!“, meckerte sie ihn an.
„Tschuldigung!“, murmelte er, besann sich dann aber und meinte zu den Anwesenden: „Wir müssen jetzt wirklich los, Mum kriegt die Kriese. Die hat bestimmt schon das Ministerium benachrichtigt. Ihr kennt sie doch.“
Harry nickte. Er kannte Mrs. Weasley nun schon fünf Jahre und kannte ihr Temperament und ihre Stimmungsschwankungen. Er schüttelte Ginny sanft wach. Sie war im Schutz seiner Arme eingeschlafen und ließ sich nur schwer wecken. Nach mehreren Minuten des Schütteln öffnete sie endlich ihre Augen und blickte Harry erstaunt an.
„Wir müssen langsam mal wieder heim!“, meinte er sanft und Ginny nickte leicht mit ihrem Kopf, aber beim Aufstehen versagten ihre Beine. Sie war wirklich müde. Zwei Arme schlangen sie um ihren Körper und hoben sie hoch.
„Harry!“, lachte sie, „ich bin doch viel zu schwer!“
„Gar nicht wahr! Du bist ein Fliegengewicht!“, und er hob sie noch höher um ihr zu beweisen, dass er Recht hatte.
Sie folgten Fred, der sie ihn den zweiten Hinterraum brachte. Dort war das Zimmer von Fred. Es stand groß und unübersehbar an der Tür. Ein Kamin gab dem Zimmer eine behagliche Aura.
„Fuchsbau!“, riefen die Vier hintereinander und weg waren sie.
„Hättest du geglaubt, das Hermine und Ron zusammenfinden würden? Oder Ginny und Harry? Ich dachte immer, dass sie sich auf ewig heimlich lieben würden ohne es sich jemals zu gestehen!“, meinte Fred, als zum letzten mal eine grüne Flamme aufgekommen war und Ron verschluckt hatte.
„Nee, nicht wirklich. Aber ich bin froh, dass sie es geschafft haben. Es war schon nicht mehr mit anzusehen, wie Ron durch die Welt gewandelt war. Mit sooo einem Gesicht!“, meinte George darauf und demonstrierte mit seinen Händen die Länge von Rons früherem Gesicht.
„Wisst ihr eigentlich, was ich mir für Sorgen gemacht habe? Es ist Mitternacht Ron! Wo habt ihr euch rumgetrieben? Nun red schon!“, empfing sie Mrs. Weasley mit einem unglaublichen Gebrüll.
Ron, den man schon fast als Riese bezeichnen konnte (er war immerhin 1,92 m groß) schrumpfte in sich zusammen und gab eine kleinlaute Antwort von sich.
„Sorry Mum, wir haben uns bei Fred und George einfach verquatscht. Es tut mir leid!“
„Einfach so verquatscht? Sag mal, wie alt bist du eigentlich? Kannst du die Uhr nicht lesen? Ich weiß ganz zufällig, das bei Fred und George eine riesige Standuhr im Wohnzimmer steht!“
„Ich habe einfach nicht darauf geachtet, okay? Ich geh jetzt zu Bett! Hier sind deine Bücher, deine Zutaten und dein Umhang!“
Mit diesen Worten ging Ron aus dem Zimmer und stiefelte die Treppe hoch in sein Zimmer, Hermine schlich ihm unauffällig hinterher und schloss die Tür.
„Ihr beide geht auch ins Bett!“, herrschte Mrs. Weasley die beiden übrigen an.
Ginny schnitt eine Grimasse und zog Harry hinter sich her. Sie zog ihn in ihr Zimmer und schloss die Tür. Diesmal gingen die beiden verhältnismäßig früh ins Bett. Das Bett war größer als seins und Harry ärgerte sich, dass er das nicht schon eher gemerkt hatte. Er gab seiner Freundin einen langen, zärtlichen Gutenachtkuss und wenige Minuten später waren beide eingeschlafen. Vorher hatte sich Harry noch konzentriert, um seinen Geist zu verschließen, bevor er dabei eingeschlafen war.
Im Nachtbarzimmer waren aber noch zwei wache Personen. Hermine saß apathisch auf Rons Bett und starrte auf ihren Freund. Dieser stand vor ihr und schaute in ihre wunderschönen Augen.
„Lass uns was spielen, ich bin noch nicht müde!“, meinte er nach einer Weile zu ihr. Sie nickte ohne zu realisieren, was sie da eigentlich tat.
„Was denn?“, fragte sie und zwang sich in die Gegenwart zurückzukommen.
„Rommee, das haben wir lange nicht mehr gespielt!“, meinte er, holte die Karten und teilte aus.
„Okay, aber wir müssen das Spiel verschärfen. Langsam wird es nämlich auf die herkömmliche Art langweilig!“, meinte Hermine nun, die jetzt wieder voll anwesend war und sich zu ihrem Schatz auf den Boden setzte.
„Und was stellst du dir darunter vor?“, fragte Ron unsicher. Er kannte Hermine nun schon lange und wusste, dass was unerwartetes passierte, wenn sie diesen einen Gesichtsausdruck hatte.
„Der Verlierer muss den Gewinner morgen mit etwas unglaublichen überraschen! Mit etwas, was ihn von der Schule ablenkt, die ja nun in zwei Tagen anfängt!“
„Hermine, du weißt jetzt schon, dass ich verlieren werde! Ich bin nicht so ein intellektueller Mensch wie du, deshalb kann ich mir auch nicht so schnell was aus den Rippen schneiden! Du wirst dich dann mit einer mittelmäßigen Überraschung begnügen müssen!“, konterte Ron verzweifelt.
„Wer sagt, dass ich gewinne? Außerdem muss man kein intellektueller Mensch sein, um Kreativität mit Fantasie zu vermischen!“, meinte Hermine altklug und hob zum Spaß ihre Nase.
Ein Lachen erklang aus Rons Kehle und er musste automatisch husten, als Hermine ihn ohne vorzuwarnen küsste und er sich am Lachen verschluckte, jetzt war Hermine an der Reihe zu lachen.
Sie spielten bis in den frühen morgen, das war die erste Nacht, die sie so richtig nutzen, aber sie kannten trotzdem die innersten Gefühle des anderen, auch wenn sie sich nie so ausgesprochen haben wie Ginny und Harry und ohne Worte konnten sie sich auch unterhalten.
Das war auch die erste Nacht in der Ron gar nicht so schlecht spielte und einige Male sogar führte. Zu seinem Pech wurde er von Hermine aber immer wieder eingeholt.
Es war vier Uhr morgens und es stand gleich. Nach dieser Runde wollten sie aufhören. Beide hatten eine Stirnfalte im Gesicht, sosehr konzentrierten sie sich.
„Ha! Ein Joker! Ich habe gewonnen!“, rief Ron plötzlich und zeigte Hermine triumphierend die Karte, die er gerade gezogen hatte. Beide hatten nur noch eine Karte auf der Hand gehabt und Hermine ließ ein bisschen enttäuscht ihre Pikzwei sinken.
„Da hast du Recht, ich habe wirklich verloren... ich weiß doch gar nicht, womit ich dich überraschen soll!“, meinte Hermine etwas verwirrt, sie konnte es wohl nicht fassen, das sie mit zwei Punkten im Rückstand verloren hatte.
Ron grinste hämisch und zog se an sich ran. Sie spürte seine Lippen auf ihren. Schnell schloss sie die Augen und genoss dieses Gefühl. Kleine Feuerwerkskörper explodierten in ihrem Bauch und sie hatte das Gefühl, sie schwebe über den Wolken. Ron ging es nicht anders. Sie waren zwar noch nicht über die Stufe „NuraufdenMundundohneZungeküssen“ gekommen, aber trotzdem waren ihr Küsse ausdrucksstark und unheimlich aufregend. Aber Hermine verspürte auf einmal den Drang etwas neues auszuprobieren und brachte die Zunge mit ins Spiel.
Keiner weiß, wie lange sie dort saßen und sich küssten, aber irgendwann löste er sich und sagte: „Dir wird schon was einfallen! Du musst nur Kreativität mit Fantasie verbinden!“
Zwinkernd lächelte er sie an.
„Du, wir müssen, glaub ich, mal ins Bett! Ich geh nur kurz in Ginnys Zimmer und hol meine Sachen, okay?“, schweifte Hermine vom Thema ab und war auch schon verschwunden. Ron blieb verwirrt und durcheinander zurück. Diese neue Art zu küssen hatte ihn doch irgendwie benebelt und aus der Fassung gebracht. Er taumelte zum Bett und legte sich hin.
Hermine öffnete leise die knarrende Tür. Dort lagen sie. Ginny in Harrys Armen. Wie oft hatte sie das schon gesehen? Es sah zu süß aus. Leise lächelnd schnappte sie sich ihre Sachen und verschwand wieder. Wie sollte sie Ron bloß morgen, bzw. heute überraschen? Sie war felsenfest davon überzeugt gewesen, dass sie gewinnen würde. Und nun hatte sie ein Problem zu bewältigen, dem sie nicht gewachsen war. Darin war Ron nun mal wesentlich besser. Überraschen tat er sie jeden Tag, oft ohne das er es merkte, sie dagegen war so langweilig. Sie verstand gar nicht, wie er es mit ihr aushielt. Sie war einfach nur furchtbar besserwisserisch und viel zu perfektionistisch. Worüber würde er sich freuen? Über ein Frühstück? Oder ein Spaziergang mit... hmm, ja, womit?
„Am Besten ich frag morgen Harry oder Ginny, die wissen bestimmt was!“, dachte sie sich und ging forsch in Rons Zimmer. Da lag er, ausgestreckt auf dem Bett. Die Augen zu und der Mund offen. Sie musste automatisch lachen, zog sich in Windeseile um und sprang dann mit voller Wucht aufs Bett. Ron fiel fast aus dem Bett vor Schreck.
„Musst du mich so erschrecken? Ich kann jetzt bestimmt nicht schlafen! Dafür musst du jetzt bestraft werden!“, rief er flüsternd und jagte sie durchs Zimmer um sie zu kitzeln. Wenn die Wand nicht gewesen wäre, dann hätte sie es vielleicht sogar geschafft ihm zu entkommen, aber so gab es keine Chance. Er packte sie und kitzelte sie, bis sie vor Lachen keine Luft mehr bekamen. Es war ja nicht so, dass sie sich nicht wehrte. Beide sackten, immer noch kichernd, zusammen und versuchten sich zu beruhigen.
„Hoffentlich hat uns keiner gehört!“, flüsterte Hermine etwas beunruhigt.
„Das ist recht unwahrscheinlich. Selbst wenn wir hier rumschreien und brüllen würden, würde uns keiner hören. Fred und George haben in allen Kinderzimmern ein Schallzauber angebracht. Vor ca. drei Monaten. Mum hatte sie drum gebeten. Du musst also keine Angst haben!“, erklärte Ron ihr und sie beruhigte sich wirklich.
Nach einer Weile nahm Ron sie in seine Arme und trug sie zum Bett rüber. Sorgsam darauf achtend, dass ihr Nachthemd auch ja nicht zu sehr nach oben rutschte, legte er sie behutsam aufs Bett und deckte sie zu. Früher hatte ihr Vater das auch immer gemacht, sie genoss dieses Gefühl der Geborgenheit und kuschelte sich in das überdimensionale Kissen.
Ron ging ums Bett herum und legte sich neben sie.
„So, jetzt musst du mich leider noch mit unter die Decke nehmen. Hier habe ich nämlich nur eine, und nicht zwei, sowie bei Ginny“, meinte Ron und zeigte ihr mit seinen Händen, dass er frierte.
Hermine öffnete die Decke und Ron rutschte näher, damit er auch darunter Platz fand. Ihr Körper hatte sie vorgewärmt und so frierte er ziemlich schnell nicht mehr.
Plötzlich merkte er zwei schmale, kühle Hände, die sich um seine legten. Sie zogen seine um ihre Taille und ruhten dann noch eine Weile auf seinen, bis er kapierte, dass er sie an sich ranziehen sollte. So schliefen sie dann um fünf Uhr morgens ein, dem anderen zeigend, wie sehr man ihn brauchte.
Obwohl sie sehr wenig geschlafen hatte, wachte Hermine, so wie jeden Morgen, um sieben auf und war schlagartig nicht mehr müde. Sie dreht sich in Ron Umarmung, und küsste ihren Schatz wach, der murrte, so wie jeden Morgen, und blinzelte sie empört an.
„Hermine! Wir haben zwei Stunden geschlafen! Soll ich beim Frühstück tot umfallen? Bitte lass mich noch mindestens zwei Stunden schlafen!“, stöhnte Ron und war auch schon wieder eingeschlafen. Das kam Hermine nur Recht, sie sprang aus dem Bett und schnappte ihre Sachen. Dann rannte sie ins Bad, riss sich die Klamotten vom Leib und sprang unter die Dusche.
Als sie im Bad fertig war, schlich sie in Ginnys Zimmer. Die Beiden waren schon wach, naja, sie sind ja auch früher im Bett gewesen. Sie saßen auf dem Bett und lachten gerade, als Hermine die Tür schloss.
„Guten Morgen!“, rief sie fröhlich und die Beiden wünschten ihr auch einen guten Morgen.
„Ich brauche eure Hilfe! Ich habe mit Ron gestern Rommee gespielt und wir haben abgemacht, dass der Verlierer dem Gewinner heute überrascht. Nun, ich habe mit zwei Punkten im Rückstand verloren. Ich weiß aber gar nicht, was ich ihm schenken könnte!“, bat sie die beiden.
„Die einzige Hilfe, die ich dir geben kann ist, dass er furchtbar gerne isst. Erst recht Sachen, die viel Fett und Zucker haben. Das ist sogar sein zweites Hobby, gleich danach kommt Quidditch und danach vielleicht lachen, dann schlafen... ach, ich weiß es nicht“, antwortete Ginny, da es aussah, als ob Harry gar nichts mehr sagen würde.
„Und was ist sein erstes Hobby?“, fragte Hermine neugierig.
Jetzt fuhr Harry aber entrüstet hoch.
„Was glaubst du wohl? Dich verwöhnen, für dich da sein, dich zum Lachen bringen... kurz gesagt: DU bist sein liebstes Hobby.“
Das erstaunte sie jetzt aber doch. Das hatte sie eigentlich nicht erwartet und so merkte sie, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg.
„Hmmm... danke für die Hilfe. Ich werde mal schauen, was sich daraus machen lässt!“
Sie verschwand aus dem Zimmer und hüpfte die Treppe runter, um Mrs. Weasley in der Küche zu helfen.
Harry und Ginny spielten schon eine Weile schweigend Karten. Hermine war schon vor einer Weile gegangen. Von unten hörte man Geschirr klappern und Stimmen. Plötzlich hielt Ginny es nicht mehr aus und brach das Schweigen.
„Was ihr wohl durch den Kopf ging?“, fragte sie.
„Keine Ahnung. Vielleicht schenkt sie ihm ein Restaurantbesuch?“, bekam sie nur zur Antwort.
„Was ist ein Restaurant?“
„Etwas ähnliches wie der Tropfende Kessel, nur, dass es dort wesentlich eleganter ist und chices Essen gibt!“
Ginny musste bei der Vorstellung lachen, dass Ron, in elegante Muggelkleidung gehüllt in einem noblem Restaurant saß und Suppe von einem vergoldetem Löffel schlürfte.
„Was lachst du?“, fragte er neugierig.
„Ach nichts, ich habe mir Ron nur gerade in solch einer Situation vorgestellt. Es würde nicht zu ihn passen und ich glaube, Hermine weiß das. Sie wird sich was anderes gedacht haben.“
„Wir könnten ja einfach runter gehen und sie fragen!“, schlug Harry mit einem unschuldigem Lächeln vor.
„Oder wir lassen es einfach. Es geht uns nichts an. Lass uns lieber was vernünftiges machen. Noch mal für Zaubertränke lernen oder so“, erwiderte Ginny vernünftig.
„Glaub mir Ginny, du ähnelst Hermine von Tag zu Tag mehr. Lernen ist jetzt eine ganz schlechte Idee. Ich möchte heute noch Spaß haben! Morgen müssen wir zum Hogwarts-Express und dann fängt Schule an, ich finde, dann lernen wir noch genug!“, meinte Harry aufgebracht und schaute trotzig in Ginnys Augen.
Sie lachte laut auf und konnte sich einfach nicht mehr einkriegen.
„Was bitte, ist daran jetzt lustig?“
Nach einigen weiteren Lachern presste Ginny heraus: „Du hast das echt ernstgenommen? Für wie strebsam hältst du mich?????“
Und sie lachte weiter und jetzt, wo er den Witz erkannte, musste Harry auch lachen. Ihr Lachen war ziemlich ansteckend und so extrem hatte er sie noch nie lachen gehört. Es hörte sich viel tiefer an als das, was er gewohnt war. Ihr liefen die Lachtränen übers Gesicht und so ging es eine ganz schöne Zeit weiter.
Als sie sich dann irgendwann beruhigt hatten, hob Harry den Kopf und sah intensiv in Ginnys Augen.
„Du bist wunderschön Gin! Weißt du das? Und auch noch intelligent, lustig und... ich will dich nie wieder hergeben!“ – Ginny schauderte, als er sie Gin nannte. Sie mochte diesen Namen lieber. Das letzte mal hatte sie George so genannt, aber es war Ewigkeiten her. –
Und er nahm sie in seine Arme und küsste sie lange und zärtlich.
Auch ihre Küsse waren aufregend und bedeutungsvoll, nur das sie das erste Stadium doch schon eine Zeit überschritten hatten.
„Ich finde, wir sollten jetzt doch runter zum Frühstücken gehen, aber vorher möchte ich Ron ärgern!“, sagte Gin dann endlich, als sie sich von diesem unglaublichen Kuss gelöst hatte.
„Wie meinst du das?“, wollte Harry wissen. Ihm war nicht ganz wohl bei der Sache, nicht, wenn Ginny so einen Gesichtsausdruck hatte.
„Du weißt doch, was er für ein Morgenmuffel ist. Es wird einen Heidenspaß machen, ihn aus dem Bett zu kitzeln!“ Und sie ging kichernd aus dem Zimmer, er folgte ihr.
Doch leider wurde sie enttäuscht. Rons Bett war leer, als sie sein Zimmer erreichten.
„Er ist wohl schon aufgestanden“, meinte Harry schulternzuckend und so begaben sich die beiden nach unten in die Küche.
In der Zeit, als Harry und Gin oben gewesen waren und Ron unter der Dusche – Hermine hat gehört, wie die Dusche angemacht worden war – unterhielt sie sich mit Mrs. Weasley, wie sie ein Picknick am Besten organisieren konnte. Rons Mutter war von der Idee begeistert und versprach ihr tüchtig zu helfen. Sie kramte in ihrem Gedächtnis nach den Lieblingsspeisen ihres Sohnes und stellte mit Hermine eine Liste zusammen.
Dann holte sie einen Korb, bereitet mit Hermine ein Paar Gerichte zu, und verstaute es darin. Mit einem Wärmezauber verhexte sie das Essen so, das es lange warm blieb. Dann legte sie noch eine Decke, zwei Kissen und eine Uhr dazu.
„Wenn ihr bis Mitternacht nicht zurück seid, dann werde ich euer Verschwinden beim Ministerium melden!“, meinte Mrs. Weasley scherzhaft.
„Ihr müsst morgen schließlich früh raus! Habt ihr eigentlich schon gepackt?“
Hermine nickte. Sie hatte heute morgen noch ihre neuen Bücher in den Koffer geworfen und hatte ihn dann ganz schnell geschlossen. Ungefähr so wie die anderen.
Mrs. Weasley stellte den Korb an die Tür und kehrte zum Küchentisch zurück.
„Nach dem Frühstück“, fuhr sie fort, „werde ich dir einen Ort zeigen an dem ihr garantiert ungestört sein werdet. Eine Wiese am Rand eines Waldes. Hinter euch hört ihr den Fluss rauschen und die Vögel zwitschern und nachts ist immer ein sternenklarer Himmel. Gleich hinter dem Fluss steht ein kleines Häuschen. Es hat ein rotes Dach und der Garten ist voller gut riechender Kräuter. Im Wald leben Einhörner und Feen. Ich kenne keinen anderen Ort, der so viel Harmonie besitzt.“
Je mehr sie von diesem Ort erzählte, desto verträumter schaute sie aus. Nach einigen Minuten schwenkte Hermine ihre Hand vor Mrs. Weasleys Gesicht und fragte sie besorgt, ob alles in Ordnung sei.
„Oh ja, klar. Weißt du, dort haben Arthur und ich unsere verspäteten Flitterwochen verbracht. Dieser Ort hat eine bisher undefinierte Magie. Harrys Eltern schenkten uns dieses unglaubliche Geschenk zu unserem zehnten Hochzeitstag.“
Jetzt wurde Hermine noch neugieriger. Dieser Ort, von dem Mrs. Weasley schon die ganze Zeit sprach, schien etwas außergewöhnliches zu sein.
„Die Potters haben ihnen einen Ort geschenkt?“
„Oh nein, sie schenkten uns eine Perle, schau hier“, und sie holte aus einem Schrank ein kleines Kästchen aus dem ein glitzern und funkeln kam, als sie es öffnete. Nachdem sich Hermine an das Licht gewöhnt hatte, sah sie eine kleine Perle.
„Das ist ein Portschlüssel. Aber jeder Mensch kann ihn nur einmal benutzen. Genießt also die Zeit, die ihr dort verbringt, ihr werdet es nie wieder so erleben können. Solche Portschlüssel können nur Veelas anfertigen. Von ihnen gibt es auf der ganzen Welt nur fünf Stück. Um einen herzustellen braucht man fünfhundert Jahre. Früher gab es mal sechs von ihnen, aber einer ist verschollen. Man munkelt, es gäbe jemanden, der sich dort zwar hinteleportiert hätte, aber nicht zurückgekehrt ist.“
Hermine hört interessiert zu. Als ihr Gegenüber endete und die Schatulle wieder verschloss schaute sie auf ihre Armbanduhr. Sie konnte es kaum erwarten sich diesen geheimen Ort anzusehen. Doch eine Frage brannte noch auf ihrer Zunge.
„Warum erlauben sie uns so was? Sie hatten doch so eine Angst, dass sie vorzeitig Großeltern werden. Das widerspricht sich ganz schön.“
„Ich habe eingesehen, dass Ginny vollkommen rech hatte. Vom Küssen wird man nicht schwanger und eigentlich seit ihr alt genug, um zu wissen, was eine Dummheit ist und was nicht. Ihr seid sechzehn Jahre alt. Es wäre unfair von mir euch keine Privatsphäre zu erlauben!“, erklärte Mrs. Weasley, hörte sich dabei aber nicht unbedingt überzeugt an.
Hermine schwieg. Sie verstand es zwar immer noch nicht, dass sie diese Erlaubnis bekam, aber sie freute sich trotzdem darüber wie eine Schneekönigin.
Endlich kamen auch die anderen.
„Morgen!“, riefen Harry und Ginny fröhlich, während sich Ron muffelig auf einen Stuhl plumpsen ließ. Wenig Schlaf war nichts für ihn.
„Morgen!“, erwiderten Hermine und Mrs. Weasley nicht minder fröhlich. Der Tisch war, wie immer, reichlich mit Brot und Aufschnitt bedeckt. Mrs. Weasley hatte nämlich, als sie das Essen mit Hermine gekocht hatte, nebenbei auch noch den Tisch gedeckt.
Ron langte zu, besonders beim Kaffee. Als er die erste Tasse runter geschüttet hatte, verschwand sein böser Gesichtsausdruck und als er die zweite geleert hatte, lachte er sogar, wenn jemand einen dummen Spruch abgab.
Hermine war ziemlich still. Sie beobachtete die anderen und war sonst mit ihren Gedanken beschäftigt. Eigentlich wollte sie ja heute an alles nur nicht an Schule denken, aber ihr ging einfach nicht aus dem Sinn, dass sie alle vier dieses Jahr unglaublich viel zu tun hatten. Harry, musste sich auf die UTZ´s vorbereiten und eine Mannschaft trainieren. Ron musste sich ebenfalls auf die UTZ´s vorbereiten, in der Mannschaft spielen und seinen Verpflichtungen als Schülervertreter nachkommen. Sie musste sich auf die UTZ´s vorbereiten, ihre Verantwortungen für ihr Schülervertretungsamt nachkommen und ihr Versprechen einhalten, was sie Dumbledore gegeben hat, und zwar eine Nachhilfe AG anzubieten. Ginny musste für ihre ZAG´s lernen und in der Hausmannschaft trainieren. Außerdem sollten alle vier eine Spezialausbildung erhalten. Wann sollten sie Zeit zum Schlafen finden? Oder mal ein bisschen Freizeit genießen? Das war fast unmöglich. Der Tag hatte eindeutig zu wenig Stunden.
„Hermine? Geht es dir gut? Du hast seit zehn Minuten dieses Brot in der Hand, aber noch kein Mal abgebissen! Du starrst nur vor dich hin und langsam machst du mir Angst!“, hörte sie plötzlich aus weiter Ferne. Sie schreckte ein bisschen hoch und sah Ron an, der sie besorgt musterte.
„Alles okay, ich hab nur grad über die Schule nachgedacht!“, sagte sie schnell, damit Ron diesen besorgten Blick ablegte, aber das tat er nicht, stattdessen sah er noch besorgter aus.
„Hermine, wir haben abgemacht, dass wir heute einen vollkommenen schulfreien Tag machen! Du musst mir versprechen diese Gedanken auf morgen zu verschieben! Du machst dich kaputt, wenn du andauernd darüber nachdenkst, wie wir das alles schaffen sollen. Uns wird schon was einfallen!“, schimpfte Ron mit erhobenen Zeigefinger und schaute sie durch dringlich an.
Woher wusste er, dass sie genau darüber nachgedacht hatte? Konnte er Gedanken lesen? Sie schauderte bei diesem Gedanken.
„Ich verspreche es!“, antwortete sie darauf und biss schnell in ihr Honigbrot.
Hoffentlich ist es bald Zeit, dass sie hier weg konnte! Sie würde sonst eine Kriese bekommen, dass merkte sie schon. In Windeseile aß sie ihr Brot auf und hibbelte ungeduldig auf ihrem Stuhl rum, bis auch die anderen endlich fertig waren.
Sie fing Harry und Ginny schnell ab und schob sie in eine Ecke, wo Ron so schnell nicht hinkommen würde.
„Würde es euch stören, wenn Ron und ich heute nicht da sind? Ich habe was vorbereitet und so wären wir den ganzen Tag weg“, erklärte sie den beiden in einer Atemberaubenden Geschwindigkeit.
Beide sahen sich an und lächelten. Sie schienen genau das gleiche zu denken.
„Das stört uns natürlich nicht, aber du musst uns dann alles genau erzählen!!!“, sagte dann Ginny nach einiger Zeit. Erleichtert atmete Hermine auf.
„Ich dachte schon, ihr würdet irgendwie sauer sein“, gestand sie.
„Wieso sollten wir sauer sein? So haben wir das ganze Haus fast für uns alleine und wir können mal Sachen machen, die man nur zu zweit machen kann!“, verkündete Ginny glücklich, nahm Harry an die Hand und weg waren sie.
Kopfschüttelnd sah Hermine hinterher.
„Was machen die beiden?“, fragte eine Stimme hinter ihr.
„Keine Ahnung Ron, ich weiß nur, was wir gleich machen werden. Sie nahm ihn an die Hand, so wie Ginny es kurz zuvor mit Harry gemacht hat, und führte ihn wieder in die Küche.
Mrs. Weasley empfing sie lachend und wühlte wieder in dem Regal, in dem sie den wertvollen Portschlüssel aufhob. Sie nahm das Kästchen raus und gab es Hermine.
„Pass gut darauf auf! Ich möchte es wieder haben. Es verbirgt viele Erinnerungen von mir, auch wenn es ansonsten für mich schon wertlos ist!“, ermahnte sie Hermine noch mal und verließ dann die Küche.
„Was ist...?“, wollte Ron schon fragen, als seine Freundin ihm ihren Finger auf den Mund legte.
„Das“, sagte sie, „ ist meine Überraschung für dich! Schließ die Augen.“
Ron tat wie ihm geheißen und Hermine packte den Korb und nahm Rons Hand in ihre. Dann berührte sie mit ihrer anderen Hand die Perle. Schlagartig wirbelten sie herum und fühlten sich ziemlich schwindelig. Bunte Farben tanzten vor ihren Nasen und in ihren Bäuchen machte sie ein unangenehmes Gefühl breit. Aber nach wenigen Sekunden waren sie da.
Hermine öffnete die Augen und verlor automatisch ihre Sprache. Mrs. Weasleys Beschreibungen waren vollkommen anders, als es hier aussah. Zu zweit standen sie auf einem Stoppelfeld. Ungefähr hundert Meter entfernt war ein kleiner Wald. Auch einen Fluss hörte sie, aber sie wusste nicht wo er hätte sein können. Der Himmel war strahlend blau und die Bäume hatten die Farbe von einem dunkelgrün. Am Horizont erblickte sie Berge. Die Perle schwebte ungefähr auf Augenhöhe und zitterte ein bisschen. Hermine wusste, dass sie sie auf keinen Fall berühren durfte um sie einzustecken, denn dann würde sie sofort wieder im Fuchsbau landen. Also mussten sie sich wohl oder übel die Stelle merken, wo sie die Perle zurücklassen würden.
„Hermine wo sind wir?“, fragte Ron, der zwar als erstes die Fassung wieder gewonnen hat, aber trotzdem immer noch verwirrt war.
„Wir sind an einem geheimen Ort, den es gar nicht wirklich gibt, zumindest kann man ihn nicht auf herkömmlichen Weg finden, sondern nur mit diesem Portschlüssel und auch mit ihm kann man nur einmal reisen. Deine Eltern haben hier ihre verspäteten Flitterwochen genossen. Deine Mum kam auf die Idee, uns diesen Ort zur Verfügung zu stellen. Wir müssen nur spätestens Mitternacht wieder zu Hause sein.“
„Wofür? Hermine, warum lässt du dir alles einzeln aus der Nase ziehen? Was hast du mit mir vor?“, Ron hörte sich an, als ob er langsam Panik bekäme. Dies belustigte Hermine ein bisschen und sie musste Lächeln.
„Vielleicht erinnerst du dich? Ich habe gestern beim Kartenspiel verloren! Ich musste mir also eine Überraschung für dich ausdenken. Und da dachte ich, wir beide werden einen Tag alleine irgendwo im nirgendwo verbringen. Nur wir, ein Picknickkorb und die Natur. Deiner Mum gefiel die Idee und dann fiel ihr halt das hier ein.“
Die Augen von Ron wurden langsam größer.
„Das hatte ich total vergessen. Ich war immer noch davon überzeugt gewesen, dass ICH verloren hätte. Also hatte ich gar nicht darüber nachgedacht, dass... hier ist es echt spitze Hermine.“
Die Sprachlosig – und Fassungslosigkeit ihres Freundes amüsierte Hermine und sie musste schon wieder lächeln.
„Komm, wir schauen uns hier mal um“, meinte sie dann schließlich und nahm Rons Hand und führte ihn, da er immer noch nicht in der Lage war irgendwie vernünftig zu handeln.
Währendessen lagen Gin und Harry im Garten auf einer Decke und kuschelten. Die Sonne brannte und deshalb hatten sich die beiden möglichst dünn angezogen. Ginny trug eine Bluse, die sie vorne zusammen geknotet hatte und dazu eine abgeschnittene Jeans. Harry trug ein T-Shirt und eine Shorts. Wenn sie die Haut des anderen spürten, liefen beiden ein angenehmer Schauer über den Rücken.
„Harry, wollen wir nicht irgendetwas effektives machen? Mir ist so langweilig!“
„Gin, ab morgen haben wir vierundzwanzig Stunden nur Stress, genieß doch einfach das Faulenzen. Ich wette mit dir, dass es dir schon nächste Woche fehlen wird.“
„Mag sein, aber ich langweile mich trotzdem. Wollen wir nicht Karten spielen?“
„Schon wieder? Ich kenne bald jede Möglichkeit meine Karten zu legen auswendig!“
„Na gut, dann... Schach?“
„Nein!“
„Lernen?“
„Nein!“
„Spazieren gehen?“
„Ich liege gerne hier rum...!“
„Oh Mann Harry, bitte, tu mir den Gefallen und mache irgendwas, sonst sterbe ich vor Langeweile.“
„Mir fällt doch auch nichts ein, wahrscheinlich, weil ich mich gerne langweile!“
Nach dieser Antwort schaute Gin Harry mit traurigen Augen, legte ihren Kopf schief und verzog ihren Mund zu einer Schnute.
„Bitte Gin, schau mich nicht so an! Ich kann doch auch nichts dafür!!“
Er legte seine Arme um sie und zog sie an sich ran. Gott sei Dank, jetzt lächelte sie wieder. Er zog sie noch näher ran und küsste sie. Wie beim ersten Kuss, dachten beide, Feuerwerkskörper explodierten in ihrem Körper. Harry verstand nicht, warum dieses Gefühl immer extremer wurde. Eigentlich sollte es doch abnehmen, oder? Ach, Liebe war schon kompliziert. Plötzlich löste sich Ginny so ruckartig, dass er erst gar nicht verstand, was passiert war.
„Ich hab´s!“, schrie sie, „wir kochen was. Mum ist mit Dad beim Grimauldplatz. Wir könnten sie überraschen. Mum hat irgendwo ein dickes Kochbuch rumstehen. Komm, das wird bestimmt lustig!“
Ein bisschen genervt folgte Harry ihr stolpernd und lief ein bisschen schneller, damit er sie einholen konnte.
„Komm schon Ron! Ich dachte eigentlich, du hättest mehr Kondition!“
Mit einem Picknickkorb beladen rannte ein braunhaariges Mädchen über ein Stoppelfeld, während ein rothaariger Junge versuchte sie einzuholen.
„Man Hermine, ich kann wirklich nicht mehr!“, rief Ron und das Mädchen blieb stehen.
„Hier ist ein guter Platz. Hier können wir was essen“, schätze Hermine ab, legte die Decke auf den Boden und fing an den Korb auszupacken. Als sie damit schon fast fertig war, war Ron auch angekommen.
„Oh, klasse. Eine Stärkung ist jetzt genau das, was ich brauche!“, lachte er und ließ sich auf ein Kissen fallen.
„Du bist unwerfend. Hühnchen! Ofenkartoffeln! Nudeln mit Käsesahnesoße! Kuchen! Hermine, willst du mich mästen?“
Fast eine Stunde lang saßen sie da und stopften sich mit dem tollsten Essen voll. Als sie beim Nachtisch, Apfelkuchen, angekommen waren, hielt Hermine es nicht mehr aus und schnappte sich Rons Kuchenstück.
„Hey! Das ist meins!“, rief er gespielt empört.
Hermine sprang auf und biss genüsslich ab.
„Wenn du es wieder haben willst, dann musst du mich wohl fangen. Und du solltest dich beeilen. Ich glaube nicht, dass der Kuchen noch lange existieren wird!“
Mit diesen Worten lief sie los. Ron stöhnte leise auf und beeilte sich ebenfalls aufzustehen um Hermine einzuholen, aber die lief wie der Blitz und so musste er sich wohl oder über anstrengen. Er rannte los und hatte sie auch bald eingeholt. Ihr Abstand verringerte sich immer weniger, bis er sich schließlich nach vorne warf und sie damit zum Fallen brachte. Dann nahm er sich ein Herz und schnappte sich das noch klägliche Überbleibsel des Kuchens und biss herzhaft hinein.
„Hey! Ich möchte auch noch ein Stück!“, meckerte Hermine und öffnete symbolisch ihren Mund. Ron gab ihr den letzten Krümel und kitzelte sie dann ohne Vorwarnung durch. Sie bekam so ein Schreck, dass sie laut aufschrie. Und dann fing sie sich zu winden und zu lachen an. Sie ruderte mit ihren Armen und suchte eine Stelle bei Ron, wo er kitzelig war. Jetzt war er an der Reihe kurz aufzuschreien.
So ging es eine ganze Weile, bis sie vor Lachen nicht mehr konnten und erst einmal angestrengt versuchten Luft zu holen. Ron rollte sich auf den Rücken und starrte in den Himmel. Plötzlich wurde er von einem Schwall braune Locken bedeckt und musste erst mal kräftig Niesen.
„Gesundheit!“, flüsterte Hermine, bevor sie ihn an sich ranzog und küsste.
„Gin, gib mir mal bitte die Eier!“
Sie hatten zwar das Kochbuch gefunden, aber Ginny hatte vergessen, das der größte Teil dieser Rezepte einfach nur ekelig war. Also hatte sich Harry bereit erklärt Pfannkuchen zu machen. Da er früher bei den Dursleys öfters auch mal kochten musste, beherrschte er leichte Gerichte wie zum Beispiel Pfannkuchen. Jetzt, wo er die Eier hatte, konnte er auch den Teig zuende mischen.
„Was wollen wir eigentlich darauf tun? Marmelade? Apfelmus? Zimt und Zucker? Oder Schokolade?“, fragte Harry, während sie aufsprang und zum Schrank lief, um die gewünschten Sachen herauszuholen.
„Ich denke, ich nehme Apfelmus.“
Der erste Pfannkuchen war fertig.
„So schnell geht das?“, wunderte sich Ginny.
„Das grenzt ja schon an Zauberei!“, scherzte sie.
Hermine und Ron küssten sich immer noch. Es schien, als wollten sie sich gegenseitig die Lebenskraft aussaugen. Natürlich war das vollkommener Unsinn, weil sie, sobald sie ihre Lebenskraft verloren haben, die des anderen aufgenommen. Vielleicht war das aber auch der Grund, weshalb sie sich immer noch küssten.
Irgendwann, es konnte gut sein, dass bereits Stunden vergangen waren, löste Hermine sich und blickte in die blauen Augen ihres Gegenübers.
„Kannst du eigentlich tanzen?“, wollte sie plötzlich wissen.
„Was?... Ach so. Hmm... nicht wirklich. Ein bisschen Disco Fox hat Mum mir beigebracht. Wieso?“
„Du musst wissen, dass ich unheimlich gerne tanze und deshalb solltest du es auch lernen, weil ich mir sonst einen anderen Weihnachtsballpartner suchen muss, einer, der gerne und gut tanzt.“
„Na gut“, meinte Ron etwas steif, „dann zeig mir ein paar Schritte. Wir haben zwar noch vier Monate Zeit, bevor Weihnachten ist, aber gut.“
„Hier? Ohne Musik?“
„Muss halt gehen. Ich habe keine Musikbox mitgenommen, aber wenn du es mir jetzt nicht zeigst, dann wirst du es mir auch nicht in drei Monaten gezeigt haben, dafür haben wir halt zu wenig Zeit.“
„Okay,...!“ Hermine stand auf und zog Ron hoch, der immer noch auf dm Boden saß.
„Als erstes solltest du wissen, wie man sich vernünftig hinstellt. Also: Rechte Hand auf mein linkes Schulterblatt und mit der linken musst du meine Hand halten.“
Sie nahm seine rechte Hand und legte sie auf ihr Schulterblatt. Dann nahm sie die andere Hand und legte ihre rechte hinein.
„So wir wollen mit Walzer anfangen. Du... Ron! Die Hand gehört auf mein Schulterblatt und nicht auf meinen Hintern!“, schrie sie plötzlich und Ron beeilte sich seine Hand auf die gewünschte Position zu legen.
„So, der Grundschritt ist ganz einfach. Zuerst muss dein rechter Fuß nach vorne und dann dein linker nach links zur Seite.“
Sie machte es ihm vor.
Ewigkeiten später hatte er dann verstanden wie der Grundschritt, die Linksdrehung und die Rechtsdrehung funktionierte. Zwischendurch hatte seine Hand dann immer ihren vorgesehene Platz verlassen, bevor sie nach Hermines Geschrei wieder nach oben gewandert war.
Als Hermine dann endlich der Meinung war, das Ron es geschnallt hatte, ihre Arme taten schon weh, löste sie sich aus der verkorksten Haltung und legte sich auf den Boden.
„Ich bin tot müde!“, verkündete sie.
„Ich auch!“ Und schon lag Ron neben ihr. Sie kuschelte sich an ihn und schwups waren sie auch schon eingeschlafen.
Als sie dann zwei Stunden wieder aufwachten, bemerkte Hermine, dass der Himmel bewölkt und der Wald finster war.
„Komisch!“, murmelte sie, „Das ist echt merkwürdig. Deine Mum hat gesagt, dass es hier immer sternklare Nächte und himmelblaue Tage gäbe. Wieso sieht es dann aber danach aus, als ob es gleich regnen würde?“
„Keine Ahnung, aber unheimlich ist das schon. Komm, wir packen lieber mal unsere Sachen zusammen. Wenn es dann wirklich anfängt zu regnen, dann verschwinden wir einfach wieder nach Hause.“
„Ich glaube, dass ist eine gute Idee.“
Doch als sie zum Platz zurückkamen, wo sie ihre Sachen zurück gelassen hatten, erblickten sie dort nur ihre Decke.
„Wo sind unsere Sachen?“, fragte Hermine schockiert.
„Ich weiß es nicht, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass hier irgendwas faul ist, lass uns lieber zurück kehren!“, antwortete Ron darauf mit einer beklommenen Stimme.
Sie nickte darauf hin nur, nahm die Hand, die ihr angeboten wurde und folgte Ron, der sich auf eine leuchtende Kugel bewegte.
„Wenigstens leuchtet das Ding, sonst hätten wir Ewigkeiten suchen müssen!“, kommentierte Ron.
„Bei drei?“
„Bei drei!“
Aber als Hermine ihre Augen wieder öffnete, war sie zwar im Fuchsbau, dafür aber alleine. Ron war verschwunden.
„Harry! Du bist der beste Koch, den ich kenne!!! Ich habe noch nie so leckere Pfannkuchen gegessen!“
„Oh, danke. Schön, dass es dir schmeckt!“
Ginny hatte schon den Sechsten in sich hineingestopft und ihr Hunger war nicht im geringsten gestillt. Das Talent zu Essen, bis man umfiel, ohne Fett an zu setzten, schien eine Gabe der Familie Weasley zu sein. Glücklicher weise hatte Harry genug gemacht, sonst wäre Gin womöglich verhungert?
Nach dem Essen, Gin hatte insgesamt zehn Pfannkuchen verdrückt, gingen sie wieder in den Garten und legten sich auf die Decke.
„Und jetzt will ich nichts mehr von Langeweile hören! Jetzt wird die Ruhe genossen und fertig!“, sagte Harry bestimmt und schloss die Augen.
Ginny kuschelte sich an ihn und schloss ebenfalls die Augen. Aber wenige Minuten öffnete sie sie wieder, weil die Sonne auf einmal weg war, stattdessen schoben sich dunkle Wolken vor die Lichtquelle.
„Harry? Was ist das???“, fragte sie geschockt.
„Ich... habe keine Ahnung. Vielleicht gibt es gleich ein Gewitter? Es war die letzten Tage schließlich ziemlich schwül und es wäre nur logisch, wenn es demnächst ein bisschen Regen gäbe. Lass uns rein gehen.“
Sie packten die Decke zusammen und schlenderten Hand in Hand zum Haus zurück. Nach dem ersten Schock machten sie sich keine weitern Gedanken darüber, bis sie Hermine in der Küche vor sich hinstarrend erblickten.
„Hermine? Was machst du denn hier? Und wo ist Ron?“, fragte Gin völlig verwirrt.
„Ich weiß es nicht. Es wurde plötzlich dunkel, der Himmel war voller Wolken und da wir nicht nass werden wollten, gingen wir zu unserem Korb zurück um alles einzupacken und dann zurück zu kommen. Aber der Korb war weg. Wir bekamen Panik und wollten so schnell wie möglich zurück. Als berührten wir die Perle, aber als ich hier ankam, war Ron weg. Was ist bloß passiert?“
Als Hermine fertig war mit ihrer Geschichte brach sie weinend zusammen. Die beiden anderen wussten nicht was sie machen sollten. Harry kniete nieder und tätschelte ihren Rücken.
„Was für eine Perle? Wo ward ihr eigentlich?“, fragte Gin nun ganz sächlich.
Hermine wischte sich die Tränen ab und erzählten den beiden von dem geheimen Ort, den jeder nur einmal besuchen konnte.
„Wow“, brachte Harry nur heraus und dann fiel ihm Ron ein und er schloss ganz schnell seinen Mund wieder, bis ihm etwas vernünftigeres einfiel.
„Was sollen wir jetzt machen? Wo könnte Ron sein? Ist er einfach in dieser... Parallelwelt gefangen, oder hat der Portschlüssel bei ihm einfach nur anders gewirkt? Vielleicht ist er irgendwo anders gelandet? Sollten wir vielleicht Dumbledore benachrichtigen??“, löcherte er die anderen nun mit Fragen, die keiner beantworten konnte.
Alles um ihn war schummerig und ziemlich düster. Wo zum Teufel war er? Und wo war Hermine? Er richtete sich auf und stieß mit seinem Kopf gegen die Decke. Laut fluchend hielt er sich den Kopf und setzte sich wieder hin.
„Ach, du bist wach? Schön, du sollst nämlich schnellstens zu Roseanne“, hörte er plötzlich eine Stimme und prompt wurde er auch gepackt und aus dem Höhlenartigem Verlies geschleift. Roseanne? Wer zum Henker war jetzt das? Eine Todesserin? Ron konnte sich keinen Reim darauf machen und hörte deshalb auf sich darüber Gedanken zu machen und betrachtete dafür seine Umgebung. Sie waren bereits aus dem Verlies und nun war es auch nicht mehr dunkel. Sie waren in einem Gang, der sehr hell war. Jetzt konnte er auch erkennen, wer ihn da gepackt hatte und gerade zu dieser Roseanne brachte. Es war ein zierliches Mädchen in einem schwarzen Umhang. Mehr konnte er nicht erkennen, weil sie ihr Gesicht unter einer Kapuze versteckt hielt.
Nach einigen Minuten erreichten sie eine vergoldete Tür. Sie war überladen mit Verschnörkelungen und Diamanten. Sie mussten sich in einem Schloss oder sehr großen Herrenhaus befinden, solche Türen gab es nicht in normalen Häusern.
„Du musst da jetzt alleine hinein. Sie empfängt nur dich alleine!“, erklärte das zierliche Mädchen, öffnete die Tür und gab ihm einen kleinen Schubs.
„Willkommen in meinem Palast! Ich bin Roseanne, Fürstin der Veelas! Und du bist Ronald Weasley, nicht wahr?“
„Ähm... ja...“
„Du fragst dich jetzt bestimmt, was ich von dir will, nicht wahr?“
„Ähm... ja...“
„Das ist einfach erklärt. Ich bin eine Dienerin des dunklen Lords. Mein Ziel mit deiner Entführung ist, den jungen Potter zu kriegen. Er wird in wenigen Minuten auf die Idee kommen mit der Perle in die Parallelwelt zu kommen, weil er hofft, dass du dich da noch befindest. Aber stattdessen wird er hierhin gebracht werden und dann sind wir hier und werden auf ihn vorbereitet sein!“
Jetzt stutze Ron doch, war diese Frau verrückt? Sie hatte ein gestörtes Grinsen auf dem Gesicht und ihre Augen glitzerten wahnsinnig. Hoffentlich wird Harry erst Dumbledore benachrichtigen.
„Wie haben sie es geschafft den Portschlüssel zu verändern?“
„Ihr dummen Zauberer! Das ist kein Portschlüssel, den könnte jeder manipulieren. Nein, das ist eine Xianstqusto Perle. Nur Veelas haben ihre Gewalt darüber. Deshalb können wir sie auch verändern, auch wenn wir sie nicht sehen können. Natürlich kann es nur die Veela, die sie hergestellt hat oder eine direkte Nachfahrin von ihr. Glücklicherweise ist dies die letzte Perle, mit der man so etwas bewerkstelligen kann. Und das beste ist, das ICH diese Nachfahrin bin! Erst habe ich das Wetter geändert, damit ihr auf die Idee kommt nach Hause zu gehen, dann habe ich euren Korb verschwinden lassen, damit ihr Panik bekommt und euch beeilt. Und dann habe ich die woanders hingelenkt. Das hat mich zwar viel Kraft gekostet, aber wird sich lohnen. Der Lord weiß, dass der junge Potter ein edelmütiges Herz hat und dich unüberlegt retten wird.“ Sie brach in schallendes Gelächter aus.
„Sie sind wahnsinnig!“, schrie Ron verzweifelt, weil er nichts anderes zu tun wusste.
„Glaubst du? Ich weiß nicht, aber ich würde mir gut überlegen, was du sagst! Ich wollte dir nämlich eigentlich nichts tun, weil du auch noch anderwärtig nützlich für uns bist!“, und sie grinste wieder dieses grausame Grinsen.
„In wie fern?“, wunderte sich Ron verdutzt.
„In wie fern? Du hast eine Begabung Junge, von der so mancher träumt. Dein Herz ist zwar schon fast abartig gut, aber du bist in der Lage in die Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit zu schauen. Ist dir das noch nie bewusst gewesen? Und du bist auch noch in der Lage telepatisch mit anderen zu kommunizieren.“
„Ähm... nein!“, antwortete Ron, der langsam überlegte, ob das vielleicht nur ein böser Traum wäre und das er gleich aufwachen würde.
„Natürlich konntest du es nicht wissen. Deine Eltern haben einen Bann über dich gelegt, als sie herausfanden, dass du zu den vier Elementen gehören würdest. Den Bann kannst nur du brechen, mit schierer Willenskraft. Nach Potters Tod werden wir uns darum kümmern. Du musst eine spezielle Behandlung bekommen, damit du dich willig konzentrierst, um den Bann zu brechen. Bis dahin wirst du wieder in den Kerker zurückgebracht.“
Sie klatschte unerwartet in die Hände und das zierliche Mädchen kam wieder herein. Sie führte Ron hinaus und brachte ihn zurück zu den Verliesen.
„Ich werde jetzt diesen Portschlüssel anfassen und Ron da raus holen!“, rief Harry verzweifelt und war gerade dabei sich der Perle zu nähern.
„Das wirst du nicht! Wenn Voldemort die Finger im Spiel hat, dann bist du schneller tot als du glaubst. Wir sollten wirklich erst Dumbledore benachrichtigen!“
„Dann wird es zu spät sein!“, erwiderte Harry kopfschüttelnd.
„Das stimmt nicht. Wenn er ihn wirklich hat, dann braucht er ihn so lange, bis du dort auftauchst um ihn zu retten. Bis dahin werden sie ihm bestimmt kein Haar krümmen“, versuchte Ginny ihn zu beruhigen, aber es hörte sich ziemlich ungläubig an, weil sie selbst daran zweifelte.
„Aber wie sollen wir zu ihm kommen? Wir wissen doch gar nicht, wo er ist. Das dauert viel zu lange nach ihm zu suchen. Wir müssen selbst handeln“, konterte Harry.
„Wenn du dahin gehst, dann werde ich dich begleiten“, sagte Gin bestimmt.
„Das ist viel zu gefährlich! Du bleibst hier!“, erwiderte Harry und wusste schon im gleichen Moment, wie dumm sich das anhörte. Ginny hatte eine recht gute Ausbildung in Verteidigung gegen die dunklen Künste und immerhin war es ihr Bruder. Er wusste, dass sie mitkommen würde, aber es konnte ja nicht schaden den Führsorglichen zu spielen.
„Du spinnst wohl! Zu gefährlich! Ganz zufällig haben wir vor einigen Wochen zusammen gegen Voldemort gekämpft, außerdem ist Ron mein Bruder. Ich werde auf jeden Fall mitkommen! Das verspreche ich dir!“
„Du wirst nirgendwo hin gehen, genauso wie Harry. Roseanne, die Veelafürstin, hat euch eine Falle gestellt. Wie müssen erst mal die Gefahr lokalisieren.“
„Professor Dumbledore! Woher kommen sie denn so plötzlich?“, stieß Hermine überrascht aus.
„Glaubt ihr ernsthaft, wir lassen euch alleine, unbewacht in einem riesigen Haus zurück? Wir hatten den Überwachungszauber gesprochen, deshalb wusste ich sofort, was passiert war, so, dass ich mich gleich um Nachforschungen kümmern konnte. Also, Harry, du wirst auf keinen Fall Ron befreien, weil Roseanne ihn nur gefangen hält, um dich zu töten... naja, und noch, weil...“, stockte Dumbledore und machte plötzlich ein ziemlich ratloses Gesicht, etwas, was Harry noch nie bei ihm gesehen hat.
„Ja???“, hackte Ginny nach.
„Eigentlich habe ich deinen Eltern versprochen es für mich zu behalten, bis sie es euch selbst sagen, aber sie sind gerade im Einsatz und es tut wirklich Not, damit ihr wisst, worum es geht. Ron ist eines der vier Elemente. Er ist sehr wertvoll für Voldemort, deshalb wird ihm nichts geschehen, aber ihr würdet sofort getötet werden.“
Ein lauter Schrei halte durch das Schloss der Veelas in Südirland und drang bis in die Verliese. Ron hielt sich erschrocken die Ohren zu und blickte verzweifelt um sich. Niemand war hier, den er hätte fragen können, was hier vor sich ging. So schnell wie er gekommen war verhallte der Schrei auch und kurz danach wurde die morsche Holztür, die zu den Verliesen führte, aufgestoßen und Roseanne kam herein. Ihr Gesicht war rot vor Zorn. Ihr schwarzen Haare hangen ihr wild und zerzaust im Gesicht und ihre violetten Augen leuchteten.
„Hast du zu ihnen Kontakt aufgenommen? Hast du sie gewarnt? Rede schon Bürschchen!“
Ron war starr vor Angst. In der Tat, er hatte die letzten dreißig Minuten mit den versuchen verbracht, den Bann zu brechen, damit er telepathisch mit Harry reden konnte, um ihn zu warnen. Aber es war ihm nicht gelungen, wahrscheinlich, weil er einfach nicht wusste, wie er das machen sollte.
„Nein! Wie sollte ich? Ich weiß doch nicht mal, wie es geht!“, entgegnete Ron, als er seine Angst nach einiger Zeit einigermaßen unter Kontrolle hatte.
„Du willst mir weiß machen, das du es nicht sofort versucht hattest, als ich es dir verraten habe?“
Woher wusste sie das bloß? War das so offensichtlich?
„Ähm...okay, ich habe es versucht! Was erwarten sie auch, sie wollen meinen besten Freund umbringen. Aber es hat nicht geklappt. Was ist denn passiert?“
„Das fragst du noch? Dumbledore hat noch rechtzeitig davon Wind bekommen und konnte Potter aufhalten, bevor er auf die Idee kam die Xianstqusto Perle zu berühren. Jetzt bringt es uns rein gar nichts, dass du unsere Geisel bist!“
„Oh...“, kam es nur von Ron und dann erschien ein hämisches grinsen auf seinem Gesicht. Gott sei Dank!
„Hey! Wach auf!“, flüsterte eine angenehme Stimme direkt neben seinem Ohr. Ron spürte fremden Atem auf seiner Wange, der ihn leicht kitzelte.
„Hermine?“, fragte er schlaftrunken. Doch als er seine Augen öffnete, merkte er, dass er in einem dunklen Kellergewölbe auf dem Boden lag und das unbekannt, zierliche Mädchen vor ihm stand und ihm sanft auf die Schulter klopfte.
„Hey! Wach auf, gleich kommen die Wachen und wenn ich erwischt werde, dann bin ich geliefert!“
„Was willst du von mir?“, erkundigte sich Ron mit hochgezogenen Augenbraunen.
„Ich will dich befreien. Nicht jetzt, aber morgen. Aber dafür musst du etwas tun!“
„Und was?“, Rons Neugier war geweckt.
„Du musst es schaffen den Bann zu brechen! Wenn du das nicht tust, dann kann ich dir nicht helfen. Du musst Professor Dumbledore benachrichtigen, sonst platzt er hier noch rein, und dann ist mein Plan hin.“
„Aber wie soll ich den Bann brechen? Ich weiß doch gar nicht wie.“
„Hier – sie gab ihn eine blaumetallisch glänzende Kugel, sie kleine leuchtende Punkte versprühte – du musst sie vor dich schweben lassen und dich auf sie konzentrieren, dabei musst du an dein vergangenes Leben denken, wenn du chronologisch damit durch bist an dein hier und jetzt. Wenn du auch das mehrere Minuten gemacht hast, musst du denken, DU wärst die Kugel. Irgendwann wirst du merken, dass du ihn gebrochen hast. Aber mache es so unauffällig wie möglich, die Wachen sind in der Nähe!“
Mit diesen Worten verschwand sie lautlos. Die Kugel lag schwer in seinen Händen. Wie sollte er sie zum schweben bekommen? Mit der Zeit merkte er, dass sie immer schwerer wurde, verwundert drehte er sie ein bisschen in seiner Hand und warf sie dann hoch. Aber sie kam nicht mehr runter, sie blieb in der Luft stehen und fing an sich rasendschnell zu bewegen. Die leuchtenden Punkte zogen ihn in ihren Bann und er konnte nicht anders, als sie anzustarren. Plötzlich kam ihm ein Bild vor Augen. Ein kleiner rothaariger Junge lag in einer hölzernen Wiege und schrie aus Leibeskräften. Das war wohl er.
„Eines der vier Elemente? Aber... oh!“, plötzlich leuchteten Hermines Augen und Harry erinnerte sich an sein drittes Schuljahr, als sie genauso ausgesehen hat, als ihr der Zeitumkehrer eingefallen war.
„Ist diese Prophezeiung also doch kein Mythos?“
„Ich fürchte nein. Ich habe sie immer so hingestellt, aber seit der Geburt von Ron war klar, dass sie doch wahr war. Am 1. September, also morgen, ist der erste Tag des Adlerjahrs. Alle Planeten werden an diesem Tag in einer Reihe stehen und alle Elemente werden die Hogwartsschule besuchen. Ron ist das Element Feuer. Draco Malfoy ist das Element Wasser und...“
„Draco Malfoy?“, rief Hermine ungläubig aus.
„Ja,... und Neville Longbottom ist das Element Erde. Wir werden dieses Jahr eine neue Schülerin bekommen. Pearl Hooker. Sie ist das letzte Element. Zusammen werden sie unbesiegbar sein, aber sie dürfen es noch nicht wissen, erst, wenn sie siebzehn sind. Das hat das Ministerium vor fünfzehn Jahren beschlossen. Wir dürfen uns diesem Beschluss nicht widersetzten. So, und nun geht ihr drei ins Bett und schlaft. Ich weiß, das fällt euch schwer, besonders, wenn man bedenkt, dass morgen die Schule anfängt, aber ich muss darauf bestehen!“
Mit murrenden Gesichtern trotteten die drei die Treppe rauf.
„Ach ja!“, rief Dumbledore noch mal hoch, „jeder schläft in seinem Zimmer!“
Drei Gesichter liefen rot an und kurz darauf wurden drei Türen zugeknallt. Ihr Freund Ron ist entführt worden und Professor Dumbledore hat nichts besseres zu tun, als ihnen Befehle zu erteilen, die alles nur noch schlimmer machten.
Die Lichter tanzten immer noch vor seinen Augen, obwohl die Kugel gar nicht mehr vor seinen Augen tanzte. Er spürte plötzlich, wie er nicht mehr alleine wahr, neben ihm saß ein Mann, aber er war nicht real, Ron brauchte eine gewisse Zeit, bis er checkte, dass das eine Vision war, es war ein Trugbild aus der Vergangenheit. Der Mann bewegte sich unglaublich schnell und alterte von Sekunde zu Sekunde. Bis er plötzlich auf dem Boden wie tot lag und dann auf einmal weg war. Diese Art von Trugbilder verfolgten ihn noch eine ganze Weile, bis er auf einmal seine Augen schloss und sich schüttelte. Er hatte es geschafft. Jetzt musste er es nur noch schaffen mit Dumbledore in Kontakt zu treten.
„Dumbledore? Wo bist du? Ich
muss dir was ausrichten. Starte keine Befreiungsunternehmen, ich werde hier
raus kommen, keine Bange, aber ihr dürft nicht eingreifen, sonst geht alles
schief!“
„Okay...!“, hörte er von einer entfernten Stimme...
„Hat alles geklappt?“, fragte die angenehme Stimme, die er so gerne hörte.
„Ja... und was machen wir jetzt?“
„Folge mir einfach und sag kein Wort!“
„Okay...“
Er nahm ihre Hand und ließ sich führen. Sie war lautlos wie eine Katze und er versuchte es ihr gleich zu tun. Sie führte ihm zum Gang, den er schon am Nachmittag gesehen hatte. Wollte sie ihn etwa in den großen Saal bringen, in dem ihn Roseanne schon empfangen hatte? Er würde es zwar nie offen zugeben, aber dieser Saal machte ihn Angst, deshalb schloss er die Augen, als sie die verschnörkelte, vergoldete Tür öffnete.
Jetzt kamen sie in einen Bereich, den er noch nicht kannte. Hinter dem eindrucksvollen Thron war eine kleine, unscheinbare Tür, durch die schlüpften die beiden und das Mädchen schloss sie ganz schnell.
Das ging eindeutig zu leicht.
„Wo wollen wir hin?“, flüsterte Ron, der einfach nicht mehr den Mund halten konnte.
„Sei still! Meine Mutter ist in der Nähe und sie hat gute Ohren!“, beschwichtigte sie ihn und hielt zusätzlich ihren Finger auf den Mund.
Weiter ging´s durch einen blau samtigen Vorhang durch, hinter dem ein kleiner Raum war. Auch hier war wieder eine Tür, allerdings eine noch unscheinbarere. Sie hatte die gleiche Farbe wie die Tapete und war nur sehr schlecht zu sehen. Hinter dieser Tür war etwas, was man nicht mal mehr als Zimmer bezeichnen konnte. Es war ein Kämmerchen mit Bett, Schrank und einem winzigen Teppich, alles gequetscht auf sechs Quadratmeter.
„Wohnst du...“, flüsterte Ron so leise, das er es kaum selbst hörte.
Aber sie hörte es, sie nicke. Als sie so einige Minuten im „Raum“ standen, kniete sich das Mädchen plötzlich hin und klappte den Teppich um, darunter war eine Falltür.
„Folge mir!“, befahl sie ihm und zog ihn die Stufen runter. Unten erblickte Ron ein gemütliches Zimmer, mit Kamin, Bücherregalen und einer einladenden Sitzgarnitur.
„Hör zu, wir haben nicht viel Zeit, meine Mutter wird gleich hier sein. Versprich mir, dass du dich um meine kleine Schwester kümmern wirst, die dieses Jahr nach Hogwarts kommen wird.“
„Aber...!“, wollte Ron noch einwenden, doch das Mädchen unterbrach ihn.
„Versprich es einfach!“
„Okay, ich weiß zwar nicht wer es ist, ich verspreche es! Doch jetzt sag mir noch, wie du heißt!“
„Grace, und jetzt...“
„Soso, der Herr versucht sich aus dem Staub zu machen und zu allem Unglück will ihm meine älteste Tochter auch noch helfen. Grace, ich hätte mehr von dir erwartet!“
Roseanne kam mit hocherhobenen Kopf die Stufen heruntergeschritten. Ihre Haare waren wieder perfekt gestylt und ihre Make up war wieder frisch aufgetragen.
„Bei drei springst du in den Kamin und rufst Fuchsbau!“, zischelte Grace Ron aus dem Mundwinkel zu.
„Eins...“
„Was flüstert ihr da? Grace...“
„Zwei...“
„... halte sofort den Mund, oder...“
„DREI!“
Sie warf eine Handvoll Flohpulver ins Feuer und die Flammen wurden sofort grün. Hinein in die grünen Flammen sprang Ron und noch im Flug rief er „Fuchsbau!“. Und weg war er.
„Grace, das hast du sehr gut gemacht! Das kam sehr überzeugend rüber. Der Plan ist angeschlagen, der dunkle Lord wird sehr zufrieden sein.“
Mit diesen Worten nahm sie ihre Tochter in den Arm, etwas, was sie sehr selten tat, und führte sie die Treppe hoch.
„Ron! Mein Gott, du hast es wirklich geschafft! Es ist ein Wunder. Wie konntest du fliehen?“
Sobald Ron im Fuchsbau ankam, wurde er von zwei Arme fast zerquetscht und liebevoll abgeküsst.
„Mum! Hör bitte auf. Grace hat mir geholfen. Sie hat mich zum Kaminzimmer gelotst und mich noch rechtzeitig in den Kamin geschubst. Diese komische Veelafürstin hatte mich fast wieder geschnappt, aber wie man sieht bin ich noch rechtzeitig weggekommen!“
„Du hast den Bann gebrochen, nicht wahr?“, fragte Dumbledore plötzlich, der unerwartet um die Ecke kam. Er hatte eine ernste Miene aufgesetzt. Mit einem zögerlichem Nicken bestätigte Ron diese Vermutung.
„Warum habt ihr mir nie davon erzählt? Fandet ihr das in meinen bisherigen sechzehn Jahren nicht erwähnungswert? Ich habe mich ganz schön überrumpelt gefühlt, als mir Roseanne dieses Geheimnis eröffnete.“
„Du bist eigentlich noch zu jung, um diese Last zutragen. Du musst bedenken, sobald du dich nicht auf etwas bestimmtes konzentrierst, wirst du mit Visionen überhäuft. Du bist schließlich erst sechzehn. Die anderen beiden Elemente, die zur Zeit die Schule besuchen, wissen auch noch nichts davon. Nur Pearl Hooker, die dieses Jahr neu auf die Schule kommt. Sie wurde bereits von ihrer Mutter unterrichtet.“
„Auf unserer Schule gibt es noch mehr... Elemente?“, wunderte sich Ron, „Aus meinem Jahrgang?“
„Ja“, sagte Dumbledore schlicht.
„Wer?“, wollte Ron jetzt wissen, der vor Neugier fast platzte.
„Draco Malfoy und Neville Longbottom“, erklärte Dumbledore und wunderte sich nicht über Rons entsetztes Gesicht.
„Aber...!!“, wollte er noch wissen.
„Alles weitere wird dir morgen erklärt. Du musst jetzt ins Bett. Morgen musst du früh aufstehen und es ist schon drei Uhr morgens. Geh jetzt ins Bett. Die anderen werden morgen ja erfahren, dass du wieder da bist. Weck sie nicht.
Enttäuscht darüber, dass er heute nicht mehr erfahren würde, stapfte Ron die Treppe hoch und knallte seine Tür zu. Sein Bett war sehr einladend, deshalb schmiss er sich darauf und vergrub sein Gesicht im Kissen. Was würde nun werden? Würde sich sein Leben vollkommen verändern nur weil er den Bann gebrochen hat? Wer war Graces Schwester? Wer war Pearl Hooker? Wie ging es Hermine? Er konnte nicht zu ihr rüber, Dumbledore wollte nicht, dass er sie weckte. In seinem Kopf schwirrten viele Gedanken und nach mehreren Minuten blickte er nicht mehr durch. Würde er Visionen haben, wenn er schlief? Schließlich meinte Dumbledore, dass man sie bekommt, wenn man sich auf nichts bestimmtes konzentriert. Oder war das Grace gewesen? Er war einfach nur verwirrt. Erschöpft fiel er in einen tiefen Schlaf, ohne sich vorher noch einmal umzuziehen. Und tatsächlich. In der Nacht wurde er von Visionen nicht verschont.
Doch während Ron schlief, waren die anderen drei immer noch in den Nebenzimmern wach. Hermine zum Beispiel wälzte sich im Bett und machte sich tausend Vorwürfe. Sie hätte Nachdenken müssen. Nur Veelas können die Perlen verändern. Und wenn Ron jetzt wirklich bei der Veelafürstin war, dann hatte alles einen Sinn. Sie ärgerte sich über Dumbledore, dass er ihr nicht erlaubte mit den anderen beiden zu reden. Sie hätte das jetzt gerade nötig. Und sie ärgerte sich, dass die Weasleys keine umfangreiche Bibliothek besaßen. Normaler Weise schlief sie mit Ginny in einem Zimmer oder eben mit Ron. Aber Dumbledore hatte vorgesorgt. Sie hatte ein Extrazimmer bekommen. Was bezweckte er nur damit? Hermine grübelte noch zwei weitere Stunden weiter, bis sie endlich einschlief. In drei Stunden würde Mrs. Weasleys Stimme von unten ertönen.
Harry lag auf dem Rücken und starrte die Decke an. Sein Wecker zeigte drei Uhr morgens an. Eigentlich war er tot müde, aber zu viele schreckliche Gedanken um Ron schwirrten in seinem Kopf. Würden sie morgen einfach mit dem Hogwarts-Express fahren, während Ron bei dieser Veelafürstin war? Das konnte es doch nicht sein. Und dann musste er plötzlich lächeln. Ron war eigentlich was viel besonderes als er selbst. Er hatte im vierten Jahr also eigentlich gar keinen Grund so eifersüchtig zu sein. Ach, hoffentlich konnte Dumbledore ihn schnell befreien.
Gin saß immer noch angezogen auf ihrer Bettkante und starrte in die Leere. Ihr Bruder, noch dazu ihr liebster von allen, war von irgendeiner komischen Veela entführt worden und vielleicht würde sie ihn nie wieder sehen! Was sie jetzt bräuchte wäre eine schützende Hand, die sie in den Arm nimmt und wärmt und schützt. Wieso verbat Dumbledore es, dass sie und Harry in einem Zimmer schliefen? Das war sinnlos. Seufzend riss sie sich aus ihren Gedanken, zog ihren Pyjama an und wickelte die decke um sich, aber auch jetzt konnte sie an nichts anderes denken, als an ihren großen Bruder. Ein Element...
„Professor Dumbledore, was wird jetzt passieren. Ron ist einer Macht ausgesetzt, für die er noch gar nicht geschaffen ist. Er wird Visionen haben mit denen er nicht umgehen kann!“, meinte Mrs. Weasley besorgt und schaute in die Runde der Versammelten. Ihr Mann und Dumbledore waren schon länger da, aber Tonks, Moody und Kingsley waren vor ein paar Minuten noch dazu gekommen.
„Das ist noch das kleinste Problem, mit dem er lernen wird umzugehen. Bald wird er es schaffen nur dann Visionen zu bekommen, wenn er sie sehen möchte. Nein, mir will nicht in den Kopf gehen, das er so leicht entkommen konnte. Das ist eindeutig was faul. Roseanne hat war vor, ich weiß nur noch nicht was. Und ihre Tochter hat damit was zu tun. Oh je, ich glaube, wir müssen Spione zu einer Untersuchung losschicken. Am besten ein Animagi oder so. Der Spion darf gar nicht auffallen und muss uns weiterhelfen. Haben wir einen Animagus Auror Alastor?“
„Ich glaube nein, zumindest keinen, dessen Tiergestalt nicht auffällt außer... warte Albus, ich bin in zehn Minuten zurück.“
Und mit einem `Plop´ war er weg.
„Albus Dumbledore, langsam frage ich mich, ob meine Kinder nicht ein bisschen zu jung sind, um mit solchen konfrontiert zu werden. Ginny ist grade mal fünfzehn und Ron sechszehn. Und ich denke Harry und Hermine, die keinen deut älter sind, zu ebenfalls noch nicht dafür gewachsen. Sie sind die ersten, die alles vom Orden wissen, obwohl sie unter siebzehn sind. Sie hatten schon hundert Möglichkeiten zu sterben und langsam werde ich verrückt!“
„Ich weiß Molly. Wir können es nicht ändern. Dadurch, dass sie alle mit Harry befreundet sind, und den konnte ich nun mal nicht daraus halten, sind sie mit reingezogen worden. Außerdem ist Ron ein Element und wir können eigentlich von Glück reden, das er erst jetzt erfahren hat, was er ist. Voldemort hätte ihn schon lange zu sich rufen können und dann hätte er noch weniger mit umgehen können. Und jetzt geht bitte schlafen. In vier Stunden stehen wir alle schon wieder auf und müssen einen harten Arbeitstag überleben.“
Arthur, der bis jetzt eigentlich eher still war, öffnete noch den Mund um was zu sagen.
„Das gefällt mir trotzdem nicht. Und glauben sie mir, die anderen beiden Elemente werden es dieses Jahr auch noch erfahren, sei es durch ein Zufall oder durch Voldemorts Absicht, es wird passieren.“
„Arthur, der junge Malfoy wird es dieses Jahr in der Tat noch erfahren. Im Januar wird er siebzehn, dann hat er eh das Recht dazu, und bedenkt. So viel zu früh hat Ron es auch nicht erfahren. Er wird bald siebzehn. Ihr vergesst zu oft, das er bald erwachsen ist und seine eigenen Entscheidungen fällen wird. Und jetzt geht ins Bett, ich möchte auch noch ein bisschen Schlaf bekommen.
`Plop´.
„Albus, es gibt da eine Aurorin, sie ist als Laus verzeichnet und ihr Name ist Maurine Boje. Sie ist seit vier Jahren im Dienst, ist aber noch nicht besonders aufgefallen.“
„Das passt gut, Alastor weise sie bitte ein, jetzt muss alles schnell gehen“, sagte Dumbledore und apparierte, Alastor Moody gleich hinterher.
„Molly komm. Ich bin müde und wir müssen gleich schon wieder aufstehen, ich mag gar nicht dran denken.“
Arthur nahm die Hand seiner Frau und ging ins Schlafzimmer, wo sie beide schneller einschliefen als sonst einmal in ihrem Leben.
Die Sonne schien und der Himmel war blau. Die Koffer standen schon lange gepackt unten in der Küche und ausnahmsweise fühlte er sich mal richtig gut. Aber schnell war dieses Gefühl wieder verschwunden, als ihm einfiel, das sein bester Freund in den Klauen einer durchgeknallten Veelafürstin war. Seufzend stand Harry auf und zog sich an. Als er zur Tür hinaustrat begegnete er Ginny.
„Morgen!“, murmelte sie verschlafen und zusammen tappten sie die Treppe runter und gingen in die Küche. Niemand war hier. In der Küche war alles unberührt und es war unheimlich still. Reflexartig schaute Harry auf seine Armbanduhr und stellte fest, dass es neun Uhr war. Irgendwas war hier faul!
„Gin, geh mal schauen, wo deine Eltern sind.“
„Ist okay, und du weckst Hermine.“
Sie trennten sich und gingen ihrer Aufgabe nach. Harry stürzte in Hermines Zimmer und nahm keine Rücksicht darauf, dass sie nur wenige Stunden geschlafen hat.
„Hermine! Steh auf! Es ist neun, und in zwei Stunden fährt der Zug. Du solltest...“, weiter kam er nicht, weil ein wirklich greller, furchterregender Schrei durchs Haus fuhr.
„ARTHUR! WIR HABEN VERSCHLAFEN!!!“, brüllte Mrs. Weasley und mit einem lauten Krach wurde der Fuchsbau erschüttert. Hermine, die von Harrys Weckkünsten nicht beeindruckt gewesen war (damit meine ich, dass sie nicht wach geworden war), fiel bei dem Markerschütterden Schrei von Mrs. Weasley fast aus dem Bett.
„Oh Gott, schon so spät!“, murrte sie, als sie die Uhrzeit registrierte und taperte aus dem Zimmer, als der nächste Schrei losging.
„Langsam reicht es wirklich!“, dachte Harry.
„Ron! Du bist tatsächlich hier!“
Nachdem alle in Windeseile gefrühstückt hatten, gingen Mr. Weasley und Hermine noch mal ins Bad, weil die beiden es noch nicht geschafft hatten. Als sie damit fertig waren gingen sie alle vor die Haustür und stiegen in zwei riesige Firmenwagen vom Ministerium ein. Es war schon bedrohlich spät und deshalb beachteten die Fahrer mal nicht die Geschwindigkeitsbegrenzungen, sondern rasten wie die Bekloppten die Straßen entlang. Bei King´s Cross angekommen, schnappten sich alle ihre Koffer und stürmten die Wandelhalle, dann suchten sie Gleis neun und zehn.
Tief durchatmend blieben sie stehen. In zehn Minuten würde der Zug fahren, es würde also noch klappen.
Zuerst Hermine und Ginny, dann Ron und Harry und zuletzt die beiden Weasley Seniors.
„Sucht euch mal ein Abteil, wir kümmern uns um das Gepäck!“, meinte Mr. Weasley und übernahm die Führung der Koffer durch seinen Zauberstab.
Harry packte Ginny und Ron Hermine und zu viert liefen sie in den Zug um sich ein Abteil zu suchen, doch bevor sie überhaupt die Tür erreicht hatten, hörten sie hinter sich eine schnarrende Stimme.
„Ach ne, jetzt haben sich die Traumpaare gefunden, und damit sie keiner beim Knutschen stören kann, suchen sie sich ein eigenes Abteil!“
„Oh Mann Malfoy, halt einfach die Klappe. Schnapp dir deine Gorillas, such DU dir ein eigenes Abteil, damit du mit den beiden rumknutschen kannst!“, schrie Hermine, ohne sich umzudrehen, und verschwan im Zug, Ron und Ginny folgten ihr. Aber Harry, der sich an die Familiäre Situation von Malfoy erinnerte, blieb stehen.
„Was ist Potter, willst du mitkommen und auch mit mir rumknutschen?“, wollte Draco von ihm wissen.
„Ach Malfoy, lass gut sein, okay? Ich habe auf so was jetzt echt kein Bock. Es ist ein Wunder, dass gerade du noch solche dummen Sprüche auf Lager hast!“
„Nur weil meine Mum in wenigen Tagen stirbt und mein Vater ein mieser Mörder ist, hast du immer noch nicht das Recht mir den Mund zu verbieten Potter! Verpiss dich einfach!“
Mit diesen Worten drehte sich Malfoy um und verschwand mit Crabb und Goyle in Richtung einer Gruppe Slytherins.
Kopfschütteln setzte sch Harry dann endlich in Bewegung und folgte den anderen. Nach dem Durchsuchen mehrerer Abteile, fand er sie dann endlich in einem Abteil am Ende des Zugs. Außer den dreien fand er noch ein schwarzhaariges Mädchen und Neville vor.
„Harry, da bist du ja. Wir haben uns schon gefragt, ob ihr auch noch duellieren wollt!“, begrüßte ihn Ron. Harry, der ziemlich sauer war, war kurz davor eine gemeine Antwort zu geben, aber Ron war noch nicht lange wieder unter ihnen und er wollte sich wirklich nicht mit ihm streiten, außerdem war Hermine schneller.
„Dieser Typ regt mich so auf! Da ist sein Vater ein Mörder und seine Mutter so gut wie tot, und er lernt trotzdem nicht daraus! So bescheuert kann auch nur ein Malfoy sein!“, zeterte sie.
„Hey sage nichts gegen Malfoys! Ich bin mit denen entfernt verwandt und ich hoffe, ich bin diesem Draco nicht ähnlich“, bemerkte das schwarzhaarige Mädchen. Erst jetzt begutachtete Harry sie genauer. Sie war sehr hübsch. Ihre Haare waren lockig und zu einem Zopf zusammen gebunden, dabei hat sie wohl einige Strähnen vergessen, die ihr wirr in den Augen hingen. Ihre Augen waren olivegrün und der Teint rosig gesund und übersäht mit braunen Sommersprossen. Und der Mund! Harry fielen fast die Augen aus dem Kopf, bis er bemerkte, das Gin ihn stirnrunzelnd begutachtete. Schnell schloss er seinen heruntergeklappten Kiefer.
„Und wer bist du?“, fragte Neville frei heraus und wurde sofort knallrot, eigentlich war es nicht seine Art so forsch zu sein. – Der Zug setzte sich in Bewegung und bevor das Mädchen die Frage beantworten konnte, stürmten noch mal alle ans Fenster, um ihren Freunden und Verwandten winken zu können, das Mädchen blieb sitzen. -
„Ähm... ich bin Pearl Hooker. Meine Eltern sind von Irland hier hingezogen, deshalb muss ich die Schule wechseln. Ich komme ihn die sechste Klasse“, sagte sie dann schließlich, als alle wieder auf ihrem Platz saßen.
„Dann kommst du ja in unseren Jahrgang“, sagte Neville fröhlich, „hoffentlich kommst du nach Griffindor!“
„Griffindor? Was ist das?“, wunderte sich Pearl.
„Eins unserer Häuser. Außerdem gibt es noch Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin. Wir alle sind in Griffindor“, verkündete Neville und hob stolz die Brust, weil er nicht gestottert hatte und seine rote Färbung nicht extremer wurde.
„Ach so. Bei uns gab es nur zwei Häuser. Sinopoli und Morrison. So hießen unser beiden Gründer. Wisst ihr, unsere Schule ist erst dreihundert Jahre alt. Gina Sinopoli war die italienische Freundin von Harris Morrison. Sie war schon an der Gründung der italienischen Zauberschule beteiligt gewesen. Es war ihre Idee gewesen auch eine in Irland zu gründen. Die irischen Zauberer waren sonst immer mit auf Hogwarts gewesen“, erklärte Pearl und die Jungs hingen ihr förmlich an den Lippen. Gin und Hermine verdrehten nur die Augen.
„Echt Jungs, wenn ihr mehr lesen würdet, wäre das nicht so neu für euch!“, meckerte Hermine und kramte in ihrer Umhängtasche nach einem Buch.
„Ach Hermine, sei uns nicht böse!“, versuchte Ron sie zu versöhnen, zog sie ungefragt an sich ran und küsste sie. Seit heute morgen ging das schon die ganze Zeit so. Ron konnte einfach nicht von seiner Freundin lassen. Keiner wusste genau, was Ron erlebt hatte. Er hatte es kurz am Frühstückstisch erzählt, aber genaues wusste keiner. Er hatte sie aber ganz bestimmt schrecklich vermisst, als er auf dem Veelaschloss gefangen war. Doch jetzt übertrieb Ron maßlos. Als er Hermine nach drei Minuten endlich losließ, verdrehten die anderen, die mit im Abteil saßen, die Augen. Nur Pearl hielt sich zurück, sie wusste ja nicht wie schlimm das im Endeffekt wirklich war. Sie würde später noch oft genug die Augen verdrehen.
„Möchte jemand Kuchen oder Pasteten oder Getränke?“, fragte die Hexe, die immer mit ihrem Imbisswagen den Gang entlang tuckerte, als bereits zwei Stunden vergangen waren. In der Zeit hat Hermine ihr Buch durchgelesen und die andern haben sich über das kommende Schuljahr unterhalten. Pearl war sehr neugierig und wie sich herausstellte, war der Tagesablauf an ihrer Schule nicht viel anders. Jetzt legte auch Hermine ihr Buch weg (sie hat schon das zweite angefangen), kaufte sich einen Kesselkuchen und schaute interessiert in die Runde.
„Weiß jemand, wer der neue Lehrer in Verteidigung gegen die Dunklen Künste ist? Vorhin habe ich Gemunkel gehört, dass es jetzt wieder eine Lehrerin sein soll.“
Ron zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Du bist doch immer die, die alles weiß. Wir werden es dann wohl beim Empfangsfest erfahren!“
Auch die anderen schauten nur unwissend oder machten es Ron mit dem Schulterzucken nach.
„Harry? Machst du eigentlich DA weiter oder glaubst du, dass du keine Zeit mehr dafür hast??“, fragte Gin plötzlich, völlig unpassend zum vorherigen Thema.
„Ich denke mal, dass Dumbledore eine kompetente Lehrerin findet. Ich bin ja jetzt auch Quidditchkapitän und außerdem kommen die ganzen Prüfungsvorbereitungen und das spezielle...“, Harry schaute vorsichtig zu Pearl rüber.
„Ich weiß Bescheid, Dumbledore hat mir gesagt, dass ich auch mitmachen soll, genauso wie Neville und dieser Draco Malfoy.“
„Neville du sollst auch zum speziellen Auroren Training?“, fragte Hermine perplex.
„Zu was? .. Ach, ihr meint zur SuKAA. Ja, da soll ich auch mitmachen. Professor Dumbledore hat mir zwar nicht gesagt wieso und ich glaube nicht, das er will, dass ich dahin gehe, weil ich so begabt bin, aber er bestand darauf.“
„SuKAA?“, zweifelte Ginny.
„SuKAA bedeutet Spezielle und Kompetente Auroren Ausbildung“, erklärte Pearl die Bedeutung.
„Aha. Ich soll also mit euch Schwachköpfen eine Auroren Ausbildung machen. Dumbledore hat nicht alle Tassen im Schrank. Da werde ich niemals hingehen!“, kommentierte Malfoy plötzlich, der schon eine Weile unbemerkt an der Tür stand und das Gespräch verfolgte.
„Hey! Keine dummen Sprüche!“, fuhr Pearl ihn an und wirbelte herum. Alle erwarteten jetzt eine bissige Antwort, doch Malfoy blieb der Atem stecken. Die olivegrünen Augen fixierten ihn und funkelten böse. Irritiert schüttelte er sich, bevor er seine coole Art wieder zurück gewann. Mit einem halbwegs misslungenen arroganten Blick fragte er: „Und wer bist du? Ich kenne dich nicht!“
„Pearl Hooker. Ganz zufällig um fünfunddreißig Ecken mit dir verwandt! Natürlich kannst du das nicht wissen, weil deine Eltern meinen Vater verabscheut haben, und den Namen meiner Mutter kennt niemand!“
Sie stand auf und stemmte die Hände in die Hüften. Die Art von Malfoy machte sie wahnsinnig.
„Das ist schön. Hooker, der Name sagt mir wirklich nichts. Aber, hey, wir sind schon so entfernt verwand, das eine sexuelle Beziehung nicht mehr verboten ist. Du bist sehr hübsch und alle hübschen Mädchen wollen sich mit Draco Malfoy verabreden. Willst du mal mit mir ausgehen?“, den letzten Teil sagte er so von sich überzeugt, dass Pearl nicht anders konnte, als ihm eine zu kleben.
„Du bist eine abartige Kreatur! Lass uns in Frieden!“, schrie sie. Und Malfoy, der richtig Angst bekam, drehte sich kreidebleich um, einen roten Handabdruck auf der linken Wange, und verschwand.
„Dem hast du es aber gezeigt. Da kann ja nicht mal Hermine mithalten und die hat ihm vor drei Jahren schon gezeigt, dass intelligente Mädchen ein Händchen für Schlägerein haben!“, rief Ron begeistert.
„Ach lass gut sein, aber ich verstehe jetzt, was ihr meint. Der Typ ist ja ätzend. Aber er sieht gut aus, das muss man ihm lassen!“, sagte sie mit einem verschmitzen Lächeln. Darauf konnte Ron jetzt nichts mehr sagen. Draco? Gutaussehend? Das Mädel hat einen an der Klatsche, aber natürlich sagte er ihr das nicht.
Weitere vier Stunden unterhielten sich die sechs und diskutierten darüber, wohin Pearl wohl kommen wird. Ginny und Neville waren dafür, dass sie nach Griffindor kommen wird. Zuerst waren auch Hermine und Harry dieser Meinung, aber nach reiflichen Überlegen war für sie klar, das Pearl auch eine hohe Intelligenz und einen großen Fleißfaktor hatte. Also entschlossen sie sich für Ravenclaw. Ron, der sich die ganze Zeit enthalten hatte, beendete die sinnlose Diskussion, indem er bemerkte, das es letztendlich eh am Hut liege, und das es egal war.
Auf einmal wurde es dunkel. Alle Lichter waren aus und mit einem lauten Quietschen wurde der Zug gestoppt.
„Was soll das denn jetzt?“, wisperte Gin, die sich an Harry klammerte, so dass er kaum Luft bekam.
„Keine Ahnung!“, japste er.
„DEMENTOREN!“, schrie plötzlich ein Mädchen und raste den Gang am Abteil von Harry und seinen Freunden vorbei.
„Ich sehe überhaupt nichts!“, meckerte Ron, der versuchte durch die Fensterscheibe zu gucken. Aber dann wich er plötzlich zurück.
„Wie viele?“, fragte Harry, der wusste, das Ron sie dann doch gesehen hat.
„Das willst du gar nicht wissen. Und es sind ja nicht mal nur Dementoren, sondern auch Veelas, Banshes und Vampire. Langsam kriege ich Angst. Oh, und da sind die Todesser, alle mit Masken.“
„Nun sag schon, wie viele?“, fragte Harry noch mal diesmal sichtlich ungeduldig.
„Alleine die Dementoren sind unzählbar, ich schätze mal an die hundert, die Veelas sind doppelt so viel und die anderen...ach frag nicht, schau selbst!“
Zitternd kroch Ron vom Fenster weg. Kreidebleich lehnte er sich an die Wand und schaute panisch von rechts nach links.
„Wer ist in diesem Abteil?“, fragte eine große schwarze Gestalt, die in der Tür stand und verwirrt in die Runde sah, aber keine Gesichter erkannte.
„Professor McGonagall? Hier sind Hermine
Granger, Harry Potter, Neville Longbottom, Pearl Hooker, Ginny und Ron
Weasley.”
“Miss Granger! Na, Gott sei Dank. Bleiben sie bitte im Abteil und warten sie auf Ansagen und befolgen sie diese dann präzise. Dies ist ein Angriff von Voldemortsvorgeschmackarmee. Die Lehrkräfte werden jetzt draußen versuchen soviel wie möglich zu retten. Sobald die Situation außer Kontrolle gerät bitte ich sie, zu versuchen zum Schloss zu kommen. Dort sind bis jetzt nur Professor Binns und Professor Firenze. Wenn sie es schaffen müssen sie unbedingt eine von den beiden aufsuchen!“
„Alles klar Professor!“, antwortet Ron fest. Sein ganzer Körper zitterte, aber seine Stimme hörte sich stark und sicher an.
„Okay, ich muss jetzt die anderen Schüler benachrichtigen!“
Und mit diesen Worten eilte Professor McGonagall weiter.
„Oh Gott, mein erster Schultag fängt ja super an!“, stöhnte Pearl und lehnte sich zurück. Um weniger aufzufallen, hatten sich alle auf den Boden gesetzt. Ron sprang kurzzeitig noch mal auf, und die Abteilungstürfest zu versiegeln und mit einem Zauberband zusätzlich zu sichern. Es blieb es nur noch abzuwarten. Von draußen hörte man Schreie und viele Knalle und Ähnliches. Keiner sagte ein Wort. So vergingen die Stunden und nur ab und zu zuckte jemand zusammen, wenn ein Schrei besonders intensiv war. Wie es wohl bei den anderen Schülern aussah? Die armen Erstklässler. Das ist für die bestimmt ein unvergesslicher Schock. Hermine kuschelte sich näher an Ron an, der sie daraufhin liebevoll in den Arm nahm. Gin zitterte am ganzen Körper und Harry hielt sie ebenfalls in seinen Armen, obwohl er noch lieber mit rausgegangen wäre, um mitzukämpfen. Hier drin war es furchtbar. Pearl blieb eigentlich ganz ruhig. Ihre linke Hand zitterte zwar extrem, aber sonst strahlte sie gerade zu Gelassenheit aus. Neville neben ihr dagegen hyperventilierte fast. Pearl, die es schon nach wenigen Minuten nicht mehr ertragen konnte, packte seine Hand, um ihn geringfügig zu beruhigen. Das hatte eine unglaubliche Wirkung. Draußen stieg Rauch auf und eine laute Explosion riss alle aus ihrem Tranceartigen Zustand.
„Was war das?“, flüsterte Neville.
„Eine Explosion?“, zischte Ron zurück und gewann so die unheimliche Stille zurück.
Plötzliche bekam der Zug Stöße ab und die sechs wurden tüchtig durcheinandergeschüttelt.
Ein lauter Schrei entwich Gins Kehle. Auch die anderen konnten nicht mehr still bleiben. Panik brach aus.
„Was sollen wir jetzt machen?“, fragte Hermine panisch und kramte in ihrem Umhang hektisch nach ihrem Zauberstab.
„Solange es geht, bleiben wir im Abteil und wenn es dann soweit ist, dann kämpfen wir“, erklärte Harry ruhig, der automatisch das Kommando übernommen hat, keiner widersprach.
Langsam kippte der Zug zur Seite, mit schreienden Passagieren in ihm. Harry spürte eine leichte Übelkeit in sich aufkommen. Dann wurde das Fenster eingeschlagen und eine plötzliche Kälte kam in das Abteil gekrochen. Dementoren. Mehrere in schwarzen Mänteln gehüllte Arme griffen ins Leere.
Harry überlegte nicht lange. Er dachte fest an den ersten Kuss mit Ginny und schrie dann aus Leibeskräften: „Expecto Patronum!“ Und er war nicht alleine. Fünf andere Stimmen begleiteten ihn. Allerdings waren nur ein Hirsch und ein Otter zu sehen, die anderen Gestalten waren eher nebelige Gebilde, die noch keine fest Form hatten.
Erschrocken wichen die Arme zurück und es wurde wieder wärmer. Jetzt, da die Scheibe kaputt war, waren sie nicht mehr so gut geschützt, aber Harry konnte jetzt genau sehen, was draußen passierte. Allerdings musste er dazu aufstehen, weil das Fenster ja jetzt über ihnen war. Seine Beine wollten ihn erst nicht recht tragen. Nach mehrmaligen einknicken hatte er einen feste Stand bekommen und lugte vorsichtig nach draußen. Am Horizont konnte er Hogwarts erkennen. Sie schienen am Rand des Verbotenen Walds zu sein. Alles war voller Zauberer, die Flüche losschickten, und bösen, schwarzen Kreaturen. Allerdings hatte sich die Zahl der Gegner deutlich verkleinert. Es sah so aus, als ob die Auroren – wo kamen die alle her? – am Gewinnen waren. Harry spürte eine Hand an seinen Umhang und dann wurde er ruckartig nach unten gezogen, kurz danach flog eine Feuerkugel über ihn hinweg, die in getroffen hätte, wenn er nicht aus der Schusslinie verschwunden wäre.
„Danke Ron!“
„Keine Ursache. Du hast mich auch schon etliche male gerettet, wird mal Zeit, dass ich mich mal revanchiere!“, sagte Ron leicht hin und lehnte sich dann an ein freies Stück Wand.
Von draußen ertönte noch eine Weile später ein großer Jubel. Ohne zu überlegen sprang Harry hoch und kletterte aus dem Fenster. Er sah gerade noch, wie ein paar vereinzelte Dementoren und Veelas abzogen.
„Wir haben gewonnen!“, schrie er durch das Fenster und rannte dann zu den letzten Zauberern. Von weitem konnte er McGonagall und Mad-Eye Moody erkennen. Hinter einem Baum kam Dumbledore hervor und Hagrid folgte ihm, leicht hinkend, aber lebend.
„Harry! Was machst du hier draußen? Du solltest doch im Zug bleiben!“, schrie Hagrid zu ihm rüber und plötzlich richteten sich viele Augen auf ihm.
Harry erklärte kurz, was passiert war und erblickte, kurz nachdem er geendet hatte, eine Person auf dem Boden, sie hatte pinkes Haar.
„Tonks?“, flüsterte Harry und ungewollte Tränen stiegen ihm in die Augen.
„Der Krieg fordert viele Leben Potter!“, hörte er Moody sagen, „Sie ist nicht die einzige. Kingsley hat´s auch erwischt und Snape ist schwer verwundet. Insgesamt haben wir ungefähr dreißig Leben verloren!“
„Aber wieso?“, stammelte Harry, „Das ist so unfair. Sie waren viel mehr. Haben alle Lehrer überlebt?“
„Ja, nur Snape wurde erwischt, aber ich denke, er wird’s gerade noch schaffen. Ein Vampir hat ihn angefallen, wenigstens hatte er keine Zeit mehr ihn zu beißen!“, erklärte Moody, als ob sie im Unterricht sitzen würden.
„So, diese Nacht werden wir im Zug schlafen müssen!“, erklärte Professor McGonagall den Schülern, die um sie herumstanden. Der Zug stand schon wieder auf seinen Rädern, aber die Dementoren hatten die ganze Technik vernichtet so dass nicht einmal was mit Magie repariert werden konnte. Am nächsten Tag würden Ersatzteile kommen, und die Fahrt würde weiter gehen. Dumbledore hat dafür gesorgt, dass alle einen warmen Schlafsack bekamen und war auch schon wieder verschwunden, ja, als Schulleiter und Leiter des Phönixordens hatte man viel zu tun.
Es waren bereits Heiler eingetroffen, die sich um Snape kümmerten. Seine Lage war bereits wieder stabil.
Harry lag schon in seinem Schlafsack, aber schlafen konnte er nicht. Zu sechs in einem Abteil zu schlafen war sehr unbequem. Sein Kopf war merkwürdig angewinkelt, aber wenn er sich drehen würde, hätte er entweder Nevilles oder Rons Füße im Gesicht, und beides hörte sich nicht wirklich verlockend an.
Auch Pearl konnte nicht schlafen, außerdem würden sie die Visionen eh nicht ruhig schlafen lassen. Ministeriumsarbeiter aus Irland, die näher mit ihr bekannt waren, hatten ihr versprochen, dass Professor Snape ein hervorragender Zaubertränkemeister wäre, und dass er ihr bestimmt helfen könne. Hoffentlich lernt sie ihn überhaupt noch kennen! Ach, es hat keinen Sinn! Ungeduldig strampelte sie den Stoff von ihren Beinen, um aufstehen zu können. Sie wollte sich draußen ein bisschen die Füße vertreten.
„Nimm lieber eine Jacke oder einen Umhang mit, nachts ist es verdammt kalt!“, murmelte Harry ihr noch zu.
„Danke!“, flüsterte sie zurück, die anderen schliefen schließlich schon, und griff nach ihrem Umhang. Schnell legte sie ihn um und stolperte dann über die Füße nach draußen. Der Himmel war sternenklar und nichts ließ durchscheinen, dass vor zwei Stunden hier noch ein großer Kampf war. Die toten Zauberer waren schon lange fortgeschafft worden und das Gröbste war schon weggeräumt.
„Na? Kannst du auch nicht schlafen?“, fragte plötzlich eine Stimme direkt neben ihr.
„Was willst du hier?“, fragte sie zurück und versuchte nicht ihr Augenverdrehen zu unterdrücken.
„Sorry, dass ich dich vorhin mit so einem dummen Spruch angemacht habe, ich hatte einfach nichts besseres zu tun“, entschuldigte sich Malfoy, der jetzt vollkommen ins Licht getreten war und seine blauen Augen blitzen zusammen mit den Sternen.
„Ist schon okay, aber sag mal, warum bist du immer so ätzend? Das hast du doch gar nicht nötig!“
„Wenn du wüsstest. Mein Vater hat mich so erzogen, dass ich mich immer als etwas besseres fühle. Ich hasse ihn dafür. Und noch mehr hasse ich ihn dafür, dass er mich im Stich gelassen hat.“
„Er ist daran schuld, das deine Mutter im Sterben liegt, nicht wahr?“, fragte sie plötzlich.
„Woher weißt du das? Hat Dumbledore es allen aus meiner Stufe erzählt?“
„Quatsch. Ich weiß nicht, ich habe davon geträumt... aber,“ lenkte sie schnell ab, „woher willst du wissen, das ich in deiner Stufe bin?“
„Ich glaube, ich habe davon geträumt. Ich wusste, das wir eine neue Schülerin bekommen, die quer eingeschult wird. Du kommst aus Irland, nicht wahr?“
„Ja... hey, du verwunderst mich immer mehr, bist du auch ein..?“
„Ein was? Ein Hellseher? Nein, wenn dann ein Schwarzseher, aber eigentlich haben wir kein Seherblut in der Familie. Ich weiß nicht, manchmal träume ich halt Dinge, die dann passieren.“
„Also doch nicht...“, sagte sie mehr zu sich selbst, als zu ihrem Gegenüber.
„Warum sollst du zu dieser SuKAA gehen? Hat Dumbledore dir irgendwas gesagt?“
Der blonde Junge schüttelte des Kopf.
„Nee, keine Ahnung. Vielleicht, weil ich in meinem Jahrgang der dritt beste bin, oder weil meine Eltern das mal vereinbart haben, ich weiß nicht. Und du?“
Er wusste noch nichts von seinem Schicksal, also sollte sie besser auch den Mund halten, dachte sie.
„Nee, ich weiß es auch nicht“, sagte sie deshalb kurz und blickte dann wieder nach oben.
„Was hältst du von Potter und seiner Truppe?“
„Die sind eigentlich ganz nett. Du magst sie nicht besonders, oder?“
„Potter ist ein dummer Angeber, sein Weasley Freund ist seiner kleiner Fan und das er jetzt mit Weasleys Schwester zusammen ist versteh ich nicht. Was findet die an dem? Naja, und die Granger... nun ja, ist halt ein Schlammblut! Und Neville...“
„Du hast was gegen Muggelgeborene?“, unterbrach sie ihn barsch.
„Nun ja“, und er fing ernsthaft zu überlegen an, „eigentlich haben sie mir nie was getan, aber mein Vater hat mir erzählt, dass sie alle nur Dreck sind und das sie es nicht wert sind, eine vernünftige Ausbildung zu bekommen.“
„Dann geh lieber, mein Vater ist auch ein Muggel. Und mein Stiefmutter auch. Nur meine leibliche Mutter ist etwas Hexenähnliches, aber ich weiß es nicht, mein Dad will nicht, dass ich sie kennen lerne, er meint, sie sei furchtbar böse und ein Anhänger Voldemorts.“
„Dann bist du kein Schlammblut, sondern eine Halb und halb, okay, eigentlich ist das fast das gleiche, aber ich mag dich und werde deshalb nicht weggehen.“
„Und warum hast dann solche Abneigungen gegen Hermine? Ich habe sie heute kennen gelernt. Sie ist sehr nett und lustig. Ich wette, du hast dir einfach nur noch nie die Mühe gemacht, sie richtig kennen zu lernen, das ist alles.“
„Natürlich nicht. Mein Vater verbat mir Umgang mit solchen Menschen, und außerdem hang sie immer mir Potter und diesem Weasley rum!“
„Na und? Echt, du bist furchtbar, geh und beschäftige dich mit deinen Freunden.“
„Nein. Woher willst eigentlich wissen, dass du mit mir verwandt bist? Wenn dein Dad Muggel ist und du deine Mum nicht kennst...“
„Ist doch egal, es ist halt so. Was interessiert es dich, woher ich es weiß, es steht halt fest und jetzt geh! Du machst mich krank. Oh, da kommt eine Eule für dich.“
Pearl erhob sich von dem umgefallenen Baumstamm und wollte schon gehen, als sie plötzlich bemerkte, wie hinter ihr jemand zusammenklappt. Als sie sich umdrehte, um zu schauen, was mit Malfoy los war, sah sie ihn zusammen gekauert auf dem Boden liegen.
„Hey! Was ist los?“
„Nichts, verschwinde. Hau ab und lass mich in Frieden!“, schrie er sie an. Tränen rollten über sein Gesicht.
„Es tut mir leid, wegen deiner Mutter“, sagte sie plötzlich und streifte beim Vorbeigehen seine Schulter, so dass ihm ein Schauer über den Rücken lief. Woher zum Teufel wusste sie, dass er eine Nachricht über den Tod seiner Mutter in den Händen hielt? Sie war ihm ähnlicher, als er achte, aber so ähnlich? Hatte sie auch das zweite Gesicht? Bisher hatte er es niemanden gesagt, nur seine Eltern hatten ihm etwas darüber erzählt, aber sie ließen ihn auch schwören, dass er seinen Mund hielt. Aber vielleicht wusste dieses wunderschöne Mädchen mehr?
„Ähm... warte, ich muss dich was fragen!“, rief er ihr unerwartet zu. Sie war schon ein ganzes Stück von ihm entfernt, so dass er seine Aussage noch zweimal wiederholen musste, eh sie ihn gehört hatte.
„Was willst du?“, schrie sie zurück.
„Du bist die einzige, die vielleicht was über mich weiß. Du hast das zweite Gesicht, nicht wahr?“
Jetzt wurde sie hellhörig. Langsam ging sie auf ihn zu. Er wollte anscheinend mehr über sich wissen. Professor Dumbledore hatte ihr gesagt, sie sollte weder Neville noch Draco sagen, was sie sind, aber dieser Junge wollte es unbedingt wissen, außerdem wird er es eh in fünf Monaten erfahren. Aber nein, sie musste ihm irgendwie anders erklären, dass er was besonderes war. Wenn sie ihm jetzt vor den Kopf knallte, das er das Element Wasser ist, dann würde sie die Nacht damit verbringen müssen ihm alles zu erklären, dazu hatte sie aber keine Lust, weil sie tot müde war.
„Okay, du willst wissen, warum du Sachen siehst? Ich darf es dir nicht sagen, der Schulleiter hat es mir verboten. Aber auch wenn du damit fast einzigartig bist, solltest du dir darauf nichts einbilden. Eigentlich werden Kinder wie wir mit Bannen geschützt, bis wir alt genug sind, deine Eltern hielten es wohl nicht für nötig. Aber ich versichere dir, dass du nicht verrückt wirst, und dass du alles darüber im Winter erfahren wirst. Gute Nacht.“
„Aber...“
„Mehr erzähl ich dir nicht.“
„Dann bleib wenigstens hier, ich will jetzt nicht alleine bleiben!“, versuchte Draco sie noch umzustimmen.
„Ich dachte, ich soll verschwinden? Außerdem bin ich müde und hier ist es schweinekalt.“
„Nur ein paar Minuten“, bat er und sie willigte ein.
„Ich bin viel zu gutherzig! Was mache ich hier bloß? Dieser Junge mag niemanden, bittet mich aber, bei ihm zu bleiben, ich mag ihn auch nicht und setzte mich zu ihm! Bin ich vollkommen irre?“, dachte sie, als sie sich neben ihn setzte.
„Siehst du die Sterne?“, fragte er dann nach einer Weile.
„Klar, wäre schade, wenn ich sie nicht sehen könnte, normalerweise leuchten sie nicht so hell“, antwortete sie und dachte sich noch: „Aber normalerweise haben wir ja auch nicht den ersten Tag des Adlerjahrs, welches sich nur alle 1050 Jahre wiederholt.“
„Jeder Stern für eine Hoffnung. Was für eine Hoffnung hast du?“
Stirnrunzelnd drehte sich Pearl zu Draco. Der Typ war melancholischer, als sie gedacht hätte.
„Ich weiß nicht, vielleicht, dass ich eines Tages glücklich sein werde?“
Wieso zum Henker war sie jetzt ehrlich? Das war sie doch sonst auch nicht! Warum jetzt und dann auch noch zu jemanden, den sie gar nicht wirklich mochte.
„Und du?“, hackte sie noch nach.
„Das ich irgendwann aus diesem Albtraum aufwache!“, sagte er und reckte plötzlich sein Kinn.
„Hey ihr! Ihr beiden solltet wirklich ins Bett gehen, es ist spät, kalt und hier können immer noch irgendwelche dunklen Kreaturen herumschleichen!“, rief eine Frauenstimme hinter ihnen.
Pearl drehte sich hastig um. Eine blonde, junge Frau mit strahlend blauen Augen kam auf sie zu. Ihr Umhang war ein bisschen zerrissen und an ihrem Arm klebte Blut.
„Wer sind sie?“, fragte Draco verwundert.
„Mein Name ist Yves Coulter. Ich werde sie wohl in Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten.“
„Ach... sie sind die neue Lehrerin? Hmmm... okay, wir gehen gleich“, sagte Pearl schnell und drehte sich wieder zu Draco. Obwohl sie diesen Jungen schrecklich fand, fühlte sie sich irgendwie zu ihm hingezogen. Seine graublauen Augen spiegelte einen ganz anderen Charakter, als er ihn zeigte.
„Und wehe nicht!“, lachte die junge Frau und drohte spaßhaft mit ihrem Finger. Dann verschwand sie in der Dunkelheit.
„Du hasst mich, warum zeigst du mir das nicht?“, fragte Draco plötzlich.
„Ich hasse dich nicht, ich mag dich zwar nicht, aber Hass kann man es nicht nennen. Du hast was an dir, was mich zum Nachdenken bringt. Deine Art ist eigentlich nur ein Schutzschild, wogegen auch immer. Überlege dir mal, warum alle vor dir Angst haben und keiner wirklich dein Freund ist. Diese Typen, wie heißen sie doch gleich? Crabb und Goyle? Das sind keine wahren Freunde. Wenn du mal du selbst wärst, dann würdest du vielleicht auch mal aus deinem Albtraum erwachen!“
Ruckartig stand sie auf und entfernte sich, kurz bevor sie aus der Hörweite von Malfoy war, rief sie ihm noch zu: „Gegen die Visionen hilft ein Baldrian-Distel Aufguss mit einem Schuss Rum.“
Mit schmerzenden Knochen rekelte sich Harry und versuchte seine Kameraden nicht zu wecken. Gins Kopf lag auf seiner Brust. Ihre Haare verdeckten ihr Gesicht. Es ist unglaublich wie sehr es glänzte, obwohl es noch halb dunkel war.
„Harry! Schlaf weiter. Es ist noch Nacht. Ich bin müde, bitte schlafe weiter!“, murmelte sie unter ihrer Haarpracht.
„Was hat dein Schlaf mit meinem zu tun? Du kannst doch gerne weiterpennen. Nur weil ich wach bin, müssen ja nicht alle wach sein.“
„Wenn du jetzt aufstehst, dann muss ich mir eine andere Kopfablage suchen und schon kann ich nicht mehr schlafen“, murrte sie weiter.
„Dann hast du Pech!“, antwortete er unbeirrt und stand einfach auf. Ginny bekam fast einen Wutanfall. Trotzig schnappte sie sich den Schlafsack, den Harry von seinen Beinen abschüttelte, und knüllte ihn zu einem Kissen zusammen. Grinsend verließ Harry den Zug.
Draußen kam ihm kühle Luft entgegen.
„Mr. Potter! Was machen sie so früh hier draußen? Gehen sie wieder rein!“, zeterte Professor McGonagall ihn an.
Doch Harry ließ sich davon nicht beeindrucken.
„Wie geht es Professor Snape? Wird er wieder vollkommen gesund werden? Wo ist Professor Dumbledore? Haben sie eine...“, überhäufte er sie mit Fragen. Kopfschüttelnd lächelte seine Lehrerin.
„Sie sind nicht zu belehren, nicht wahr? Nun, Ihr Zaubertranklehrer wird in zwei Wochen wieder unterrichten können, bis dahin übernimmt Professor Coulter seine Stunden mit. Eigentlich sollte sie nur die Stunden in Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten, aber wie sich herausstellte, ist sie auch eine hervorragend ausgebildete Hexe auf diesem Gebiet. Ihr Schulleiter ist gerade dabei im Ministerium für Ordnung zu sorgen. Und nein, ich habe keine Ahnung, was Voldemort damit bezwecken wollte. Wahrscheinlich wollte er uns einen Bruchteil seiner bisherigen Armee zeigen. Und er hätte uns locker besiegt, wenn der Auroren Verband nicht so schnell reagiert hätte. Viele Leben wurden für diesen Schwachsinn geopfert.“
„Wann werden wir weiterfahren können?“
„Oh, die magischen Techniker sind seit einer halben Stunden dabei, den Zug zu reparieren. In ungefähr zwei Stunden werden wir wohl fertig sein und endlich zur Schule kommen. Dieses Jahr wird das Fest wohl ein bisschen anders aussehen.“
„Hmm... da haben sie wohl recht.“
„So, und jetzt muss ich ins Ministerium. Da ist irgendein Problem, wobei Professor Dumbledore meine Hilfe braucht.“
Und mit einem `Plop´ war sie auch schon weg. Irritiert starrte Harry noch eine Weile auf den Fleck, wo eben noch seine Lehrerin stand, bis er sich erschrocken umdrehte, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte. Ron stand da mit verschlafenem Gesicht und zotteligen Haaren.
„Ich muss jetzt endlich mit Jemanden reden!“
„Okay, lass uns da drüben hingehen. Wir müssen erst in zwei Stunden los, solange hast du Zeit.“
Das ihr Erzfeind Draco Malfoy letzte Nacht auf dem selben Baumstamm gesessen hat, wusste natürlich keiner von ihnen. Das Holz war feucht und kalt, aber eigentlich war das egal.
„Ich weiß nicht was ich machen soll. Jede Nacht werde ich jetzt von diesen Visionen verfolgt. Von jedem kann ich die Zukunft sehen, nur meine nicht. Ich fühle mich, als ob ich Nächte lang nicht geschlafen hätte. Diese Elementgeschichte macht mich echt fertig. Ich weiß gar nicht, wieso Grace wollte, dass ich den Bann öffne. Sie meinte, es wäre wichtig, aber ich sehe nichts, wo sie mir bis jetzt was gebracht hat, die Gabe. Okay, ich konnte so Dumbledore warnen, aber ich glaube sooo wichtig war das gar nicht.“
„Was siehst du?“
„Alles Mögliche. Ich kann mir gar nicht alles merken, weil es so viel ist. Ich habe Bruchstücke aus dem Leben von Godric Griffindor gesehen. Dann von meinen Eltern und Vergangenes von mir, aber ich glaube, dass ich meine eigene Zukunft nicht sehen kann. Es ist wirklich alles ziemlich verwirrend.“
„Ich würde dir ja gerne helfen, aber ich weiß nicht wie. Aber ich kann dir sagen, dass diese Grace bestimmt was damit bezwecken wollte, dass du den Bann brichst.“
„Wieso sollte sie? Sie hat mir geholfen zu fliehen.“
„Ich glaube, dass war ein abgekartetes Spiel. Ich weiß natürlich nichts, aber ich kann mir das vorstellen. Grace ist schließlich eine Dienerin von dieser Veelafürstin gewesen...“
„Ich weiß, sie war sogar die Tochter von ihr, aber trotzdem, sie hat mir geholfen. Und sie hat mich gebeten auf ihre Schwester aufzupassen. Sie soll übrigens neu auf die Schule kommen.“
„Wie heißt sie denn?“
„Keine Ahnung, sie hat keinen Namen genannt, sie sagte nur, dass ich versprechen soll, dass ich auf ihre Schwester aufpasse. Naja, irgendwann werde ich merken, wenn sie mir über den Weg läuft.“
„Kennst du schon die Namen der anderen Elemente?“
„Ja. Echt, außer bei Pearl kann ich es mir weder bei Neville noch bei Malfoy vorstellen. Und das schlimmste ist, dass wir vier zusammen arbeiten müssen. Ich mit Malfoy? Das wird in einer Katastrophe enden.“
„Vielleicht solltest du einfach mal mit Pearl darüber reden? Sie weiß es schließlich auch schon und vielleicht weiß sie schon besser darüber Bescheid??? Ich würde es echt einfach mal versuchen. Oder rede mit Hermine darüber. Sie hat bestimmt auch irgendeinen Trank, damit du wieder besser schlafen kannst!“
„Niemals! Ich werde Hermine nicht mit diesen Problemen belasten. Sie hat schon so viel Stress als Schülervertreterin, dann organisiert sie dieses Jahr ganz alleine eine AG, und noch so vieles anderes. Ich will nicht, dass sie irgendwann zu viel um die Ohren hat.“
„Ron!“, fuhr Harry ihn plötzlich an, „Sie wird es eh irgendwann erfahren, warum nicht gleich und meistens ist es leichter zu ertragen, wenn die Leute, die man gerne hat, von seinen Problemen bescheid wissen.“
„Vielleicht...“
„Ron! Guten Morgen!“, rief plötzlich Hermine, die auf die beiden zugelaufen kam. Wenn man vom Teufel spricht.
„Hermine! Hast du gut geschlafen?“, fragte Ron, während er aufstand, um seine Freundin in die Arme zu schließen.
„Ja klar, mir tun zwar alle Knochen und Muskelfasern weh, aber ich habe gut geschlafen!“, verkündete sich fröhlich und Harry versuchte sich ein Grinsen zu verkneifen.
„Darf man fragen, was ihr hier in aller herrgottsfrüh hier draußen macht? Ich weiß nicht ob es euch aufgefallen ist, aber hier ist es schweinekalt!“, bemerkte sie.
„Hier ist es nicht kalt, du hast einfach nur zu wenig an!“, meinte Ron darauf und musterte sie von oben bis unten. Sie hatte ihren Umhang im Zug gelassen und hatte so nur ihre Schuluniform an, in der sie auch geschlafen hatte, so wie eigentlich alle Schüler.
„Das kann natürlich sein!“, lachte sie und ließ sich von Ron mit in seinen Umhang hüllen.
„Schläft Gin immer noch?“, wollte Harry dann von Hermine wissen.
„Ich glaube nicht, sie versucht zwar so zu tun, aber seit du weg bist, hat sie einfach zu viel herumgemeckert, als das sie noch schlafen könnte.“
„Hmmm, ich geh sie mal zu ihr. Schlafen Neville und Pearl noch?“
Hermine schüttelte den Kopf und Harry verschwand in Richtung Zug.
„Und was machen wir beide jetzt?“, fragte Ron mit einem unschuldigen Blick.
Hermine schaute nur zu ihm hoch und entblößte ihre makellosen Zähne, als sie ihn angrinste und er sich zu ihr herunterbeugte, um sie (mal wieder) zu küssen.
Nach den besagten zwei Stunden ging es dann endlich weiter. Die meisten Schüler hatten nicht gut geschlafen, und trotzdem waren viele gutgelaunt. Nach dem ersten Schock, waren sie erst mal froh, wieder in die Schule zu kommen.
Noch nie waren so viele Schüler lachend aus dem Zug gestürmt wie heute. Pearl konnte nur darüber lächeln. Sie alle hatten ja gar keine Ahnung, dass das gar nicht mal das schlimmste war. Sie selbst hatte schon vieles schreckliches erlebt und wusste darüber mehr als ihr lieb war. Glücklicherweise waren Hermine, Ron, Gin, Harry und Neville da. Sie hätte nicht gedacht, dass sie so schnell Freunde finden würde, aber es hatte doch geklappt.
Sie folgte den anderen aus ihrem Abteil in eine Kutsche und betrachtete die Testreale. Vor zwei Jahren hat sie ihre einzigen Freund auf dem Veelaschloss sterben gesehen. Ihre Mutter hatte ihn zu Tode gefoltert. Wie sehr sie sie dafür hasste. Und dann hatte ihre Mutter auch ihre Schwester vor Ewigkeiten umgebracht. Tatjana war ihre liebste Schwester gewesen. Grace war immer so falsch, wie ihre Mutter gewesen. Aber Tatjana hatte noch eigenen Stolz und eine eigene Meinung gehabt, was ihr letztendlich aber auch zum Verhängnis wurde. Wie sie zu ihrer Mutter stand wusste sie nicht genau. Sie würde ihr auf keinen fall so ergiebig dienen, aber ihre Unterwürfigkeit war doch schon schlimmer, als es von dem irischen Ministerium geplant war. Schnellstens musste sie etwas finden, was ihr half, und irgendwie war Draco Malfoy wohl die Lösung. Er war zwar ätzend, arrogant und eigentlich viel zu schwach, aber irgendetwas war da.
Das Schloss war wirklich schön, fiel ihr plötzlich auf, als sie aus der Kutsche stieg und nach oben sah.
„Die Decke ist verzaubert, damit man den Himmel sehen kann. Rowena Ravenclaw kam bei der Gründung auf die Idee“, erklärte Hermine Pearl, als sie die Halle betraten.
„Das kann man in >Eine Geschichte von Hogwarts< nachlesen, nicht war?“, erkundigte sich Pearl und Hermine nickte.
„Ich glaube, du muss mit zu den Erstklässlern, damit der Hut dein Haus aussuchen kann“, vermutete Hermine und Pearl verabschiedete sich von den anderen, als sie sich zu Professor McGonagall begab.
Die Lehrer saßen alles schon am Lehrertisch, nur der Platz von Snape war leer.
„Willkommen, meine lieben Schüler!“, rief Dumbledore, der bereits wieder aufgetaucht war, in die Halle hinein, „Ich freue mich, dass alle den Anschlag lebend überstanden haben. Unser Meister der Zaubertränke wird in zwei Wochen wieder unterrichten können. Bis dahin wird unsere neue Lehrkraft, Professor Coulter, die Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten wird, seine Stunden mit übernehmen.
Es tut mir auch sehr leid, das ihr euren Hunger noch ein bisschen hinausschieben müsst, aber die Auswahl der Erstklässler ist nun mal sehr wichtig, ich habe immerhin den Sprechenden Hut dazu gekriegt, dass er sein Lied heute ausfallen lassen wird. Natürlich war er darüber sehr erbost, aber letztendlich hat er es doch eingesehen.“
Auf McGonagalls Befehl hin, folgte Pearl ihr mitsamt den ganzen anderen Erstklässlern. Sie fühlte sich ein bisschen verloren, weil sie ein Kopf größer, als die meisten anderen war. Unsicher schaute sie zu den vier Tischen hin und suchte bekannte Gesichter. Das erste, was ihr auffiel, war Draco Malfoys Gesicht. Als er auch sie bemerkte, lächelte er sie kurz an und schaute dann schnell nach unter, wo er interessiert den Boden betrachtete.
Lächelnd konzentrierte Pearl sich jetzt auf den Dreifuss und den Hut in Professor McGonagalls Hand.
„Bevor die traditionelle Auswahl der Erstklässler beginnt, möchte ich euch Pearl Hooker vorstellen, die von Irland hier herzog und so die Schule wechselte. Sie wird die sechste Klasse besuchen und als erstes eines der Häuser zugeteilt“, gab Dumbledore noch bekannt, bevor sie sich auf den Schemel saß und den Hut von McGonagall auf den Kopf gesetzt bekam.
„Hmmm..., bei dir ist wirklich alles da. Du trägst ein dunkles Geheimnis in dir und hältst es mit Lügen verborgen. Deine Intelligenz ist hervorragend, aber auch dein Mut ist sehr ausgebildet und deine Loyalität zu deinen Zielen ist bemerkenswert, aber am besten passt du, glaub ich, nach RAVENCLAW!!!!“
Den letzten Teil schrie er, wie immer in die Halle.
Ein bisschen enttäuscht übergab sie den Hut der Lehrerin und sprang vom Hocker. Aber als sie die applaudierende Gruppe Ravenclaws sah, musste sie doch lächeln. Schnell eilte sie zu ihrem Tisch und nahm zwischen Terry Boot und Lisa Turpin Platz.
Jetzt begann die Erstklässlerauswahl.
„Jeder, der seinen Namen hört, geht nach vorne und setzt sich den Hut auf, wenn ihr eurem Haus eingeteilt wurdet, dann gebt ihr den Hut den nächsten Schüler“, erklärte Professor McGonagall den Schülern.
„Altenbernd, Joy...!“
Ein kleines, wirklich dürres Mädchen, mit großen Eulenaugen, schlich nach vorn und setzt sich auf den Stuhl. Der Hut brauchte mehrere Minuten, bis er „GRIFFINDOR“ verkündete.
„Bradley, Athlone...!“
„Slytherin!
„Couper, Tralee!“
„Ravenclaw!“
Cruisie, Ciaran!
“Slytherin!”
So ging es immer weiter. Der Hut brauchte meistens nicht länger als eine Minute, um seine Entscheidung zu fällen. Nur bei einem Jungen, brauchte er etwas länger.
„Hadden, Marcel!“
Schon der Name bewirkte irgendetwas, dass wirklich alle Anwesenden auf ihn starrten. Dabei sah er eher unscheinbar aus, hellbraunes Haar, braune Augen und eine riesige Brille. Aber die Art, wie er sich bewegte, lenkte viele Blicke auf sich. Der Hut brauchte hier besonders lange. Nach geschlagenen fünfzehn Minuten, der Junge war immer nervöser geworden, entschied er sich dann für Hufflepuff.
Die restlichen fünfzehn Schüler brauchten nicht viel länger als der eine Junge.
Nachdem die beiden letzten, Smith, Fabian (Hufflepuff) und Street, Patrik (Griffindor), zu ihrem Tisch gegangen waren, klatschte Dumbledore einmal in die Hände und ein köstliches Frühstück erschien auf dem Tisch. Ron fielen fast die Augen aus dem Kopf. SO ein Frühstück hatte er noch nie gesehen. Nicht einmal Weihnachten gab es so was, Dumbledore hat sich wohl mächtig ins Zeug gelegt, damit die Schüler nicht verhungerten, schließlich war es Ewigkeiten her, als sie das letzte Mal vernünftig gegessen haben.
Am Griffindortisch aß Ron wohl am meisten. Als die meisten nach fast einer Stunde um die fünf Brötchen und Eier und Speck in sich reingeschaufelt hatten, war Ron gerade mal angefangen. Am Ende hatte er zehn Brötchen gegessen.
„Hier sind unsere Stundenpläne!“, verkündete Hermine und sie gab ein Stapel von Pergamentrollen rum.
„Fängt der Unterricht etwa jetzt gleich an?“, fragte Ron mit einem geschockten Gesichtsausdruck.
Die einzige Antwort darauf war ein schallendes Lachen von Hermine und unverschämtes Grinsen von Gin, Harry und Neville, die in der Nähe waren und zu gehört hatten.
„Mann Ron, wir haben Sonntag, da haben wir nie Unterricht!“, erklärte Hermine ihm dann, als sie sich beruhigt hatte.
„Oh... na dann“, murmelte Ron etwas errötet und vergrub sein Gesicht schnell in seinem Stundenplan.
„Harry, morgen haben wir ja nicht wirklich viele Stunden, zumindest im Gegensatz zu den anderen Tagen, nur ne Doppelstunde Dunkle Kreaturen, Magische Geschöpfe und Abblockzauber! Aber komisch ist es schon, da steht gar nicht mehr, ob wir mit den Slytherins oder so haben“, rief er dann nach einer Weile aus.
„Ron!“, stöhnte Harry etwas genervt, „Wir haben nicht mehr alle Fächer zusammen. Ich habe morgen eine Doppelstunde Dunkle Kreaturen, eine Doppelstunde Zaubertränke und eine Doppelstunde Magische Heilung. Und da jeder andere Fächer gewählt hat, steht da auch nicht mehr, mit welchen Haus wir zusammen haben, weil wahrscheinlich aus jedem Haus ein paar Schüler in jedem Kurs sind.“
„Ach ja, stimmt ja, du hattest fast nur andere Fächer als ich und mit Hermine habe ich auch nur Verteidigung gegen die dunklen Künste, Abblockzauber und Kräuterkunde zusammen. Man, das wird trostlos. Hermine, was hast du alles gewählt?“
„Zu viel, würde ich sagen. Pflicht waren ja nur sechs Fächer. Zwei Leistungskurs, zwei Grundkurse und zwei Wahlkurse. Naja, ich habe drei Grundkurse und noch einen Nebenkurs, weil ich der Meinung bin, dass man nicht zu viel lernen kann“, antwortete sie.
Ungläubig glotze Ron sie an.
„Bist du wahnsinnig? Willst du dich wieder mit dem Zeitumkehrer zu Tode schuften? Das hast du schon im Dritten Jahr kaum überlebt, wie willst du das jetzt mit deiner AG und SuKAA unter den Hut bekommen? Ich verstehe dich einfach nicht!“
„Ich habe nicht vor den Zeitumkehrer zu benutzen. Keine Angst, ich schaffe das schon. Ich habe zumindest keine zwei Fächer zur Gleichen Zeit und ich werde auch nur in sechs Fächern meiner Wahl geprüft, ich muss also nicht so extrem dafür lernen. Und jetzt mache bitte nicht so ein Gesicht!“
Hermine betrachtete Ron etwas traurig, weil er sie immer noch ziemlich empört anschaute.
„Hast du eigentlich auch vor, ein bisschen Zeit mit mir zu verbringen?“, fragte er niedergeschlagen.
Verwirrt hob Hermine ihren Kopf, den sie vorher gesenkt hatte, um den Stundenplan besser studieren zu können.
„Natürlich habe ich das vor. Was glaubst du denn?“, fuhr sie dann plötzlich entrüstet hoch und sah ihn mit großen, dunkelbraunen Augen an. Ohne Vorwarnung küsste sie ihn dann und entlockte ihm so wieder ein Lächeln. Als sie dann aufblickte, bemerkte sie zwei verwunderte Gesichter. Seamus und Dean blickten vollkommen überrumpelt in ihr Gesicht.
„Sagt bloß, ihr seid wirklich zusammen“, kam es nur aus Seamus Mund gepresst und als Hermine lächelnd nickte, lachten beide los.
„Was gibt es da zu lachen?“, fragte sie durcheinander.
„Wir lachen, weil wir schon Wetten abgeschlossen haben, wann Ron es endlich schafft mit dir zusammen zu kommen. Hey Mann! Es war schon in der Zweiten Klasse offensichtlich, dass er in dich verliebt war. Er wusste es nur nie! Und wir waren uns eben nicht sicher, ob ihr uns in der Winkelgasse vielleicht doch veralbert habt“, kicherte Dean. Ron wurde darauf noch röter und betrachtete deshalb sehr interessiert seine Schuhe.
Hermine packte die Gelegenheit und schnappte sich seinen Stundenplan.
„Hey!“, protestierte Ron. Doch Hermine hielt mit ihrer linken Hand seine Arme fest, während sie den Stundenplan in ihrer rechten hielt.
„Ich muss doch wenigstens wissen, wann du mal mit mir zusammen Schluss hast... hey, hier scheint ein Fehler zu sein. Du hast doch gar nicht Geschichte der Zauberei gewählt, oder?“
Verwirrt schaute Hermine Ron an und wurde noch verwirrter, als offensichtlich wurde, dass es kein Fehler war.
„Aber Ron! Du hasst Geschichte der Zauberei! Du bist immer fast eingeschlafen. Wie willst du es da denn überleben, wenn ich nicht mitschreibe?“
„Wie ich das überleben soll, weiß ich noch nicht, aber Charly hat mir gesagt, dass das Fach wichtig ist. Jetzt würden die Epochen kommen, wo die Erforschung der Drachen anfängt und die Kämpfe mit den Hippogreifen kommen auch bald dran, und so was muss ich wissen. Vielleicht könnt ihr mich ja mit den Aufmerksamkeitszauber belegen, wenn ich zu Professor Binns Vorlesungen muss, damit ich alles mitbekomme.“
„Das ist zu lustig, echt!“, meinte jetzt auch Ginny und Harry stimmte ihr nickend und lächelnd zu. Aber da Ron so verzweifelt aussah, fügte sie noch hinzu: „Ach Ron, ich habe große Vertrauen in dir. Du wirst damit fertig werden!“ Dann stand sie auf, nahm Harry Hand, klopfte ihrem Bruder noch mal auf den Rücken und ging mit ihrem Freund aus der Halle.
Pearl hatte gar nicht so einen großen Hunger. Sie war mit einem Brötchen vollkommen zufrieden. Viel mehr Spaß hatte sie damit, ihre Umgebung zu betrachten und ein Urteil zu fällen. Ihre Tischnachbarn waren sehr nett zu ihr. Terry Boot, der alle Fächer, außer Zaubertränke, mit ihr zusammen hatte, bot ihr an, ihr nach dem Frühstück erst mal die Schule zu zeigen. Dankend nahm sie an. Schon draußen hatte sie bedenken gehabt, sich jemals in Hogwarts zurecht zufinden. Ihre alte Schule war nicht halb so groß gewesen.
Ein blonder Junge lächelte sie an. Schon die ganze Zeit war sie immer am Slytherintisch hängen geblieben. Dieser Malfoy hatte irgendeine mystische Anziehung auf sie. Andauernd musste sie in diese graublauen Augen blicken und vergaß dabei immer fast, wo sie war. Das war echt schrecklich. Die beiden Gorillas neben ihm starrten nur die ganze Zeit das Essen an und stopften sich damit voll. Die beiden waren wohl die einzigen, die noch mehr gegessen haben, als Ron. Aber da sie mit Essen beschäftigt waren, bekamen sie nicht mit, was ihr toller Freund machte, denn sie wären wohl schockiert gewesen. Auch wenn sie eigentlich nicht die hellsten waren, sie konnten Schlammblüter, Reinblüter und Mischlinge unterscheiden, und außer mit Reinblütern wollten sie nichts zu tun haben. Aber Draco war fasziniert von Pearl. Ihre schwarzen Locken, die sie heute locker hoch gesteckt hatte, diese unglaublichen Augen. Und obwohl sie grün waren, erinnerten sie ihn mal nicht an diesen Potter. Und der Mund war besonders schön. Nicht so dünnlippig, wie der von dem Weasley Mädchen und auch nicht so groß wie der von der Granger, nein, einfach nur perfekt. Und dann hatte sie auch noch eine traumhafte Figur. Draco erwischte sich dabei, wie er schon fast dämlich in ihre Richtung schaute und sie bescheuert anlächelte. Was tat er da nur? Schnell drehte er sich um und ließ sich auf ein Gespräch mit Pansy Parkinson ein.
Pearl bemerkte seine hastige Bewegung und musste willkürlich lächeln.
„Soll ich dir jetzt die Schule zeigen?“, fragte sie Terry, der sich neben ihr erhob.
„Oh ja, das wäre sehr nett.“
Sie folgte ihm und ließ sich alles zeigen. Zuletzt standen sie vor einem sehr alten Gemälde, mit einer großen Weide und einem kleinen Mädchen darunter.
„Passwort?“, piepste sie.
„Centaurea cyanus!“, antwortete Terry und das Gemälde schwang zur Seite.
„Was?“, fragte Pearl irritiert, als sie in einem gemütlichen Kaminzimmer standen und das Gemälde hinter ihnen zurückschwang.
„Das ist das Passwort, ohne das kommst du hier nicht rein“, erklärte Terra ihr lächelnd.
„Das ist mir schon klar“, meinte sie, „aber wie lautete es noch mal? Ich habe es nicht verstanden, beziehungsweise kenne ich seine Bedeutung nicht. Also?“
„C-e-n-t-a-u-r-e-a c-y-a-n-u-s!“, buchstabierte er ihr das Passwort.
„Es ist der lateinische Begriff für Kornblume. Aber frag mich nicht, warum wir gerade das als Passwort haben, Darleen, das Mädchen auf dem Gemälde, nimmt immer solche komischen Wörter“, sagte er achselzuckend.
„Naja, egal, wo sind die Schlafräume?“, erkundigte sie sich.
„Die der Mädchen rechts, die der Jungs links, die Treppe hoch.“
Und er zeigte mit seiner Hand in die Richtungen, die er meinte.
Von den Mädchenschlafräumen kam gerade Lisa Turpin, mit der sich Pearl schon am Frühstückstisch ein bisschen unterhalten hat, herunter.
„Pearl! Du bist bei uns mit im Schlafraum. Komm, ich zeig es dir!“, rief sie herunter und nahm sie bei der Hand, als sie nach oben kam.
„Danke!“, richtete sie noch an Terry, als sie auch schon hinter der Tür verschwunden war.
„Hier ist dein Bett!“, sagte ihr gerade Lisa und zeigte auf das Bett am Fenster. Außer uns beiden schläft hier noch Padma Patil, Sally-Ann Perks und Mandy Brocklehurst. Eigentlich sind sie alle ganz verträglich.“
Lächelnd setzte sich Pearl auf ihr neues Bett. Es war ein blaues Himmelbett mit samtblauen Vorhängen. Auf die Bettwäsche war das Wappen von Hogwarts gedruckt, ansonsten war sie blau. Sie freute sich, dass ihr Bett am Fenster stand. Zuhause war es genauso. Da sie oft nachts nicht schlafen konnte, setzte sie sich gerne ans Fenster und betrachtete die Sterne. Schon bevor sie in die Schule kam, beherrschte sie alle Sternennamen und die der Planeten. Es war auch eigentlich das einzige Fach, an dem sie Interesse hatte und Wahrsagen, aber das lag wohl eher daran, weil sie diese unerwünschte Begabung hatte.
„Pearl?“
Lisa holte Pearl aus ihren Träumereien.
„Ja?“
„Kannst du Quidditch spielen? Terry ist dieses Jahr der Mannschaftskapitän und wir brauchen noch einen Treiber und einen Hüter.“
„Was? Quidditch? Dieser Sportart, die man auf Besen spielt? Sorry, nein, niemand bekommt mich auf einen Besen. Sorry!“
„Du hast Flugangst?“
„Ähm...so möchte ich es eigentlich nicht nennen, aber, ja, das könnte sein. Natürlich kann ich fliegen und so, aber nicht besonders gut. Außerdem habe ich immer Angst, dass ich runterfalle.“
Vollkommen schockiert starrte Lisa sie an.
„Du liebes bisschen, da wird sich Draco Malfoy aber freuen!“, rief sie dann aus, als sie genug vom Starren hatte.
„Malfoy? Wieso?“
„Na, der macht sich über jeden lustig, der irgendwelche Schwächen hat. Und wenn er jemanden nicht mag und keine Schwächen kennt, dann sucht er welche. Du solltest dich vor ihm in Acht nehmen, der ist echt gemein und kann ganz schön unter die Gürtellinie gehen. Du bist zwar sehr hübsch, sodass er dich wohl erst mal fragen wird, ob du mit ihm ausgehst, aber irgendwann wird er dich dann auf dem Kiecker haben.“
„Danke“, lehnte Pearl ab, „dazu hat er mich schon aufgefordert und ich habe ihm dankend eine Abfuhr erteilt.“
„Echt? Man, du hast echt Courage. Ich hätte das, glaub ich, nicht geschafft.“
„Naja, ich habe ihm nicht nur eine Abfuhr erteilt. Weil er mich auf eine echt ekelhafte Art angemacht hat, habe ich ihm eine geklebt.“
Lisa pfiff durch die Zähne.
„Wow, aber auf dumme Sprüche solltest du dich gefasst machen. Hier ist es genauso, wie auf Muggelschulen. Die Jungen stellen jedem hübschen Mädchen nach, bis sie sie rumkriegen und du gehörst nun mal dazu.“
Lachend kniete Pearl sich hin und kramte in ihrem Koffer, der so wie alle anderen auch, schon lange nach oben gebracht wurde. Nach einer Weile, Lisa beobachtete sie schon eine Weile, zog sie eine dicke Hornbrille aus einer Ecke. Demonstrativ setzte sie die Brille auf.
„Ob ich die Jungen hier mit abschrecken kann?“
Lisa inspizierte sie wie ein Detektiv, bis sie eine Entscheidung getroffen hatte.
„Wahrscheinlich nicht. Jeden würde diese Brille potthässlich machen, aber dir verleiht sie irgendwie eine sexy Seite. Wofür brauchst du sie?“
„Sexy? Also bitte. Ich sehe damit furchtbar aus. Ich brauche sie zum Lesen, ich bin weitsichtig. Ein Glück nicht sehr viel, aber es reicht für eine Brille. Weißt du, mein Dad hätte bestimmt ein schöneres Gestell ausgesucht, wenn wir nicht gerade in einer Finanziellen Notlage wären. Das hier war das günstigste Gestell.“
Die Brille landete wieder im Koffer.
Nachdenklich setzte sich Lisa aufs Bett.
„Was willst du machen?“, wollte sie schließlich wissen.
„Ich weiß nicht. Stell mir alle Ravenclaws vor oder lass uns dreimal um die Schule laufen. Wir können auch einfach rumschlendern. Alle Klassenräume abklappern oder die Bücher der Schulbibliothek auswendig lernen wäre auch nett. Mir ist es wirklich egal.“
„Hast du immer so durchgeknallte Ideen? Ich kenne doch selbst nicht mal alle Ravenclaws, das sind mir eindeutig zu viele Namen. Und ich bin nicht gerade sportlich, ich würde es wahrscheinlich nicht mal einmal um die Schule schaffen. Und alle Bücher? Du bist echt ein wenig verrückt!“
„Dann lass uns zum See gehen.“
„Okay, ich hole nur kurz meinen Umhang!“ Geschwind lief sie zum Schrank und holte ihren schwarzen Umhang mit dem Rawnclawkennzeichen auf der Brust heraus und zog ihn an.
„Wollen wir raus gehen?“, fragte Hermine Ron. Die beiden saßen immer noch am Griffindortisch, der sich schon fast ganz geleert hatte.
„Ja, wir könnten einen Spaziergang um den See machen. Noch haben wir ja keinen Unterricht. Gott sei Dank. Sie wollten gerade die Halle verlassen, als Professor McGonagall sie aufhielt.
„Professor Dumbledore bittet sie in sein Büro. Falls ihnen unterwegs Mister Malfoy, Mister Potter, Mister Longbottom, Miss Weasley oder Miss Hooker über den Weg läuft, dann sagen sie ihnen bitte, das für sie dasselbe gilt.“
Kaum hatte sie die Bitte geäußert, wuselte sie auch schon weiter, um weitere Schüler zu suchen, denen sie was sagen soll.
„Na toll, dann eben kein Spaziergang, sondern ein Besuch beim Schulleiter“, murrte Ron, während sich Hermine lächelnd bei ihm unterhakte.
Auch Draco Malfoy saß noch am Slytherintisch. Normalerweise redet er gerne mit den anderen, um seine Position auch immer zu zeigen, aber seit er den Brief über den Tod seiner Mutter bekommen hatte, hatte er nicht viel geredet. Stattdessen machte er sich Gedanken über vieles, was ihm vorher noch gar nicht bewusst gewesen war.
Er hörte zwar jedem zu, aber meistens antwortete er nur mit einem Nicken, Kopfschütteln oder einem Brummen. Langsam leerte sich die Halle und die Tische wurde durch Zauberhand abgeräumt.
Und da war sie. Mit ihren olivegrünen Augen, den schwarzen, hochgesteckten Locken und einem zauberhaften Lächeln.
„Pearl! Warte mal, ich muss dich was fragen!“, rief er zu ihr rüber und stand auf. Sie drehte sich um, um zu schauen, wer da mit ihr redete und lächelte dann, als sie Draco erblickte.
„Warum lächele ich? Was soll das? Ich mag ihn nicht. Er ist arrogant, hochmütig, abartig, ekelhaft, und... er sieht verdammt gut aus. Außerdem spielt er allen nur was vor. Er ist intelligenter, lieber und schüchterner, als es auf den ersten Blick aussieht“, dachte sie bei sich.
„Hey, warum redet er mit dir? Ich dachte, du hast ihm eine geklebt? Hab ich was verpasst?“, wunderte sich Lisa neben ihr. Pearl lächelte daraufhin nur.
„Du kennst ja nicht die ganze
Geschichte... Hi Draco...“
„Na?! Du, ich finde es ja sehr nett von dir, dass du mir einen Trank für diese dummen Träume gibst, aber woher soll ich Rum bekommen?“, fragte er sie, als er dazu gekommen war.
„Hmmm... Feuerwhiskey tut es auch und den bekommt man bestimmt in Hogsmade. Und wenn nicht, dann kann ich dir nachher erst mal etwas leihen!“
„Mister Malfoy! Miss Hooker. Beide bitte sofort in Professor Dumbledores Büro!”, sagte Professor McGonagall, die plötzlich hinter ihnen stand.
„Warum?“, erkundigte sich Draco, mal ganz und gar nicht so, wie er es sonst tat.
„Sie werden es noch früh genug erfahren. Beeilen sie sich einfach!“, herrschte ihn die Lehrerin an und kleinlaut verschwand er mit Pearl, die sich vorher noch von Lisa verabschiedete, in Richtung Büro.
„Du weißt wo wir hin müssen, oder?“, fragte Pearl etwas unsicher. Terry hatte bei ihrem Rundgang wohl den Trakt von Dumbledore vergessen.
„Klar, folge mir einfach!“, antwortete Draco selbstsicher, er hatte seine alte Art zurück.
Als sie schon fast den Wasserspeier erreicht hatten, blieb Draco plötzlich stehen.
„Spielst du eigentlich Quidditch? Ich habe gehört, dass die Ravenclaws noch Spieler brauchen. Und ich hätte gerne eine Gegnerin wie dich.“
„Ähm... nein. Ich halte nicht viel davon“, presste Pearl hervor und ging schnell weiter. Sie hatte zwar gewusst, dass er sie das irgendwann mal fragen wird, aber gleich so schnell?
„So, wir sind da, aber ich kenne das Passwort nicht. Sollen wir jetzt hier einfach warten?“, fragte Draco, eher eine unsichtbare Person, als Pearl. Zur Antwort öffnete sich die Treppe.
„Lass uns doch einfach da hoch gehen!“, meinte Pearl lächelnd und ging voran.
„Auf wen warten wir eigentlich noch?“, wollte Ron wissen, der unruhig im Raum auf und ab ging.
„Auf Pearl und Malfoy. Und jetzt setzte dich endlich hin. Du machst uns alle ganz krank“, meckerte Hermine drauflos.
Professor Dumbledore war noch nicht da. Nur ein paar Stühle und eine Schale mit herrlichen Keksen. Neville, Harry und Gin waren auch bereits dazu gestoßen.
Und schon ging die Tür auf und die beiden erwarteten erschienen.
„Oh nein! Es geht um dieses bescheuerte SuKAA, stimmt`s? Vergesst es! Ich bin weg!“
Draco wollte sich schon umdrehen, als Dumbledore auftauchte und ihn sanft zurück schob, so dass er irgendwann auf einen Sessel fiel.
„Mister Malfoy, ich muss sie darum bitten hier zu bleiben. Am Ende des Jahres werden sie es verstehen, doch bis dahin müssen sie einfach nur Vertrauen haben. So, und nun, folgen sie mir bitte!“, erklärte Dumbledore ihnen. Dann verschwand er durch eine Hintertür und symbolisierte mit seiner Hand, dass sie ihm folgen sollten. Malfoy war der einzige, der zögerte.
Dumbledore führte sie durch mehrere Räume, bis sie in einem kleinen Raum angekommen, waren, in dem ein Tisch und eine Sitzgarnitur gerade mal Platz gefunden haben. Professor McGonagall, Professor Coulter und Professor Lupin waren schon da.
„Setzt euch!“, forderte Dumbledore die Schüler auf.
Zögernd setzten sie sich hin und warteten gespannt, was jetzt kommen wird.
„Wir werden uns jetzt jeden Dienstag und Freitag um 19 Uhr für zwei Stunden treffen. Diese Lehrkräfte werden ihr möglichste tun, um ihnen schnellstmöglich eine gute Ausbildung zu geben. Normaler Weise wäre Professor Snape auch unter ihnen, aber der ist momentan in St. Mungo. In zwei Wochen wird er die spezielle Zaubertrankausbildung wieder übernehmen, solange wird Professor Coulter ihn vertreten.“
Die blonde Lehrerin lächelte die Schüler an.
„Sie ist wirklich hübsch, viel hübscher als die ganzen anderen Schachteln“, dachte Ginny bei sich und lächelte zurück.
„Die SuKAA fängt diesen Diensttag an, also übermorgen. Und ich bitte sie darum, dass sie ALLE erscheinen und sich vor meinem Büro einfinden, ich werde sie dann dort erwarten. Und ihr, Miss Hooker, Mister Malfoy und Mister Longbottom, bitte erscheint ein bisschen früher. Ihr müsst erst ein Ritual über euch ergehen lassen. Das haben die anderen schon hinter sich.“
Malfoy brummte nur irgendeine Zustimmung, aber es hätte auch alles andere bedeuten können. Pearl dagegen lächelte zur Antwort und Neville nickte.
„So, dann könnt ihr auch wieder gehen. Ach Moment! Ich verlange von euch, dass ihr darüber stillschweigen ausübt! Kein anderer Schüler soll davon erfahren. Sagt, dass ihr zu irgendwelchen Übungsstunden geht, oder geheime Treffen habt, aber kein Wort über SuKAA!!! “, beendete Dumbledore das Treffen. Er ging voraus, um sie wieder hinaus zu lotsen.
Als sie wieder außerhalb Dumbledores Büros waren, gingen sie los, um in ihre Gemeinschaftsräume zu gehen. Draco verschwand als erstes, ohne irgendein Wort. Es stank ihm gewaltig, dass er mit diesen Schwachköpfen zusammen da hin gehen sollte und er war sich sicher, dass er sich geweigert hätte, die Treffen zu besuchen, wenn Pearl nicht dabei gewesen wäre. Sie war so ziemlich die einzige Person, die ermochte und das, obwohl sie nicht mal Reinblüterin war. Er konnte es ja nicht einmal selbst verstehen. Aber sie übte eine gewisse Anziehungskraft auf ihn aus, die er nicht abblocken konnte. Na, vielleicht hilft ihm ja der Abblockungszauberunterricht. Er wusste gar nicht, was er jetzt machen sollte. Das war das erste Schuljahr, was am Wochenende anfing. Vielleicht sollte er sich einfach schon mal um die Mannschaft kümmern? Schließlich war er jetzt, nach Flints Abschluss, zum Kapitän ernannt worden. Und er wusste, dass dieser Potter, der Kapitän von Griffindor war und bestimmt eine gute Mannschaft zusammenkriegen würde.
„Hey Pearl, wollen wir zusammen raus gehen? Noch haben wir schönes Wetter, wer weiß, wie lang das noch anhält?“, fragte Neville sie und wurde mal wieder puterrot.
„Der wird ja bald zum Draufgänger!“, bemerkte Harry im geheimen und musste daraufhin lächeln.
„Wir könnten eigentlich alle rausgehen. Das Wetter ist wirklich schön und wir sollten den Tag genießen, es ist erst mal der letzte in Freiheit!“, sagte Hermine und alle stimmten zu.
Die Ländereien waren voll von Schülern. Alle nutzen die Gelegenheit, noch einmal auszuspannen. Zu sechst begannen sie einen Spaziergang um den See. Ein paar Erstklässler erfreuten sich daran, den Kraken (Sorry Leute, aber ich weiß nicht mehr genau, was für ein Untier im See lebte, wenn sich jemand erinnert, dann verbessere ich das!) zu kraulen. Schmunzeln ergriff Ron Hermines Hand und zog sie näher an sich ran. Harry verdrehte schon wieder die Augen, hoffentlich fing Ron jetzt nicht wieder damit an, allen zu beweisen, wie sehr er Hermine liebte.
„Wie lange sind die eigentlich schon zusammen?“, fragte Pearl, die genau hinter ihm war. Er drehte sich um.
„Vier Wochen.“
Ungläubig riss sie die Augen auf.
„Was? Das ist... wow... ich hätte alles erwartet, ein Jahr, zwei Jahre, aber nicht das. Ron tut ja schon bald so, als ob sie verheiratet wären.“
„Ich weiß“, murmelte Harry.
„Hey! Tu nicht so, als wenn es bei uns anders ist, Mister Potter!“, meckerte Gin gespielt empört.
„Nee Ginny, so schlimm ist es bei euch nicht“, erklärte Pearl und grinste sie an.
„Ihr könnt euch wenigstens gerade noch beherrschen.“
Um ihr das Gegenteil zu beweisen, packte Gin Harry, stellte sich auf die Zehenspitzen, weil sie ja nun doch ein bisschen kleiner war, und küsste ihn heftig auf den Mund. Als sie nach fünf Minuten dann endlich der Meinung war, dass sie allen Anwesenden bewiesen hat, dass sie genauso schlimm war, wie ihr Bruder, ließ sie von ihm ab.
„Okay, ich gebe auf, du hast gewonnen. Ich sehe es ja ein“, gab Pearl lachend zu und weiter ging es.
Nach drei Stunden waren sie dann fast um den See gewandert. Die meiste Zeit gingen sie in zweier Gruppen. Harry-Gin, Hermine-Ron, und Pearl-Neville. Aber Unterhalten, taten sie sich eigentlich alle zusammen. Neville konnte sein Glück kaum fassen. Letztes Jahr noch hätte er den Mund gar nicht aufbekommen und jetzt hat er es sogar geschafft sie zu einem Spaziergang zu überreden. Harry bemerkte sein Glück und musste schon wieder lächeln. Neville hatte sich sowieso über die Ferien über verändert. Er war jetzt nicht mehr der pummelige Junge. Er war jetzt so groß wie Harry und sein kleiner Bauch war verschwunden. Es sah sogar so aus, als ob er ein bisschen Muskeln aufgebaut hätte.
Draco saß im Gemeinschaftsraum der Slytherins und schaute aus dem Fenster. Warum stresste er sich eigentlich so? Noch hatte er eigentlich keine Pflichten. Draußen sah er mindestens die Hälfte alle Hogwartsschüler. Am See entdeckte er eine kleine Gruppe Schüler. Er erkannte zwei Rothaarige, zwei Schwarzhaarige, eine Braunhaarige und eine Blondbraunbeigehaarige Person. Ron, Ginny, Potter, Pearl, Granger und Neville. Warum hatte er sie nicht gefragt? Er war so verpeilt. Mann! Eingeschnappt wendete er seinen Blick vom Fenster ab und versuchte sich wieder auf seinen Zettel zu konzentrieren, aber es misslang ihm. Andauernd tanzte ein Schwarzhaariges, mit olivegrünen Augen, wunderschönes Mädchen vor seinen Augen und lenkte ihn ab. Seufzend lehnte er sich zurück. Im Gemeinschaftsraum waren nur noch Crabb, Goyle und Pansy.
Das Mädchen mit den glatten, schwarzen Haaren und dem süffisanten Lächeln, stellte sich neben ihn und schaute aus dem Fenster.
„Wem trauerst du den nach, Malfoy? Etwa der Granger? Vergiss nicht, sie ist ein Schlammblut. Verrate nicht den Codex von Slytherin“, warnte sie ihn plötzlich, ohne den Blick vom Fenster abzuwenden.
Ein großer Junge stach ihr ins Auge. Ist das etwa Longbottom? Mist, der sah gar nicht mal so schlecht aus. Sie starrte weiter raus und bekam nur am Rand die Antwort von Malfoy mit.
„Granger? Bist du wahnsinnig? Die Frau interessiert mich nicht. Soll die doch mit ihrem Weasley zusammen sein. Ich trauere auch niemanden nach, ich betrachte einfach nur den See und ärgere mich, dass ich mich mit diesem dummen Quidditch Kram beschäftige.“
Keine Antwort. Dann eben nicht, dachte Malfoy und stand auf, um sich einen Platz zu suchen, an dem man nicht so schnell abgelenkt werden konnte.
Pansy aber blieb am Fenster stehen und starrte einfach nur hinaus. Seit sie hier auf der Schule war, hatte sie alles dran gesetzt, sich Malfoy zu angeln. Zuerst dachte sie auch, sie hätte eine Chance, erst Recht, nach dem Weihnachtsball im vierten und im fünften Schuljahr, aber er hat sie nie wirklich an sich rangelassen. Dieses Jahr hatte sie es dann endlich eingesehen, dass es sinnlos war. Er war etwas besonderes und er war wählerisch. Da hätte sie sogar null Chancen, wenn sie das letzte Mädchen auf der Welt wäre.
Aber dieser Neville... er war zwar total vertrottelt und tollpatschig. Aber seine Intelligenz stellte sie nicht in Frage und lieb war er alle mal. Naja, sie würde dran bleiben! Mit diesen Gedanken wendete sie sich auch ab und begab sich in ihren Schlafraum.
Die erste Nacht verlief sehr ruhig. Wegen den Aufregungen in der Nacht davor, waren alle sehr erschöpft und so blieb keiner lange wach, außer Pansy und Pearl. Bei Pansy war es etwas sehr Normales. Sie konnte nie schnell einschlafen, selbst, wenn sie drei Tage Schlafentzug hatte. Sie hatte sich damit abgefunden und nutze deshalb die Zeit nützlich. Sie schrieb eine Zusammenfassung des ersten Kapitels von Zauberkunst der Meister. Das war ihr Lieblingsfach und wahrscheinlich auch das einzige, was sie beherrschte. Professor Flitwick hatte sie schon in der ersten Klasse um den Finger gewickelt und so bekam sie immer Pluspunkte, selbst, wenn sie mal nicht so eine gute Antwort gab.
Aber Pearl konnte nicht schlafen, weil sie zu viele Gedanken im Kopf hatte. Es lag nicht an den Visionen, sie hatte den Unterdrückungstrank bereits vor drei Stunden genommen. Natürlich war es nicht so ein simpler, wie der, den sie Malfoy gegeben hat, sondern dieser war etwas komplexer und sie wusste, dass er am Ende des Schuljahres dran kommen würde. Nein, sie wurde von Gedanken von Malfoy, Hermine, Terry und Neville vom Schlafen abgehalten.
Warum hasste Malfoy Muggelgeborene so sehr? War nur sein Vater Schuld? Hasste er sie auch so, wie er Hermine hasste? Hasste sie ihn eigentlich oder fand sie ihn doch sympathischer, als sie es zugeben wollte? Wie stand sie zu Neville? Er war der erste, mit dem sie über ihre Lebenskomplikationen gesprochen hatte. Natürlich nicht über das wirklich komplizierte, aber die Sache mit ihrem Vater und dem Umzug, der Trennung von ihren Freunden und die Tatsache, dass sie ihre Schwester vermiste. Neville wusste nur, dass sie Tod war, wie, das hatte sie ihm verschwiegen. Er war ein guter Zuhörer gewesen und als sie kurz ungewollt aufgeschluchzt hatte, hatte er sie verunsichert in den Arm genommen. Er war zwar extrem schüchtern, aber dafür dreimal so lieb! Und dann war da noch Terry. Sie hatte die Blicke bemerkt, die er Lisa die ganze Zeit zugeworfen hatte. Dieses Jahr war wohl die Zeit der Liebe. Noch nie hatte sie so viele Paare und Eifersüchtige Blicke gesehen. Eigentlich ging ihr das ganz schön auf die Nerven. Hoffentlich blieb sie davon verschont! Aber jetzt schon wusste sie, dass auch sie noch ein Opfer werden würde.
Die Sonne war gerade aufgegangen und Harry war schon eine ganze Weile wach. In seinem Nebenbett vernahm er Rons Schnarchen. Seufzend richtete er sich auf, um endlich aufzustehen. Er konnte eh nicht mehr schlafen. Es war zwar tödlich früh, aber es machte schließlich keinen Sinn wach im Bett zu liegen. Vielleicht gab es unten ja schon Tee oder Kaffee, das wäre nämlich sehr schön.
Angezogen ging er die Treppen runter. Im Gemeinschaftsraum war noch keine Menschenseele. In der Großen Halle wird wahrscheinlich auch noch keiner sein, aber wer weiß?
Und tatsächlich. Wenige Schüler saßen bereits an ihren Tischen und waren mit Lesen, schreiben oder Tee trinken beschäftigt.
Am Griffindortisch saßen aber nur ein paar Erstklässler und auf die hatte Harry eigentlich keine Lust. Sein Blick schweifte im Saal herum und versuchte einige Gesichter zu identifizieren. Hermine hatte er sowieso nicht erwartet, weil sie erst spät Schule hatte. Die ersten beiden Stunden hatte sie frei, weil sie weder Diplomatische Verhandlungen mit anderen Rassen noch Dunkle Kreaturen hatte. Dafür hatte sie aber am längsten Schule. Da aber Pearl ebenfalls Dunkle Kreaturen hatte, könnte es ja möglich sein, dass sie schon hier war. Und tatsächlich. Da saß sie. Sie hatte ein Buch in der Hand, was sehr nach ein Muggelbuch aussah. Sie blickte hoch und sah direkt in Harrys Augen. Lächelnd legte sie das Buch beiseite und stand auf.
„Guten Morgen! Was machst du denn schon hier? Es ist doch viel zu früh!“, begrüßte sie ihn.
„Ich konnte nicht mehr schlafen, aber du musst gerade von zu früh aufstehen reden, du bist doch selbst schon hier!“, entgegnete Harry.
Beide setzten sich an den Ravenclawtisch. Harry interessierte es nicht wirklich, das ihn die fünf anderen Ravenclaws böse anschauten. Sollten sie doch. Es wäre sehr unpraktisch sich mit Pearl über die ganze Halle zu unterhalten.
„Wie bist du an den Tee gekommen?“, fragte Harry neugierig, als er den Pfefferminztee neben ihrem Buch entdeckte.
„Einfach laut sagen!“, erklärte Pearl.
„Willst du mir sagen, das weißt du nicht? Wer ist denn schon über fünf Jahre hier?“
„Ich bin noch nie so früh aufgewesen. Wie spät haben wir es? Halb sechs? Ich bin frühestens um sieben hier gewesen. Woher sollte ich das also wissen?“, erklärte er und sprach dann in Richtung Tisch: „Einen Früchtetee!“
Ungefähr eine Stunde unterhielten sie sich, bis dann immer mehr Schüler kamen und Harry einsah, dass er zu seinem Tisch gehen sollte, wenn er keinen Griffindor-Ravenclaw Krieg anfangen wollte.
Dort waren auch schon Ron, Ginny und Hermine.
„Hermine? Was machst du denn hier? Du könntest doch viel länger schlafen!“, begrüßte er sie, nachdem er Ginny einen Guten Morgen Kuss gegeben hatte.
„Ich konnte nicht mehr schlafen“, antwortete sie kurz angebunden, schaute ihn aber nicht an, stattdessen war sie mit dem Auswendiglernen ihres Stundenplans beschäftigt. Irritiert drehte Harry sich zu Ginny, die ihn auch misstrauisch beäugte.
„Was ist denn mit euch los? Hab ich was verpasst?“, fragte er dann, als ihm klar war, dass sie irgendwie sauer auf ihn waren.
„Was hast du bei Pearl gemacht? Griffindors sollen nicht an anderen Tischen sitzen, sowie auch kein anderer an unserem Tisch sitzen soll!“, klärte Ginny ihn giftig auf und der Groschen fiel.
„Mein Gott! Wir haben uns UNTERHALTEN. Und dass ich da eigentlich nicht sitzen darf, ist mir auch klar, aber wir hatten keine Lust uns über die ganze Halle zu unterhalten, so dass die anderen es auch mitbekommen. Glaub mir, wir haben uns nur über Quidditch unterhalten“, sagte Harry und musste fast lachen, dass Gin auf Pearl eifersüchtig war.
„Und was kam dabei raus?“, wollte Ginny, die immer noch ein wenig misstrauisch war, wissen.
„Sie hasst fliegen und wird bestimmt nicht in die Mannschaft treten. Sie hasst den Sport und letztendlich haben wir uns nur über ihre Flugangst unterhalten und über Möglichkeiten, wie man das besiegen kann, uns ist aber nichts eingefallen.“
Langsam verschwand der verkniffene Mund aus Ginnys Gesicht und ihre Augen schauten reuevoll in Harrys.
„Sorry, ich weiß nicht, warum ich dir nicht vertraut habe, aber es sah so ganz anders aus“, entschuldigte sie sich.
Auch Hermine ließ ein `Tschuldigung´ verlauten und Ron musste lachen.
„Ich habe es den beiden gleich gesagt, aber sie waren felsenfest davon überzeugt, dass du Ginny betrügst!“, lachte er und entlockte so von Harry ein Grinsen.
Weil Gin nichts anderes zu tun wusste, beugte sie sich vor und küsste Harry. Es war eher ein verzweifelter, ungeschickter Kuss und Harry war etwas irritiert, als sie sich wieder hinsetzte. Das war er nicht gewohnt, aber es war mal eine interessante Erfahrung.
„Ich glaube, das kannst du besser!“, zweifelte er und zog sie wieder an sich ran. Auch dieser Kuss misslang irgendwie, weil sie wegen dieser Bemerkung lachen musste.
„Okay, jetzt strenge ich mich an!“, versprach sie. Und wirklich. Das Gefühl von Achterbahnfahren war wieder da. Er schlang seine Hand um ihren Nacken und sie die ihre um seinen Körper.
„Echt, und mich beschimpft ihr einen nicht ganz dichten. Dabei seid ihr selbst nicht ganz dicht, was das Küssen angeht. Jetzt hört doch auf, die gucken schon alle!“, meckerte Ron und um ihn zu provozieren, machten sie nun erst Recht weiter. Ginnys Bruder ging fast an die Decke.
Hermine blickte von ihrem Stundenplan auf.
„Ron, jetzt beruhige dich doch. Sie tun nichts Verbotenes und so macht Harry allen anderen Mädchen klar, dass er endlich vergeben ist und das sie keine Chance mehr haben“, meinte sie genervt.
„Ich fühle mich aber nicht wohl, wenn sie alle in unsere Richtung schauen.“
Augenverdrehend beschäftigte sie sich wieder mit dem Stundenplan und kümmerte sich nicht weiter um Rons Komplexe.
Und dann kamen die Eulen und Ron wurde von seinem Gemurre und Harry und Ginny vom Küssen abgelenkt. Eine Eule landete bei Ron. Nervös nahm er der Eule den Brief ab. Er ahnte schon, worum er sich handelte. Er las ihn schnell durch und ließ seine Hand dann schweigend sinken und reichte seiner Schwester wortlos das Pergamentstück. Diese riss es ihm aus der Hand.
In dicken Großbuchstaben stand geschrieben: EUER VATER IST ZAUBERMINISTER!
Auch Ginny konnte es nicht fassen. So ging wortlos der Zettel von Ginny zu Hermine, von Hermine zu Harry und von Harry wieder zu Ron. Nach unendlich vielen Minuten, reagierte Ron endlich.
„Ja!“, schrie er und machte eine typische Siegesbewegung, indem er seine Faust in die Luft stieß.
Vor der Halle trennten sie sich. Ron und Harry wollten nach draußen gehen, Ginny musste zum Zaubertrankunterricht und Hermine wollte noch mal in den Griffindorturm, weil sie ja erst um halb zehn zum Unterricht musste.
Harry und Ron waren schon fast draußen, als sie Schritte hinter sich vernahmen.
„Wartet auf mich!“, schrie Pearl ihnen zu.
Es dauerte noch eine Weile, bis sie sie entgültig eingeholt hatte.
„Ich habe ganz vergessen, dass du auch Dunkle Kreaturen hast!“, gab Ron zu.
„Ich sollte mir, glaub ich, dazu schreiben, wer mit mir in einem Kurs ist!“
Er holte seinen Stundenplan raus und schrieb darauf ein paar Namen.
„Hey Harry! Außer am Donnerstag haben wir jeden Tag, mindestens eine Doppelstunde zusammen. Welchen Lehrer haben wir eigentlich in Dunkle Kreaturen?“, sagte Ron, während er den Stundenplan wieder wegsteckte.
„Keine Ahnung, lassen wir uns überraschen!“, antwortete Harry und öffnet die Tür, damit sie nach draußen kamen.
Draußen kramte Pearl verzweifelt in ihrer Tasche.
„Was suchst?“, fragte Ron beiläufig interessiert.
„Ich suche meine Brille. Ah, da ist sie auch schon.“
Sie hielt ein braunes Brillenetui in der Hand und halte aus ihm eine dicke Hornbrille. Als sie die Brille aufsetzte stockte Ron der Atem.
„Mein Gott, nicht mal so eine grässliche Brille kann deine Schönheit in den Schatten stellen.“
Harry stieß seinen Ellenbogen in Rons Seite.
„Lass das nicht Hermine hören!“
Lachend und Arm in Arm (das nehmt ihr bitte wörtlich) kamen sie schließlich auf einer Wiese an, wo der Dunkle Kreaturen Unterricht stattfinden sollte.
„Hagrid! Du machst auch den Dunkle Kreaturen Unterricht?“, schrie Harry plötzlich aus, als er seinen riesigen Freund erblickte.
„Jep!“, brummte dieser durch seinen Bart.
„Kommt alle mal her! Heute und wohl die meisten Stunden werden wir Theorieunterricht machen, ich kann schlecht diese Kreaturen hier herschaffen, auch wenn ich der Meinung bin, dass ihr es schaffen würdet, aber das Ministerium ist strikt dagegen. Unser erstes Thema wird Trolle sein“, eröffnete er den Unterricht. Es waren nicht viele Schüler in diesem Kurs. Insgesamt gerade mal acht Schüler. Außer Pearl, Ron und Harry, waren noch Neville, Susan Bones, Anthony Goldstein, Ernie Macmillian und Sally-Ann Perks dabei.
Der Unterricht war sehr gut organisiert und Harry war erstaunt, wie sicher Hagrid auf einmal war. Normalerweise ist er oft vom Thema abgekommen oder hat sich verhaspelt. Davon war heute keine Spur und nach den zwei Stunden hatte Harry auf jeden Fall das Gefühl, etwas gelernt zu haben.
Bevor er sich auf dem Weg zurück zur Schule machen konnte, spürte er wahrhaftige Pranke auf seiner Schulter, deshalb ging er leicht in die Knie.
„Harry, warte mal kurz. Ich muss dir noch sagen, dass du dir den 25. April nächstes Jahr freihalten musst!“
Langsam drehte sich Harry um und schaute ein bisschen nach oben, um in Hagrids Gesicht sehen zu können.
„Warum? Das ist in den Osterferien!“
„Ich weiß, aber ich werde heiraten, und ich möchte, dass du mein Trauzeuge bist!“
„Heiraten?“, fragte Harry vollkommen irritiert.
„Wen?“
„Olympe, wir haben uns entschlossen eine kleine Familie zu gründen!“
„Oh, wow...“, kam es nur von Harry.
„Da du grad von Familie sprichst, Hagrid“, unterbrach ihn Ron, der dabei stand, „wo ist eigentlich Grapw?“
„In Rumänien, bei deinem Bruder. Okay, nicht direkt bei Charley, aber in der Nähe, im Kommunikations- und Anfreundungszentrum für Riesen. Ich besuche ihn in den Ferien, aber er ist da sehr glücklich.“
Das verblüffte Ron jetzt und er schloss schnell den Mund, seine Bemerkung kam nämlich ziemlich bissig rüber.
„Ach ja Harry, frag Hermine auch, ob sie kommen will. Und du Ron bist natürlich auch eingeladen. Ich würde mich wirklich freuen!“
„Klar, ich frag sie gleich. Und Hagrid? Kann... ähm... Ginny Weasley auch kommen?“
„´Türlich!“
„Gut, ich muss jetzt auch gehen, ich versuche dich mal in der Woche zu besuchen!“
„Mach dir bloß keinen Stress, ich kenne deinen Stundenplan und ich will nicht, dass du dir zu viel aufhalst!“
„Bye, wir sehen uns beim Mittagessen!“, verabschiedete sich Ron von den anderen beiden. Er hatte jetzt zwei Stunden magische Geschöpfe, deshalb blieb er gleich draußen, weil Hagrid ja immer draußen unterrichtete.
Pearl und Harry schlenderten zur Schule zurück. Neville war kurz hinter ihnen, aber er hatte keine Lust sie zu stoppen, er wollte eh mit seinen Gedanken alleine sein. Diese Trolle beschäftigten ihn schon, seit Hagrid sie erwähnt hatte.
Sie mussten in die Kellergewölbe, wo der Zaubertrankunterricht stattfinden würde. Es war das erste mal, dass Harry gutgelaunt dahin ging, das lag wohl daran, weil er wusste, dass er heute nicht Snapes hässliche Visage ansehen musste.
„Als wir noch bei Professor Lupin Verteidigung gegen die dunklen Künste hatten, da haben wir auch Dunkle Kreaturen durchgenommen. Ich frage mich, warum sie das jetzt getrennt haben“, meinte Harry plötzlich, las sie schon fast die Schule erreicht hatten.
„Wer ist Professor Lupin?“, fragte Pearl, statt ein Kommentar abzugeben.
„In der dritten Klasse, hatten wir ihn in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Jetzt haben wir ihn als Lehrer in der SuKAA. Er hatte gekündigt, als herauskam, dass er ein Werwolf ist.“
„Ach so. Ein Werwolf... hmm... also ich habe keine Ahnung, weshalb es getrennt wurde, vielleicht werden beide Gebiete immer umfangreicher, so dass man sie trennte. Einen anderen Reim kann ich mir darauf nicht machen.“
Den Rest des Weges gingen sie schweigsam. Jeder in seinen Gedanken.
Sie waren schnell in den Kellergewölben angekommen, als sie erwartet hatten. Im Klassenraum war die gewohnte kalte Atmosphäre. Hermine, Draco und der Großteil des Kurses war schon da. Neville betrat die Klasse gleich nach ihnen.
„Warum bist du Volltrottel noch hier?“, höhnte Draco, als Neville in der vorletzten Reihe Gedankenversunken Platz nahm.
„Draco, lass ihn doch mal in Ruhe! Kümmere dich um deinen Kram!“, schimpfte Pansy, die zufällig in der gleichen Reihe saß, wie Neville es tat.
Letztes Jahr noch hätte Neville jetzt angefangen seinen Kopf einzuziehen und leise zu fiepen. Doch er schien eine vollkommene Wandlung durchgemacht zu haben, als er in den Ferien war. Er hob seinen Kopf und sah Malfoy hasserfüllt an. Sagen tat er aber nichts. Das war es ihm einfach nicht wert. Und Draco hielt es auch für besser, den Mund jetzt zu halten. Neville war jetzt größer als er, nicht viel, aber es reichte. Er war eben nicht mehr der dickliche Junge, wie die Jahre davor. Irgendetwas oder irgendjemand hatte ihn verändert.
Harry, der einen Platz in der zweiten Reihe, neben Hermine und Pearl gewählt hatte, stand auf und ging zu Neville.
„Das würde mich aber, ganz ehrlich auch mal interessieren!“, flüsterte er.
„Am liebsten würde ich ein Heiler werden, aber dafür bin ich einfach nicht gut genug, dass ist mir klar, aber es reicht für Apotheker, leider muss ich aber mindestens zwei UTZ in Zaubertränke dafür haben, also sitze ich eben weiter im Keller“, antwortete er, genauso leise. Als das geklärt war, wendete er sich wieder seinem Buch zu. Womit sie wohl anfangen würden? Mit dem Unterdrückungstrank? Der schien am leichtesten zu sein. Mal sehen, was Professor Coulter für angemessen hielt.
Pearl beobachtete das Schauspiel interessiert und ihr Hass auf Malfoy wuchs. Was war er bloß für ein Idiot! Sie kniff ihre Augen zusammen und funkelte zu Malfoy rüber, der erst einmal starr blieb, doch dann legte er wieder seine obercoole Art auf und blickte nur höhnisch zurück.
„Was willst du Hooker? Dein Blick zieht nicht!“
„Ach halt dein Maul Malfoy!“, kommentierte sie genervt und wandte ihren Blick augenverdrehend ab.
Professor Coulter kam erst fünf Minuten nach dem Stundenklingeln in die Klasse, die übrigens überwiegend aus Slytherin bestand. Hier waren wesentlich mehr Schüler, als im Kurs, den Harry zuerst besucht hatte, aber er hatte keine Lust jetzt alle zu zählen.
„Sorry, dass ich ein bisschen spät bin. Ich habe meine Unterlagen nicht gefunden, erst als ich einen Aufräumzauber angewendet habe. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie unordentlich es im Lehrerzimmer ist, ... wie auch immer. Ich wollte ihnen noch sagen, dass es ist egal ist, ob sie diesen Kurs als Leistungskurs oder Grundkurs gewählt haben, im Endeffekt unterscheiden sich die Prüfungsfragen nur geringfügig, deshalb hat Professor Dumbledore vor drei Jahren dafür gesorgt, dass beide Arten von Kursen zur gleichen Zeit stattfinden. Die Prüfungsergebnisse hatte sich dadurch nicht zum negativen verändert.
Okay, ich bin erst mal für zwei Wochen die Vertretung von Professor Snape. Er hat mich gebeten mit diesem Trank anzufangen...“
Sie verschwand für einige Minuten im Nebenzimmer, bis sie mit einem durchsichtigen Gefäß wieder hereinkam. Eine dunkelbraune, matschige, ziemlich ekelige Flüssigkeit war darin.
„Kann mir jemand sagen, was das ist?“, fragte sie und hob erstaunt die Augenbrauen, als sich fünf Leute meldeten, und es waren keine Slytherins.
„Ja? Mister...“, sie zeigte in Harrys Richtung.
Konnte es wirklich sein, dass sie ihn nicht kannte? Das wäre ja mal ein Wunder.
„Potter. Das ist ein Vielsaft-Trank. Er besteht aus Florfliegen, Blutegeln, Flussgras, Knöterich, ein gemahlenes Horn vom Zwei-Horn, klein geschnittene Baumschlangenhaut und natürlich ein Stück von der Person, in die man sich verwandeln will“, ratterte er runter ohne einmal Luft zu holen. Alle starrten ihn an, man war ja alles von diesem Potterjungen gewöhnt, aber nicht gute Mitarbeit im Zaubertrankunterricht. Plötzlich, er wusste nicht warum, fiel ihm ein, das Snape doch eigentlich eine Nachprüfung von ihm haben wollte. Er nahm sich vor, Professor Coulter gleich nach der Stunde zu fragen.
„Richtig!“, sagte Coulter, als sie sich wieder gefasst hatte.
„Wir werden uns die nächsten Wochen mit diesem Trank beschäftigen. Erst nächste Woche möchte ich anfangen ihn mit euch zu brauen. Weiß jemand, wie lange er braucht?“
Wieder hoben sich fünf Hände, wieder keine Slytherins. Man sah in Dracos Augen, dass ihm das gar nicht gefiel. Er erinnerte sich an die Seite im Buch, er hatte sie mindestens dreimal gelesen, aber er hatte sich einfach keine Fakten von Seite 55 merken können.
„Ja, Mister...“, sie zeigte in Nevilles Richtung.
„Longbottom. Einen Monat.“
„Richtig. Ich kannte ihre Eltern und ihre Großmutter, grüßen sie sie mal von mir! Es ist Ewigkeiten her, dass ich sie gesehen habe!“
Den Rest der Stunde unterhielten sie sich über die Wirkung und Entstehung des Trankes. Professor Coulter erzählte interessant und so schlief keiner ein. Harry war richtig verwundert, wie viel Spaß er diesen Tag schon im Unterricht hatte.
Jetzt musste er nur noch mit Hermine zu Grundwissen der magischen Heilung, dann gab es Mittagessen, und dann konnte er Hausaufgaben machen, er hatte dann nämlich Schluss. Im Gegensatz zu Hermine, die noch zu Abblockzauber UND Fluchbrechen musste, Ron, der noch Abblockzauber hatte, und Pearl, die noch zu Fluchbrechen musste. Er hatte nicht mal viel auf. Nur ein Stundenprotokoll über die Zaubertrankstunde und ein Aufsatz über Trolle. Es war unglaublich, aber das war das erste Mal, dass er sich über so was freute. Was war nur los mit ihm??
Auch der Unterricht in magische Heilung machte Spaß. Die Lehrerin war in diesem Falle die Schulkrankenschwester. Madam Pomfrey wollte auf keinen Fall Professor genannt werden und bekam fast einen Wutanfall, als das nicht in Nevilles Kopf gehen wollte. Sie hatte mit dem Verschwindezauber von Blauen Flecken angefangen. Die einzige Hausaufgabe war es, das zu üben. Weil Harry es aber am Ende der Doppel Stunde, einwandfrei hinbekommen hatte, das kam nicht oft vor, hatte er diese Aufgabe nicht zu bewältigen. Und das lustige daran war: Hermine war gerade mal soweit den blauen Fleck gelb zu färben.
Zur gleichen Zeit, wie der Magische Heilungsunterricht verlief, wanderte Pearl in der Schule herum. Sie erinnerte sich wage daran, wo die Bibliothek war. Irgendwo rechts musste sie doch sein!
„Kann ich dir helfen?“, fragte Draco, der unbemerkt hinter ihr gewesen war.
Verwirrt drehte sie sich um und schaute direkt in zwei kalte Augen.
„Ähm...ja, ich finde einfach die Bibliothek nicht. Sie war doch rechts, oder?“
Ein kleines Lachen kam von Draco.
„Wenn aus der Richtung kommst ja“, er zeigte ihn die Richtung, in die sie gerade gehen wollte, „aber wenn du von hier kommst, dann musst du schon links gucken. Komm mit!“, er nahm ungefragt ihre Hand und führte sie einen Gang zurück und zeigte ihr eine große Tür. Eigentlich hätte man die nicht übersehen können.
Langsam lief Pearl rot an.
„Oh,... hmm,... okay,... danke...“,stotterte sie etwas überrumpelt und ärgerte sich über ihre Blödheit und ihr Gestotter.
„Willst du auch noch was über den Vielsaft-Trank raussuchen?“, fragte er, so beiläufig wie möglich.
„Ja, ich habe jetzt vier ganze Freistunden, und da dachte ich mir, dass man auch ein bisschen extra machen könnte, aber ich glaube nicht, dass wir noch was finden.“
„Na, vielleicht doch. Ich habe jetzt auch frei, wollen wir den Aufsatz sonst zusammen schreiben?“
Das Angebot kam überraschend. Wieso war dieser Junge so kompliziert? Man wusste nie woran man war. Mal war er gemein und listig, und mal freundlich wie ein Gentleman. Aber um heraus zu finden, wann er wie war, musste sie mehr Zeit mit ihm verbringen.
„Klar, können wir machen!“
„Meine Güte habe ich einen Hunger!“, sagte Neville am Ende der Stunde und brachte Hermine und Harry so zum Lachen. Sie schlenderten zur Halle und suchten sich Plätze am Ende des Tisches. Da Madam Pomfrey sie etwas eher entlassen hatte, waren noch nicht wirklich viele Schüler in der Halle. Aber da Ron zwei Freistunden gehabt hatte, saß er schon erwartungsvoll am Tisch und beobachtete zwei Schüler. Harry verfolgte seinen Blick und entdeckte Pearl, die sich mit Draco unterhielt. Das gefiel ihm ja ganz und gar nicht. Was will Malfoy von ihr? Das passte überhaupt nicht zusammen. Noch vorhin im Zaubertrankunterricht hatte er sie angemacht, weil sie ihn böse angeguckt hatte. Aber was er noch weniger verstand war, warum SIE sich überhaupt mit dem abgab. Hatte er was verpasst?
„Hallo Harry!“, riss ihn Gin aus seinen Gedanken.
„Wie war dein Tag?“
„Gut und deiner? Hast du jetzt frei?“
„Ja, heute haben wir einen besonders kurzen Tag. Du hast doch jetzt auch keine Stunden mehr, oder?“
„Nein, nicht wirklich. Ich muss nur noch zwei Aufsätze schreiben, dann habe ich den restlichen Tag frei, aber wahrscheinlich werde ich mich dann mal ums Qudditichteam kümmern!“
„Nun, wenn du Hilfe brauchst, ich bin da!“
„Danke, ich werde darauf zurück kommen!“
Ginny setzte sich neben ihn und lehnte sich an ihn, bis sie bemerkte, dass er jemanden beobachtete. Draco und Pearl stachen ihr ins Auge und schon wusste sie Bescheid, weshalb Harry vorhin so muffelig aussah.
„Mich würde ja mal interessieren, was er von ihr will. Er ist so freundlich. Das passt gar nicht zu ihm“, murmelte sie so leise, dass nur Harry sie verstand. Dieser nickte zur Zustimmung und versuchte nicht hinzusehen. Er mochte den Anblick nicht und er würde Malfoy abschlachten, wenn er ihr ein Haar krümmte, dafür war sie ihm schon zu sehr ans Herz gewachsen. Sie war ihm schon so wichtig, wie Menschen, die er schon Jahre kannte, so wie Ron, Hermine und Ginny.
Das Essen verlief ruhig und ohne irgendwelche Auseinandersetzungen, Pearl und Malfoy spukten ihm zwar noch im Kopf rum, aber Ginny schaffte es immer wieder ihn abzulenken. Dafür war er ihr sehr dankbar.
Den Rest des Tages machte er Hausaufgaben, langsam wurde es ihm unheimlich, wie leicht ihm dieses Jahr alles von der Hand ging. Am Abend stellte er eine Liste von Griffindors auf, die er fragen wollte, ob sie nicht dem Team beitreten wollten. Ginny hatte er schon fest als Jägerin im Visier und so fehlten ihm nur noch drei Spieler. Bevor er ihn die Bücherei gegangen war, um sich Material für den Aufsatz über die Trolle zu holen, hatte er Madam Hooch gestoppt, um sich eine Empfehlungsliste für die Spieler zu holen. Dabei waren ein paar sehr interessante Namen bei, denen er gar nicht zugetraut hatte, dass sie so gut fliegen können. Unter anderem Euan Abercrombie, der ihm letztes Jahr eher als ängstlich und unsicher aufgefallen war. Treu zur Hilfe stand ihm Gin beiseite, die ihn immer dann zum Lachen brachte, wenn er kurz vorm Verzweifeln war, das nannte man wohl die weiblichte Intuition.
Auch der nächste Tag verlief ruhig und besser, als geplant. Langsam hatte Harry den Verdacht, dass irgendetwas faul war. Normalerweise ging ihm die Schule nicht so leicht von der Hand. Natürlich genoss er das Gefühl mal als guter Schüler bei den Lehrern zu sein, aber irgendetwas stimmte nicht. Er nahm sich vor Dumbledore am nächsten Tag zu fragen.
Ihre Zimmergenossinnen waren wirklich erträglich und Lisa war einfach nur lieb. Padma kam ihr ein bisschen verwöhnt vor, aber eigentlich war sie es ja auch. Diese Nacht konnte sie auch nicht schlafen. Es war doch zuviel passiert. Erst die sechzig Minuten mit Malfoy in der Bibliothek, dann der Fluchbrechenunterricht, der sich übrigens als lachhaft herausstellte. Der Lehrer, Professor Lerpan, war ein Referendar und hatte Probleme gehabt die Klasse im Schacht zuhalten. Zusammen mit Draco (sie wurden von Professor Lerpan zu Paaren zusammengestellt) übte sie den Finite Incatem Fluchbrecher und zusammen regten sie sich auf, als sie schneller, als Lerpan es eingeplant hatte, fertig waren und keine Extraaufgabe bekommen haben. Naja, was soll´s.
Das Fenster war auf einmal sehr verlocken, so setzte sie sich auf die Fensterbank, um den Nachhimmel zu studieren. Doch stattdessen schweifte ihr Blick über die gegenüberliegende Schlosswand und begeistert merkte sie, dass eine dunkle Gestalt ebenfalls an einem Fenster saß und zu ihr rüber schaute. Wer konnte das wohl sein? Obwohl sie wirklich nicht viel erkennen konnte, wusste sie, dass es Draco Malfoy war. Die Art, wie die Person aus dem Fenster starrte, war einzig artig, und sie kannte sie nur von Draco.
Auch Draco entdeckte Pearl, wie sie aus dem Fenster schaute und dabei sehr liebreizend wirkte. In der Bibliothek hatten sie zusammen viel Spaß gehabt. Das Mädchen war zwar nicht so intelligent wie die Granger, etwas, was ihn sehr beruhigte, aber sie war ein schlauer Kopf. In der Tat, sie hatten nicht viel gefunden, außer ein bisschen über die Entstehung und über den Erfinder, aber schon das bisschen Material hat es geschafft, sie in eine heiße Diskussion zu verwickeln. Dabei war sie ganz schön in Rage, aber das störte ihn nicht, nein, im Gegenteil, so wurde sie nur noch schöner anzuschauen. Ihre Augen bekamen dadurch nämlich einen Glanz, der den der Sterne meilenweit in den Schatten stellte.
Mindestens drei Stunden saßen sie da unbewegt und starrten sich einfach nur an. Als Pearl dann aber ihre Müdigkeit spürte, stand sie auf, um endlich ins Bett zu gehen. Morgen würde sie tot müde sein, dass wusste sie jetzt schon, aber es war ihr egal.
Der nächste Tag verlief wie jeder andere und Harry hätte ihn vielleicht sogar als reibungslos beschrieben, wenn am Abend nicht SuKAA gewesen wäre.
Der Unterricht fand, wie besprochen, im geheimen Raum statt. Draco beschwerte sich als erstes über die unbequeme Lage, in der er saß. Dumbledore störte das nicht im geringsten. Er überhörte es einfach und fuhr mit seiner rede fort.
„... In diesem Jahr werden sie die drei unverzeihlichen Flüche lernen müssen, so wie die Aufenthaltsorte der Riesen, Veelas, Zwerge und so weiter. Professor Snape wird sie in Heilungstränken schlimmerer Verletzungen unterrichten, sobald er wieder da ist, in der Zeit übernimmt Professor Coulter diese Aufgabe. Yves wird auch die Spezialisierung auf ausgefallene Flüche übernehmen, Professor McGonagall wird sie in Verwirrungszauber und nützlichen Verkleidungen unterrichten und ich... werde sie die Kunst des Schwertkampfes lehren.“
Ungläubig starrte Neville seinen Schulleiter an.
„Wozu brauchen wir einen Schwertkampf? Reicht der Zauberstab nicht?“
„Nein du Dummkopf, viele Dämonen können nur getötete werden, wenn ihnen der Kopf mehrere Male abgeschlagen wurde, und du kannst mir glauben, mit dem Zauberstab ist das sehr unpraktisch!“, meckerte Draco ihn an und verdrehte die Augen.
„Aber Professor, ich würde doch gerne wissen, wozu wir das alles lernen müssen. Mag ja sein, dass Potter und seine Freunde wissen, weshalb sie hier sind, ich weiß es nicht und ich möchte den Grund schon wissen, weshalb ich hier meine Zeit verschwenden soll!“
„Voldemort hat ein sehr großes Interesse an ihnen Mister Malfoy. Sie könnten leicht in eine Falle geraten und ich möchte ihnen das ersparen, außerdem reicht es mir einen Malfoy als Feind zu haben, ich möchte nicht einen zweiten an meiner Schule ausbilden.“
Das saß, seit diesen Worten sprach Malfoy erst mal nicht mehr. Lächelnd wendete sich Pearl ab. Sie wollte nicht, dass er sah, dass sie über ihn lachte. Den Ton von Dumbledore ertrug er wohl nicht.
„Wo sind denn die anderen Lehrer?“, erkundigte sich Ginny.
„Heute werden sie nur eine Schwertkampf Lektion erteilt bekommen“, antwortete Dumbledore und holte aus einer Ecke eine Ansammlung von alten Holzschwertern.
„Diese hier werden wir zur Übung nehmen. Nächstes Jahr werden sie dann scharfe, eigene Waffen bekommen. Und sie werden noch lernen mit einer zweiten Waffe zu kämpfen, diese können sie sich dann selber aussuchen.“
Er warf jedem ein Schwert zu, aber nur Draco schaffte es das Schwert geschickt auf zu fangen. Harry griff an der Stelle nach dem Schwert, wo es eigentlich scharf wäre und die anderen ließen es fallen.
„Ihr Vater hat sie unterrichtet, nicht wahr?“, fragte Dumbledore, den es nicht im geringsten interessierte, wie die anderen ihre Waffe aufgefangen haben.
„Ja.“
„Dann zeigen sie mir mal, was sie können!“
Was Harry und seine Kameraden jetzt zu Gesicht bekamen ließ einen schreckhaften Gesichtsausdruck bei ihnen erscheinen. So würden sie nie kämpfen können!
Draco schlug sich ganz passabel. Seine Paraden waren stark und seine Angriffe gut durchdacht, trotzdem gewann Dumbledore am Ende, indem er Draco zu Fallen brachte und sein Schwert beiseite kickte.
„Ihr Vater hat gute Arbeit geleistet. Werden sie mir helfen? Dann geht es schneller. Weil wir so nur die halbe Zeit brauchen!“
Nach dem zustimmenden Nicken Malfoys, teilte Dumbledore ihm Ginny, Ron und Pearl zu.
„Na wenigstens das!“, dachte er und nahm sich seiner „Schüler“ an.
Wie sich herausstellte, war Ron unfähig sich das einfachste zu merken. Erst nach dem zehnten Anlauf schaffte er es Malfoys simplen Angriff zu parieren und somit abzuwehren. Pearl war schon besser. Sie versuchte seinen Anweisungen konzentriert zu folgen und gewann so sein Lächeln, aber Ginny versetzte alle in eine Art Schockzustand.
Gleich nach der ersten Anweisung Malfoys, die er nicht einmal vollständig beenden konnte, parierte sie geschickt und gewand. Dracos Kinnlade fiel runter und er brauchte einige Sekunden, bevor er realisierte, wie bescheuert er aussah.
„Okay, dann versuchen wir es mal anders herum.“
Doch egal was er vorhatte, sie wehrte ihn ab und brachte sich somit aus der Gefahr. Draco wurde immer schneller und im Prinzip unfairer, aber Ginny störte es nicht. Sie passte sich an und machte ihren Gegner nur noch verblüffter. Selbst Dumbledore unterbrach seine Lektion mit Harry, der auch nicht schlecht war, um Ginny zu beobachten. Langsam entwickelte sich die Lektion Draco-Ginny zu einem richtigen Kampf. Dumbledores Augen weiteten sich. Ginny schien genau zu wissen, was sie tat, ihre Augen waren schneller, als das was sie sahen und so lag am Ende nicht sie auf dem Boden mit einer Hölzernen Klinge am Hals, sondern Draco.
„Gib es zu, du hattest schon vorher Unterricht!“, sagte Malfoy etwas erbost, der die ihm entgegengestreckte Hand ergriff und sich hoch zog..
„Das kann nicht sein. Arthur und Molly haben beide strikt etwas gegen Schwertkampf. Sie waren fast auf mich losgegangen, als ich ihnen erzählte, Ron und Ginny würden darin Unterricht erhalten. Meine Kinder sollten nie so etwas grausames lernen, hatte mich Molly noch angeschrieen, aber es war ja nun nicht zu ändern. Zumindest hätten sie es mitbekommen, wenn Ginny heimlich geübt hätte und ihre Kunst übertrifft fast die meine. Da scheint irgendetwas anderes im Spiel zu sein. Ginny, willst uns vielleicht was sagen?“
„Ich wüsste nicht was, Professor Dumbledore. Ich habe einfach nur irgendwie gespürt, was ich machen sollte.“
Mit einem unscheinbaren Nicken drehte sich Dumbledore wieder zu Harry.
„Ginny, du übst mit Pearl und du übst mit Ron“, er zeigte auf Draco und dann Ron. Dann wandte er sich ganz ab und teilte seine Gruppe ein.
Die zwei Stunden vergingen rasend. Pearl lernte schnell, aber Ron war die reinste Katastrophe. Am Ende des Unterrichts nahm Malfoy Ginny bei Seite.
„Ich will deinem Bruder eigentlich nichts böses, aber wenn ich ihm nächstes Mal wieder eine Lektion geben muss, dann drehe ich ihm vor Verzweiflung den Hals um“, sagte und er und meinte es auch. Er erinnerte sich daran, wie sein Vater ihn verprügelt hatte, wenn er nicht sofort seine Paraden durchführte, und das hatte nur daran gelegen, weil er so ungeduldig gewesen war. Er war genauso wie sein Vater, mit dem Unterschied, dass er sich ein bisschen mehr beherrschen konnte und das er Ron wirklich nicht schlagen wollte, nur weil er nicht sofort kapierte.
„Ich versteh schon“, unterbrach Ginny seine Gedanken, „nächstes Mal tauschen wir.“
„Eigentlich hatte ich mir vorgenommen das nie zu einem Weasley zu sagen, aber du bist wirklich gut!“, sagte er und drückte ihre Hand.
„Hey! Finger weg von meiner Schwester!“, drohte Ron plötzlich, der die Berührung gesehen hatte.
„Reg dich ab Ron! Es ist alles gut!“, stöhnte Gin augenverdrehend und ging zu Harry, der schon am Portschlüssel stand.
So vergingen die nächsten zwei Wochen, ohne das etwas überaus Besonderes passierte. Ron wurde im Schwertkampf besser, nachdem ihn seine Schwester unterrichtete. Anscheinend fühlte er sich bei ihr nicht so unter Druck gesetzt. Draco beobachtete etwas säuerlich, dass Neville es schaffte immer näher an Pearl zu kommen, während er sich immer mehr distanzierte. So wuchs sein Hass auf die Griffindors noch mehr, dabei war ihm gar nicht bewusst, dass er selber Schuld war. Harry schaffte es endlich eine Mannschaft aufzustellen. Dieser Euan Abercrombie war wirklich gut und ergab einen hervorragenden Jäger ab. Ginny übernahm ebenfalls, wie versprochen, einen Platz als Jägerin ein. Seamus wurde zum Treiber. Letztes Jahr hatte er sich nicht getraut sich zu bewerben, weil sein Freund Dean sich immer über seine Fähigkeiten als Flieger lustig gemacht hat. Die letzte Position, als zweiter Treiber, bekam ein Viertklässler, der Harry nur durch positive Randnotizen von Madam Hooch aufgefallen ist. Thomas Gullane machte das Team schließlich zu einem perfekten Team. Harry wusste, dass er mit einem harten Training die Meisterschaft gewinnen konnte.
Ron fühlte sich ein bisschen zurück gesetzt, weil Hermine in der Tat viel mehr für die Schule machte, als ihr gut tat. Zurückgesetzt fühlend vertraute er Ginny an, was er darüber dachte. Sie machte sich Gedanken darüber und überlegte, dass es wohl das Beste wäre, wenn sie mal mit Hermine sprechen würde. Was dabei heraus kam, war nicht besonders schön.
„Hermine, fühlst du dich nicht manchmal etwas überarbeitet?“, fing Ginny ein Gespräch an, als sie alleine im Gemeinschaftsraum waren.
„Was soll die Frage?“, fragte Hermine irritiert und blickte von ihrem dicken Wälzer auf.
„Nur so.“
„Hmm... eigentlich nicht. Okay, ich verbringe mehr Zeit mit den Büchern, als ich sollte, aber es macht mir Spaß.“
„Glaubst du nicht, dass Ron ein bisschen zu kurz kommt?“
„Nein, sonst hätte er mir das schon längst gesagt. Du kennst ihn doch, er nimmt kein Blatt vor dem Mund!“
Bei der Vorstellung, wie ein Blatt vor Rons Mund klebte, musste Hermine lächeln und schon war sie mit ihren Gedanken ganz woanders. Sie hätte wohl noch Stunden so weiter geträumt, wenn Ginnys Stimme sie nicht aus ihrer Trance gerissen hätte.
„Da wäre ich mir nicht so sicher. Ich kenne ihn schon ein wenig länger, und du kannst mir glauben, das er in solchen Sachen lieber den Mund hält“, zischte sie, weil sie den selbstgefälligen Blick von Hermine nicht ertrug. Manchmal war sie wirklich unerträglich!
„Wenn es so ist, dann sag ihm doch, dass er sich beschweren soll!“, zischte Hermine nicht weniger böse zurück. Auch Ginny ging ihr manchmal gehörig auf die Nerven.
„Du bist hier diejenige, die eure Beziehung gefährdet, also solltest du zusehen, dass du was änderst.“
„Lass meine Beziehung mal meine Sorge sein, als ob du was davon verstehen würdest! Verschwinde und lass mich mein Buch weiter lesen.“
Beleidigt verschwand Ginny in ihrem Schlafsaal, während sich Hermine nicht mehr auf ihr Buch konzentrieren konnte. Vernachlässigte sie Ron wirklich? Wenn ja, dann war es nicht ihre Schuld, er könnte ja mal was sagen. Es war schließlich nicht ihre Absicht gewesen! Vor sich hinträumend griff sie nach ihrem Buch und verschwand in der Bibliothek.
Hermine und Ginny redeten zwei geschlagene Tage nicht miteinander, bis Harry der Kragen platzte.
„Gin, was ist los?“, fragte er sie, als sie nach einem SuKAA Treffen auf dem Weg zurück zum Gemeinschaftsraum waren.
„Warum schweigen ihr euch an, Hermine und du? Habt ihr euch gestritten?“
„Ja.“
„Warum?“
„Is doch egal!“
„Nein. Nun sag schon!“
„Es ist wegen...“
Und plötzlich konnte sie ihre Bürde nicht mehr tragen. Es verletzte sie sehr, dass sie sich mit Hermine in den Haaren hatte, weil sie eigentlich zu ihren besten Freunden gehörte. Sie sprudelte ihren ganzen Schmerz auf Harry ein und der hörte still zu und nahm sie in den Arm. Auf wen sollte er jetzt eigentlich wüten sein? Auf Hermine, die Ginny so verletzt hatte oder Ron, der das alles ausgelöst hatte? Wenn er seine Probleme gleich Hermine gesagt hätte, dann wäre der Streit zwischen Hermine und Gin gar nicht ausgebrochen.
Diesen Abend nahm er Ron beiseite. Er wollte ihn eigentlich nicht anschreien, weil er ihm ja gar nicht getan hatte, aber die Wut ließ ihn Dinge tun, die er gar nicht wollte. Ginny war so verletzt gewesen, nur wegen einem dummen Streit mit einer guten Freundin. Gin hatte ihm gesagt, dass sie wahrscheinlich selbst Schuld wäre, weil sie angefangen hatte, den Ton zu verändern, aber das änderte nichts an der Tatsache.
„Warum gehst du zu deiner Schwester, wenn du ein Problem mit deiner Freundin hast?“, fuhr er Ron unerwartet an.
„Bleib cool Harry, worum geht es überhaupt?“
„Deine Schwester hat sich mit Hermine gestritten, nur weil sie ihr gesagt hat, dass du dich vernachlässigst fühlst!“, sagte Harry, nun schon etwas ruhiger.
„Aber, dass wollte ich nicht! Ich hatte nicht vor, dass Ginny mit ihr spricht, ich brauchte einfach nur jemanden, mit dem ich sprechen konnte!“
„Trotzdem bist du Schuld, dass sich die beiden gestritten haben!“, sagte Harry, jetzt wieder etwas lauter. Rons Begriffsstutzigkeit trieb ihn in den Wahnsinn.
„Nun brüll mich doch nicht so an!“, schrie Ron, der jetzt auch langsam in Rage geriet.
„Es tut mir leid, ich wollte es nicht soweit kommen lassen!“
„Dann überleg nächstes Mal, was du machst, bevor du wieder einen Streit hervorrufst!“
Mit diesen Worten drehte sich Harry um und verschwand in seinen Schlafsaal. Er hatte überreagiert, dass wusste er und alleine er war Schuld, dass er sich jetzt mit Ron gestritten hatte, aber er war nun mal tierisch wüten auf ihn
Obwohl alle Beteiligten wussten, dass diese Streitereien vollkommen sinnlos waren, erst Recht, wenn man bedachte, dass sich Ron und Hermine bestens verstanden, wollte sich keiner entschuldigen. Und so ging es, bis sich Draco am nächsten Donnerstag nicht mehr zurückhalten konnte.
„Was? Ist das unschlagbare Quartet auseinandergebrochen?“, stichelte er, als der Unterricht gerade vorbeiwar und er so eine gute Übersicht über die Situation bekommen hatte.
„Das gibt´s doch nicht.“
„Ach, halt doch deinen Mund!“, herrschte Pearl ihn an, während Neville nur stumm daneben stand.
„Halt du doch deinen Mund! Es macht mir Spaß zu sehen, wie sie alle verwundbarer werden, wenn sie sich nicht mehr gegenseitig schützen. Worum geht es eigentlich?“
„Ach Malfoy, halt einfach deine Klappe! Es geht dich nichts an!“, sagte Ron und war schon kurz davor die Versammlung zu verlassen, genau wie Harry.
„Hey, langsam macht ihr mir Angst“, gab Draco zu. Er hielt es für ein Spiel, aber er sah langsam ein, dass es todernst war.
„Wir haben uns gestritten, okay?“, stöhnte Gin, der diese sinnlose Unterhaltung auf den Geist ging.
„Ihr? Wow, das hätte ich euch nicht zugetraut. Und warum vertragt ihr euch nicht?“
„Sag mal Malfoy, bist du so dumm, oder tust du nur so? Wenn das so leicht wäre, dann hätten wir uns schon längst wieder vertragen!“, sagte Hermine und wollte jetzt auch schon gehen.
„Jetzt haut doch nicht alle ab!“, meckerte Malfoy, „Ich mag zwar niemanden... okay, fast niemanden, von euch, aber ich finde es unlustig euch zu ärgern, wenn ihr euch nicht mal wehren könnt, und das geht wohl nur, wenn ihr ein Team seid. Also, worum geht’s?“
Keine Antwort. Niemand wollte den Streit ausgerechnet von Malfoy schlichten lassen, eher wollten sie sterben, aber auf der anderen Seite war das die Gelegenheit und Malfoy würde sie eh nicht gehen lassen, bevor das geklärt war.
„Okay,“ fing Ron an, „es geht um...“
„Ron hat sich bei mir beschwert, dass er sich vernachlässigt fühlt, weil Hermine so viel lernte. Daraufhin habe ich sie eher unfreundlich daraufhingewiesen und so eskalierte es zu einem Streit. Dann haben sich Harry und Ron gestritten, weil Harry Ron beschuldigte, an unserem Streit schuld zu sein!“, erklärte Ginny, die sich ein Herz gefasst hatte. Jetzt, wo sie es selbst sagte, hörte sich das ganze einfach nur lächerlich an.
„Du liebes bisschen! Und deshalb habt ihr euch in der Wolle? Das tut ja schon fast weh!“, meinte Draco und verdrehte wirklich gespenstisch die Augen.
„Er hat recht“, meinte auch Hermine.
Nachdem es alle eingesehen haben und der große Streit mit drei Umarmungen, nein, eigentlich vier, beendet wurde, fiel Pearl plötzlich Draco um den Hals.
„Du bist der beste! Auch wenn du ziemlich selbstsüchtig gehandelt hast, ich bin dir wirklich dankbar, dass du das geregelt hast!“
Dabei hatte Draco ganz andere Motive gehabt. Der Streit hatte ihn wirklich Angst eingeflößt und außerdem konnte er es nicht ertragen, wenn Freunde sich stritten. Wenn Feinde es taten..., gut, das gehörte sich ja eigentlich so, aber Freunde, nein! Aber er wollte nicht protestieren. Zum einen, weil er die stürmische Umarmung genoss, und zum anderen, weil er den bösen Blick von Neville interessiert analysierte. Anscheinend hatte dieser Longbottom Junge die gleichen Interessen, wie er. Auch Ron starrte ihn böse an, dafür spürte er aber keine Hasserfüllten blicke in seinem Nacken, die von Hermine, Harry und Ginny gekommen wären.
„Na immerhin das!“, dachte er und trennte sich nur ungern von Pearl, aber wenn er sie jetzt festhalten würde, kämen nur unangenehme Fragen auf.
Wollte er wirklich das, was er gerade tat? Wenn er so weiter machte, dann würde er sich glatt noch mit Potter, Granger und den Weasleys anfreunden, das ging nicht, aber ihm fiel keine gemeine Bemerkung ein, deshalb hielt er den Mund.
So gingen die Griffindors zu ihrem Turm und ließen Draco und Pearl zurück, nachdem sie sich verabschiedet haben.
„Ich werde aus dir nicht schlau, Mister Malfoy!“, meinte Pearl schließlich.
„Wieso? Bin ich so kompliziert?“
„Ja, allerdings. Du hast gerade einen Streit geschlichtet von Leuten, die du eigentlich hasst! Normaler weise bombardierst du sie mit Beleidigungen. Das passt nicht zusammen.“
„Wer sagt, dass ich sie hasse?“
„Ich bitte dich, dass sieht, hört und merkt man, und wenn ich den Geschichten von Hermine glauben darf, und ich denke das es so ist, dann warst du sie letzten Jahre wirklich ein Ekel.“
„Ja, und ich wäre wohl immer noch eins, wenn ich nicht gezwungen wäre, mit den Schwachköpfen zusammenzuarbeiten.“
„Und wieso?“
„Was, wieso? Weshalb ich immer noch eins wäre? Ich bitte dich, ein Malfoy vergräbt seine Feindschaften doch nicht einfach! Ich habe sie erst mal nur zurückgestellt, weil ich ja kompromissfähig bin!“
Das brachte Pearl jetzt zum Lachen. Er war auf seine Art unglaublich eingebildet, aber er hatte was.
„Alles klar! Warum bist du so?“
Nachdenklich schwieg Malfoy eine Weile, während beide ein bisschen weiter gingen, aber nur sehr langsam.
„Ich wurde so erzogen, habe ich dir ja schon gesagt, aber letztendlich will ich die Schuld gar nicht meinem Vater zuschreiben, auch wenn er ein vollkommenes Ars... ein vollkommener Idiot ist. Ich habe mich schließlich von ihm überzeugen lassen. Aber seit er mich verstoßen hat, versuche ich nicht seinen Idealen zu entsprechen. Aber das ist ganz schön schwer. Es ist einfach schon zu sehr drin. Ich weiß gar nicht mehr, wieso ich Potter hasse. Granger, okay, weil sie ein Schlammblut ist, und Weasley, weil ich die Familientradition nicht brechen darf. Malfoys und Weasleys hatten immer eine Familienfehde.“
Plötzlich spürte er, wie sich eine zarte, geschmeidige Hand um seine schloss.
„Ich verstehe dich. Aber wenn du wirklich willst, dann kannst du es schaffen! Sie sind alle wirklich nett und mit der Zeit wirst du es auch merken!“
Erstaunt darüber, wie still und nachdenklich sie auf einmal war, erwiderte er den Händedruck. Ihre Hand war wirklich sehr dünn, aber obwohl sie sehr zerbrechlich wirkte, strahlte sie vollkommene Kraft aus. Sehr merkwürdig.
„Gute Nacht, Draco!“, flüsterte sie plötzlich und gab ihm einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange. Bevor Draco realisierte, was geschehen war, war Pearl bereits verschwunden.
„Wo bist du immer so lange?“, begrüßte Lisa sie.
„Langsam mache ich mir sorgen. Du tust doch nichts verbotenes, oder?“
„Nein, es ist alles in Ordnung. Nichts verbotenes. Ich hatte nur ein Gespräch mit Malfoy.“
„So lange?“
„Ja.“ Das war ja nur eine halbe Lüge.
„Und über was habt ihr euch unterhalten?“, fragte Lisa, die immer neugieriger wurde. Sie liebte heimliche Geschichten und das war eindeutig eine.
„Über seine Familie. Nichts besonderes. Und wie läuft es mit Terry und dir?“
Der schnelle Themawechsel gefiel Lisa gar nicht, aber sie ließ sich darauf ein.
„Wie soll es laufen? Nicht gut, würde ich sagen. Ich habe das Gefühl, er geht mir aus dem Weg.“
Das war in der Tat merkwürdig. Pearl wusste, dass Terry genauso von Lisa fasziniert war, wie sie von ihm, warum ging er ihr aus dem Weg?
„Soll ich mit ihm reden?“
Lisa blickte hoch und sah sie mit großen Augen an.
„Würdest du das tun? Aber nur unauffällig. Sonst merkt er noch, dass ich dahinter stecke!“
„Meine Güte Mädel, dass ist doch vollkommen egal, er mag dich und weshalb er dir aus dem Weg geht klär ich noch!“, dachte Pearl genervt bei sich und begab sich ins Badezimmer.
Das warme Wasser beruhigte ihren angespannten Körper. Sie hatte sich viel vorgenommen, aber Terry und Lisa waren als erstes dran, beide gehörten zu ihrem Freundeskreis und sie wollte nicht, dass sich zwei Liebende nicht finden... Man, hörte sich das bescheuert an.
„Terry! Warte mal!“, schrie Pearl, als sie wieder den Gemeinschaftsraum betrat und eine dunkelhaarige Gestalt sah.
„Was willst du?“, fragte er mit einem säuerlichen Gesichtsausdruck. Was ihm wohl über die Leber gelaufen ist?
„Ich muss mal mit dir reden!“
„Mit mir kann keiner reden. Ich bin unfähig ein Gespräch anzufangen oder eins zu führen. Versuche es also lieber nicht, sonst laufe ich weg.“
Stirnrunzelnd näherte sie sich und setzte sich in einen blauen Sessel.
„Was ist los mit dir?“
„Kann ich dir nicht sagen!“
„Doch du kannst. Ich denke, wir sind so was wie Freunde und da sollte man sich soweit vertrauen, dass man Probleme besprechen kann.“
„Du würdest es ihr sagen!“
„Wem? Lisa? Hey man, wenn du Angst hast mir zu sagen, dass du sie liebst, dann brauchst du es nicht, ich weiß es bereits!“
„Von wem?“, fragte Terry erschrocken.
„Ich habe es doch niemanden erzählt.“
„Man sieht es dir an. Du starrst sie beim Essen an, oder im Unterricht. Aber warum läufst du seit neustem vor ihr weg?“
„Ich habe mich vorgestern so dermaßen blamiert. Ich kann es einfach nicht ertragen, wenn sie mich ansieht. Außerdem redet sie immer mit Michael und Anthony und das schmerzt mich ein wenig.“
Alles, was Pearl darauf bekam, war ein langer Lachanfall. Als sie sich beruhigt hatte, strich sie Terry mit ihrer Hand über den Arm.
„Sorry, aber das hörte sich so lustig und so verdammt lächerlich an. Ich konnte nicht anders. Wie wäre es, wenn du mal kämpfen würdest?? Du gibst gerade auf, wie ein richtiger Feigling, das ist schwach! Rede mit ihr doch einfach mal über irgendeine Unterrichtsstunde. Das ist leichter als man denkt.“
Und wehmütig erinnerte sie sich an die Stunde, die sie mit Malfoy in der Bibliothek verbracht hatte. Sie hatten da sehr viel Spaß gehabt, vor allem mit den Diskussionen.
„Pearl, ich kann das nicht!“
Ihr wurde klar, dass sie das Versprechen, welches sie Lisa gegeben hatte, brechen musste, um endlich ihre Ruhe zu haben.
„Du musst versprechen, ihr nicht zu sagen, dass ich es dir verraten habe, sonst bin ich binnen drei Minuten tot! Sie hat genau die gleichen verwirrten Gedanken wie du. Auch sie starrt dich immer an, wenn du mal nicht hinsiehst. Es ist leichter als du es dir vorstellen kannst! Glaub mir einfach.“
Sie verließ einen vollkommen überrumpelten und verwirrten Terry zurück, als sie ins Bett ging. Hoffentlich wird er seine Klappe halten!
Sie setzte sich ans Fenster und starrte hinaus. Der Wald sah ziemlich dunkel und uneinladend aus. Auch der See war angsteinflößend, wenn er durch die nächtliche Dunkelheit schwarz wurde.
Zwei Tage später, Pearl war mal wieder eine der ersten Schüler in der Halle gewesen, und dass, obwohl heute Samstag war und das Frühstück eigentlich erst eine Stunde später anfing. Am Abend zuvor hatte sie sich von Hermine den Tagespropheten ausgeliehen. Sie wollte sich mal erkundigen, welche Informationen in England wichtig waren.
Nachdem sie die halbe Zeitung durchhatte, stieß sie auf einen Artikel, der ihr Interesse weckte.
Erst vor vier Wochen war der Überfall über den Hogwarts-Express und schon gibt es neue Angriffe, diesmal aber in Frankreich. Der Schulanfang der Beaxbatons Academy fing vor einer Woche an und auch hier wurden die Schüler und Lehrer von dunklen Kreaturen angegriffen. Das Ministerium erkundigte sich deshalb bei den umliegenden Ländern und es kam heraus, dass auch in Deutschland, Italien und Spanien Angriffe stattgefunden haben.
Jetzt ist die Frage: Was will du-weißt-schon-wer damit erreichen? Die Top undercover Auroren haben keine Antwort darauf. Arthur Weasley, der neue Zaubereiminister, versichert aber den Schulen, eine Antwort zu suchen...
„Na, was ließt du da?“, fragte Draco hinter ihr. Er war unbemerkt herangeschlichen, deshalb bekam sie erst mal einen tierischen Schrecken.
„Man! Erschreck mich doch nicht so! Ich lese Zeitung, wenn es genehm ist. Und die schreibt wirklich nicht Gutes. Aber das schlimmste ist, dass sie der ganzen Welt, und somit auch dem dunkeln Lord, verkündet, was das Ministerium unternimmt.“
Ungläubig riss Malfoy ihr den Artikel aus der Hand und überflog ihn schnell.
„Das ist doch nicht zu fassen, wie blöd sind die eigentlich?“
Er setzte sich hin und schmiss die Zeitung auf den Tisch.
„Warum bist du eigentlich immer so früh auf? Das Frühstück fängt erst in zwei Stunden an!“
„Ich weiß nicht. Ich brauche halt nicht so viel Schlaf. Außerdem ist es schön die Stille, oder zumindest fast Stille, in dieser großen Halle zu genießen. Und was machst du so früh hier?“
„Goyles Schnarchen hat mich geweckt. Normalerweise stört mich das ja nicht, aber heute war es besonders intensiv.“
„Na dann. Wollen wir raus gehen? Heute ist schönes Wetter und letztes Mal, als Harry hier saß, haben die anderen Ravenclaws ihn fast umgebracht. Ich will nicht wissen, was sie mit dir tun!“
„Okay!“
Draußen war es wirklich herrlich. Obwohl schon Oktober war, schien die Sonne noch warm und die bunt fallenden Blätter verliehen der ganzen Atmosphäre einen romantischen Touch.
„Worüber wollen wir uns unterhalten?“, fragte Pearl, als sie schon zehn Minuten schweigend nebeneinander gegangen waren.
„Ich weiß nicht, wir könnten über Schule reden...“, er sah sie an und deutete ihren Blick richtig, „oder auch nicht. Wie wäre es, wenn du mir was über deine Eltern erzählst?“
Ungläubig blieb sie stehen und fing dann an zu lachen.
„Das willst du wirklich wissen? Hör zu, ich lebe bei zwei Muggeln, sehr liebe Muggel, wirklich, aber ich glaube nicht, dass dich das wirklich interessiert.“
„Doch wirklich. Fährst du in den Ferien zu ihnen?“
„Ich weiß noch nicht, wahrscheinlich fahren mein Vater und meine Stiefmutter nach Italien, Urlaub machen, verstehst du? Dann werde ich mich wohl bei irgendjemanden einladen, oder ich bleibe in der Schule. Ich will mich da noch nicht festlegen. Und du?“
„Ich werde wohl alle Ferien in der Schule bleiben. Meine Mum ist tot und mein Vater unauffindbar, und davon mal ganz ab. Ferien alleine mit meinem Vater sind nicht zu empfehlen. Wahrscheinlich bleibe ich wirklich hier. Das hört sich noch am vielversprechensten an. Goyle und Crabb haben mich eingeladen, aber ich glaube nicht, dass ich es zwei Wochen mit den beiden alleine aushalte. Die Gespräche mit ihnen sind nicht wirklich erbaulich.“
„Ich verstehe. Nun, was hast du sonst in den Ferien gemacht?“
„Meistens bin ich mit meinen Eltern verreist. In die französischen Alpen, ans Mittelmeer oder in den tiefen Balkan. Jedes Jahr was Neues. Ich kann dir bestimmt nicht mal alle Ländernamen aufzählen, es waren einfach zu viele!“
„Hört sich trotzdem spannend an. Ich bin noch nicht viel rumgekommen. Naja, mein Vater ist nicht gerade der reichste, so dass ein Urlaub schon mächtiger Luxus für uns ist.“
„Wie lange lebst du schon bei deinem Vater?“
„Seit ich sieben bin. Ein Jahr, nachdem meine älteste Schwester gestorben ist, hat meine Mutter mich verstoßen, weil ich ihr nicht gehorsam genug war. Mit viel Glück haben mich die Ministeriumsleute gefunden, sonst wäre ich jetzt auch tot. Sie hatte mich mit den Füßen an die Kerkerdecke gekettet, wo ich verhungern sollte.
Dann haben sie meinen Vater ausgemacht und mich zu ihn gebracht. Er wusste nicht einmal, dass es mich gab“, eigentlich gab es noch mehr zu erzählen, aber sie war jetzt schon der Meinung, das er zu viel wusste.
„Das hört sich echt traurig an. Da komme ja nicht mal ich mit. Mein Vater ist zwar auch ein widerliches Ekelpaket, aber er hat bis jetzt noch nicht in Erwägung gezogen mich zu töten. Wurde deine Mutter nach Askaban geschickt?“
„Nein, sie wurde nie gefasst. Sie ist eine V..., ach egal. Sie ist eben nie geschnappt worden.“
„Das tut mir leid!“
Ein recht großen Teil des Sees hatten sie schon umrundet.
„Wenn wir jetzt umdrehen, dann schaffen wir es noch zum Frühstück, wenn wir jetzt den ganzen See umrunden, dann werden wir wohl nur noch Reste schnabulieren dürfen! Also?, klärte Draco Pearl auf.
„Was würde denn einen größeren Skandal bewirken?“, fragte Pearl mit unschuldigen Augen.
„Hmm... ich denke, wenn wir den ganzen See umrunden und Arm in Arm in die Halle kämen! Wieso?“
„Ich habe Lust auf einen Skandal. Und das Gerücht, eine Ravenclaw ist mit ein Slytherin zusammen, wäre doch wirklich toll, oder? Erst recht, wenn man bedenkt, dass sich diese beiden Häuser hassen.“
„Dann rühren wir mal in der Gerüchteküche!“, stimmte Draco grinsend zu und so gingen sie weiter gerade aus.
Doch im geheimen wurde Draco still. Den einzigen Gedanken den er hatte, bis Pearl ihn aus seinen Träumerein riss, war: Wenn es doch wahr wäre, und nicht bloß ein Gerücht.
„Ich finde, jetzt bist du dran, mit Familiengeschichten. Wie bist du aufgewachsen?“
„Pearl, ich will darüber nicht reden. Mein Vater war ein brutales Schwein und ist es nicht wert, dass ich noch über ihn rede!“, sagte Draco verbissen und weigerte sich strikt sie anzusehen.
„Manchmal hilft es, darüber zu reden.“
„Glaubst du? Hör zu, mein Vater hat mich, als ich klein war, jedes Mal halb totgeschlagen, wenn ich nicht sofort gehorcht habe und selbst wenn ich mal alles tat, was er von mir verlangte, er fand immer einen Grund auf mich einzudreschen, aber das reichte ihm nicht. Meine Mutter war immer selbst mit blauen Flecken und anderen Prellungen übersäht. Einmal hat er mich gezwungen, dass ich zusah, wie er meine Mutter vergewaltigte. Ich weiß gar nicht, warum sie ihn geheiratet hat.
Seit meiner Geburt habe ich seinen Hass inhalieren müssen und so wurde ich zu dem, was ich bin. Aber das schlimmste ist, dass ich mich nie gewehrt habe. Selbst als ich vierzehn war, hatte er noch Gebrauch von seiner Peitsche mit Eisenkern gemacht. Ich konnte nichts machen. Okay, er hat immer dafür gesorgt, dass ich mit Respekt angesehen werde, aber wie ich mich dabei fühle, hat ihn wenig interessiert. Und ich Trottel habe ihm auch immer schön Beschwerdebriefe geschickt, wenn ich dann mal seine Hilfe braucht, oder zumindest dachte, dass ich sie brauchen würde, und kettete mich so noch mehr an ihn!“
Tränen stiegen Pearl in die Augen und auch Draco musste mit sich kämpfen nicht loszuheulen. Eigentlich wollte er es ja nicht zugeben, aber sich den ganzen angestauten Frust von der Seele zu reden half wirklich.
Keiner wusste wie es passiert war, aber einen Augenblick später lag Draco in ihren Armen und lehnte schluchzend seinen Kopf auf ihre Schultern. Selbst wenn ein Slytherin jetzt vorbei gekommen wäre, hätte es ihn nicht gestört. Pearl, die selbst kurz vorm Zusammenbrechen war, strich mit ihrer Hand über seinen Kopf und nach einiger Zeit hörte das Schluchzen auf und Draco sah sie an.
„Danke!“, flüsterte er.
„Danke.“
Schweigend gingen sie weiter. Nach einer Ewigkeit waren sie wieder beim Schloss angekommen.
„Bereit für den Skandal?“, fragte er sie und schaute vielversprechend in Richtung Halle.
„Immer!“
Er legte seinen Arm um sie und zusammen stolzierten sie in die Halle. Es waren noch erstaunlich viele da. Und ALLE sahen sie an, als sie hereinkamen. Die Schüler, die Lehrer, einfach alle. Draco sah, wie Ron fast das Brötchen aus dem Mund fiel und Neville war in eine Art Ganzkörperstarre verfallen.
„Bis denn!“, murmelte er ihr zu, als sie sich dramatisch langsam von einander lösten. In sich hinein lächelnd wanderte Pearl zum Ravenclawtisch und bemerkte erfreut, dass sich zwischen Lisa und Terry was getan hatte. Er hatte seine Hand um ihre Taille gelegt. Normalerweise saß sie ja zwischen den beiden, aber aus reiner Herzensgüte, setzte sie sich jetzt zwischen Lisa und Padma.
„Was war das denn eben?“, begrüßte Lisa sie.
„Was sollte was gewesen sein? Meinst du die Tatsache, dass Draco seinen Arm um meine Schulter liegen hatte? Das war rein freundschaftlich!“, sagte Pearl in einem ruhigen Ton, aber Lisa wollte ihr das nicht so recht glauben.
„Sicher!“, sagte sie nur und ließ Pearl dann ihr Brötchen essen.
„Habt ihr das gesehen?“, fragte Ron ungläubig.
„Ich kann es nicht fassen, das ausgerechnet die bodenständige Pearl mit Malfoy zusammen ist!“
„Ron, woher willst du wissen, dass sie zusammen sind?“, entgegnete Hermine sachlich.
„Vielleicht war es ja nur freundschaftlich?“, warf Ginny noch dazwischen, aber für Ron stand es fest.
„Zwei Freunde würden so etwas nie machen. Nicht so extrem.“
„Es sah doch nur auf diese Entfernung extrem aus. Man, ich habe Hermine auch schon in den Arm genommen, freundschaftlich. Nun macht aus der Maus keinen Elefanten“, sagte Harry.
„Wollen wir es hoffen!“, murmelte Neville traurig und mit diesen Worten erhob er sich und ging aus der Halle.
„Gleich ist Training!“, wechselte Harry schnell das Thema.
„Hast du Euan Bescheid gesagt Ron?“
„Klar, gestern schon, gleich, nachdem du mich darum gebeten hast.“
Auch Draco wurde gleich von allen Slytherins bestürmt und aufgefordert das Geschehende zu erklären. Doch er wehrte die Masse mit seiner Hand ab, nahm sich ein Brötchen und erklärte feierlich: „Das war nur freundschaftlich. Lasst eure dreckigen Fantasien an anderen aus. Wir kommen gut miteinander aus, okay, sie ist ne Ravenclaw, tut mir ja auch leid, aber sie ist nicht so bescheuert wie die anderen und jetzt lasst mich essen!“
„Draco, spiele uns nichts vor! Wir wissen alle, dass du den Codex gebrochen hast! Sie ist ne Muggelgeborene. Du weißt es, und trotzdem bist du mit ihr zusammen“, beschuldigte Pansy ihn, doch sie hätte es lieber bleiben lassen sollen. Mit funkelnden Augen stellte sich Draco hin, er überragte Pansy um mindestens einen Kopf.
„Wage es noch einmal meine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen und du bist ein Kopf kürzer. Ich habe nichts mit Hooker, verstanden? Außerdem ist sie kein Schlammblut, sie ist ein Mischling, deshalb wäre der Codex noch lange nicht gebrochen, nur Beziehungen zu Schlammblütern wäre strafbar. Und jetzt lasst mich endlich essen! Und nicht vergessen, morgen ist Quidditchtraining!“, den letzten Teil hatte er in Richtung Teammitglieder gebrüllt.
„Ich werde euch schon unterrichten, wenn ich mit ihr zusammen bin, keine Angst!“, dachte er grimmig bei sich und biss wütend in sein Salamibrötchen.
Verschwitzt wanderten die Griffindors vom Qudditchfeld in die Umkleidekabine, um für die Ravenclaws Platz zu machen. Ginny hatte das Gefühl, dass es ein gutes Training gewesen war. Ron hatte sich wirklich zu einem spitzen Hüter entwickelt. Das Extratraining, was Harry ihm in den Ferien gegeben hatte, war sehr hilfreich gewesen. Euan war ein guter Jäger, und dafür, dass er gerade mal in der zweiten Klasse war, ein begnadeter Flieger. Harry hatte wirklich das Gefühl, dass ihm dieses Jahr alles zuflog, vielleicht als Entschädigung vom Schicksal, weil das letzte Jahr nicht so schön gewesen war? Schließlich war die Schule auch bestens und Harry hatte sich damit abgefunden, nachdem Dumbledore ihm gesagt hatte, dass er vor irgendeiner Verschwörung keine Angst haben muss. Das Schloss war von so vielen Schutzzaubern umgeben, dass selbst die zehn besten Zauberer der Welt zusammen ein Problem hätte, es endgültig zu durchbrechen, wenn sie rein wollten.
Als Ginny umgezogen aus der Kabine ging, schielte sie unauffällig zu den Ravenclaws rüber. Terry Boot hatte ebenfalls eine gute Mannschaft auf die Beine gestellt und Malfoy würde das ebenfalls schaffen. Dieses Jahr würde hart werden und in zwei Wochen war schon das erste Spiel, wie immer: Griffindor gegen Slytherin.
Hermine war zu der Zeit im Gemeinschaftsraum und las ein Buch. Professor Sprout hatte es ihr empfohlen und sie musste zugeben, das es wirklich interessant war, und dass sie es unbedingt Neville erzählen sollte, der ja auch so ein Kräuterkundefreak war.
„Sie ging nach oben, um sich ihren Umhang zu holen. Sie vermutete Neville draußen, und dort war es heute besonders stürmisch und kalt. Auf ihrem Bett fand sie einen Zettel.
Liebe Hermine,
ich finde, dass wir unsere Beziehung zu sehr in den Schatten stellen, morgen, nach dem Quidditchtraining werde ich dich an der weiße Bank am See überraschen, vorrausgesetzt du kommst!
Dein dich immer liebender
Ron
Seufzend legte Hermine den Brief weg. Ja, es stimmte, auch sie hatte das Gefühl, dass ihr Bücher in letzter Zeit wichtiger waren. In ihrem Kopf malte sie den morgigen Tag in einen roten Kreis, sie durfte es auf keinen Fall vergessen.
Schnell schnappte sie sich ihren Umhang und eilte nach draußen, um Neville zu suchen.
Genervt stellte Ginny den Wecker ab, den sie extra gestellt hatte. Harry hatte das Training früh vereinbart, zu früh, für ihren Geschmack. Sie wusste, dass auch Ron und Seamus Schwierigkeiten beim Aufstehen haben würden. Harry war ja so gemein, warum wollte er schon um sieben Uhr morgens trainieren? Und dann auch noch drei Stunden lang. Okay, die Slytherins haben den Platz in der besten Zeit gemietet und das die Hufflepuffs jeden Sonntag von halb vier bis sechs Training hatten, war allgemein bekannt. Aber trotzdem, es war eindeutig zu früh.
Schläfrig taperte sie die Treppen hinunter zur großen Halle, zur ihrer Überraschung waren schon alle da. Missmutig stellte sie mal wieder fest, dass sie mit Katie Bell das einzige Mädchen war. Sollte sie das jetzt als Diskriminierung ansehen, oder nicht?
„Morgen!“, murmelte sie, ließ sich auf ihren Platz plumpsen und fing an ihr Brötchen mit Honig zu beschmieren. Außer den sieben Teammitgliedern, waren nur noch drei Ravenclaws, ein Hufflepuff und fünf Slytherins wach, die bekamen allerdings noch kein Frühstück, nur Tee oder Kaffee, weil sie ja nicht zur Frühstückszeit Training hatten.
„Was machen wir heute?“, fragte sie in die Runde, nachdem sie die Hälfte ihres Brötchen und eine Tasse Kaffee intus hatte.
„Wir werden noch mal das System von Slytherin durchgehen. Heute machen wir aber nicht so viel Theorie. Malfoy hat eine ganz passable Mannschaft auf die Beine gestellt, aber wir können es schaffen.“
„Ich wollte nur wissen, was wir machen, mehr nicht, aber danke, dass du uns zutraust, dass wir gewinnen!“, maulte Ginny und biss noch mal herzhaft in ihr Brötchen, jetzt ihr zweites.
„Maule doch nicht so rum, Schwesterherz, wir sind alle müde, aber es wird sich schon lohnen!“, versuchte Ron sie aufzumuntern, und tatsächlich schaffte er es ihr ein Lächeln zu entlocken.
Das Training war sehr hart, weil es draußen ziemlich stürmte. Harry brauchte geschlagene zwei Stunden, bis er den Schnatz gefangen hatte, und das auch nur, weil der Schnatz durch Gegenwind in seine Hand geflattert war. Ansonsten lief es aber nach Harrys Meinung ganz gut. Ron hielt fast alle Quaffels und Seamus und Thomas arbeiteten gut mit den Klatschern.
Auch Hermine hatte sich den Wecker gestellt. Eine Stunde hatte sie jetzt noch bis zum Ende des Trainings Zeit. Schnell zog sie sich eine alte Jeans, ein grünes T-Shirt und darüber ihren Lieblingspullover an. Dann wuselte sie ihre Haarpracht zusammen und knotete ein Band darum. Sie wusste, sie nach nicht besonders feierlich aus, aber Ron wird sich auch nicht seinen besten Anzug mit in die Umkleidekabine nehmen, um sie dann zu empfangen, außerdem war es nicht seine Art.
In der Halle trank sie dann noch schnell einen Fencheltee, zog ihren Mantel über und ging nach draußen. Wenn man nicht trödelte, brauchte man nur zehn Minuten bis zur Bank. Sie war also ein bisschen zu früh. Die Arme um sich gelegt, weil ihr ein bisschen kalt war, setzte sie sich hin und wartete.
„Hallo Schätzchen! Was wartest du denn hier so alleine? Wartest du auf jemanden?“, fragte sie eine dunkle, warme Stimme. Eine schwarzhaarige Person kam aus den Schatten.
„Wer sind sie?“, fragte Hermine irritiert und schaute in die kalten Augen.
„Vielleicht bekommst du ja eine Antwort, wenn du meine Fragen zuerst beantwortest?“, stichelte die Frau und lächelte geheimnisvoll, aber angsteinflößend.
„Ich... warte hier auf meinen Freund...“, sagte Hermine leise und blickt unsicher um sich, aber sie konnte nicht noch mehr Menschen ausfindig machen. Sie betrachtete die Frau genauer und konnte gewisse Ähnlichkeiten ausmachen, nur mit wem?
„Er hat dir einen Brief geschrieben, nicht wahr? Und jetzt bist du schon unendlich gespannt, was er auf Lager hat!“
„Woher wissen sie das?“, fragte Hermine jetzt vollkommen verwirrt und guckte die Schwarzhaarige ungläubig an.
„Wer glaubst, hat dir wirklich den Brief wirklich geschrieben?“, forderte sie Hermine auf, ohne auf ihre Frage Rücksicht zu nehmen.
„Doch nicht...?!“, flüsterte Hermine.
„Doch!“
„Aber wie...?“
„Ich bin eine Veela Schätzchen, ich kann mehr, als Dumbledore für möglich hält. Und einen Schüler zu beeinflussen und ihn mit Rons Handschrift einen Brief schreiben zu lassen, dass ist wirklich ein Kinderspiel. Schwieriger war es, hier unbemerkt hinzukommen, aber letztendlich war es auch ein Kinderspiel. Dumbledore hält uns ja für so naiv!“
Und dann sah Hermine nichts mehr, sondern spürte nur noch ein sehr unangenehmes Ziehen in ihrem Bauch. Sie konnte sich keinen Reim darauf machen, was es war.
Harry hörte nur einen Schrei und irritiert drehte er sich um und lief ans andere Ende des Spielfeldes, um eine bessere Sicht auf den See zu haben. Er sah Hermine und eine dunkelhaarige Frau. Schockiert bemerkte er, dass es Hermine war, die mit vollen Kräften schrie. Er zückte seinen Zauberstab.
„Accio, Feuerblitz!“, schrie er und noch im Flug des Besen sprang er auf und raste zur weißen Bank, doch als er ankam, hörte er nur noch ein gackerhaftes Gelächter und zwei violettglühende Augen starrten ihn an.
„Was ist denn los Harry?“, keuchte Ron, der hinter ihm hergeflogen war. Als er keine Antwort bekam, stieg er ab und umrundete die Bank. Auf dem Boden lag ein Zettel. Ron hob ihn auf und sah seine Handschrift, dabei hatte er diese Worte nie geschrieben.
„Was ist hier bloß los?“, murmelte er und blickte Harry mit großen, erwartungsvollen Augen an.
„Ich weiß es nicht, ich habe gedacht, ich habe Hermine hier mit einer fremden Frau gesehen. Ich dachte, ich hätte sie schreien hören, aber als ich hier war, war niemand da“, zweifelte Harry und schüttelte ununterbrochen ungläubig den Kopf.
„Wir sollten mit Pearl reden!“, meinte Ron plötzlich und sah dabei aus, als ob er einen Geistesblitz gehabt hätte.
„Wartet!“, flüsterte eine geheimnisvolle Stimme hinter ihnen. Synchron drehten sie sich um.
„Grace! Was machst du hier?“, wunderte sich Ron.
„Ich bin als Botschafterin meiner Mutter hier. Irgend so ein Schlammblutmädchen ist in ihrer Gewalt und sie wird sie entweder in zwei Stunden töten, oder Harry Potter bietet sich als Tauschobjekt an.“
„Was?“, schrie Ron.
„Willst du mich auf den Arm nehmen? Hallo? Ich bin es, Ron, der Typ, dem du geholfen hast zu fliehen!“
„Bist du wirklich so dumm? Ich habe dir doch nicht aus Nächstenliebe geholfen, sondern nur aus Eigennutz. Ich sollte dich dazu bringen den Bann zubrechen und somit das dritte Ungewisse zu wecken, und es wird nicht mehr lange dauern, und das Vierte wird leben, und dann wird meine Mutter, die Veelafürstin, dem dunklen Lord ein Großartiges Geschenk machen können! Nur dadurch, dass du den bann gebrochnen hast, ist unsere macht gestiegen. Du hattest nicht wirklich mit Dumbledore kommuniziert, das war eine Wache, die dir die Antwort zugeflüstert hat. Glaubst du ehrlich, dass du, nachdem du zwei Minuten den Bann gebrochen hast, schon telepathische Fähigkeiten hast?“
„Du bist geisteskrank, so wie deine Mutter!“, stieß Harry zwischen seine Zähne aus.
„Ich weiß, aber es wird nichts am Handel ändern. Wenn du dich nicht anbietest, dann wird sie sterben, und bald werden wir eine nächste Geisel haben, vielleicht diese kleine, rothaarige Rotzgöre Ginny? Diese werden wir dann auch töten, wenn du wieder nicht gewillt bist, mit uns zu kooperieren. Und so werden langsam alle deine liebsten dahin sterben und du kannst sie nur retten, wenn du dich selbst opferst.“
„Wie kann ich sicher sein, dass du mich nicht hintergehst und mich tötest und Hermine aber auch?“
„Ich kann dir nicht mehr geben, als mein Wort!“, lächelte Grace und verschränkte ihre Arme, um ihre Ungeduld zu symbolisieren.
Zu Ron gerichtet flüsterte Harry: „Du und ich, wir wissen beide, dass das eine Falle ist, aber um Zeit zugewinnen, muss ich mitgehen, sonst ist Hermine Tod. Du rennst sofort zu Dumbledore, oder Professor McGonagall und holst Hilfe.“
„Alles klar!“
Wehmütig sah er seinem Freund nach, wie er mit seinem Besen zur Schule flog. Auf seiner Schulter spürte er eine eiskalte Hand.
„Ich komm ja schon!“, murrte er und wurde sofort in einen schwarzen Strudel gezogen.
Als er die Augen wieder öffnete, sah er, wie er in einem Kerker war. Um genau zu sein, in einer Zelle. In der Ecke lag ein Mädchen. Vor dem Gitter war Grace.
„Harry?“, wimmerte das Mädchen.
„Es... ist eine... Falle!“, schluchzte sie und brach wieder zusammen, was haben sie bloß mit ihr gemacht??
„Sie hat recht!“, triumphierte Grace.
„Es war eine Falle!“
Während sie davon stolzierte, eilte Harry zu Hermine. Sie lag zusammen gekauert am Boden, ihr ganzer Körper bebte bei ihren Schluchzern. Jetzt war er wirklich gefangen. Niemand wusste, wie man hier hin kam und keiner wusste, wie er ihm helfen sollte. Langsam wuchs sein kleiner Groll auf Dumbledore, der ihn angelogen hatte, was die Sicherheit des Geländes betraf. Die violetten Augen schwebte immer noch vor seinem inneren Auge und er fragte sich, wieso Grace ihm so bekannt vorkam. Er kannte niemanden, mit schwarzen, glatten Haaren und solchen Augen. Und dann fiel es ihm wie schuppen von den Augen. Pearl...
„Hermine?“, flüsterte er, „Geht es dir gut? Haben sie dir irgendetwas angetan?“
„Nein, nur diese Veelafürstin hat am See irgendetwas mit meinem Bauch gemacht, aber der Schmerz ist wieder weg. Weißt du, warum Pearl uns nie erzählt hat, dass ihre Mutter die Veelafürstin ist?“
„Ich glaube, ich würde so eine Mutter auch nicht gerne erwähnen, aber ich frage mich ganz ehrlich, haben Veelas nicht blonde Haare und blaue Augen?“
Erinnerungen von Fleur Delacour kamen ihm in den Sinn und ihre strahlenden blauen Augen, die blonden Haare und das glockenhafte Lachen tanzten vor seinem Auge.
„Roseanne ist keine reine Veela. Sie versucht es zu leugnen, aber jeder weiß es, der dem Buch >Der Hochadel seit dem 19. Jahrhundert< glauben schenkt, doch die anderen Veelas haben zu viel Angst, als sie darauf anzusprechen. Ihr Vater war ein Muggelgeborener Zauberer. Er hatte eine Affäre mit Neele Gerdes, der Vollveela und Mutter von Roseanne. Es entstand ein Kind. Nachdem Neele herausgefunden hat, dass ihr Partner ein Schlammblut war, hat sie ihn grausam abgeschlachtet, aber sie konnte das Kind nicht töten. So wuchs Roseanne als Halbveela auf und auch sie bekam Kinder, wieder mit einem Muggel, der keine Veela in sich hatte. Auch sie tötete ihn, allerdings musste man in Frage stellen, warum sie es erst nach dem dritten Kind gemacht hatte. Ihr älteste Tochter tötete sie vor neun Jahren, weil sie sich gegen die Herrschaft ihrer Mutter wehrte. Die zweite Tochter, Grace, ist eine untertänige Dienerin und Pearl sollte mit sieben Jahren eigentlich sterben, aber das irische Ministerium hatte sie noch rechtzeitig gerettet. Sie wurde zu ihrem Vater gebracht, dem das Gedächtnis gelöscht worden war...“
„Moment mal!“, unterbrach Harry sie.
„Ich dachte der Vater war tot!“
„Ach, das habe ich ja ganz vergessen. Auch er überlebte knapp, weil das Ministerium wieder mal so schnell war. Ohne Erinnerungen lebte er weiter, fand eine Freundin und heiratete. Die beiden sind jetzt die Ersatzeltern von Pearl“, endete Hermine und setzte sich endlich auf. Ihre Augen waren leicht gerötet.
„Woher weißt du das alles?“
„Ich habe ein bisschen geforscht, und den Rest habe ich mir eben zusammengereimt. Krasse Geschichte, oder?“
„Allerdings. Aber auf welcher Seite steht Pearl jetzt?“
„Keine Ahnung!“ Darauf wusste nicht einmal Hermine eine Antwort.
Es war schweinekalt im Ravenclawgemeinschaftsraum. Frösteln suchte Pearl nach einem dicken Pullover. Wenn sie jetzt schon ihre wärmsten Sachen anzog, was sollte sie dann im Winter machen??
Durch das Fenster sah sie, wie kleine Leute auf Besen Quidditch spielten, sie wusste, dass jetzt der Wechsel zwischen Slytherin und Griffindor sein müsste. Wie konnte man nur so Quidditch fanatisch sein??? Kopfschütteln wandte sie sich ab und blickte geradewegs in Lisas Gesicht.
„Draußen steht Ronald Weasley, dieser Sohn vom neuen Minister. Er will mit dir sprechen. Er scheint es eilig zu haben, er wollte glatt mit rein kommen!“
„Es ist was passiert!“, schoss es Pearl durch den Kopf.
„Okay, ich bin weg!“, rief sie und rannte nach draußen.
„Wie vielen Männern willst du eigentlich noch den Kopf verdrehen, Pearl? Reicht einer nicht?“, schrie Lisa ihr noch hinterher, aber Pearl hörte es schon nicht mehr.
„Was ist passiert?“, fragte Pearl ohne ein Hallo abzuwarten.
„Roseanne hat Harry eine Falle gestellt. Eigentlich sollte ich ja Dumbledore Bescheid sagen, aber dann sind mir Graces Worte durch den Kopf gegangen und mir fiel ein, dass sie eine Schwester hat. Ich glaube, du bist es, nicht wahr? Und dann bist du auch die einzige, die uns dahin führen kann!“, ratterte Ron runter und riss ungläubig die Augen auf, als er ihr starres Gesicht und ihren coolen Blick bemerkte.
„Alles klar, du hast mein Geheimnis gelüftet. Ja, ich bin die jüngste Tochter von der Veelaherrscherin Roseanne und wir haben keine Zeit zu verlieren. Morgen ist Neumond, da werden sie Harry hinrichten! Wir müssen Draco und Neville finden, und Ginny!“
„Aber warum? Kannst du nicht einfach Harry befreien, oder könnte Dumbledore nicht einfach?“
„Nein! Du hattest schon recht, auch wenn Dumbledore einer der größten Zauberer seiner Zeit ist, er kann uns nicht helfen. Wir brauchen die Kraft der Elemente. Auch, wenn wir Nevilles Bann auf keinen Fall brechen dürfen. Und Ginny brauchen wir, weil sie ein Khanandi ist.“
„Ein, bitte was?“
„Khanandi. Sie hat das Erbe vom Elementbeschützer angetreten. Deshalb kann sie auch so gut mit dem Schwert umgehen, obwohl sie es nie geübt hat!“
„Aha?!“
„Jetzt komm! Wo sind Ginny, Neville und Draco?“
„Malfoy hat gerade Training, Neville ist in der Bibliothek, aber von Ginny ist, kann ich beim besten Willen nicht sagen!“
„Okay, ich geh zum Spielfeld und du holst Neville. Zu zweit sucht ihr nach Ginny, wir dürfen auf keinen Fall Zeit verlieren! Wir treffen uns dann in der großen Halle.“
Sie trennten sich und rannten los. Auf dem Spielfeld war keiner zu sehen, verwundert blickte Pearl sich um und entdeckte dann oben in der Luft sieben Besen. Wenn sie schrie, würde sie keiner hören, und wenn sie wartete ging zu viel Zeit verloren. Stöhnend ging sie in die Damenumkleide, machte die Tür zum Geräteraum, in dem auch die Bälle aufbewahrt wurden, auf und schnappte sich einen alten, klapperigen Besen, der zum üben für die Erstklässler benutzt wurde.
„Hoch!“, flüsterte sie mit zittriger Stimme und bestieg den Besen, den sie über alles hasste.
Langsam tuckerte sie nach oben und erreichte allmählich die Höhe von den Spieler. Das ist ein Albtraum! Sie traute sich nicht irgendetwas zu rufen, weil der Besen vielleicht ihre zittrige Stimme als Signal deuten würde und auf verrückte Gedanken kommen könnte!
Also wartete sie und schaute den anderen beim Fliegen zu, doch als ein Slytherinjunge einen gewagten Salto machte, wandte sie sich ab, bevor ihr schlecht wurde. Eigentlich hätte sie auch unten warten können. Nach einiger Zeit schaute sie wieder hin.
„Was machst du denn hier oben? Und warum sitzt du so steif auf deinem Besen?“, fragte sie Draco, der auf sie zugeflogen kam, nachdem er sie endlich bemerkt hatte.
„Erkläre ich dir, aber kommst du bitte mit runter? Ich bin nicht sehr gerne in der Luft!“, wisperte Pearl und Draco folgte ihr im Schritttempo und mit einer hochgezogenen Augenbraue.
„Also, was ist los, und warum konntest du mir das nicht oben erzählen?“
„Ich habe extreme Höhenangst und ich hasse alles, was höher als einen Meter über den Boden ist! Ich kann nicht wirklich gut fliegen und Quidditch ist in meinen Augen ein kranker Sport!“, erklärte sie schnell und sah ihn dabei nicht an. Ihr fielen die Worte von Lisa ein, dass er sich über Menschen mit Schwächen lustig macht, aber statt zu lachen oder einen dummen Spruch abzulassen, sagte er nichts, sonder schaute sie nur erwartungsvoll an.
„Ich weiß, dass du Harry Potter nicht magst, aber er steckt in gewaltiger Gefahr und nur mit deiner Hilfe können wir ihn daraus holen!“, fuhr sie schnell fort.
„In welchen Schwierigkeiten steckt er denn und warum brauchst du gerade meine Hilfe?“
Seufzend holte Pearl tief Luft. Dumbledore wird ihr den Hals umdrehen, aber er musste es jetzt erfahren, sonst würde er nicht einsehen, warum er ihr helfen sollte.
„Meine Mum hat ihm eine Falle gestellt, indem sie Hermine entführt hat. Morgen wird er getötet werden. Du bist eines der vier Elemente und so hast du eine größere Macht und mit Hilfe der anderen drei Elementen kannst du es schaffen ihn zu retten.“
„Eines der Elemente? Das ist ein Mythos Pearl, erzähle keinen Mist!“, erwiderte Draco und wollte schon entnervt wieder nach oben fliegen. Doch sie packte seinen Besen und hielt ihn zielstrebig fest.
„Das ist kein Mythos. Man stellt es gerne als eins dar, aber es ist nicht so. Du bist das Element Wasser, Ron ist das des Feuers, Neville ist das der Erde und ... ich bin das der Luft. Klar, das passt gar nicht, weil ich Fliegen hasse, aber so ist es vorbestimmt. Glaube mir, du hast hellseherische Kräfte, deine Magie ist fünfmal größer, als die eines normalen, guten Zauberers und du bist mit uns dreien der einzige, der seine Kraft mit einer anderen Person verbinden kann!“, sagte sie.
„Aber das kann nicht sein! Mein Vater hat es immer bestritten!“
„Dann hat er dich angelogen. Und jetzt komm endlich, wir dürfen keine Zeit verlieren!“
„Aber ich habe noch Training!“
„Sag es ab!“
„Aber, ich will nicht Harry retten. Soll er doch selbst da raus kommen. Mir ist Quidditch ein wenig wichtiger, außerdem weiß ich gar nicht, warum du zu mir gekommen bist, du weißt, dass ich sie hasse, und dass sie mich hassen...!“
„Egal, ich brauche deine Hilfe und werde dich so lange nerven, bis du mitkommst!“
Er sah ein, dass er keine Chance hatte. Seufzend setzte er sich auf den Besen, flog nach oben, um den anderen zu sagen, dass kein Training mehr ist, und folgte dann der gehetzten Pearl zurück ins Schloss, aber nur sehr ungern, und mit dem Gedanken, Pearl in nächster Zeit auch zu etwas zu zwingen, was sie nicht mag, vielleicht würde ihm ihre Flugangst doch noch mal was bringen.
Zusammen schlichen sie im Schloss umher, fragten jeden, der Ginny kannte, ob er wüsste, wo sie ist und schauten an jeden Ort, wo sie sein könnte. Am Schluss fanden Neville und Ron Ginny mit einer Klassenkameradin am Kaminfeuer in den gemütlichen, und sehr begehrten Sesseln, insgesamt waren sie fünfmal an ihnen vorbei gelaufen, bevor sie auf die Idee kamen, dass vielleicht Ginny da die ganze Zeit kicherte und mit ihrer Freundin rumalberte, die genauso kicherte.
Wortlos packte Ron sie und schleifte sie die Treppe hinunter in die Halle, da, wo Pearl und Draco bereits warteten. Ginny wehre sich heftig, schließlich wusste sie nicht, was in ihren Bruder gefahren war, aber Ron reagierte nicht annähernd auf ihre Fingernägel und Beißversuche. Kurz vor der Halle schaffte es Ginny endlich sich loszureißen.
„Hallo?“, schrie sie.
„Kannst du mir mal verraten, was los ist? Habe ich irgendetwas verbrochen?“
„Nein!“, antwortete Ron kurz und packte sie wieder an ihrer Hand.
„Du wirst es noch erfahren, aber es ist wichtig. Komm einfach mit“, fügte er noch hinzu, stieß aber auf noch mehr Widerstand, als Ginny Draco erblickte.
„Hat das was mit dem zu tun?“, widerstrebte sie und zog noch mehr an der Hand, die Ron festhielt.
„Ja, mir passt es ja auch nicht, aber es muss sein. Komm einfach mit und lass es dir von Pearl erklären.“
Er zerrte sie noch das letzte Stück, bis er die anderen beiden erreicht hatte, Neville war die ganze Zeit still gewesen. Seine Augen galten jetzt nur Pearl. Als Ron ihm erzählte, dass er seine Hilfe brauchte, war erst skeptisch gewesen und als er von Malfoy hörte noch mehr, und er hätte auch bestimmt abgesagt, wenn er den Namen Pearl nicht gehört hätte. Mit ihr würde er alles machen.
„Hermine?“, wisperte Harry so leise, dass nur sie, und kein Wächter, es hören konnte.
„Ja?“, flüsterte sie genauso leise zurück.
„Hast du irgendein Plan? Wir können hier nicht tatenlos rumsitzen.“
„Nein, die letzten zwei Stunden habe ich damit verbracht meine Hausaufgaben im Kopf zu formulieren. Professor Coulter ist wirklich eine gute Lehrerin, in Zaubertränke, wie in Verteidigung gegen die Dunklen Künste, aber die Arbeit, die man in ihre Hausaufgaben stecken muss, ist unverschämt. Weißt du, warum Snape noch nicht zurück ist? Wir haben jetzt schon über vier Wochen Schule, aber er ist immer noch nicht da!“
„Na und? Soll er doch bleiben, wo der Pfeffer wächst! Ich bin froh, dass wir noch Coulter haben, die ist wenigstens gerecht. Eigentlich wollte ich aber nicht über Schule sprechen, sondern über einen Plan, wie wir hier raus kommen!“
„Ich habe keine Ahnung Harry, außerdem schaffen wir es zu zweit eh nicht, habe Geduld und warte auf Ron und Dumbledore. Denen wird schon was einfallen!“
„Und wie sollen sie hier hinkommen? Kannst du mir das vielleicht sagen? Wir sind mit einem Portschlüssel hierhin katapultiert worden, keiner weiß, wo dieses Schloss ist. Wir müssen uns selber helfen!“
„Harry, hör auf! Sie werden Pearl fragen, sie kennt bestimmt einen Weg. Und jetzt lass uns über was anderes reden, ich will mich nicht mit deiner Hinrichtung auseinander setzten!“
„Hermine! Bitte!“
„Okay, wenn DIR ein Plan einfällt, helfe ich dir, aber solange lass mich in Ruhe! Wolltest du Professor Coulter nicht fragen, weshalb du bis jetzt noch nicht zu einer Nachprüfung beordert worden bist?“
Hermines Talent Themen blitzschnell zu wechseln brachte Harry gerade zum Kochen, aber er wollte sich jetzt nicht mit ihr streiten.
„Stimmt, aber irgendwie vergesse ich das immer. Wenn es ein nächstes Mal gibt, erinnere mich bitte daran, dann frage ich sie!“
„Ist gut!“
Es herrschte wieder Stille. Hermine war wieder mit ihrem Gedankenaufsatz beschäftigt und Harry mit einem unmöglichen Fluchtplan. Nach einer Ewigkeit brach Harry die Stille, er konnte es nicht mehr aushalten und außerdem fiel ihm eh nichts Gescheites ein.
„Okay, reden wir über Unterricht!“, gab er auf und entlockte Hermine so ein Lächeln, welches er aber nicht sehen konnte, weil sie gerade in eine andere Richtung schaute.
„Ich hätte da mal eine wichtige Frage an dich, Harry Potter. Warum bist du dieses Jahr so ein verdammt gut Schüler? In manchen Fächern überholst du sogar mich. Manchmal macht du mir wirklich Angst. Hast du dich die letzten fünf Jahre einfach nur dumm angestellt, oder was?“
„Ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es an dieser verdammt guten Vorbereitung in den Sommerferien, oder daran, dass ich mich eine lange Zeit nicht mit Voldemort und den ganzen Mist beschäftigt habe, sondern mal an unwichtigeres gedacht habe!“
„Selbst wenn, Harry, dass ist trotzdem unheimlich. Du kannst dir alles auf einmal so gut merken, du hast Spaß am Unterricht, ich will dir das Alles ja nicht vermiesen, aber komisch ist es schon!“
„Vielleicht habe ich jetzt Spaß am Lernen, weil ich weiß, wofür ich es tue. Die Jahre davor habe ich einfach nur Zaubern gelernt, wusste aber nie, wofür ich das mal gebrauchen könnte, jetzt habe ich ein Ziel und möchte es auch erreichen.“
Nachdenklich hielt Hermine einen Moment den Mund. Es war was dran. Erst seit diesem Jahr hatten viele Schüler ihres Jahrgangs ein Ziel. Sie hatte es schon von Anfang an gehabt. Sie wollte immer die Beste sein, sie wusste, dass das sehr eingebildet war, aber es trieb sie voran. Die anderen hatten dieses Ziel nie gehabt, zumindest die meisten, erst jetzt, wo die Fächerwahl wichtig für den späteren Beruf waren, den man machen wollte, strengten sich die meisten an.
„Hattest du schon immer ein Ziel gehabt?“, fragte er schließlich.
„Ja!“
„Und welches?“
„Wenn es dir sage, dann hältst du mich für noch eingebildeter, als Malfoy!“
„Egal, ich werde dich trotzdem noch mögen!“
„Ich wollte immer die Beste sein, schon in der Grundschule, eigentlich schon im Kindergarten. Meine Eltern hatten mich nie unter Druck gesetzt, sie erzählten mir immer nur, was man alles machen kann, wenn man gut in der Schule ist und viele Bücher lesen kann. Davon war ich so begeistert, dass ich schon mit fünf Jahren lesen wollte. Ich mochte es nicht, wenn meine Mum mir vorlas, ich wollte es selber, aber meine Eltern wollten nicht, dass ich mit so jungen Jahren schon zur Leseratte wurde. Also wartete ich bis zu meiner Einschulung. Seit diesem Tag, war ich immer Klassenbeste und wollte diesen Ruf auch um keinen Fall verlieren. Ich verweigerte meine Hilfe nicht den anderen Schülern, so machte ich mir keine Feinde, aber ich wollte immer nur noch mehr wissen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie geschockt ich war, als ich herausfand, dass ich eine Hexe bin. Ich wusste schließlich gar nichts darüber. Also kaufte ich mir jede Menge Extrabücher, um mich darüber zu informieren. Mir fiel es schon immer leicht, mir Sachen zu merken, deshalb lernte ich die Bücher auswendig.
Was glaubst du, wie ich dich im Zug gleich erkannte. Dein Name stand in jedem zweiten Buch, was ich gelesen hatte.“
„Wow!“, pfiff Harry zwischen seine Zähne aus. Das hatte er nicht erwartet, aber er fand Hermine trotzdem nicht eingebildet.
„Und wie war es bei dir? Ich weiß eigentlich gar nichts über dich, nur das, was ich in der Schule miterlebte, und dass du bei schrecklichen Muggeln, namens Dursleys gewohnt hast, bis sie von einem Fluch getötet wurden.“
„Meine Kindheit war eigentlich ziemlich bescheuert. Ich habe mich in der Grundschule nicht besonders angestrengt, aber ich war nicht schlecht. Zahlen haben mich immer sehr fasziniert, ich war ziemlich enttäuscht, als ich erfuhr, dass es kein Mathe oder so was auf Hogwarts gab, obwohl mir das ja eigentlich klar war.
Weil Dudley jeden verprügelt hat, der sich mit mir anfreunden wollte, hatte ich nie einen guten Freund. Und nachdem Dudley viele Geschichten über mich erzählt hatte, haben mich alle nur komisch beäugt. Ich war echt froh, als es hieß, dass ich auf ne andere Schule komme, als er. Und noch mehr freute ich mich, als Hagrid mir, nachdem mir die Schule insgesamt Hunderte von Briefen geschickt hatte, von denen ich keinen erhielt, sagte, dass ich ein Zauberer bin. Natürlich, ich hatte auch Angst, weil ich ja so gar nichts wusste, erst Recht, als ich bei Madam Malkiens Malfoy traf und er mich mit Fragen über Hogwarts bombardierte, ob ich Quidditch spiele, für welche Mannschaft ich bin, in welches Haus ich will, und all solchen Kram. Ich war richtig eingeschüchtert, aber als ich ein paar Wochen in der schule war, war sie vollkommen verschwunden. Naja, und dann kamst du noch in unser Trio und den Rest kennst du!“
„Ja, stimmt.“
Und wieder schwiegen sie. Der Kerker war sehr dunkel und extrem feucht. Am Gitter stand eine kleine Schüssel mit ekeligem Brot. Daneben ein Krug mit fahlem Wasser, keiner von ihnen hatte es nur angerührt.
„Was wird eigentlich mit dir passieren? Mein Schicksal steh ja nun mal fest, aber was hat diese Roseanne mit dir vor?“
„Ich weißes nicht. Vielleicht will sie mich ja noch als Köder für die anderen benutzen? Oder ich werde als irgendeine Sklavin benutzt, aber ich glaube nicht, dass sie mich töten werden, sie hätten es sonst schon längst getan!“
„Da hast du recht, aber der Gedanke, das du als die Sklavin von irgendjemand enden könntest, gefällt mir nicht!“
„Meinst du mir?“
„Hey ihr! Wenn ihr nicht sofort die Klappe haltet, dann werde ich einen Mundverschließungszauber auf euch sprechen, dann könnt ihr nie wieder sprechen!“, brüllte plötzlich ein Wächter in die Zelle und augenblicklich schlossen Harry und Hermine den Mund. Sie hatten gar nichts bemerkt, dass sie immer lauter geworden sind.
„Pearl? Wie willst du da überhaupt hinkommen?“, fragte Ron sie sofort, als er die Gruppe erreichte. Pearl war bepackt mit einem riesigen Rucksack. Sie hatte mir Draco zusammen noch einige wichtige Utensilien eingepackt.
„Hallo erst einmal! Lass das mal meine Sorge sein. Kommt mit raus!“
„Ich gehe nirgendwo hin, wenn mir nicht langsam mal einer erklärt, was dass soll!“, schrie Ginny und stemmte die Hände in die Hüften. Ron, und auch Pearl, sahen ein, dass sie niemand da wegbewegen konnte, aber Pearl wollte ihr nicht vor den Kopf werfen, dass ihr Freund das Todesurteil bekommen hat und nur sie zusammen ihn noch retten können.
„Gin, Dumbledore hat veranlassen lassen, dass wir zusammen nach Irland reisen sollen. Er will, das wir dort so eine Art Prüfung machen!“, erklärte sie und schaute panisch zu Ron, Neville und Draco, um ihnen mit den Augen zu erklären, warum sie log.
„Hää?“, fragte Draco total irritiert, der sie nicht verstand.
„Genau!“, warf Ron schnell dazwischen und sah Draco vielversprechend an. Damit er endlich verstand, nahm Ron ihn beiseite, als sie nach draußen eilten.
„Hör zu, vielleicht verstehst du es nicht, weil du ein kaltes, unmenschliches Herz hast, aber meine Schwester ist ernsthaft in Harry verliebt, und, falls du es noch nicht bemerkt hast, ist sie mit ihm zusammen. Sie wird hysterisch und unkontrollierbar werden, wenn sie erfährt, in welcher Gefahr er sich befindet, also Spiel das Spiel bitte einfach mit!“, flüsterte er und sah sein Gegenüber eindringlich an.
Draco, der jetzt endlich verstand, was sie alle von ihm wollten, nickte. Aber er ärgerte sich, dass Ron ihn einen Herzlosen Menschen genannt hatte. Er verstand, was Ginny durchmachen würde, wenn sie die Wahrheit wüsste. Verärgert löste er sich ein bisschen von der Gruppe und trottete hinterher. Wo Pearl sie wohl hinführen mag? Warum ging er eigentlich mit? Er würde sich nicht besser oder schlechterer fühlen, wenn er es sein ließe. Doch, er würde, jetzt, wo er alle Tatsachen kannte, ein schreckliches Gewissen haben, denn im Gegensatz zu seinem Vater, hatte er ein Gewissen und ein Mitgefühl für andere, auch wenn er es gerne verbarg.
Die Führung von Pearl endete kurz vor Hogsmade. An einer kleinen Kreuzung. Nach rechts würde es zu einem Muggelbauernhof gehen, nach links in den Verbotenen Wald. Geradeaus ins Zaubererdorf. Aber anstatt eine Richtung einzuschlagen, blieb Pearl stehen. Aus dem Boden ragte eine Wurzel, nach dieser griff Pearl, zog an ihr und öffnete somit einen Tunnel.
„Woher wusstest du das?“, wunderte sich Ginny völlig verwirrt.
„Meine leibliche Mum wollte, dass ich mit ihr im Kontakt bleibe, also verriet sie mir, wie ich am besten nach Irland komme. Mit diesem Tunnel. Er führt unter Schottland, die Irische See und den größten Teil Irlands. Das Ende ist ca. zwei Meilen vor dem Schloss meiner Mum.“
„Dir ist klar, dass das ungefähr 500 Meilen sind, oder? Und was wollen wir beim Schloss deiner Mum? Und sowieso... du lebst doch eigentlich bei deinem Dad und deiner Stiefmutter“, sagte Ginny und folgte Pearl die verrostete Leiter hinunter.
„Bei meiner Mum ist diese nette Prüfung. Und nur weil ich bei meinem Dad und seiner neuen Freundin wohne, heißt es ja nicht, dass ich keinen Kontakt mehr zu meiner echten Mum habe! Ach ja,“ unterbrach sie ihren Redeschwall und blieb stehen, „du solltest vielleicht wissen, dass du ein Khanandi bist!“
„Ein was?“, fragte Ginny und stieg weiter die Treppe, die einen instabilen Eindruck vermittelt, herunter. Doch es war nicht Pearl, die antwortete, sondern Draco, der endlich einsah, dass er sich wirklich nicht in ein Mythos befand, und dem einfiel, was er über den Elementschützer gelesen hatte.
„Das ist der Grund, weshalb du so genial mit dem Schwert umgehen kannst. Du bist der Elementschützer. Du bist die einzige, die uns beschützen könnte, deshalb bist du uns gleich gestellt, was deine magischen Fähigkeiten angeht.“
Ginny schwieg, aber Neville, der noch fast ganz oben der Leiter war, holte tief Luft.
„Elemente?“, hauchte er.
„Wer?“
Er erinnerte sich an die Worte, die sein Vater zu ihm gesagt hatte, als er für fünf Minuten sein altes Selbst erlangt hatte.
„Weißt du davon?“
„Ja, mein Dad hat mir davon erzählt. Er war kurz bevor er starb, wieder der alte und erklärte mir, dass ich die anderen finden müsste. Ich weiß aber nicht, warum gerade ich das tun sollte, aber es lag ihm sehr am Herzen, also habe ich die ganzen Ferien in der Bibliothek in der Winkelgasse verbracht, um mehr darüber zu erfahren, es war aber nicht sehr hilfreich.“
„Nun, dein Dad wusste davon, weil DU eines von ihnen bist. Genau, wie Draco und ich“, sagte Pearl.
„Und wer ist das vierte?“, forderte Neville, der nicht wirklich erstaunt über die Antwort war.
„Ich!“, erklärte Ron, der ansonsten recht still gewesen war.
„Was hast du sonst noch herausgefunden?“, erkundigte sich Pearl und immer weiter kletterte sie die rostige Leiter runter. Sie schien nicht enden zu wollen.
„Die Gründer Hogwarts waren die zuletzt lebenden Elemente. Damals, als die vier zusammentrafen, war das fünfte Neujahrsfest des Adlerjahrs. Am ersten September dieses Jahres hatten wir das sechste. Es ist immer dann, wenn die Planeten in einer Reihe stehen.“
„Und was hast du über den Khanandi herausgefunden?“
Ginny, Draco und Ron hielten sich aus dem weiteren Gespräch raus. Jeder war mit etwas anderem beschäftigt. Draco ärgerte sich immer mehr, dass er mitgekommen war, Ron achtete darauf, dass ihm keine Spinnen über die Hand liefen und Ginny hörte Pearl und Neville zu.
„Nein, nicht viel, nur, dass der Khanandi zur Zeiten der Hogwartsgründer, also als die Elemente das letzte Mal gelebt hatten, schon sehr früh starb. Es war der jüngere Bruder von Helga Hufflepuff, die das Element Feuer gewesen war.“
„Genauso ist es ja auch dieses Mal. Die kleine Schwester von Ron ist der Khanandi. Und wie steht es mit den vier ungewissen Monstern?“
„Hmm... darüber habe ich eigentlich am meisten herausgefunden. Sie leben, wenn die Elemente leben und sie sterben, wenn die Elemente leben. Da meine Fähigkeiten unter einem Bann gefangen sind, zumindest gehe ich davon aus, müsste das ungewisse Monster, mein Gegenstück auch irgendwo gefangen sein.“
„Und unsere leben, oder was?“, warf Ron dazwischen, der seine Aufmerksamkeit einmal kurz nicht seinen Händen widmete, über die eine Spinne laufen könnte.
„Ich denke schon!“, entgegnete Draco, der auch kurzweilig aus seinen Gedanken gerissen wurde.
„Und was sind das für Monster?“, fragte Ginny ehrfürchtig.
„Sie sind jedes Mal anders. Sie drücken immer die größte Angst der jeweiligen Elemente aus“, sagte Neville.
„Dann weiß ich ja schon, wie mein aussieht!“, stöhnte Ron und sah ganz schnell auf seine Hände.
„Und wie?“, wollte Pearl wissen.
„Eine riesige Spinne!“, erklärte Ginny und musste kichern.
„Aha, nun, du solltest nicht lachen Ginny, wir Elemente sind zwar die einzigen, die diese Monster beherrschen können, aber du bist die einzige, die sie töten kann ohne uns gleich mit ins Jenseits zu befördern“, erklärte Pearl. Jetzt kicherten die anderen, weil Ginny so kreidebleich wurde, dass man das sogar in diesem dunklen Schacht bemerkte.
„Jetzt ist die Leiter zuende!“, rief Pearl nach oben, da sie diejenige war, die am weitesten unten war.
„Und was nun?“, fragte Neville zurück.
„Jetzt müssen wir rutschen!“, erklärte sie und ließ los, man hörte nur noch einen kleinen Schrei und dann das Geräusch von einem rutschenden Gegenstand.
„Muss wohl sein!“, seufzte Ginny und ließ auch los, so wie die anderen drei Jungen hinter ihr auch.
Die Atmosphäre hatte sich immer noch nicht geändert. Hier war es immer noch kalt, feucht und es stank nach Moder. Harry und Hermine hatten sich aneinander gelehnt, um sich wenigstens ein bisschen Wärme zu schenken. Sie hatten es aufgegeben sich flüsternd zu unterhalten, weil sie so alles drei oder viermal wiederholen mussten, damit es der andere verstand. Die Wächter hatten Luchsohren und würden jede Chance nutzen ihnen den Mund zu zuzaubern. So verging die Zeit, ohne das sie irgendeine Bedeutung hatte.
„Hey ihr! Die Fürstin wünscht euch zu sehen, aber vorher sollt ihr euch waschen und säubern!“
Ein Wächter schloss die Tür auf und zog sie beide an den Armen die Stufen einer schmalen Treppe hoch und schubste sie oben in einen kleinen Raum.
„In zehn Minuten seid ihr fertig, verstanden!“, schrie sie ein Wächter an und wollte schon die Tür zuknallen, als Harry seinen Arm dazwischen schob.
„Das schaffen wir nicht, vielleicht einer, aber nicht beide!“
„Dann müsst ihr euch eben gleichzeitig waschen, ihr seid in zehn Minuten fertig, oder wir werden von der Peitsche Gebrauch machen!“, schnauzte er zurück und knallte die Tür mit voller Wucht zu, Harry schaffte es nur knapp die Hand wegzuziehen.
„Ist doch egal Harry. Hier ist genug Platz für zwei!“, sagte Hermine, die schon in das Badezimmer gegangen ist und im Begriff war den Wasserhahn aufzudrehen. Das warme Wasser vertrieb die Kälte aus ihren Fingern. Obwohl sie unten nichts angefasst hatte, waren ihre Hände und das Gesicht schwarz. Ihre Kleidung sah auch nicht viel besser aus. Sie drehte ihre Hals und versuchte in den anderen Raum zu schielen, in dem Harry immer noch unschlüssig stand. Er betrachtete die Klamotten auf dem Stuhl. Roseanne wollte anscheinend, dass sie sich umzogen.
„Komm schon Harry, ich habe keine Lust auf Striemen auf dem Rücken. Ich beiße auch nicht!“, sagte sie lächelnd und rückte ein Stück zur Seite, dass er sich neben sie stellen konnte.
Wenige Minuten später hatten sie saubere Hände, saubere Gesichter und entstaubte Haare.
Unschlüssig standen sie jetzt beide in dem anderen Raum, der nur aus einem Stuhl, einem Tisch, einer Couch und einem Spiegel bestand.
In drei Minuten sollten sie fertig sein. Ohne weiter zu überlegen, fing Hermine an ihr Oberteil auszuziehen und es mit dem anderen zu vertauschen.
So schlimm ist das nun auch nicht. Im Schwimmbad sahen sie die Jungen auch in Bikini, ein BH sah ja nicht wirklich anders auch. Harry sah ein, dass er sich ziemlich kindisch anstellte, so zog er sich auch endlich um, den auf Striemen hatte er eigentlich auch keine Lust.
Sie waren gerade fertig, als sich die Tür öffnete.
„Siehst du? Es ging doch!“, grinste der eine Typ Harry an und zeigte dabei ein paar ekelige, halbverfaulte Zähne.
Harry schüttelte sein Bein aus, bevor er dem Wächter folgte, er mochte die Hose überhaupt nicht, sie war ihm viel zu eng und sie kratzte gewaltig. Hermine fühlte sich auch nicht viel wohler. Der Rock war aus einem komischen Stoff und blieb immer an ihrer Haut kleben, das Oberteil spannte sich, weil es zu klein war und die Schuhe waren ihr zu hoch. Seufzend versuchte sie zu gehen und merkte dabei, dass sie eigentlich nur tippelte.
Nachdem sie einen langen, hellen Gang entlang gegangen waren, erreichten sie eine prunkvolle Tür und Hermine fragte sich, ob es echtes Gold sei, mit dem die Türverziert war.
„Sie erwartet euch drinnen!“, erklärte der widerliche Wächter. Mit diesen Worten öffnete er die Tür und gab den beiden einen kleinen Schubs.
Der Saal war unheimlich groß. In der Mitte stand ein gut gedeckter Tisch, am Kopfende saß eine schöne Frau, die sich erhob.
„Willkommen! Setzt euch, damit ich euch erklären kann, weshalb ich euch zum Essen einlade.“
Zögernd setzten sie sich an das andere Ende des Tisches. Näher als nötig, wollten sie sich nicht zu dieser Frau setzten.
Genervt machte Roseanne eine Handbewegung und von einem Augenblick zum nächsten, saßen Harry und Hermine genau neben der Veelafürstin.
„So“, sagte sie in einem Zuckersüßen Ton, während sie ihre Hände faltete, „Wie ihr bestimmt schon wisst, wird der liebe Mister Potter morgen in einem drei Stunden langen Ritual geopfert, damit ihr – sie zeigte auf Hermine – weiterleben könnt. Aber ihr werdet als Sklavin des dunklen Lords enden. Er braucht einen fruchtbaren, jungen, hübschen Körper, damit er vernünftigen Nachwuchs produzieren kann.“
Hermine musste würgen. Ihr wurde abwechselnd heiß und kalt. Lieber wollte sie sterben, als die Konkubine Voldemorts zu werden.
„Hermine ist muggelgeboren, wie kann Voldemort da Interesse an ihr haben?“, fragte Harry geradeaus.
„Hermine wurde von ihren Eltern adoptiert. Natürlich war es Pech, dass sie gerade zu Muggeln kam, aber als ihre leiblichen Eltern starben, bekamen nur sehr wenig Zauberer und Hexen das mit. Hermine verschwand und tauchte erst zehn Jahre später wieder auf. Niemand, nicht einmal Dumbledore, wusste, was sie wirklich war, so kam sie nach Hogwarts, wie eine typische Muggelgeborene, wie ein Schlammblut. Aber sie ist genauso wenig eins, wie du, Potter!“
Jetzt musste Hermine erst recht Luft holen, sie erstickte fast an dieser Nachricht. Ihre Eltern waren gar nicht ihre Eltern! Sie hatten sie 16 Jahre lang belogen. Tiefgetroffen lehnte sie sich nach hinten und schluckte die Tränen, die ihr in die Augen steigen wollten, runter. Aber sie wurde von ihren Eltern, ob nun echte oder nicht, geliebt. Sie sollte sie jetzt nicht verurteilen sollen. Vielleicht hatten sie vorgehabt sie zu unterrichten, wenn der richtige Zeitpunkt da war?
„Hermines wahren Eltern waren sehr angesehene Zauberer gewesen, sie hatten in den vertrautesten Diensten des Lords gestanden und wurde nur geboren, um später die Gemahlin des dunklen Lords zu werden. Viele Jahre suchten wir vergeblich nach ihr, aber dann fanden wir sie vor zwei Jahren endlich und waren seit dem damit beschäftigt sie hier hin zu locken.“
„Und warum wolltet ihr jetzt, das wir hier hin kommen?“, fragte Harry ungeduldig und funkelte mit den Augen.
„Ach so, naja, ihr müsst hungrig sein. Langt zu! Und dabei werde ich euch ein bisschen von unseren Plänen erzählen!“
Verwundert nahm sich Harry ein Brot und biss hinein. Sie musste sich verdammt sicher sein, dass sie nicht fliehen konnten, wenn sie die beiden sogar in ihre Pläne einweihen wollte.
Auch Hermine dachte das, aber sie nahm sich nichts zu essen, es würde eh in ihrer Kehle stecken bleiben. Sie trank nur ein bisschen von dem Saft, der neben ihrem Teller stand.
„Jetzt in diesem Moment ist meine jüngste Tochter mit vier Freunden unterwegs, um euch zu retten. Sie werden bereits am Ende des Tunnels scheitern, weil dort ein Haufen Untote auf sie warten. Es ist also sinnlos zu hoffen, dass ihr gerettet werdet!“ Sie brach in schallendes Gelächter aus.
Stirnrunzelnd wandte sich Harry wieder seinem Brot zu. Diese Frau mochte er nicht, er sah nicht ein, seine letzten Stunden mit ihrem Gelächter aushalten zu müssen. Er versuchte ihr nicht zuzuhören, aber es blieb ihm wohl nichts anderes übrig. Hermines Blick durchbohrte ihn vor Angst und er hätte ihr gerne irgendetwas tröstendes gesagt, aber er konnte nicht.
„Hermine, iss was, dein Herr will keine abgemagerte Gemahlin“, erklärte die Fürstin und schaufelte köstliches Essen auf ihren vergoldeten Teller.
„Hören sie zu, Voldemort ist mindestens fünfzig Jahre älter als ich, ich hasse ihn und ich verabscheue ihn, glauben sie, mich schert es, ob er will, dass ich gut genährt bin?“, fragte Hermine und versuchte ihrer Stimme dabei nicht zittern zu lassen.
„Erstens: Nenne deinen Lord nie wieder beim Namen, zweitens: es ist egal, ob es dich schert, wichtig ist, was ihn schert, und ich möchte deinen Körper nicht durch irgendwelche Folterinstrumente zerschinden!“, zischte die Fürstin sie so giftig an, dass Hermine ganz schnell den Mund schloss und anfing ihren Teller zu leeren.
„Geht doch!“, flüsterte sie wieder in diesem ekelhaften zuckersüßen Ton.
„Wieso tötet ihr mich nicht ganz normal, sondern so kompliziert in einem Ritual, das ist doch nun wirklich einfach nur extra zeitaufwendig!“, sagte Harry und blickte von seinem Brot wieder hoch.
„Hör zu Junge, du bist das positive Gegenstück zum dunklen Lord. Du bist so ziemlich der einzige, der eine Gefahr darstellt. Wenn du vernichtet worden bist, dann haben wir erst mal einen freien Weg.“
„Die Elemente stellen keine Gefahr für euch dar?“
„Natürlich, aber wie gesagt, am Ende des Tunnels werden sie vernichtet werden. Dummerweise sind alle vier Elemente und auch noch der Khanandi gekommen. Sie werden keine Chance haben, dafür war der Unterricht in der Schule noch nicht ausreichend genug.“
„Aber werden die vier ungewissen Monster nicht auch sterben, wenn die Elemente getötet werden?“, fragte Hermine, die ganz vergessen hatte, dass sie diese Frau verabscheute und eigentlich nicht mit ihr reden wollte, aber ihre unendliche Neugier hatte letztendlich gewonnen.
„Wir haben sie mit Schutzzauber belegt, eigentlich dürfte ihnen nichts passieren. Und das vierte Ungewisse wird erweckte werden. Die untoten Wächter wissen bereits, dass sie diesen Jungen, - wie heißt er doch gleich, Neville? – erst vom Bann befreien müssen, bevor sie ihn töten dürfen. Wir werden unbesiegbar sein, wenn erst mal alle dunklen Mächte gesammelt sind!“
„Was sind das für Monstren?“, fragte Hermine weiter und achtete nicht auf den entsetzten Gesichtsausdruck Harrys. Sie wollte das jetzt wissen und nur jetzt war eine Chance dazu.
„Das Gegenstück zum Feuerelement ist eine riesige, feuerspeiende Spinne. Das zweite, ich glaube, es ist das Gegenstück zum Luftelement, ist ein Drache, aber so einen Drachen habt ihr noch nie gesehen. Da kommen unsere heimischen nicht mit. Er ist gewaltig groß und hat Flügel, die so breit, wie mein Schloss, sind! Das letzte, das Gegenstück zum Wasserelement, ist eine riesige Albtraumwolke. Euer Freund, der Sohn von Lucius Malfoy hat anscheinend riesigen Schiss vor Albträumen. Das finde ich schon interessant“, erklärte die Fürstin belustigt, ihr war der Blickaustausch ihrer beiden Gefangenen nicht entgangen.
„Pearl, wie lange geht diese Leiter noch? Ich habe langsam Armkrämpfe!“, klagte Ron und versuchte seine Arme zu entlasten, indem er sie abwechselnd von den rostiges Eisenstäben, aber es half nichts.
Nachdem sie zehn Minuten lang einen Tunnel entlang gerutscht sind und so mit immer tiefer unter die Erde gelangt sind, endete die Fahrt mit einer noch ekeligeren, rostigen Leiter, die mindestens doppelt so lang war, wie die erste.
„Ich habe keine Ahnung Ron! Ich sehe Licht, aber es ist so wenig, dass du mit einem weiteren Kilometer rechnen kannst!“, rief sie zurück. Sie war wieder die erste gewesen, die sich an die Leiter zu schaffen gemacht hat, und so war sie die oberste. Ron war als letztes losgeklettert, deshalb war er ganz unten. Er verstand die Antwort von Pearl kaum.
So wanderten sie noch eine kleine Ewigkeit, bis Pearl endlich sagte: Die Leiter ist zu Ende, wir müssen nur noch ein kleines Stück gehen, dann sind wir draußen!“
„Pearl, bevor wir rausgehen: Auf welcher Seite stehst du genau? Du kannst nicht vollkommen auf unserer Seite sein, sonst hättest du keinen Kontakt zu deiner Mutter gehabt. Lockst du uns auch in eine Falle?“, fragte Ginny zu Verwunderung aller.
„Wie kommst du denn darauf?“, konterte Pearl geschockt.
„Ich bin zwar die jüngste hier, aber ich bin nicht blöd. Irgendetwas ist mit Hermine und Harry, sonst wären sie mitgekommen. Und wenn du auf unserer Seite bist, und wir wirklich zusammen gegen jemanden kämpfen, dann komme ich nur mit, wenn ich endlich über alles Bescheid weiß!“
Seufzend holte Pearl tief Luft, diese Ginny war unerträglich klug und intelligent, aber sie wusste, dass sie niemals bis zum Schloss kommen würden, wenn sie nicht mitkam.
„Okay. Ich habe Kontakt zu meiner Mutter, aber nur, weil mich das Ministerium darum gebeten hat. Ich bin so eine Art Spionin. Eigentlich sind Minderjährige nicht zugelassen, weil sie keine gute Ausbildung haben, aber ich war der einzige Weg zu meiner Mutter. Ich bin also mit meinen vierzehn Jahren zu ihr hingegangen und habe ohne Probleme Einlass bekommen. Erst wollte sie mir nicht glauben, dass ich wirklich ihre Tochter bin, weil sie mich für Tod hielt. Sie hat mich nämlich verhungern lassen wollen und nur durch das irische Ministerium bin ich noch am Leben, deshalb schulde ich ihnen ja auch was. Mit vielen Argumenten, habe ich sie schließlich überreden können und sofort wollte sie mich wieder umbringen, aber ich konnte sie davon überzeugen, dass ich für sie nützlich bin. Also hielt ich den Kontakt zu ihr und fütterte sie mit sorgfältig ausgewähltem Material vom Ministerium. Ich gewann immer mehr ihr Vertrauen und wurde schließlich unentbehrlich für sie.
Aber ich habe der Regierung Treue geschworen und so spionierte ich sie aus, bis jetzt konnte ich aber noch nichts liefern, was sie ausgeliefert hätte. Mein Dad ist dann zwei Jahre später nach England umgezogen, und so bin ich hier gelandet. Ich hatte schon so viele Gespräche mit Dumbledore, wie mit meinem Dad, nur das ich den einen neun Jahre kenne, den anderen gerade mal anderthalb Monate. Spätestens jetzt wird sie aber wissen, dass ich ihr Feind bin, weil sie diesen Tunnel mit einem Überwachungszauber belegt hat.“
Verblüfft schwiegen alle, Draco fiel kein einziges Kommentar ein, obwohl er eigentlich immer eine Antwort parat hatte und auch Ron war ideenlos, was man dazu noch hätte sagen können. Von Neville wollen wir gar nichts reden. Nur Ginny, sie beäugte die Situation kritisch und überlegte einen Augenblick.
„Schön, jetzt weiß ich wo du stehst, bzw. wo du stehen könntest, denn wir haben ja keinen Beweis für deine Geschichte, aber wo sind Harry und Hermine? Was ist mit ihnen passiert?“, löcherte Gin und zappelte ungeduldig auf ihrem Platz auf der Leiter, so dass sie gefährlich wackelte. Erst durch den energischen Handgriff von Draco an ihrem Fußgelenk, hörte sie auf.
„Hermine wurde von meiner Mutter entführt und Harry konnte sie nur retten, indem er den Handel einging, sich als Tauschobjekt anzubieten, natürlich war es eine Falle, aber er hatte ja keine andere Wahl. Wir haben noch ungefähr – sie schaute auf ihre Armbandsuhr – acht Stunden Zeit, bis das Ritual anfängt, dass Harrys Kraft auf Voldemort transformiert und Harry töten wird. Wir sollten uns also beeilen, aber vorher muss ich euch was geben.“
Sie kramte in ihrem Rucksack, was ziemlich schwer war, weil der Schacht, den sie hochkletterten, ziemlich eng war. Letztendlich schaffte sie es aber, mehrere Bündel herauszuziehen.
„Für jeden eins. Ich weiß, dass wir mit den Schwertlektionen noch nicht sehr weit sind, aber eigentlich können wir uns alle wenigstens verteidigen und Ginny und Draco sind auch in der Lage vernünftig zu kämpfen.“
Die Schwerter wurden runter gereicht und jeder hielt später eins in der Hand. Ginny betrachtete ihrs sehr genau und fasziniert. Obwohl sie eine sehr gute Schwertkämpferin war, hatte sie noch nie ein echtes, scharfes in der Hand. Etwas eingeschränkt, weil jeder eine Hand voll hatte, kletterten sie den Rest und krabbelten einen kurzen Tunnel entlang, biss sie endlich frische Luft schnappten. Es war schon Nacht und die Sterne funkelten geheimnisvoll.
„Wo zum Henker sind wir?“, fragte Draco irritiert und blickte umher.
„Auf einem Friedhof. Haltet euch bereit und nehmt den Zauberstab schon mal in die Hand, ich bin sicher, dass meine Mutter gleich eine Überraschung für uns hat.“
Vorsichtig, jeden Schritt genau bedacht, schlich Pearl los und die anderen folgten ihr. Der Friedhof war wirklich gruselig und an jeder Ecke war ein Schatten, der ein Monster sein könnte.
Es knackte und alle fuhren zusammen. Alles ging plötzlich furchtbar schnell. Aus dem Schatten erschienen viele Skelette, aber nicht blank geputzt, oder so, wie man sie sich im Muggelbiounterricht vorstellt, nein, sie waren mit grünem Schleim beschichtet, Schimmel war hier und da zu sehen, aus einigen wuchsen sogar irgendwelche Geschwüre heraus und sie waren wirklich nicht schön anzusehen. Der größte von ihnen hatte eine Art Helm auf, die anderen trugen nichts, außer ihren Schleim, den Schimmel und die Geschwüre. Neville bekam wohl den größten Schreck, er vergaß nämlich für einen Augenblick zu atmen.
„Wen haben wir den hier?“, säuselte einer von ihnen, anscheinend der Anführer.
„Das sind wohl die uneingeladenen Gäste. Tötet sie, nur den blonden Jungen da – erzeigte auf Neville – nicht, sein Bann muss erst gebrochen werden, damit das vierte Ungewisse erwacht, dann auch ihn.“
Mit einem lauten Schlachtruf wurden lange, dünne Schwerter gezogen und es stürmten unglaublich viele, ekelhafte Skelette auf sie zu. Ohne zu überlegen zückten alle fünf ihr Schwerter und hielten es vor sich, so wie Dumbledore es ihnen gezeigt hatte, bereit in alle Richtungen zu parieren.
„Ähm Pearl? Weißt du, wie man diese... äh Dinger... tötet?“, flüsterte Ron aus dem Mundwinkel und schaute panisch nach vorne, der erste war schon gefährlich nahe bei ihm, nicht mehr lange und er musste sich irgendwie verteidigen.
„Äh... nein! Wir müssen schauen, ob sie überhaupt sterben können, schließlich sind es Untote!“, flüsterte sie zurück.
„Alle Monster und alle Menschen können sterben, irgendwie, es sei den, man hat vom Lebenselixier getrunken, wie Nikolas Flamel, aber zur Zeit gibt es keinen Stein der Weisen mehr, so kann keins hergestellt werden, wir werden also einen Weg finden!“, sagte Draco atemberaubend schnell und parierte geschickt seinen ersten Angreifer.
Die Kämpfe sahen sehr demoralisierend aus. Es war egal, ob man ihnen den Kopf abschlug, ihnen ins Herz stieß, immer wieder wurden sie lebendig und kämpften weiter. Ron schaffte es nicht einmal eines dieser Skelette annähernd umzubringen, er hatte schon seine Probleme sich selbst zu verteidigen. Aber da er immer gegen mindestens drei Gegner kämpfte, konnte man stolz auf ihn, bzw. seine Lehrerin, Ginny sein. Draco und sie waren eigentlich die einzigen, die wirklich geschickt alles probierten, diese „Viecher“ zu töten, aber nichts wollte gelingen.
Am Ende waren sie in einen Kreis zusammen gepfercht, umkreist von Ungeheuern und eigentlich ausweglos in der Falle.
„Wie heißen diese Dinger eigentlich?“, erkundigte sich Neville, der so sehr zitterte, dass seine Schwertspitze gefährlich wackelte.
„Das ist die Armee des Achilles, frag mich nicht wie man auf so einen Namen kommt, aber so ist es. Es gibt noch zwei weitere Arten von Untoten, nur das die blau und rot, und nicht grün sind, so wie diese. Alle stehen unter dem Kommando meiner Mutter.“
Unangemeldet ratterte es plötzlich in Ginnys Kopf. Von den Fünf waren alle aus Zaubererhäusern (okay, Pearl hat neun Jahre bei ihrem Muggelvater gelebt, aber sie wusste halt nichts davon), aber keiner hatte einen festen Freund, der absoluter Antiker Sagen Fan war. Harrys Worte stiegen in ihr Gedächtnis, wie er ihr von dem Trojanischen Krieg erzählt hat, von den Helden Odysseus, Hecktor und Achilles... ACHILLES...
„Zielt auf ihre Fersen!“, befahl sie plötzlich und durchbrach den angeblich unbezwingbaren Kreis der Untoten, mit ein paar Schwerthieben.
Irritiert befolgten die anderen ihren Rat und taten, was ihnen geheißen wurde, mit einer interessanten Folge. Sobald ein Schwert in einer Skelettferse steckte, schrieen sie vor Schmerz auf und zerfielen wenige Sekunden später zu Staub.
Endlich hatten sie eine Chance und zum Schluss blieb nur der größte, der Anführer.
„Überlasst ihn mir!“, zischte Ginny aus dem Mundwinkel und stiefelte zu ihm rüber, genau wie er.
Der Kampf war atemberaubend und mehrere Male hielten die Zuschauer, also Pearl, Draco, Neville und Ron, die Luft an, wenn es besonders brenzlich wurde. Ginny bekam jede Menge Schnitte und Wunden zugefügt, aber sie schlug sich prächtig und am Ende war nur noch ein kleines Aschehäufchen vor ihr.
„Woher wusstest du das nur?“, fragte Ron verblüfft und umarmte seine kleine Schwester freudig, die vor Schmerzen zusammen zuckte.
„Ach, ich habe Harry halt gerne zugehört, wenn er mir von seinem Hobby erzählte“, lächelte sie und betrachtete ihre Wunden kritisch.
„Welches Hobby? Quidditch?“, erkundigte sich Ron verwirrt und ließ seine Schwester los, nachdem er endlich geschnallt hatte, dass sie Schmerzen hatte.
„Nein, du Depp!“, sagte sie, was Draco zum Kichern brachte.
„Er mag antike Sagengeschichten. In einer von ihnen kommt ein Typ namens Achilles vor, der nur an der Ferse verwundbar ist. Deshalb bin ich darauf gekommen, klar, es war nur eine fixe Idee, aber sie hat uns das Leben gerettet!“
Sie ließ sich auf einen Felsen plumpsen und schrie fast aus, weil sie verdammt viele Prellungen in der Gegend hatte. Blut sickerte durch ihren Dicken Pullover und dem darüber liegenden Umhang.
„Das sie verdammt noch mal nicht gut aus!“, kritisierte Draco sie und betrachtete sie von oben bis unten.
„Ich weiß, aber ich kann noch gehen und kämpfen, lasst uns also einfach weitergehen!“, sagte sie achselzuckend und verzog ihr Gesicht dabei vor Schmerzen. Sie waren ja alle nicht gut dabei weggekommen, aber keiner wurde so verprügelt, wie Ginny. Neville hatte einen kleinen Kratzer am Arm, Draco eine Prellung am Bein, Pearl eine kleine Wunde an der Schulter und Ron eine klaffende Wunde am Bauch, die aber nicht halb so schlimm war, wie das, was seine Schwester hatte.
„Okay, gehen wir weiter!“, stimmte Neville zu und weiter ging der Trott. Sie waren jetzt auf alles gefasst, aber erst einmal passierte nichts mehr.
Schweigend saßen Harry und Hermine am Tisch neben einer schrecklichen Herrscherin und aßen stumm Brot, Suppe, Gemüse und tranken Saft.
Plötzlich eilte ein wirklich hässlicher Kauz herein, er hatte ein faltiges Gesicht, tief in den Höhlen liegende Augen, eine krumme Nase und weiße Haut.
„Ich habe eine schlechte Nachricht für sie, Fürstin!“, hauchte er hektisch und ließ sich vor ihren Füßen auf den Boden fallen.
„Sprich!“, befahl sie in einer gebieterischen Stimme.
„Die Armee des Achilles wurde bezwungen. Die Gruppe Schüler ist nur noch eine Meile von ihrem Schloss entfernt!“
„Was?“, zeterte sie.
„Wie konnte das passieren. Diese Armee war unbesiegbar!“
„Nicht ganz, sie...“
„Schweig!“, unterbrach sie ihn barsch.
„Lasst die Bären raus! Wenn auch die versagen, dann wird sie letztendlich der Burggraben aufhalten. Und jetzt geh mir aus den Augen!“
Der komische Kauz wuselte wieder raus und panisch schaute Hermine zu Harry.
„So, eure Freunde haben es also geschafft die unbesiegbare Armee der Toten zu besiegen. Aber glaubt nicht, dass ihr deshalb jetzt gerettet seid. Es ist unwahrscheinlich, dass sie es bis zum Schloss schaffen, und wenn doch, dann werden sie es zumindest nicht rechtzeitig über den Burggraben schaffen!“, säuselte sie und setzte wieder so einen unglaublich ekelhaften Blick auf.
Trotzig schwiegen sie und starrten nur ihr Essen an. Hermine hatte von dieser Armee gelesen, und Harry konnte sich denken, worum es ging, aber es grenzte trotzdem an einem Wunder, dass ihre Gefährten noch lebten.
„Bringt sie wieder in ihre Zelle, aber gewährt ihnen das Privileg noch die letzten Stunden miteinander zu sprechen“, sagte die Fürstin mit einer ungeduldigen Handbewegung zu den beiden Wächtern, die an der Tür standen.
„Na, immerhin das!“, dachte Harry und ließ sich von einem der Typen hinterher schleifen.
In der Zelle atmete Hermine tief durch.
„Lange hätte ich es da nicht mehr ausgehalten!“, flüsterte sie und fing an am ganzen Körper zu zittern.
„Und was hättest du gemacht, wenn du dazu gezwungen worden wärst? Du hättest es ja eh nichts ändern können!“, erwiderte Harry und legte seinen Arm um ihre Schulter. Schluchzend legte sie ihren Kopf auf sein Schlüsselbein und begann hemmungslos an zu weinen. Sehr schnell wurde sein T-Shirt nass, aber dadurch wurde es nicht mehr so kratzig. Zögernd streckte er seine Hand aus und tätschelte ihren Kopf.
„Wie sie wohl heraus gefunden haben, dass die Untoten nur durch die Verletzung ihrer Ferse sterben können?“, wisperte sie und versuchte ihre Tränen mit dem Handrücken zu trocknen.
„Vielleicht hat Ginny mir doch genauer zu gehört, als ich dachte, als ich ihr von Achilles erzählte. Anders kann ich mir das nicht erklären. Außer Pearl, okay, die hätte es auch wissen können, kommen alle aus Zaubererfamilien, und so haben sie wohl weniger mit alten Sagengeschichten zu tun.“
„Du wirst es kaum glauben, aber in unseren Zauberbüchern stehen mehr über alte Griechen drin, als du dir vorstellst, vielleicht solltest du doch mal anfangen welche zu lesen!“
Sie lächelte und sah dadurch schon gleich viel schöner aus.
„Wirklich!? Hmm, vielleicht hast du recht, ich sollte mehr lesen, sobald wir hier raus sind, werde ich damit anfangen, versprochen.“
„Und ich verspreche, dass ich mich weniger um dich Bücher kümmern werde, um mit Ron mehr Zeit zu verbringen!“, sagte sie und symbolisierte die Worte mit einer Handbewegung.
„Und ich werde nett zu Snape sein, wenn er wieder gesund ist, auch wenn ich ihn nicht mag!“
„Okay, und ich werde versuchen mal ein bisschen Unruhe im Unterricht zu stiften, damit mein Leben spannender wird!“
„Ich bitte dich, wenn du DAS hier nicht spannend nennst, dann weiß ich auch nicht weiter!“
„Du hast recht, dann werde ich es machen, damit das Leben von Parvati, Lavender, Seamus und Dean spannender wird, schließlich wird sie das in einen großen Schockzustand versetzten!“, kicherte sie und schien dabei zu vergessen, in welcher Situation sie sich befanden.
Dann herrschte erst einmal Stille und jeder versank in seinen Gedanken, während sie aber nicht auseinander rutschten, dafür war es einfach zu kalt im Kerker.
„Letztes Jahr war ich wirklich ein Ekel“, schoss es durch Harrys Kopf und mehrere Situationen spielten sich in seinem Kopf ab. Er musste zugeben, dass er manchmal sogar Malfoy an Gemeinheiten übertroffen hatte. Ich war echt übertrieben oft aggressiv und jähzornig. Das Treffen im Eberkopf fiel ihm ein. Er war auf Hermine wütend gewesen, weil sie es organisiert hatte, dabei war es letztendlich das einzige, was ihm in der Schule am Leben gehalten hatte. Dann änderte sich seine Erinnerung schnell und ihm schwebte ein Bild von der Ankunft beim Grimauld Platz vor. Er hatte seine besten Freunde angeschrieen, er hatte sie fertig gemacht, er hatte sie fast gehasst und eigentlich konnte er noch von Glück sprechen, dass sie ihn nicht im Stich gelassen hatten. So ging es immer weiter, viele Bilder, bei denen ihm ein Stich ins Herz fast der Atem versagte, rasten durch seinen Kopf und er wurde immer stiller. Er war echt ein Arsch gewesen.
„Danke!“, flüsterte er plötzlich in Hermines Ohr und meinte es auch so.
„Wieso?“, fragte sie irritiert und drehte sich, um ihn ansehen zu können.
„Das du mich letztes Jahr nicht hassen gelernt hast, ich war echt ein Idiot!“, erklärte er.
„Ach“, lachte sie, „so waren doch alle. Das nennt man Pubertät, ich bin froh, dass sie bei dir nur so kurz war. Nur ungefähr eineinhalb Jahre, bei vielen dauert sie viel länger!“
„Echt?“
„Ja, meine Cousine, obwohl, eigentlich ist es ja gar nicht meine Cousine, weil ihr Vater nicht der Bruder von meiner echten Mum ist, egal, zumindest ist die jetzt schon drei Jahre in Folge so. Sie ist furchtbar, dagegen warst du ein Engel!“
„So, so. Es tut mir trotzdem Leid, und ich bin froh, Freunde wie euch zu haben!“
Und wieder herrschte Stille. Hermine genoss die Wärme, die von Harrys Armen abgegeben wurde, aber sie dachte schmerzlich daran, dass es Rons Arme hätten sein sollen. Mit Pech sah sie ihn nie wieder! Sie würde sterben. Wenn sie wirklich Voldemorts Gemahlin werden sollte, dann würde sie eher Selbstmord begehen. Ron fehlte ihr jetzt schon und sie waren gerade mal zehn Stunden getrennt, wenn sie daran dachte, dass er bald tot sein könnte, lief ihr ein kalter Scheuer über den Rücken.
Harry, der ihre Bewegung registriert hatte, fragte sich, ob sie gerade an Ron dachte. Zumindest musste er die ganze Zeit an seine Ginny denken. Wenn er morgen sterben würde, würde sie ihn vermissen?
„Oh Gott, worüber denke ich bloß nach?“, schalt er sich und dachte demonstrativ an was anderes.
„Ich mag diesen Weg nicht!“, merkte Ron an, aber niemanden interessierte seine Meinung. Er ging der ganzen Gruppe ziemlich auf die Nerven mit seinen Kommentaren, aber sie waren froh, dass wenigstens einer redete, so wurde die grausame Stille übertüncht und war somit nicht mehr ganz so angsteinflößend.
„Gleich sind wir da!“, sagte Pearl.
„Was könnte jetzt noch auf uns zukommen?“, erkundigte sich Ginny, die humpelnd den Schluss bildete, mit Draco, der sie stützte. Zuerst hatte Ron sie gestützt, aber sein ewiges Meckern, es war wohl einfach seine Art, wie schwer sie war, hatte Draco letztendlich dazu gebracht, dass er sie ihn abnahm.
„Er ist wirklich nett“, merkte Ginny und endlich verstand sie, weshalb Pearl so gut mit ihm auskam. Er hatte sogar menschliche Seiten.
„Alles!“, war die knappe Antwort von Pearl und damit beschwor sie eine Runde aufstöhnen.
„Ja, tut mir leid, meine Mutter hat so viele Überraschungen, dass ich sie nicht aufzählen möchte, ich wäre Weihnachten noch nicht fertig!“
Schluckgeräusche kamen aus Nevilles Richtung.
„Hast du Schiss, Longbottom?“, stichelte Draco und kam sich sofort blöd dabei vor, aber er konnte es einfach nicht lassen, es war so was wie ein Fluch, er musste immer weiter machen, auch wenn ihm klar war, dass es schwach und dumm war.
„Hör auf!“, warnte Pearl ihn und sofort hörte er auf. War das zu fassen? Warum parierte er? Sie war schließlich Schuld, dass er hier gelandet war, sie war daran Schuld, dass er ein geprelltes Bein hatte und sie war Schuld, dass er seine Zeit mit „Harry retten“ verschwendete, aber er konnte ihr nicht böse sein und sie hatte ja recht, es war kindisch, wenn er auf Leute hackte, die wirklich Angst hatten, und davon mal ab, er hatte auch Angst.
„Hört ihr das?“, fragte Neville plötzlich, das Schloss konnte man schon sehen, aber es war noch ein guter Weg dorthin, mit gespitzten Ohren.
„Ja, es hört sich an, wie eine Herde voller Tiere!“, analysierte Ginny das Geräusch.
„Vielleicht schickt deine Mutter ja Werwölfe!“, gab Ron seinen Senf dazu.
„Ron, wir haben erst in zwei Wochen Vollmond, man, manchmal bist du ECHT ein Depp!“, sagte Draco und verdrehte dabei gekonnt die Augen.
„Die Tiere sind wahrscheinlich größer als Werwölfe, das Beben ist gewaltiger. Das sind extreme Massen, die diese Viecher mit sich herumschleppen!“, analysierte Ginny weiter und zog schon mal ihr Schwert. Aber sie wusste jetzt schon, den nächsten Kampf würde sie nicht so gut überstehen, sie war schwer mitgenommen und hatte keine gute Balance mehr.
„Ginny, DU wirst dich mit den Kämpfen zurück halten!“, sagte Ron bestimmt und ließ seine Hand auf ihre Schulter ruhen, bis sie die Angriffsposition etwas reduzierte.
„Rede nicht von etwas, von dem du nichts verstehst!“, sagte sie bissig und schüttelte seine Hand ab, die Bewegung schmerzte, aber sie zuckte mit keiner Wimper. Sie würde kämpfen, bis zum Schluss.
„Es sind ihre Bären!“, sagte Pearl plötzlich und ging ebenfalls in Angriffsposition.
„Bären?“, fragte Ron.
„Ja, große Säugetiere, mit gewaltigen Pranken und scharfen Zähnen!“, höhnte Draco. Dieser Junge brachte ihn um den Verstand.
Nun zückten auch die anderen ihr Schwert und warteten geduldig auf das Ankommen der Masse. Das Beben des Bodens wurde immer extremer und dann erschien eine Staubwolke, vor ihr eine kleine Anzahl von riesigen Bären.
„Das überleben wir nicht!“, murmelte Ginny, aber so leise, dass es keiner hörte, dachte sie zumindest.
„Allerdings!“, dachte Draco, der sie sehr wohl gehört hatte.
Schon fünfzehn Minuten später, war der Kampf vorbei. Ginny lag am Boden und rührte sich nicht. Sie lebte zwar noch, aber ihr Bein war so verdreht, dass sie nicht aufstehen konnte. Die anderen standen vor ihren Opfern. Sechs Bärenkadaver lagen herum und füllten die ganze Lichtung. Dadurch, dass sie keine Menschen mit Waffen gewesen waren, waren sie leichter zu bekämpfen gewesen, als die Untoten.
„Ginny?“, flüsterte Ron ängstlich, er war sich nicht sicher, ob sie noch atmete.
„Ja?“, antwortete sie klar und deutlich. Ihr ging es gut, wenn man von dem gebrochenen Bein und den ganzen Wunden vom Kampf davor absah.
„Geht es dir gut?“, fragte er zurück.
„Nein, ich habe ein gebrochenes Bein und halte so die Gruppe auf. Geht weiter, ich werde hier in den Schatten der Bäume kriechen und warten.“
„Das ist keine gute Idee, jemand sollte bei dir sein!“, sagte Ron und hockte sich zu ihr auf den Boden.
„Und wer, wenn ich fragen darf? Ihr alle müsst gehen, sonst habt ihr keine Chance, ich bin nicht lange alleine, wenn ihr euch beeilt und ich kann mich ja noch wehren, falls jemand vorbei kommt!“, erklärte sie.
Die anderen sahen das ein. Im Schatten der Bäume sitzend, schaute sie ihren Freunden nach. Jetzt hatte sie viel Zeit, in der sie soviel nachdenken konnte, wie sie wollte. Eigentlich passte es ihr gar nicht, dass sie nicht weiter mit konnte, aber ihr war klar, dass sie die Gruppe nur aufhalten würde.
In Ginnys Kopf ertönte plötzlich die Stimme ihrer Eltern: Ginny, das war sehr dumm, auch wenn du es denkst, du bist jetzt nicht mehr sicher und wehren kannst du dich auch nicht.“
Sie hatten ja recht, aber wenn das Schicksal es will: Sie ist bereit zu sterben, zumindest, wenn der Grund so was wichtiges ist, wie das hier. Und so wehrlos war sie nun auch wieder nicht, ihr Bein war zwar gebrochen, aber kämpfen tat man ja nun mal mit der Hand und mit dem Arm.
Um
sich die Zeit besser zu vertreiben, betrachtete sie ihre Umgebung etwas
genauer. Ron und Malfoy hatten sie untereine Linde gesetzt, der Platz war mit
Moos gut gepolstert. Die Lichtung war nur schwach beleuchtet, weil nur Halbmond
war. Das Moos schimmerte silbern und die Büsche waren dunkelgrün mit einem
leichten Glanz.
„Eigentlich
komisch, dass gerade ich, die angeblich so gut mit dem Schwert umgehen können
soll, hier sitze und nicht Ron oder Neville, die ja leider Gottes keine Genies
auf diesem Gebiet waren“, dachte sie und strich sich gedankenverloren eine
Strähne aus dem Gesicht. Auf halben Weg zurück, zuckte sie schmerzhaft
zusammen, das war keine gute Idee gewesen.
„Du
hast viel mehr gekämpft, kein Wunder, die anderen konnten sich hinter dir
ausruhen!“, vernahm sie eine andere Stimme, die sie sofort etwas wütend
stimmte.
Wenn
ihr ganzer Körper nicht so unverschämt schmerzen würde, wäre sie glatt
enthusiastisch aufgesprungen, um den anderen zu folgen.
„Sei
ihnen nicht böse, du bist halt mit dem Fluch geboren der Beschützer von ihnen
zu sein, es ist deine Aufgabe mehr zu kämpfen und auch dementsprechend
schlimmer verletzt zu sein“, ertönte eine dritte Stimme in ihrem Kopf.
„Hier
ist es echt schön!“, dachte Ginny schließlich, vertrieb damit ihre inneren
Gespräche und fiel in einen tiefen Schlaf.
„Wir hätten sie nicht zurücklassen dürfen!“, zeterte Ron und fuchtelte wild mit seinen Armen.
„Irgendjemand wird sie finden, und dann ist das letzte, was wir von ihr sehen ihr Kopf oder so! Ich muss zurück, und bei ihr bleiben!“
„Bleib hier und beruhige dich!“, sagte Draco in einem bedrohlich leisen Ton, während er ihn mit seiner linken Hand fest hielt.
„Er ist Linkshänder“, dacht Pearl, „das wusste ich gar nicht!“
Irritiert schüttelte Pearl ihren Kopf.
„Wenn du gehst, dann sind wir nur noch drei Leute, außerdem brauchen wir die Kraft der Elemente, es ist schon schlimm genug, dass der Khanandi zurück bleiben musste, noch mehr Verluste verträgt unsere Gruppe nicht!“, bemerkte Neville und stimmt Ron damit um, er blieb also in der Gruppe und sie gingen weiter, vor ihnen lag das imposante Schloss.
Es war von einem ziemlich breiten Burggraben umgeben. In ihm war moderiges Wasser und wie es aussah, schwammen auch irgendwelche Tiere darin.
„Geht nicht so nahe ran, wer weiß, mit welchem Zauber meine Mutter uns diesmal locken will!“, flüsterte sie, nachdem sie die Jungs mit einer Armbewegung zu stoppen gebracht hat.
„Wie viel Zeit noch?“, erkundigte sich Draco.
„Fast sieben Stunden..., es kommt jetzt darauf an, wie schnell wir es über den Burggraben schaffen, im Schloss wird alles sehr schnell gehen, ich kenne mich sehr gut da aus, und die Geheimgänge werden uns dabei helfen, meine Mum und ihre ganzen Angestellten kennen nicht einmal die Hälfte der Gänge, die ich kenne.“
„Und wie wollen wir jetzt darüber kommen? Springen? Fliegen? Oder was?“, stichelte Draco, bis er bemerkte, das er zu weit ging. Alle waren angespannt und das letzte, was jetzt half, war Spott, also schloss er den Mund wieder, um sich was anderes einfallen zu lassen.
„Der Graben ist zu breit, um zu springen, aber man könnte ja eine Brücke bauen... okay, wir sollten als erstes herausfinden, was da unten im Wasser ist!“, sagte Pearl, während sie sich bückte und einen mittelgroßen Stein aufhob.
Das Wasser platschte laut und trotzdem dumpf. Sofort sprangen mehrere Tieren, also Fische, Reptilien und andere Viecher hoch, um nach den Stein zu schnappen. Da der Burggraben aber so tief war, konnten sie nicht zu den Schülern, die sehr appetitanregend waren.
„Oh Gott!“, stieß Ron aus, seine Augen flackerten vor Panik.
„Ähm... ich schlage vor, wir verstecken uns erst mal und überlegen, was wir machen. Hier sollten wir wirklich erst mal mehrere Möglichkeiten in Erwägung ziehen, bevor wir entscheiden“, erklärte Draco wenige Minuten später und ging zu den naheliegenden Büschen rüber, um sie als Versteck zu beurteilen.
„Ich glaube, dass ist wirklich eine gute Idee!“, stimmte Pearl ihm zu. Nach und nach folgten Neville und Ron den beiden und wenige Minuten später war ein kleines Lager errichtet.
So vergingen zwei weitere Stunden. Harry und Hermine überforderten ihre Gehirne fast, als sie mit Fluchtplänen beschäftigt waren, Ginny schlief weiterhin auf der Lichtung und die Elemente saßen in einem Kreis und tüftelten einen Plan aus, wie sie ins Schloss kamen.
„Ich finde ja die Idee von Pearl nicht schlecht!“, sagte Ron gerade.
„Du findest die Idee gut, die Wachleute anzuschreien, damit sie runterstürmen und das Tor öffnen? Man, wo lebst du? Das werden sie nicht machen, ihre Mum wird dafür schon gesorgt haben, wir könnten genauso gegen eine Wand schreien!“, antwortete Draco.
„Da hast du recht, und was ist mit der Idee, eine Brücke heraufzubeschwören?“, warf Pearl dazwischen.
„Wenn du weißt, wie das geht, dann mach mal!“, konterte Neville.
„So kommen wir doch nicht weiter!“, meckerte Draco, der sich auf den Rücken legte und sich die Sterne ansah.
„Wenn ich doch meinen Besen dabei hätte!“, schwärmte er.
„Dann könnte ich darüber fliegen, Potter und Granger retten und dann endlich wieder zurück, ich bin total müde!“
„Der Accio-Spruch ist aber auf diese Entfernung nicht zuverlässig. Also müssen wir noch einmal mit unseren Plänen von vorne anfangen“, stöhnte Pearl und ließ sich auch auf ihren Rücken fallen. Das Moos war weich und die Sterne strahlten diese Nacht besonders, so, als ob sie die Kämpfer motivieren wollten.
„Wenn das so weiter geht, sind wir nicht rechtzeitig da!“, seufzte sie.
„Kennst du keine geheimen Ausgänge, die schon etwas weiter außerhalb anfangen, so wie in Hogwarts?“, erkundigte sich Ron.
„Ich überlege schon die ganze Zeit, aber mir fällt keiner ein!“, antwortete Pearl traurig.
„Ginny! Ginny! Aufwachen!“, flüsterte eine weiche Stimme an ihrem Ohr.
„Mum?“, murmelte Gin und drehte sich um, sie wollte die Decke höher an sich ranziehen, aber als sie merkte, dass dort keine war, schreckte sie hoch.
„Wer ist da?“, fragte sie.
Eine kleine Gestalt, nicht größer, als ihre Hand, erschien an ihrem Bein.
„Ich bin Sharone, die Lichterfeenkönigin. Du solltest hier nicht schlafen, die Veelafürstin beherrscht dieses Land und sie ist nicht die Herrscherin von lieben Bewohnern. Wölfe, wilde Thestrale, Basilisken, Vampire und andere Schauergestalten wandeln hier herum.“
„Woher kennst du meinen Namen?“
Ein leises Kichern kam von der leuchtenden Person.
„Das ist doch vollkommen irrelevant. Ich kenne ihn halt, so wie jeden anderen Namen, das ist unsere Gabe.“
„Aha. Nun, wie du siehst, bin ich nicht in der Lage mich woanders aufzuhalten, mein Bein ist gebrochen und ich muss hier auf meine Freunde warten!“
„Oh, deine Freunde sind gerade, seit ungefähr zwei Stunden damit beschäftigt einen Plan zu fassen, wie sie in das Schloss kommen!“
„Na klasse, in ein paar Stunden wird Harry geopfert und sie sind noch nicht mal im Schloss?“
„Nein, aber du kannst ihnen helfen!“
„Das glaube ich weniger, ich kann mich nämlich nicht bewegen, außerdem kenne ich mich hier nicht aus und mit Plänen konnte ich noch nie was anfangen!“
„Hinter dir befindet sich eine kleine Höhle, wenn du dem Tunnel folgst, kommt du genau ins Schloss, dann könntest du deinen Freunden das Tor öffnen und dann ist es nur noch eine Frage des Könnens von Pearl. Sie muss euch schließlich durch das Gebäude führen und euch zigen, wo der werte Mister Potter und Miss Granger sich aufhalten!“
„Warum erzählst du mir das? Ich kann doch eh nichts machen, mein Bein ist wirklich gebrochen!“
„Jetzt nicht mehr!“, flüsterte die Fee und strich mit ihren Füßen, die unglaublich winzig waren, einmal über ihr gebrochenes Bein, indem sie darüber flog und sich auf den Bauch von Ginny setzte.
„Ohne dich werden sie es sowieso nicht schaffen. Du bist die einzige, die diese Monster töten kann. Heute werden dir nicht alle über den Weg laufen, aber das deines Bruders. Auf deiner Schule müsst ihr dann den Bann von Neville brechen, aber unter der Aufsicht von Dumbledore, er weiß, was er tun muss. Und jetzt geh, beeile dich und trödle auf keinen Fall.“
„Aber...“, wollte Ginny noch sagen, aber die Fee legte symbolisch ihren Finger auf ihren Mund.
„Sag kein Wort mehr. Du schaffst das!“ Mit einem leisen >Plop< verschwand sie und Ginny blieb mit ihren verwirrten Gedanken zurück. Vorsichtig bewegte sie ihr Bein, es schmerzte überhaupt nicht mehr. Die Prellungen an ihrem Körper machten sich zwar bemerkbar, aber das Bein war eindeutig nicht mehr gebrochen.
„Klasse!“, dachte sie erfreut und krabbelte in die kleine Höhle, die ihr die Fee gezeigt hatte.
Kapitel 11: Der große Kampf und seine Folgen
Der Tunnel war nicht lang, schon nach ein paar Minuten war sie in einem dunklen Raum angekommen. Hier roch es extrem nach Schimmel und Moder, aber Ginny achtete nicht darauf, sondern taperte weiter, bis zu einer Falltür. Knarrend ging se nach oben aus. Ein leichter Lichtschimmer kam Ginny entgegen. Nachdem sie geprüft hatte, ob sich irgendwelche Sicherheitsleute in der Nähe befanden, sprang sie hoch – die Schmerzen ignorierend – und schaute sich um. Sie befand sich in irgendeiner Kammer. Sie hatte keine Ahnung, wo sie sich befand, wie sollte sie so das Tor finden?
Schnell legte sie den Teppich, den sie zerknittert hatte, wieder auf die Falltür, und eilte zur Holztür, durch die sie lautlos schlüpfte.
„Wir müssen wohl doch erst mal die Tiere in diesem Burggrabenwasser bekämpfen, bevor wir uns eine Illusion ausmalen können, dass wir darein kommen!“, sagte Ron, der noch der einzige war, der nicht auf dem Rücken lag.
„Das ist eine schlechte Idee Weasley. Wir hätten wohl doch Dumbledore mitnehmen sollen, der hätte vielleicht nicht die Macht, dafür aber die Erfahrung, und eine Idee, wie wir darein kommen!“, seufzte Draco, der sehr damit beschäftigt war, Pearl zu beobachten. Er kam sich selbst dabei schäbig vor, nicht an Harry und Hermine, sondern an Pearl zu denken, aber sie war nun mal genau neben ihm und im Mondlicht schaute sie besonders hübsch aus.
„Hört ihr das?“, fragte Pearl plötzlich panisch und saß eine zehntel Sekunde später aufrecht und zum Kampf bereit.
„Das hörte sich sehr nach einer Zugbrücke an!“, gab Neville zu.
Gleichzeitig sprangen sie alle auf und erblickten einen roten Schopf, der aus dem Eingang lugte. Ginnys Lippen formten sich zu: Beeilt euch! Sie haben mich gehört!
Hastig packten sie ihre Sachen zusammen und liefen zu Ginny. Es war keine Zeit für Fragen. Zeitgleich kamen nämlich auch ein paar sehr hässliche Typen an, die nicht freundlich aussahen.
Schon klirrten Schwertklingen aneinander. Ginny kämpfte wie noch nie. In Windeseile hatte sie die Hälfte der Angreifer niedergeschlagen.
„Wieso bist du hier?“, keuchte Neville, der kurzweilig Rücken an Rücken mit ihr stand.
„Die Geschichte ist zu lang, um sie kurz zu erzählen. In Hogwarts werde ich sie dir berichten!“, antwortete sie und war auch schon weg.
So arbeiteten sie sich vor und schon bald hatten sie sich den Thronsaal erreicht. Die Angreifer wurden immer weniger, bis auch der letzte erledigt war.
„Jetzt kommt schnell in die Kerker!“, kommandierte Pearl und die anderen folgten ihr den gang hinunter.
Im Kerker war es ziemlich dunkel, so, dass sie sich nur sehr langsam fortbewegten. Das schimmernde Licht der Kerzen war dabei nicht sehr hilfreich.
„Hey ihr! Was tut ihr hier?“, polterte plötzlich eine wache und bedrohte sie mit einem langen Speer.
„Seid ihr die Bedrohung, von der die Fürstin gesprochen hat?“, fragte ein zweiter, der dazu gekommen war.
„Sercan! Erkennst du mich nicht? Ich bin Pearl, die Tochter deiner Fürstin!“, sagte Pearl ungerührt und zuckte nicht einmal mit der Wimper.
„Herrin!“, sagte der erste und ließ sich zu Boden fallen.
„Doch sag, wer sind deine Begleiter?“
„Ähm... Freunde aus der Schule. Die Bedrohung, ein paar lästige Zauberer, ist besiegt. Ich soll die Gefangenen für meine Mutter abholen!“
„Jetzt schon?“, fragte der andere, der nicht in die Knie gegangen ist.
„Duncan! Du hast nicht das recht so mit der Fürstinnentochter zu sprechen!“, zischte Sercan den anderen an und beeilte sich dann, nachdem er aufgestanden war, die Zelle von Harry und Hermine aufzuschließen.
Verwirrt erhoben sich die beiden, als ihnen die Wache sagte, dass sie jetzt zur Fürstin gebracht wurden. Da sie jegliches Zeitgefühl verloren hatten, merkten sie nicht, dass es viel zu früh dafür war.
Grob
packte sie Sercan an den Armen, als sie ihm zu langsam waren.
„Hä?“,
sagte Harry, als er seine Freunde sah, aber weil er glücklicherweise sofort
verstand, schloss er den Mund und setzte seine hoffnungslose Miene wieder auf.
„Kommt!“,
befahl Pearl in einem gebieterischen Ton. Mit Fesseln an den Händen, folgten
Hermine und Harry und auch die anderen ihr.
Draußen
holte sie tief Luft.
„Das
war zu einfach. Irgendwas ist hier faul. Meine Mutter müsste schon lange davon
erfahren haben, dass wir im Schloss sind, eigentlich müssten schon alle Wachen
davon gehört haben, wir hatten echt Glück, dass Sercan ein ergebener Diener von
mir ist und meine Mutter nie diese Intimität entdeckt hatte. Aber jetzt lasst
uns schnell machen, vielleicht ist das Glück ja noch kurzweilig auf unserer
Seite und wir kommen ohne groß weiter Blutvergießen zu müssen, hier raus.“
„Das
glaube ich kaum!“, sagte Grace, die umkreist von anderen Gestalten in schwarzen
Umhängen, provokativ ein Schwert auf sie richtete.
„Grace!“,
wunderte sich Pearl.
„Ja.
Es ist schade, das meine einzige Schwester gegen uns ist, aber noch kannst du
zu uns wechseln. Mutter hat Verständnis dafür, sie sagte, sie wolle dir
verzeihen, wenn du ehrlich um Vergebung bittest!“, sagte sie und zuckte mit
keiner Wimper, als Pearl auf das Angebot nur ein abfälliges Lachen für sie
hatte.
„Dann
nicht. Ergebt euch oder sterbt im Kampf!“, sagte sie dann und kam auf sie zu,
mit gezücktem Schwert.
„Hier,
für euch!“, rief Pearl, als sie Hermine und Harry jeweils ein Schwert zuwarfen.
Sie fingen es geschickt und parierten sogleich einen Angriff von einem der
Gestalten in schwarz.
„Tut
Potter nichts! Er MUSS überleben, sonst werdet ihr von meiner Mutter
eigenhändig umgebracht“, schrie Grace noch, als sie bemerkte, dass ein
Schwerthieb ihm fast der Arm gekostet hatte. Seit dieser Drohung wurde Harry
erst mal übersehen und wenn er angreifen wollte wurde er grob zur Seite
gestoßen.
Ginny konnte diesmal nicht so einfach alle niedermetzeln, weil dies gut ausgebildete Schwertkämpfer waren und so eine Herausforderung für sie darstellten, so wie der Anführer der Untoten.
Sie spürte die Kraft des Schwertes, welches sie in der Hand hielt. Sie spürte, was ihr Gegner vorhatte. Egal, was er versuchte, sie blockte ab. Nur so konnte sie den Kampf nicht gewinnen, sie musste angreifen. Doch darin hatte sie noch nicht so gute Erfahrungen, man sah es in dem Fall, als sie gegen den Untoten kämpfte. Das Resultat waren viele Schrammen, Prellungen und ähnliches, aber sie hatte gelernt. Mit Geschick wirbelte sie ihre Waffe herum und stieß zu. Erschrocken und vollkommen überrascht zog ihr Gegner das Schwert aus seiner Brust, wobei seine Kapuze abfiel. Es war ein Mann im Alter ihres Vaters. Seine grauen Augen flackerten vor Panik, bis er zu Boden fiel und sie sich schlossen.
„Es sind zu viele!“, schoss es durch Ginnys Kopf, als sie bemerkte, dass es dreißig Gegner waren, es aber nur sechs auf ihrer Seite waren, Harry konnte man nicht mitzählen, weil die schwarzverkleideten es vermieden mit ihm zu kämpfen.
Oben, von dem Geländer des oberen Stockwerks stand die Fürstin in Person, die ihre Töchter ungewollt sehr bewunderte. Pearl, der sie, auch als sie wieder ihr Vertrauen gewonnen hatte, jede Art von Schwertkampfunterricht verwehrt hatte, schlug sich unglaublich gut. Dumbledore war wohl ein guter Lehrer. – Sie wusste ja nicht, dass Draco sie unterrichtet hatte – Aber mit stolz in der Brust sah sie auch ihre ältere Tochter, die sich gut schlug. Ihrem Gegner, einem dunkelblonden Jungen, hatte sie bereits so drangsaliert, dass er kurz vorm Umkippen war.
„Pearl! Töte ihn noch nicht, er ist das letzte Element, wir brauchen seine Kraft noch!“, rief sie plötzlich runter, als sie bemerkte, wer er war.
„Hatte ich nicht vor Mutter! Ich will ihn nur weit genug schwächen, damit er keine Gefahr mehr darstellt!“, rief sie zurück und widmete ihre Aufmerksamkeit wieder dem Kampf.
Die Gesichter der Männer waren bereits alle enthüllt. Die meisten waren im mittleren Alter, nur wenige waren jung.
Ginny bemerkte den Schmerz, den sie spürte, wenn sie tötete, nicht. Sie versteckte ihn mit der Energie, die sie aufwand, um den nächsten zu töten. Ihr Bruder bemerkte die Kälte, die seine Schwester plötzlich ausstrahlte und erschauderte dabei. Das war doch nicht normal.
Auch er merkte die Hoffnungslosigkeit in ihm aufsteigen. Sie waren gut, aber es waren doch zu viele. Seine Verletzungen ließen ihn zusammenzucken. Meistens musste er sich gegen zwei gleichzeitig wehren und ohne Pearls Hilfe wäre er schon lange erstochen worden. Er hatte erst einen getötet und er wollte es nicht noch mal wiederholen. Im Prinzip waren es nur Ginny und Draco, die wirklich viele erstachen. Neville und Hermine blieben so auf seiner Ebene und Pearl lag irgendwo dazwischen, aber eins war klar: Lange würden sie es nicht mehr aushalten.
Doch als es plötzlich >Plop< machte und Dumbledore, Coulter und SNAPE erschienen, gewannen die Schüler wieder Hoffnung, auch wenn sie kurz von der Frage: Wo kommen die denn her? unterbrochen wurde.
Jetzt ging alles sehr schnell. Zack, Zack wurden die letzten Schwarzgekleideten getötet. Zuletzt blieben nur noch Pearl und Grace, die schon eine geraume Zeit gegeneinander kämpften.
Die jüngere war von Anfang an der Meinung gewesen, das sie keine Chance hatte, weil ihre Schwester ja schon viel länger Unterricht hatte, aber schnell wurde ihr bewusst, dass Draco gute Arbeit geleistet hatte. Sie waren nämlich gleichstark.
Genervt und aggressiv wurde Pearl plötzlich schneller und täuschte eine Parade von links, stieß aber recht zu. Die Überraschung in Graces Augen war deutlich zu sehen, als sie zusammensackte und mit starren Augen hinfiel.
„Und jetzt kommt!“, rief Dumbledore, der einen Umschlag aus seinem Umhang holte.
„Haltet alle eure Hände in die Mitte, so, dass sie sich berühren!“, befahl er und ließ dann einen Anhänger aus den Briefumschlag gleiten, einen Portschlüssel.
„Was habt ihr euch bloß dabei gedacht?“, schimpfte Dumbledore sofort los, als sie wieder in seinem Büro waren.
„Ihr hattet Null Chancen. Ihr wäret gestorben, wenn ich nur etwas später die Nachricht bekommen hätte, wo ihr seid, dann... ach, ich will gar nicht darüber nachdenken. Einer soll mir einfach nur erzählen, was passiert ist!“
Pearl räusperte sich, schließlich war sie Schuld gewesen, dass Dumbledore nicht benachrichtig worden ist.
„Ähm... sehen sie, ich war der Meinung, das wir zu viel Zeit verloren hätten, wenn wir sie auch noch aufgesucht hätten. Außerdem dachte ich, dass wir noch ganz anderen Aufgaben gestellt werden würden, und bei denen wäre nur die Kraf