Anmerkung: Erst einmal Achtung – FanFiction.
Diese Geschichte entstand auf der Grundidee J.K. Rowlings. Klar, viele Personen sind auch auf meinem Mist gewachsen und wenn ich sie irgendwo wiederfinde, werde ich davon nicht begeistert sein, aber da mir nichts dergleichen wirklich gehört und ich auch kein Geld damit verdiene, kann ich keine Rechtlichen Schritte dagegen eingehen.
Zum Inhalt ein bisschen: Hermine macht Urlaub in Dublin und lässt sich in gefährliche Korruptionen, Fluchtaktionen und Dunkle Spiele ziehen.
Pairings: HG/JG
FSK: 15, mindestens... mit der Zeit wird’s ein wenig heftig, auch wenn’s am Anfang nicht danach aussieht!
Sie hasste es. Fliegen war das schrecklichste, was sie kannte, im Flugzeug, wie auch auf Besen. Reicht es nicht, das Vögel, Insekten, Thestrale, Drachen, Hippogreife und andere magische Tiere fliegen konnten? Sie verstand auch nicht, weshalb Harry und Ron Quidditch so toll fanden. Aber für ihre Eltern war es etwas besonderes zu fliegen, deshalb saß sie gerade im Flugzeug für den Urlaub in Irland.
„Hätten wir nicht mit dem Schiff fahren können?“, dachte sie die ganze Zeit und versuchte nicht aus dem Fenster zu starren.
Gott sei Dank ist es nur ne knappe Stunde, die sie in dieser verdammten Maschine bleiben musste!
Da ihre Eltern recht spät gebucht hatten, hatten sie keine Plätze mehr nebeneinander bekommen. So saß neben ihr ein Berg von Mensch, der schon den x-ten Hamburger in sich rein stopfte und dabei einen Geruch von alten Socken und uralten Schweiß verbreitete. Es wunderte sie, das die Hose, die er anhatte, noch nicht geplatzt war, bei dem Umfang! Hoffentlich würde er sein Essen bei sich behalten, den Geruch von Erbrochenem reizte sie nicht so sehr.
Für ihre siebzehn Jahre war sie sehr empfindlich, was ekelerregende Gerüche anging und so etwas, wie den Typen wollte sie sich eigentlich auch nicht ansehen. Dann doch lieber den Typ hinter dem Fettsack, der sich über seinen Nachbarn wohl auch nicht gerade freute.
Seine dunklen Haare fielen ihm gelegentlich in die strahlend blauen Augen. Einmal hatten sich ihre Blicke schon getroffen, wobei Hermine nur leicht errötete.
Ihre Erfahrungen waren halt nicht so weiträumig, wie bei Lavender oder Parvati, die sich schon durch alle Häuser gearbeitet und viel Erfahrung mit Flirten, Küssen, Liebe und Sex hatten. Krum konnte man schlecht als Maßstab betrachten. Zwar hatte sie durch ihn gelernt, wie sich Küssen anfühlte, aber Hermine war ebenso davon überzeugt, dass er nicht zu den besten Küssern zählen konnte, und es war ja auch nur einmal gewesen. Danach war er wieder zurück nach Durmstrang gefahren und sie hatten sich nur noch dreimal Briefe geschrieben, dann hatte er Schluss gemacht, da er jemand neues gefunden hatte. Hermine hatte sich nicht wirklich darüber aufgeregt, eigentlich hatte sie das sogar ein bisschen erleichtert.
Ob er auch nach Irland will? Würde dieser Flieger überhaupt weiter fliegen? Sie wusste es nicht.
Dann erblickte sie die Bücher, die zum Teil aus seinem Rucksack ragten, der zu seinen Füßen lag. Sie waren alle über Irland. Das eine hatte ein riesiges Schloss, wahrscheinlich das Adare Manor in der Grafschaf Limerick, auf dem Cover, das andere weite, hügelige Wiesen, mit kleinen Schafen. So war ihre Antwort gegeben.
Wer weiß? Vielleicht würde sie ihn in Irland wieder sehen? So groß würde Dublin schon nicht sein.
Ob er auch so negativ über Hexen achte, wie die Dursleys, bei denen Harry jede Sommerferien gefangen war? Oder hatte er überhaupt keine Vorurteile darüber? Glaubt er überhaupt an so was? Wo er wohl herkam? Aus England?
Sie hatte nicht mitbekommen, ob er schon vorher im Flieger war, oder nicht.
Plötzlich sah sie ungeduldig auf ihre Armband Uhr. Eigentlich müssten sie in zehn Minuten da sein. Der dicke Mann neben ihr regte sich und zwängte sich an den anderem Jungen vorbei. Anscheinend machten sich die fünf Biere bemerkbar.
Herrgott, wie konnte man nur schon so früh Alkohol zu sich nehmen, es war gerade mal halb zwei durch.
Erschrocken bemerkte sie, dass sich der gut aussehende Junge auf einmal neben sie setzte.
„Fliegst du eigentlich alleine?“, erkundigte er sich mit einer angenehmen, dunklen Stimme.
Irritiert schaute sie ihn an.
„Äh... ähm.. nein... meine Eltern fliegen noch mit. Sie sitzen dahinten!“, stammelte sie und zeigte auf die Reihe schräg hinter ihnen.
„Kommst du aus England?“, fragte er aus heiterem Himmel weiter, während sie immer ungläubiger zu ihm starrte. Was scherte er sich überhaupt um sie? Er kannte sie nicht und hübsch war sie auch nicht, fand sie.
DAS sah der Junge allerdings anders. Ihre schlanken Beine waren gut zu sehen – immer noch mit einer leichten Bräune vom vorherigen Sommer, den sie auf Kreta verbracht hatte - , da sie nur einen recht kurzen Rock anhatte. Ihre Bluse zeigten ihren weiblichen Körper und ihre rotbraunen Locken, die sie mit Spangen hochgesteckt hatte, dufteten einfach herrlich. Zumindest war das mal eine umwerfende Abwechslung, im Gegensatz zu dem Typen, der die letzten 40 Minuten neben ihm gesessen hatte.
„Ja, ich komme aus England, London, um genau zu sein. Und du?“, antwortete sie, um das Gespräch nicht allzu schnell abklingen zu lassen.
„Oh, ich komme auch aus England, aus Southhampton. Und auf welche Schule gehst du?“
Musste er gerade DAS fragen??
„Ähm, ich gehe in Schottland auf ein Internat, und du?“
Eigentlich mochte sie diesen Herren ja überhaupt nicht, aber jetzt kam er ihr gerade recht. Dieser Mann war auch der Grund, weshalb der Junge auch ihre Antwort nicht mehr verstehen konnte.
„Tschuldigung, junger Mann, aber das ist mein Platz!“, lallte er und entblößte dabei ein paar hässlich anzuschauende, gelbe Zähne. Wenn das ihre Eltern sehen würden, sie würden ihm wahrscheinlich sofort umsonst eine Bleiche verpassen.
„Oh!“, murmelte der Junge nur und ließ den Mann auf seinen Platz.
„Oder habe ich gerade den Augenblick vermasselt, in dem du nach ihrer Telefonnummer fragen wolltest?“, lallte er weiter und lachte dabei eines der dreckigsten Lachen, die Hermine je gehört hatte.
„Hübsch genug ist sie ja! Da werden die BH´s wenigstens nicht umsonst gekauft, nech? Wobei ich nicht glaube, dass du sie nötig hättest, ohne wärst du noch heißer. Und diese Beine... ja, Junge, ich verstehe dich!“
Das. Ist. Ekelhaft!
Hermine, wie auch der Junge, wurden knallrot und versuchten den Rest des Fluges, nicht mal mehr fünf Minuten, nicht in die Richtung des anderen zu sehen. So war sie gezwungen aus dem Fenster zu sehen. Tja, man konnte halt nicht alles haben.
Ihr Ferienaufenthaltsort war wirklich wunderschön. Das Hotel war einfach nur spitzenklasse. Ihr Zimmer hatte sie für sich allein, da ihre Eltern sich eins teilten.
Aber nach zwei Tagen hatten sie das Hotel bereits schon zweimal gründlich durchsucht. Mit ihren Eltern war sie im National Museum Collins Baracks, im National History Museum und in der Old Libery gewesen.
Die beiden Abende hatte sie in einem Pub am anderen Ende der Straße verbracht, wo sie mehrere Leute kennen gelernt hatte und mit denen sie gut zurecht kam.
Eigentlich war es ja nicht normal für eine siebzehnjährige, aber sie kam gut mit ihren Eltern zurecht und genoss die Zeit mit ihnen. Ihre Mum war einfach klasse und ihr Dad ihr ein und alles, aber manchmal war es auch ganz nett ohne sie, und da beide Antialkoholiker und Antiraucher waren, verbrachte sie die Zeit in den Pubs alleine.
Sie beschloss Harry und Ron einen Brief zu schreiben. Vor allem Harry, er wird sonst im Ligusterweg vor Langeweile sterben. Vielleicht könnten sie sich ja noch mal treffen und Schulsachen in der Winkelgasse einkaufen oder so.
Also setzte sie sich in ein Café, schnappte sich Kugelschreiber und Papier (hier konnte sie unmöglich mit Tinte und Pergament ankomme) und schrieb ihren Brief.
Als sie kurz davor war ihr: Alles liebe Hermine drunter zu setzten, bemerkte sie ein Tippen auf ihrer Schulter.
Mit einem leichten Ziehen in ihrer Brust (vor Aufregung) drehte sie sich langsam um. Strahlend blaue Augen schauten sie an und ein Lächeln huschte über das Gesicht ihres Gegenübers.
„Was für eine Überraschung dich hier zu sehen, ich dachte schon, dass das im Flugzeug eine einmalige Begegnung gewesen wäre. Wie heißt du eigentlich?“, fragte er sie und setzte sich ungefragt an ihren Tisch.
„Ich heiße Hermine Granger, und du?“
„Glover. James Glover.“
„Willst du ein auf Sean Connery machen oder was?“, erkundigte sich Hermine mit einem leichten Lächeln, als sie seine Anspielung erkannte.
„Nein, aber wenn mir meine Eltern schon so einen tollen Namen wie James geben, dann soll es mir wenigstens vergönnt sein mit dem Namen rumzuspielen!“
„Magst du Agentenfilme?“, erkundigte sie sich plötzlich aus heiterem Himmel und brachte ihn so zum Lachen.
„Nein, eigentlich nicht. Früher ja, als ich noch jünger war, aber langsam habe ich keine Zeit mehr für Kino, Fernsehen oder so. Ich muss viel machen.“
„Das klingt sehr beschäftigt, arbeitest du etwa schon?“
„Naja, vor vier Jahren habe ich meinen Abschluss gemacht und werde im Herbst meine Ausbildung beenden. Ich bin auch leider nicht hier im Urlaub, sondern muss für meinen Chef Daten untersuchen!“
Unauffällig schielte er zu ihr rüber und musste einsehen, dass sie wohl nicht mehr lange bleiben würde, ihr Brief war fast beendet. Aber er konnte sie nicht schon wieder gehen lassen, so zauberhafte Geschöpfe gab es einfach zu selten auf diesem Planenten.
„Ähm... ja... hast du auch Durst? Ich würde dich gerne einladen“, erkundigte er vorsichtig und betete zu Gott, das sie nicht ablehnen würde.
„Oh ja gerne. Ich sitze hier schon seit zwei Stunden und süffele nur an meinem Wasser rum, damit mich der Kellner nicht wegschickt. Ein Kaffee würde mal eine Abwechslung geben!“
Der Stein, der ihm vom Herzen fiel, den hörte sie nicht.
James winkte einen Kellner heran und bestellte zwei Kaffees.
„In welchem Hotel oder welcher Pension verbringst du eigentlich deinen Urlaub?“
„Ich wohne im Drury Court Hotel am Ende der Straße – sie zeigte die Pflastersteinstraße hoch – und du?“
„Ich wohne bei meinem Onkel, etwas weiter von hier, in der Parnell Street. Vielleicht können wir uns ja öfter sehen dann wird die Zeit hier bestimmt nicht so langweilig und stressig wie ich erwartet habe.“
Hermine freute sich, als sie das hörte, und ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer, da sie James anscheinend gefiel, denn sonst würde er sich schließlich nicht mit ihr treffen wollen. Noch in Gedanken antwortete sie: „ Klar dann habe ich auch mal etwas Abwechslung zwischen all den Museen, in die meine Eltern noch gehen wollen.“
„Ich weiß jetzt immer noch nicht auf welche Schule du gehst oder habe ich dich jetzt jünger geschätzt, als du bist?“
Mist, jetzt sitze ich in der Zwickmühle... wobei, vielleicht würde es klappen...
„Ich gehe auf Hogwarts zur Schule!“
„Hogwarts? Aber dann...“
„Es liegt in Schottland. Es ist so ein ödes Mädcheninternat, auf das mich meine Eltern geschickt haben...!“
Das Lachen, in das James ausbrach war kaum aus zu halten. Die anderen Gäste des Cafés drehten sich amüsiert zu ihnen hin und Hermine wurde von Sekunde zu Sekunde röter.
„Warum hast du jetzt bitte gelacht?“, fragte sie schließlich, als er sich allmählich beruhigt hatte.
„Hermine, ich kenne Hogwarts recht gut, immerhin war ich dort sieben Jahre und schon hat sich deine Erklärung, es sei ein Mädcheninternat, widerlegt. Es war aber sehr lustig, WIE du es erzählt hast. Naja, immerhin haben wir so herausgefunden, das wir... naja,... vom gleichen Schlag sind!“
Nun musste auch Hermine lachen, allerdings nicht so laut und lange wie James.
Nach zwei Minuten hörte sie aber schlagartig auf.
„So viel älter als ich kannst du aber nicht sein, also müssten wir uns doch wenigstens mal begegnet sein, oder nicht?“
„Stimmt, aber wir haben uns wohl immer verpasst. Ich kann mich an dich zumindest nicht erinnern!“, musste er lächelnd zugeben.
„Wie geht es eigentlich unserem lieben Snape? Ist er immer noch so miesepeterig, wie zu meinen Zeiten? Nun, ich muss zugeben, dass ich ihm das Leben nicht gerade leicht gemacht habe, aber er ist auch von Grund auf nicht der Netteste, oder?“
„Snape? Der ist wie immer. Nur geringfügig hat er sich verändert, vielleicht, weil er endlich eine Freundin hat, ich weiß es nicht. Aber unsere Verteidigung-gegen-die-dunklen-Künste-Lehrerin hat ihm ganz schön den Kopf verdreht. Eine Zeit lang schwebte er nur auf Wolke sieben. Das war eine der wenigen Augenblicke in meinem Leben, wo es Stunden gab, in dem Griffindor sogar ein paar Punkte gewonnen hat!“
„Ach, du bist in Griffindor? Ich war in Ravenclaw. Ich war im gleichen Jahrgang, wie Penelope Clearwater, die Freundin von diesem arroganten Percy Weasley, der, so viel ich weiß, in Griffindor war. Kennst du den?“
Das Augenverdrehen von Hermine bestätigte.
„Ja, leider. Er ist der Bruder von einem meiner besten Freunde. Ron Weasley. Aber du hast recht, er war wirklich ein arrogantes Arschloch. Du scheinst ihn nicht besonders gemocht zu haben?“
„Er hat mir die Freundin ausgespannt! Was erwartest du? Aber er war ja der ach so tolle Vertrauensschüler, der dann später auch noch Schulsprecher wurde. Würdest du dann noch weiterhin mit einem Unruhestifter zusammenbleiben wollen? So wie mir?“
Hermine, die nicht lange überlegte, erinnerte sich an ihre Freunde. Ron hatte erst in der letzten Schulwoche noch einen Brief bekommen, der ihm mitteilte, dass er schon das zweite Mal Onkel werden würde. Nächste Woche würde er die Hochzeit von Percy und Penelope besuchen und in zwei Monaten würde dann sein zweiter Neffe geboren werden (sein erster Neffe war schon ein Jahr alt – im fünften Schuljahr hatte sein Bruder Bill eine Ägypterin geheiratet und ebenfalls ein Kind bekommen).
Sie riss sich zusammen und schaute wieder in diese unglaublichen Augen, die sie erwartungsvoll anschauten, was sie denn nun zu sagen hätte. Am besten, sie erwähnte nicht, dass Percy und Penelope bald verheiratet sind.
„Ganz ehrlich, mir sind ein paar Abenteuer mit einem Unruhestifter lieber, als ein arroganter Schulsprecher, hat er noch so ein großes Ansehen bei den Lehrern. Ich mochte Percy nie besonders.“ Auch wenn er der Bruder von ihrem besten Freund Ron war.
„Das ist gut zu hören. An wen ist eigentlich dieser Brief gerichtet?“
„Oh, an meinen anderen besten Freund. Harry Potter.“
James riss die Augen auf.
„Mit dem bist du befreundet! Interessant! Schon lange?“
„Seit dem Halloweenfest im ersten Schuljahr, also fast sechs Jahre.“
„Seit ich weiß, dass sein Dad genau den gleichen Namen hatte wie ich, habe ich mich besonders für den Jungen interessiert. Ich habe ungefähr hunderttausend mal meine Eltern darüber informiert und sie gefragt, ob sie die Potters zufällig kannten. Was natürlich Stuss war, weil sie Muggel waren.“
Sie unterhielten sich noch geschlagene drei Stunden, bis James dann endlich merkte, dass er schon seit zwanzig Minuten bei seinem Onkel hätte sein müssen. Als er gerade keinen Passanten auf der Straße erblickte, verabschiedete er sich schnell und apparierte dann.
Auf dem Tisch erblickte Hermine einen 10 Pfund irische Dollar Schein ( der wahrscheinlich für die vier Kaffee war, die sie noch getrunken hatten) und einen kleinen Zettel.
Neugierig öffnete sie ihn.
Wenn du nichts dagegen hast, dann hole ich dich morgen um neun Uhr ab, ich nehme mir frei, dann kann ich dir ein bisschen Dublin zeigen!
Natürlich hatte sie nichts dagegen, es war eher das Gegenteil der Fall. Die ganze Zeit schoss ihr nur noch durch den Kopf: Wieso ist nicht schon morgen früh neun Uhr?
Um sich die Zeit bis dahin noch vernünftig zu vertreiben, bezahlte sie schnell und eilte zurück ins Hotel. Dort schrieb sie einen Brief an Ron, erledigte den Aufsatz für Professor Snape über Alraunensäfte und zwang sich dann noch die letzten zwei Stunden vor dem Schlafengehen, mit ihren Eltern zu verbringen. Eigentlich mochte sie die Rommeeabende mit ihren Eltern, die sie normalerweise in den Ferien mit ihnen verbrachte, aber sie war so aufgeregt wegen dem nächsten Morgen, dass sie am liebsten schnell schlafen gegangen wäre.
Doch diesen Abend wollten ihre Eltern sowieso über etwas anderes sprechen, so, dass sie kurzzeitig an was anderes denken musste, als an den Tag mit James.
„Liebling!“, fing ihre Mutter an, „wir müssen dir leider eine schlechte Nachricht überbringen. Unsere Aushilfskraft hat sich eine schwere Grippe gefangen und kann so nicht weiter unsere Praxis führen. Wir müssen morgen also sofort zurück!“
Geschockt riss Hermine ihre Augen auf. Das sollte doch erst der Anfang sein! Sie wollte noch so viel mehr von Dublin sehen und James näher kennen lernen und...
„Mum, kann ich nicht hier bleiben?“, bettelte Hermine, stieß aber auf einen gefühllosen Blick ihres Vaters.
„Hermine, darüber haben wir auch schon nachgedacht, aber uns ist nicht wohl dabei. Es ist ja schon schlimm, was uns so von deiner Schule zu Ohren kommt, aber in den Ferien wollen wir dich eigentlich sicher wissen“, erklärte ihr Vater und brachte Hermine damit fast zum weinen.
„Dad, ich bin in der Zaubererwelt jetzt volljährig. Ich habe schon oft bewiesen, dass ich gut alleine zurecht komme. Mir wird schon nichts passieren!“
Die Diskussion dauerte etwa eine Stunde, bis Hermine sie endlich mit einer großen Anzahl von Argumenten überstimmt hatte.
„Okay, du darfst noch die restlichen vier Wochen hier bleiben, aber ich möchte mindestens jeden zweiten Tag von dir eine Eule bekommen!“, gab ihre Mutter auf und gewann so ein strahlendes Lächeln ihrer Tochter, so, wie sie es mochte.
So ging sie zufrieden ins Bett, um am nächsten Tag James alles erzählen zu können.
In dieser Nacht träumte sie, dass sie allein im verbotenem Wald war und plötzlich eine Stimme hörte. Doch sie verstand kein Wort denn sie war zu Weit weg. Dann hörte sie Geräusche näher kommen. Sie erschrak. Doch dann sah sie hinter einem Baum nur ein Einhorn. Doch da war noch was. Wer auch immer da geredet hatte stand jetzt neben ihr...
„Hermine?! Hermine, wir müssen jetzt zum Flughafen. Ich habe dir noch Tee gemacht. Hermine???“
Hermine saß kerzengerade im Bett, so erschrocken war sie.
„Ach du bist es Mum“ stellte sie erleichtert fest.
Erschrocken sah ihre Mutter sie an und fragte: „Wen hattest du denn erwartet?“
Sie erinnerte sich an ihren Traum und stammelte: „Ach nichts...“
„Also mach´s gut und melde dich“, sagte ihre Mutter besorgt und Hermine antwortete mit einem Lächeln „Klar mach ich!“
Sie gab ihrer Mutter noch einen Abschiedskuss und stand schnell auf. Sie beeilte sich, denn es war bereits halb neun.
Sie war schon so aufgeregt James wieder zu sehen und lief so ein paar mal ziellos im Zimmer rum, trank ihren Tee und ging runter in den Essenssaal, um schnell zu Frühstucken. In Gedanken versunken kaute sie ihr Brot und etwa vierzig Minuten später war sie auch schon mit James im Phönix Park.
„Du scheinst heute so glücklich, ist irgendwas passiert?“ erkundigte sich James und Hermine erzählte von ihrem Glück noch weitere vier Wochen alleine in Dublin bleiben zu dürfen.
„Das ist jetzt lustig, ich bleibe nämlich auch noch vier Wochen hier, wahrscheinlich fliegen wir dann auch zusammen zurück?“, lächelte James und legte dann vorsichtig seine Hand um Hermines Taille. Es fühlte sich so gut an!
„Gut, was wollen wir in der Zeit machen?“, hackte Hermine nach, weil sie seine Anspielung nicht einfach fallen lassen wollte.
„Ich weiß nicht, Dublin ist groß und der Prismaweg ist sehr lang!“
„Prismaweg?“
„Ja, eigentlich das gleiche wie die Winkelgasse, nur in manchen Fällen spezieller und besser. Außerdem gibt es im brodelnden Krug herrlichen Honigwein. Ich muss dort eh noch ein paar Besorgungen für meinen Onkel machen, einmal muss ich da also sowieso hin.“
„Gut, und dann möchte ich noch in die Muggeleinkaufsstraße O´Connell Street, zur Half Penny Bridge und in das Trinity College, das habe ich meiner Mum gestern noch versprochen. Aber den Herbert Park möchte ich auch noch sehen, dort soll es auch eine Verbindungsstelle zu Charusum geben, dem irischen Zaubervolkstädtchen, liege ich da richtig?“
„Ja, allerdings. Dort wohnt auch Diana Bradley, meine vorübergehende Chefin. Ihr muss ich die ganzen Informationen geben, die ich herausfinde, und deine Vorschläge eignen sich gut, um meine Arbeit zu erledigen.“
Perplex blieb Hermine stehen, weil sie nicht ganz verstand, worauf er hinaus wollte. Irgendetwas verheimlichte er ihr noch, sonst würde er ja nicht in Rätseln sprechen, oder?
„Was arbeitest du eigentlich?“, fragte sie und blieb kontinuierlich stehen.
„Das darf ich dir leider nicht sagen! Es ist mehr oder weniger geheim. Vertrau mir einfach und jetzt lass uns gehen!“, erklärte er ihr und fasste ihre Hand, um sie hinter sich her zu ziehen.
Und dann blieb er einfach stehen.
„Du bist doch schon siebzehn, oder?“
„Ja?“
„Und damit volljährig?“
„Ja?“
„Kannst du apparieren?“
„Ja?!“
„Dann sag mir bitte, weshalb wir hierhin mit Bus und Bahn gefahren sind!“
Lächelnd zuckte Hermine die
Schultern. Sie wusste es wohl, aber lieber sagte sie es nicht. Das die
öffentlichen Verkehrsmittel morgens, bzw. um neun Uhr, ziemlich voll waren, war
IHR wohl bewusst, aber es schien nichts schöneres zu geben, als eng an James
gequetscht zu stehen und seinen Duft zu inhalieren. Seine Augen sehen aus
wie Saphire und sein Geruch erinnert mich irgendwie an das After Shave von
meinem Dad, Irish Moods. Sag mal, was fällt mir überhaupt ein? Schluss damit!
Sofort!
Man, jetzt kam sie sich schon so affektiert wie Lavender oder Parvati vor.
„Ich weiß nicht, ich habe nicht darüber nachgedacht.“
„Na, aber jetzt. Wohin willst du denn zuerst?“
„Zuerst können wir ja in den Prismaweg gehen, um deinen Auftrag da schnell zu erledigen. Und dann sehen wir mal!“
Ohne ein weiteres Wort apparierte er.
„Na toll!“, fing sie ein Selbstgespräch an.
„Ich kann nirgends hinapparieren, wenn ich nicht weiß, wo es ist! James, komm bitte zurück!“
Sie sprach etwas lauter und hysterischer, so dass sich schon einige anderen Passanten zu ihr umdrehten. Gott, wie peinlich.
Als ob er ihren Ausruf gehört hatte, kam er zurück.
„Ach ja, du weißt ja gar nicht, wo das ist!“, sagte er etwas verlegen, und versuchte es ihr anhand eines Stadtplanes, den er aus seinem Rucksack zog, zu erklären. Unauffällig versuchte sie in den Rucksack zu spähen, da er total ausgebeult war und interessanten Inhalt versprach, aber außer eine braune Kiste konnte sie nichts ausmachen.
Glücklicherweise hatte sie seinen Erklärungen gut folgen können, so ging nichts beim apparieren schief.
Der Anblick, der sich ihr erbot war unglaublich. Die Geschäfte waren alle viel größer als in der Winkelgasse, aber nicht minder altmodisch. Es kam einem eher vor, dass man im Mittelalter gelandet ist, als im 21. Jahrhundert.
„Willst du dann eigentlich gleich deine Schulbücher kaufen? So viel ich gehört habe, müsste es die hier auch zu kaufen geben!“
Sie kam sich so verdammt dämlich im Gegensatz zu ihm vor. Er war ja auch immerhin vier Jahre älter, aber während sie nickte, schoss ihr immer nur durch den Kopf. „Du kannst eigentlich auch gleich einpacken, der will eh nichts von dir, du bist ihm bestimmt noch viel zu jung, unerfahren und naiv!“
„Gut, dann treffen wir uns in ungefähr einer halben Stunde hier wieder? Ich muss nämlich in den Glundinenring, um meinen Kram zu erledigen, Hanstins&Friends ist aber da drüben!“
Er zeigte mit seiner Hand, die sehr schön anzusehen war, auf ein Haus, das hoch in den Himmel ragte und ein großes Buch auf der Tür kleben hatte.
Da Hermine aber nur auf seine Hand gestarrt hatte, wusste sie erst nicht, als sie sich in die Richtung bewegte, in die die Hand gezeigt hatte, wo es genau war. Nur zufällig fiel ihr das grüne Gebäude auf, mit dem riesenhaften Buch auf der Tür.
Sein Hemd flatterte ein wenig,
viele Hexen und Zauberer starrten ihn an. Kein Wunder, ich bin nicht
standesgemäß angezogen! Diana wird ausflippen, wenn sie mich sieht, sie hält
immer so viel von unserer Garderobe.
Langsam schlenderte er die Gasse entlang, die der Winkelgasse eigentlich ziemlich ähnelte. Im Gedanken zählte er ab und blieb schließlich vor einem grünen Haus stehen. Zögernd, so wie immer, öffnete er die Tür, von dem winzigen Lokal. Ohne sich weiter um die anderen Personen zu kümmern ging er um die Tische rum, zielstrebig auf eine verdeckte Tür zu.
Nachdem er angeklopft hatte und ein „Herein“ gehört hatte, drückte er die Türklinke runter und betrat den Raum. Er war ziemlich klein und in der Regel für Kundengespräche reserviert. Nun, niemand wusste, dass dies auch in eine andere Richtung ging.
„Roger?“, wunderte sich James verblüfft, als er die Person, die hinter dem Tisch saß, erkannte.
„Ja James, Diana konnte leider nicht, der Boss hatte sie für was anderes gebraucht.... Hast du es mit?“
Misstrauisch setzte sich James auf den Stuhl und ließ seinen Rucksack neben sich gleiten. Er stützte sein Gesicht auf seine Hände, seine Ellenbogen waren auf den Tisch abgestützt.
„Vielleicht?“, erklärte er dann sehr langsam und mit einem schelmischen Lächeln.
„James, spiele keine Spielchen mit mir. Letztes Mal lagst du schreiend am Boden und hattest mich angefleht auf zu hören. Ich will nicht sagen, dass du mein Freund bist, aber im Gegensatz zu den anderen Schwachköpfen bist du ziemlich angenehm. Missbrauche nicht diese Gefühle von mir und sag mir, ob ja oder nein!“
„Ich habe es mit Roger! Sei doch nicht so ungeduldig, ich will nur vorher sehen, was du für mich hast!“, antwortete er schlagfertig und grinste schon wieder, vollkommen unerschrocken. Der Cruciatus-Fluch interessierte ihn nicht mehr, seit er eine wirksame Gegenhandlung gefunden hatte. Der Schmerz war irreal, er fand nur in seinem Kopf statt und schon in der Schule hatte er gelernt, hauptsächlich bei Binns, sein Gehirn abzuschalten, es fiel ihm von Anfang an nicht schwer.
„Hundert Galleonen, wenn du den Rest anschaffst, dann gibt es noch mal das doppelte obendrauf! Klingt das gut?“
„Eigentlich nicht, wenn man bedenkt, dass ich dafür zwei Wochen Folter und eine Woche mit der Angst leben musste, getötet zu werden, aber es ist schon okay!“
Er öffnete betont langsam, um die Spannung zu erhalten, den Rucksack. Dann besann er sich noch mal kurz eines anderen und schloss ihn wieder.
„Was wollt ihr damit eigentlich machen? Es sind lediglich ein paar Dinge, die nicht mal Dumbledore verstehen würde!“
„Nenn nicht diesen Namen! Du weißt, dass der Lord ihn nicht gerne hört! Ich werde ihm davon berichten, wenn du noch einmal seinen Namen nennst! Und jetzt hol den verdammten Kram raus, damit ich ihn nach seiner Echtheit untersuchen kann!“
Wieder öffnete James seinen Rucksack und holte dann nach und nach den Inhalt heraus. Eine kleine Holzkiste, einen Stapel alte Karten und fünf Bücher. Es war erstaunlich, wie viel da rein passte, und der Rucksack war nicht einmal magisch vergrößert.
„Gut, der dunkle Lord wird mit dir zufrieden sein. Arbeitest du eigentlich immer noch für Gringotts?“
„Ja Mann, sonst würde ich doch gar nicht die Erlaubnis bekommen so etwas auszugraben. Die Bank hat übrigens ein paar Abschriften bekommen. Sie vertrauen mir, wenn ich ihnen gefälschte Werte vorlege, in denen bezeugt wird, dass die Sachen hundertprozentig echt sind!“
Dass Dumbledore ebenfalls Abschriften hatte, verschwieg er seinen Kameraden allerdings. Roger gehörte zu den schlimmsten Schwätzern, die es auf diesem Planeten gab und selbst wenn sie die besten Freunde wären, würde James garantiert seine Zunge im Zaumen halten.
„Okay, ich gehe dann mal!“, fügte er dann noch hinzu, nahm aber den Sack mit Galleonen mit, der auf der kleinen Kommode neben dem Ausgang stand.
„Mach das Licht aus und wenn ich dich rufe, kommst du nächstes Mal schneller, nicht so, wie letzte Woche, verstanden?“, flüsterte Roger ihm noch zu, es war nicht laut, wirklich nicht, aber er hörte es und nickte in sich hinein. Wie er diesen Job hasste! Wie er alles hasste. Aber er war nun mal hinein gestolpert, und nur, weil er auf einen Wunsch gehört hatte, auf den Wunsch seines besten Freundes.
Das Geschäft war erschlagend groß. Über drei Stockwerke zog es sich hin und alle Bücherregale gingen bis an die Decke. Die Abteilungen waren alle ungefähr so groß wie das Haus ihrer Eltern.
„Ich brauche bitte folgende Bücher:
Miranda Habicht: Lehrbuch der Zaubersprüche Band 6
Alexa Gurnings: Es zwickt, zwackt und beißt
George Henning: Magisches Pülverchen
Berta Briest: Fortgeschrittene Arithmantik Rechnungen
Karsten Jankins: Probleme mit der Alchemie
Leonard Perkins: antike Texte in Alten Runen“
Irritiert schaute sie die Hexe, die als Verkäuferin diente, an.
„Sie gehen aber nicht auf das Irish Magical College, oder?“
„Ähm, nein, ich gehe in Hogwarts zur Schule, ich mache nur zufällig hier gerade Ferien und dachte mir, das ich einen Einkaufsbummel gleich mit dem Nützlichen verbinden kann!“
„Ach so, ich habe schon an mir gezweifelt, weil die Schüler hier ganz andere Bücher bestellen, aber ich denke, das ich das für sie noch auftreiben kann!“
Während die Hexe herumwuselte, um die Bücher zusammen zu suchen, schritt Hermine interessiert an den Bücherregalen entlang. Es gab nichts anderes, was sie lieber tat, als Bücher schmökern.
Ein dickes, dunkelbraunes Buch fiel ihr besonders auf. Neugierig holte sie es heraus.
„Codex des Winters“, murmelte sie verwundert und schlug die erste Seite auf. Es war rein gar nichts zu sehen, genau, wie auf der zweiten, dritten oder vierten Seite.
„Entschuldigen sie, Mam! Hier muss ein Fehler unterlaufen sein, hier steht rein gar nichts drin!“, sagte Hermine, nachdem sie eine Mitarbeiterin des Geschäfts sachte auf die Schulter getippt hatte.
„Oh, das hat schon seine Richtigkeit. Dieses Buch enthält sehr viel Wissenswertes, so dass einige Zauberer und Hexen sich einfach nur heimlich ein paar Seiten kopiert haben. Dadurch hat der Autor und auch unsere Geschäftskette einen hohen Verlust in Kauf nehmen müssen. An der Kasse bekommt man einen Enthüllungszauberspruch gesagt, mit dem man die Schrift wieder sichtbar macht!“
„Okay, wie viel soll dieses Buch kosten?“
„Zehn Galleonen.“
Der Schock, der auf Hermines Gesicht sichtbar wurde, interessierte die Verkäuferin nicht im geringsten. Zehn Galleonen sprengten eigentlich ein ziemlich großen Teil ihres Budgets. Ihre Eltern hatten ihr zwar genug Geld dagelassen für die drei Wochen in Irland, aber gewechselt hatte sie nur vierzig Galleonen, aber wenn sie dieses Buch kaufen würde, dann hätte sie gerade noch genug, um ihre Zaubertrankzutaten, Pergament, Tinte und ein Geschenk für Harry zu kaufen. Und eigentlich wollte sie auch noch was für die Zeit in Hogwarts haben. Verdammter Mist. Das Buch sah so mystisch, geheimnisvoll, schön aus.
„Okay, ich nehme es!“, verkündete sie, nahm es an sich und schlenderte zur Hexe rüber, die einen Stapel Bücher herumtrug. Für die sieben Bücher zahlte sie immerhin fast dreißig Galleonen.
Mit einem großen Beutel verließ sie das Geschäft. Heute Abend hätte sie endlich wieder was für ihr Gehirn. Der Zauberspruch, den sie an der Kasse erfuhr, war nicht schwer zu merken gewesen. Ostus! Also bitte!
In einer halben Stunde wollte sie sich wieder mit James treffen, also war noch genug Zeit, um die anderen Besorgungen zu erledigen.
Für Harry fand sie im Schreibwarengeschäft Jessy ein wunderschönes Schreibset mit verschieden farbigen Tinten, zwei Federn, einem Stapel des besten Pergaments, einer Flüssigkeit, die Tinte löschte, wenn man sich mal verschrieb und einer wunderschönen Klammer, die einen Stapel Pergament zusammenhielt. Allerdings war sie davon überzeugt, dass ihn das letzte eher weniger interessierte. Von ihrem gesamten Geld blieben schließlich noch elf Silbersickel und drei Knuts übrig.
In ungefähr der Mitte der Einkaufstraße traf sie dann James einige Minuten später wieder. Sein Rucksack sah nicht mehr so ausgebeult aus und die Tasche der Jacke schien auch entleert worden sein.
„Darf ich dich jetzt noch zu einem Kaffee einladen? Für den restlichen Tag habe ich jetzt frei!“, begrüßte er sie und ergriff ihre Hand, nachdem sie zustimmend genickt hatte.
Er führte sie in ein kleines Café, das ihr zwischen den ganzen großen Geschäften gar nicht auffiel.
„Zwei Kaffee de vúe! Bitte!“, bestellte James bei einem Kellner, während Hermine sich in einen bequem aussehenden Korbsessel fallen ließ.
„Wem musstest du eigentlich den ganzen Kram abliefern?“, fragte sie so nebenbei wie möglich.
„Wie soll ich das denn verstehen?“, fragte er belustigt zurück und entlockte ihr damit ein winziges Lächeln.
„Mag sein, dass ich dir vertrauen soll und so, aber wenn dein Rucksack und deine Jackentasche vor einer Stunde noch voll mit irgendwelchen Sachen waren und jetzt nicht mehr. Dann ist einfach meine Neugier erweckt!“
Der Gesichtsausdruck von James veränderte sich schlagartig von amüsiert zu tot ernst.
„Hermine, ich muss dich bitten, das Thema fallen zu lassen! Ich bin der Geheimhaltung verpflichtet und erst recht darf ich keine Schülerin in Gefahr bringen. Lass uns über was anderes reden!“
„Okay, wenn wir schon dabei sind, das ich eine Schülerin bin... weshalb verbringst du eigentlich freiwillig meine Zeit mit mir? Ich bin, wenn ich mich nicht verrechnet habe, vier Jahre jünger als du. Was zum Henker willst du von mir?“
Mit diesem Themawechsel hatte sie sofort wieder den amüsierten Blick James` heraufbeschworen.
„Du hast dich geringfügig verrechnet, denn mein einundzwanzigster Geburtstag lieg erst ein paar Wochen zurück, und du wirst ja am 19. September schon achtzehn, also sind es nur drei Jahre und drei Monate, aber egal. Was ich von dir will? Eigentlich nichts bestimmtes. Du bist hier eine der wenigen, die ich kenne, die keine Erwartungen in mir hat, aber trotzdem normale, intelligente Gespräche mit mir führen kann. Du bist schon fast so was wie ein Freund für mich geworden!“
Das stimmte nicht ganz, denn seine Hormone spielten auch noch eine kleine Rolle. Ihre Attraktivität hatte er nicht übersehen und diese Haare...
Seine Gedanken spielten noch mit wesentlich mehr Worten rum... hübsch, liebreizend, sexy, verführerisch, mysteriös, geheimnisvoll, toll...
„Woher weißt du bitte, wann ich Geburtstag habe?“
„Ups... ist mir wohl so rausgerutscht... nun, eigentlich sollte ich darüber nicht reden, ... sagen wir so... wir haben gewisse Akten, bei denen man das einsehen kann!“
„Ihr habt Akten über mich? Über jeden Zauberer und jede Hexe?“
„Hermine, lass uns bitte nicht darüber reden!“, meinte er mit leicht gequälter Stimme und sie ließ das Thema wie eine heiße Kartoffel fallen.
„Gut dann planen wir jetzt, was wir noch machen... wie wäre es, wenn wir Muggel spielen?“
Irritiert blickte James von seinem blauen Kaffee hoch, der eben vorbeigebracht worden war.
„Muggel spielen? Was soll ich mir bitte darunter vorstellen?“, fragte er und nippte an seiner Tasse. Komisch, er hatte irgendwie einen anderen Geschmack in Erinnerung, aber dieser war auch akzeptabel.
„Ganz einfach, ein Tag ohne zaubern verbringen. Wir werden nur mit Bus und Bahn fahren, keinen einzigen Zauberspruch benutzen (ja, da sie jetzt schon etwas länger 17 war, durfte sie auch außerhalb von Hogwarts zaubern) und vollkommen ohne weitere Magie auskommen. Wir werden gleich in die O´Connell Street gehen, etwas bummeln und heute Abend werde ich dir das Taylor´s Three Rock zeigen, nur dann muss ich vorher noch telefonieren und einen Tisch bestellen.“
„Hört sich verlockend an, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich noch ohne Magie auskomme, ich habe es einfach schon zu tief in mir, auch wenn meine Eltern Muggel waren!“
„Waren?“
„Ja... letztes Jahr sind sie bei einem Terroranschlag in Belfast ums Leben gekommen. Ich war, glaube ich, zwei Monate für nichts mehr zu gebrauchen, ich war einfach nur fertig!“
„Das tut mir leid!“, murmelte Hermine entschuldigend. Sie wusste, was Harry fühlte, sobald jemand dieses Thema anschnitt, warum musste sie auch immer so neugierig sein?
„Schon okay, ich bin drüber weg. ... Okay, wir werden heute ganz normale Muggel spielen! Aber du musst mir ein bisschen helfen, ich glaube, ich habe zum Teil vergessen, wie es ist ein Nichtzauberer zu sein!“
„Das versteht sich von selbst!“, lachte Hermine und trank den letzten Schluck blauen Kaffee. Lecker.
Mit Tüten belanden schleppten Hermine und James ihren Einkauf gerade hoch in Hermines Zimmer. Weil sie diverse Geschenke für ihre Familie und Schulfreunde gekauft hat, kam schon einiges zusammen.
Ihr Telefonat mit den Leuten von Taylor´s Three Rock hatte sie schon hinter sich gebracht und einen Tisch für acht Uhr abends bestellt.
Also hatten sie noch zwei Stunden, die sie mit anderen Dingen verbringen konnte. James hatte zwischendurch ziemliche Nervenzusammenbrüche, da Hermine immer mehr fand, was sie kaufen wollte und ihm damit noch mehr Gepäck verschaffte. Einmal wollte er auch einfach die Sachen ganz leicht zaubern, aber kurz vorher hatte Hermine ihn noch warnend angeschaut und ihn daran erinnert, dass sie einen Muggeltag verbringen wollten.
Unterwegs hatte er ihr mehrmals, soweit seine Hand frei war, seine Hand um ihre Taille gelegt. Zuerst hatte sie sich ziemlich erschrocken, doch nach weiteren zwei Malen hatte sie sich schon daran gewöhnt.
„Gott sei Dank gehörst du nicht zu den affektierten Mädchen, die nur der Klamotten willen shoppen gehen. Wenn ich da so an meine Schwester denke... ihr Tick für Mode ist kaum zu ertragen! Das es uns Jungs nicht im geringsten interessiert, wie teuer eure Klamotten sind... oder wie oft ihr sie wechselt... Hauptsache sie sind sauber und ihr stinkt nicht!“, erklärte er mit einem schelmischen Lächeln, als sie sich auf ihre Couch geworfen haben, nachdem sie die Taschen im Schlafbereich hingestellt hatte.
„Das sollte ich mal Lavender und Parvati erzählen! Jeden Tag haben sie irgendetwas neues an und man sieht das andere nie wieder. Ihre Haare sind immer vollgekleistert mit Haarspray, Spangen, Klammern, Glitzer und so weiter. Ich bekomme immer schon Würgreiz, wenn ich sie sehe... und rieche! Man merkt schon bei zwei Kilometer Entfernung, welche Parfüm sie heute benutzen.“
Das brachte James leicht zum Kichern.
„Parvati Patil? Die ist mir schon aufgefallen, als ich noch auf der Schule war, gleich am ersten Tag, mit ihrer Schwester, die ja zufällig in Ravenclaw... ihre Schwester war aber kein Deut besser.“
„Dazu kann ich nichts sagen, ich kenne nur Parvati, eine affektierte Person.“
Hermines ernstes Gesicht erinnerte sehr an Professor McGonagall, was wohl auch James aufgefallen war, er musste nämlich schon wieder lachen!
„James, wir sollten langsam los! Bis Bus und Bahn dauert das ganze etwas länger!“, unterbrach Hermine ihn und schaute dabei besorgt auf ihre Uhr.
„Hermine, lass uns doch einmal Magie benutzen und apparieren. Ich hasse die Muggelfahrzeuge.“
„Erinnere dich James, wenn du kein Zauberer wärest, so wie es meine Eltern sind und deine waren, dann müsstest du auch damit fahren, und zwar jeden Tag, also wird es ja wohl einen Tag nicht so schlimm sein! Außerdem ist das manchmal seehhhrr lustig! Wirklich! Und jetzt komm.“
Sie stand auf und zog den etwas muffeligen James auf seine Beine. Er schien aber plötzlich doch zuvorkommend zu sein und stand zum Teil selber auf, so dass er durch den Schwung Hermines fast gegen sie knallte. Ihre Gesichter kamen sich dadurch sehr Nahe. Einige Minuten blieben sie in dieser Position stehen und starrten sich gegenseitig in die Augen.
Als ihr die Uhr aber wieder einfiel riss sich Hermine aus seinem Blick los und öffnete die Tür ihres Zimmers.
„Kommst du?“, fragte sie mit einem strahlenden Lächeln und holte ihn damit in die Realität zurück. Sein schöner Tagtraum zerplatze, so dass er sich ein wenig über seine eigene Dummheit ärgerte. Er war so nah dran gewesen! Warum hat er nicht reagiert? Sie war nicht einmal zehn Zenzimeter von ihm entfernt gewesen! Verdammter. Mist.
Nein, eigentlich war es gut so. Sie war tabu, dass hatte ihm seine Chefin mehr als einmal gesagt.
„Lass sie noch so hübsch sein! Du hast nur an deinen Job, also ihre Sicherheit zu denken, verstanden?“, klang es noch in seinen Ohren, als er sich an seine unerschrockene Chefin erinnerte.
Das Taylor´s Three Rock war genau nach seinem Geschmack. Gutes Essen, geniale Musik und bezaubernde Gesellschaft, ein Mädchen, was mal nicht zwei Stunden im Bad gebraucht hat, um sich überhaupt zu trauen, mit ihm mitzukommen.
Sie waren schon zwei Stunden hier und die Atmosphäre war so toll, das er nicht vorhatte vorzeitig zu gehen. Morgen würde sein Dienst erst dann anfangen, wenn Hermine wach war, und da sie auch erst dann ins Bett kommen würde, wenn er ins Bett kam, war das nicht so problematisch.
Verdammt, er durfte sich nicht in sie verlieben! Das durfte er einfach nicht, Diana würde ihn killen. Nein, niemals in eine Person, die du schützen musst. Eigentlich müsste er ja Kunde sagen, aber da sie nichts von seinen Absichten wusste, wäre das ziemlich dreist.
„Willst du noch was trinken?“, erkundigte sie sich mit einem fröhlichen Lächeln.
„Ja, ein Guiness bitte!“, antwortete er ihr und sie bestellte.
Schon den ganzen Tag trug sie die ausgeblichene Jeans und dazu ein knallgrünes T-Shirt mit V-Ausschnitt. Verdammt, das sah sexy aus, gewaltig sogar, aber es war ihm erst jetzt aufgefallen.
Unsicher blickte er an sich runter und bemerkte die uralte Jeans, die drei Nummern zu groß war und nur von einem Gürtel gehindert wurde nicht hinunter zu rutschen. Es war eine Schwäche bei ihm, dafür wurde er sieben Jahre in der Schule gehänselt und am Anfang war die Hänseleien nicht freundlich gemeint gewesen, aber er liebte solche Hosen. Sein Pech. Das schwarze T-Shirt ohne Aufdruck machte es auch nicht gerade besser.
„Hier!“, sagte Hermine, als sie mit zwei Bieren wieder aufgetaucht war.
Erstaunte riss James seine Augen auf.
„Du trinkst Bier?“, wunderte er sich.
„Ja!? Ist das ein Verbrechen? Mag ja sein, das es für Mädchen nicht üblich ist, aber mit Cocktails, Irish Coffee und ähnlichem kann ich einfach nichts anfangen.“
Das wusste er nicht, wie auch, ihre letzten drei Getränke waren zwei Colas und eine Sprite.
Sie blieben noch bis Mitternacht dort, aber dann drängte Hermine auch zum Aufbruch. Ihr Drang frische Luft zu schnappen verleitete sie dazu einen nächtlichen Spaziergang zu unternehmen.
Arm in Arm, natürlich nur freundschaftlich, gingen sie so die Straße entlang. Kein Auto oder Mensch war mehr unterwegs, das genoss Hermine natürlich noch mehr. Ganz alleine. Sie und er.
Als Hermine am nächsten morgen aufwachte, brauchte sie erst einmal einen Augenblick, ehe sie sich erinnerte wo sie war und was in der letzten Nacht noch passiert war, obwohl sie höchstens leicht angetrunken war.
Vorsichtig richtete sie sich auf und spähte durch den Türspalt. Ja, da lag er noch. Sie hatte ihn gebeten die Nacht hier zu schlafen, an den Grund, den sie ihm gegeben hat erinnerte sie sich nicht, aber er schien wirkungsvoll gewesen zu sein.
Aber was war jetzt in der letzten Nacht passiert? Sie waren noch eine weitere Stunden spazieren gewesen, ehe sie einen Nachtbus genommen hatten, um in ihr Hotel zu fahren. Dort hatten sie noch eine Weile gequatscht, ehe sie ins Bett gegangen waren. Aber worüber haben sie gesprochen? Sie konnte sich weiß Gott nicht erinnern.
„`Mine?“, kam es Schlaftrunkend von der Couch und ein mit wirren Haaren bedeckter Kopf erschien. James erinnerte sie plötzlich sehr an Harry. Wie kam sie jetzt bitte auf Harry?
„Ja?“
„Wie spät?“
„Halb zwölf. Eigentlich können wir jetzt auch Mittag essen gehen.“
Erschöpft brach er wieder zusammen und sein Kopf verschwand wieder unter der Decke. Erst dachte sie, dass er glatt wieder eingeschlafen war, so wie Ron es manchmal tat – Herrgott! Warum spukten jetzt die ganze Zeit ihre besten Freunde in ihrem Kopf rum, einmal wollte sie auch von ihnen Ferien haben – aber nein, nach einigen Sekunden erhob er sich ganz und taperte in Boxershorts – Schrei! – ins Badezimmer.
Hermine schluckte, SO einen Körperbau hatte sie eigentlich nicht unter den übergroßen Klamotten nicht erwartet. Vielleicht, dass er einen kleinen Bauch hatte, oder total schlaksig war, so wie ihr Cousin, aber nein, Muskeln pur.
„Hermine!“, warnte sie eine kleine Stimme in ihrem Kopf, „hör einfach auf an so etwas zu denken und konzentriere dich auf deine Decke oder das Kissen. Es ist nicht gesund für dich in solchen Situationen zu stecken.“
Seufzend kramte sie ihre sieben Sachen zusammen und verschwand für rekordverdächtige zehn Minuten ins Badezimmer und kam heraus, als ob sie mindestens drei Stunden darin verbracht hätte.
„Toll siehst du aus!“, sagte er ihr, schaute sie dabei aber nicht an.
Missbilligend schaute sie an sich runter. Wenn er ihren Auftritt in der Hose von gestern und einer dreiviertelärmeligen Bluse in schwarz meinte... okay...
„Danke!“, antwortete sie fröhlich und lenkte ihn in Richtung Tür.
„Wir gehen jetzt Mittag essen. Frühstück werden wir hier nämlich nicht mehr bekommen!“, erklärte sie ihm und führte ihn in die O´Connell Street, in die sie zu Fuß gingen, so weit war sie ja auch nicht weg. Aber als sie dort ankamen hatte sich ihr Hunger noch um einiges dupliziert.
Auf einmal, ohne Vorwarnungen, fiel ihr das Buch ein, welches sie gestern noch soo spannend fand, das sie es erst gar nicht aus der Hand legen wollte. Es lag immer noch ungelesen in ihrem Zimmer, sie hatte nicht einmal angefangen.
„Ach, heute wirst du dich nicht um Schule kümmern! Die Ferien sind lang und du machst jeden verdammten Tag etwas, langsam reicht es auch mal!“, zischte ihre innere Stimme und beruhigte sie so ein wenig.
„Was möchtest du essen?“, erkundigte sich James und blickte interessiert von der Karte hoch.
„Meine Eltern haben mir Irish Stew empfohlen, ich glaube, ich versuche das mal!“
„Okay... das wäre eine Idee!“, gab James zu und vertiefte sich wieder in die Karte. Seine Haare fielen ihm mal wieder in die Augen. Verdammt! Hermine, sieh einfach nicht hin!
Um sich wirklich abzulenken, stütze sie ihren Kopf mit dem Arm und schaute sich interessiert die vorbeilaufenden Leute an.
Was sie nicht bemerkte waren die Blicke, die ihr James auf einmal zuwarf. Heute fielen ihr die Haare nicht ins Gesicht, weil sie diese locker hochgesteckt hatte, nur eine Strähne, die wohl zu kurz war, hing ihr in den schokoladenbraunen Augen, aber es machte sie nur noch verführerischer.
Wütend auf sich selbst, zwang er sich weg zu sehen und endlich die verdammte Karte zu lesen.
„Ich glaube, ich nehme das auch, die anderen Sachen sagen mir einfach nichts und auf Fish and Chips habe ich einfach keine Lust!“, meinte er schließlich und legte die braune Speisekarte geschlossen auf den Tisch. Beim Kellner bestellte er dann zwei Mal Irish Stew und zwei Mineralswasser.
Als sie schon kurz vorm Nachtisch waren, verdunkelte sich plötzlich der Himmel und es sah stark nach Regen aus, aber obwohl ein starker Wind aufkam und anscheinend auch die Luftfeuchtigkeit stieg, Regen kam nicht.
Verwundert schielte Hermine nach oben. Der Himmel war fast schwarz und die Bäume in der Umgebung fingen stark an zu schwanken. Die vielen Menschen auf den Straßen und Gehwegen verkrümelten sich schnell in die Geschäfte, Cafés und Restaurants. James und Hermine blieben sitzen.
Beide merkten, dass es hier nicht mit rechten Dingen vorging. Hermine entgegnete diesem Gefühl mit Neugier, James mit äußerster Vorsicht und einem leicht flauen Magen.
„Warum fängt es nicht an zu regnen?“, fragte Hermine mit unverhellter Neugier.
„Keine Ahnung, aber ich glaube, wir sollte mal langsam rein gehen!“, entgegnete er und zog Hermine mit der Hand von ihrem Stuhl.
Und dann kamen sie plötzlich. Dunkle Gestallten. Es waren keine Dementoren, schließlich würden sie dann mindestens doppelt so groß sein und schweben, aber angsteinflößend waren dieses mindestens genauso.
„Hermine?“, flüsterte James unsicher. Er stand zwar schon, aber seine Hand stützten seinen Körper, in dem sie sich an den Lehnen des Stuhls festhielten.
„Ja?“, fragte sie vorsichtig zurück. Sie stand ganz, ihre Hände am Tisch.
„Du musst mir ein versprechen! Lass mich niemals aus den Augen und folge mir einfach, okay?“
„Aber...“
„LAUF!“
So schnell, wie sich die nächsten Ereignisse anhäuften konnte Hermine gar nicht denken. Sie tat einfach, was ihr Kleinhirn ihr sagte: laufen! So schnell war sie seit Ewigkeiten nicht mehr gelaufen, aber es war gut so, denn die dunklen Gestalten waren sehr gut im Sprinten. Was wollten die überhaupt von ihr? Oder von James? War er ein Spion? Oder waren das nur welche, die sie von ihm weg haben wollten? Wer sagt denn bitte, dass James nicht doch ein paar dunkle Geheimnisse hat? Er redet nicht viel über sich, was sie darüber informieren könnte. Klar, er war lieb, nett, intelligent, lustig und einfach ein guter Kumpel. Aber trotzdem,...
Als sie bereits in der Dame Street angekommen waren und in ferne das Trinity College erkannten, erschlafften ihre Kräfte langsam. Sie fiel zurück und musste sich zwingen nicht aufzuhören. Doch noch eine weitere Minute und sie wurde von einer dunklen Hand gepackt und fiel fast rückwärts hin.
„James!“, konnte sie gerade noch schreien, ehe sie eine Hand auf ihrem Mund spürte. Sie war kalt und roch ekelerregend, so dass sie würgen musste.
„Hey! Lass sie los!“, schrie James plötzlich und zog seinen Zauberstab. Drohend richtete er sie auf die drei Gestallten, die in Umhänge gehüllt waren.
Zögernd wichen diese ein kleines Stück zurück.
„Zeigt eure Gesichter!“, befahl er wütend und kam noch zwei Schritte näher.
Die beide, die nicht Hermine unter ihrer Gewalt hatten zogen die Kapuzen von ihren Köpfen. Es waren keine geringeren als Crabb und Goyle senior.
„Und du? Wer bist du?“, forderte James und fuchtelte noch etwas dichter vor der dritten Person.
Damit Hermine nicht weglaufen konnte, schob die Person sie zu Crabb, damit er sich die Kapuze abnehmen konnte.
„Malfoy! Du bist so ein verdammter ...“, schrie Hermine los, während sie ohne Hand vorm Mund war, aber Crabb unterbrach ihren Schreianfall, in dem er ihr seine Hand vor den Mund legte. Daraufhin biss sie ihn kräftig in die Hand, sei sie noch so ekelhaft, aber er tat nichts, außer das Gesicht leicht schmerzhaft zu verziehen.
„Woher wussten sie bloß, Miss Granger? War das so offensichtlich? Nun ja, es ist schade, dass sie mich immer noch hassen, wenn ich sie gerade vor einem großen Fehler bewahrt habe! Dieser Mann will nichts gutes von dir! Er gehört zur bösen, kriegerischen Seite. Komm mit uns, und dir wird nichts geschehen!“, erklärte Malfoy mit einem süffisanten Lächeln.
Damit sie antworten konnte wurde ihr die Hand vom Mund genommen.
„Aber sie, oder was? Ich gebe zu, ich weiß überhaupt nichts über James, aber ich weiß immerhin, dass ich nichts mit Todessern zu tun haben will! Ich werde nicht mit ihnen mit kommen, zumindest nicht freiwillig!“, schrie sie und verstummte darauf sofort wieder, weil Crabb, der den Lärm wohl nicht ertrug, ihr schnell wieder den Mund verbot.
„Ich sage euch, wenn ihr sie nicht sofort loslasst, dann werdet ihr das noch bitter bereuen!“, mischte sich James wieder ein und brachte die Todesser damit in schallendes Gelächter auszubrechen.
„Was willst du kleiner Zwerg eigentlich?“, erkundigte Malfoy sich, wobei er wahrscheinlich nicht auf James Größe anspielte, da ER in diesem Falle der Zwerg wäre, sondern wohl eher auf sein Alter.
„Perfiticus totalus!“, schrie James in seine Richtung und Malfoy erstarrte sofort zu Stein. Da er aber Crabb und Goyle senior damit ziemlich verärgert hatte, zückte nun auch Goyle den Zauberstab, da Crabb wegen Hermine nicht konnte, und öffnete seine Lippen schon, um einen Fluch, vielleicht sogar den tödlichen Fluch, auszusprechen, aber James war schneller.
„Laps mutatus!“, schrie er diesmal und verwandelte Goyle so in einen riesigen Stein.
Zornentbrannt, da seine beiden Gefährten duellier unfähig waren, schubste Crabb senior Hermine von sich weg und holte seinen Zauberstab heraus.
„Avada Ked...“
„Vinculum veni!“, schrie Hermine, die ebenfalls ihren Zauberstab gezogen hatte, aber wohl schneller war.
Erleichtert ließ James den Zauberstab sinken.
„Gott sei Dank! Und jetzt lass uns verschwinden. Schnell in dein Hotelzimmer!“, erklärte er und verschwand mit einem leisen Puff ins nichts. Kurz danach folgte Hermine ihm und so ließen sie einen Stein, einen erstarrten und einen gefesselten Todesser zurück.
„Was war das denn eben?“, fragte Hermine, sobald sie neben ihrem Bett, genau da, wo sie hinwollte, gelandet war.
„Todesser, wie du anscheinend schon weißt, sonst hättest du den einen nicht beim Namen gewusst. Übrigen noch mal ein danke. Ohne dich wäre ich jetzt im grünen Licht verstorben.“
„Keine Ursache. Aber warum waren sie hinter uns her? Wieso wollten sie mich? Und warum sind wir erst jetzt appariert und nicht gleich am Anfang?“
Ein leichtes Lächeln huschte über James Gesicht.
„Das sind viele Fragen auf einmal, Miss Granger, und ich darf sie auch nicht alle so detailliert beantworten, wie du es bestimmt gerne wolltest, aber ich werde mein bestes tun.
Also, ja, sie waren nur hinter dir her, da sie dich für Harry Potter und Dumbledore als Köder brauchen. Weshalb sie gerade dich ausgesucht haben weiß ich nicht, ich bin als eine Art Bodyguard für dich eingestellt worden. Und apparieren konnten wir erst jetzt, weil sie uns trotzdem hätten folgen können, wenn wir es getan hätten. Voldemorts Untergebenen haben einen Zauber herausgefunden, mit dem man den Standort von jemanden finden kann, auch wenn er sonst wo hingegangen ist, aber nur die ersten drei Minuten nach dem Verschwinden, danach muss man wohl mit einem normalen Ortungszauber arbeiten und der wirkt glücklicherweise auf dieses Hotel nicht, da Dumbledore dafür gesorgt hat, das es unter einem Zauber steht, welcher das Gebäude vor Angriffe schützt.“
„Und weiter?“
„Weiteres darf ich dir leider nicht erzählen. Du kennst meine Chefin nicht. Sie hat mich sogar einen Eid ablegen lassen, damit ich nicht das geringste sage, und du müsstest wissen, dass man unter einem gewaltigen Fluch steht, wenn man ihn bricht. Meistens endet er mit dem Tod, wenn er nicht rechtzeitig von der Eidabnehmerperson aufgehoben wird.“
Stumm nickte Hermine, eigentlich nur, um ihr Verstehen zu zeigen. James war und bleibt ein Geheimnis. Wie lange würde es dauern, bis sie es doch herausfinden würde?“
„Und bin ich jetzt noch weiter in Gefahr? Muss ich irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen treffen oder bleibt alles so, wie es war?“
Keine Antwort.
„James? Könntest du mir bitte eine Antwort geben? Ich warte!“
„Hermine, ich weiß es nicht. Eigentlich müsste ich dich jetzt zu deinem eigenen Schutz hier einsperren und nicht mehr raus lassen, aber du und ich, wir wissen, dass wir dabei beide verrückt werden würden. Sei du noch so ein großer Bücherwurm, ohne Freiheit würdest du irre werden!“
Sie machte sich gar nicht erst die Mühe nachzufragen, woher er es wusste, wahrscheinlich stand das auch in dieser mysteriösen Akte.
Still setzte sie sich auf das Sofa und starrte auf den Tisch, ohne an überhaupt irgendetwas denken zu wollen. Erst ein klopfen an der Tür riss sie aus ihren schwarzen Tagträumen.
„Wer das wohl ist?“, fragte sie unsicher in James Richtung, der auch nur unwissend die schulternd zuckte. Schließlich erbarmte er sich dann aber doch und öffnete die Tür.
Beide hatten mit jedem gerechnet, einem Hotelbediensteten, ein Zimmernachbar, sogar mit Voldemort oder einen seiner Todesser, aber nicht mit ihm.
„Professor Dumbledore?“, rief Hermine total erstaunt aus und sprang hektisch vom Sofa hoch, die Überraschung legte sich auch nach mehreren Minuten den Schweigens nicht von ihrem Gesicht.
„Ja“, sagte er schließlich und kam hinein, hinter ihm schloss James die Tür.
„Ich bin wirklich froh sie hier zu sehen, aber mit ihnen hatte ich eigentlich gar nicht gerechnet, Mister Glover! Sie sollte doch mit ihrer Einsatztruppe in Ägypten sein, dass hat mir zumindest Bill Weasley berichtet“, ergänzte er noch und nach dem zustimmenden Nicken Hermines, ließ sich der Schulleiter in einen Sessel fallen. James lehnte sich gegen die wand und verschränkte seine Arme, Hermine saß wieder auf dem Sofa.
„Ja, eigentlich. Aber in letzter Minute vertauschte Mrs. Bradley noch die Posten von Pierre und mir. Also ist er jetzt in Ägypten und führt statt meiner die Truppe.
„Ach so, nun ja, Miss Granger ist in ernster Gefahr und sollte nicht weiter in Dublin bleiben. Hier wird jetzt jedes Hotel, jede Jugendherberge oder sonstige Pension untersucht und früher oder später werden sie euch finden!“
„Und wo soll ich bitte hin? Nach Afrika, oder was?“, fragte Hermine aufgebracht, weshalb sie so in Rage war, wusste sie selber nicht genau.
„Nein, ich denke, wenn du erst mal an die Westküste ziehen würdest, wären die Gefolgsleute von Voldemort fürs erste genug beschäftigt“, sagte Dumbledore mit einem amüsierten Lächeln. Was zwei Tage mit einem Menschen wie James ausmachten..., unglaublich. Hermine hatte sich in eine freiheitsliebende, temperamentvolle Person verwandelt. Oder war sie es schon vorher, nur dass es nie jemand bemerkt hatte?
„Und dort finden sie uns nicht?“, wunderte sich Hermine erstaunt und schaute hoch.
„Naja, etwas Verwirrung müssen wir schon stiften. Sie werden einen gewaltigen Umweg machen, und dann in zwei Woche in Kilkee landen. Ich hoffe, dass Voldemorts Anhänger bis dahin den Überblick verloren haben. Die restliche Zeit bleiben sie dann dort. James wird sie begleiten.“
„Ungern. Meine Eltern wissen nichts davon und ich habe ehrlich gesagt schon meine Bedenken. James ist ja echt lieb und so – sie schenkte ihm einen flüchtigen Blick – aber ich weiß nichts über ihn und soll über drei Wochen mit ihm verbringen?“
„Hermine, zu Hause bist du auch nicht besser aufgehoben und James kann man hundertprozentig trauen. Wirst du mit ihm gehen?“
„Was wäre, wenn ich mich weigere?“
„Dann kommst du nach Hogwarts und wirst dort die restlichen Ferien verbringen!“, bestimmte Dumbledore entschieden. Er wusste, dass sie das nicht mitmachen würde, so sehr sie Hogwarts auch liebte.
„Was? Okay, ich werde eine Irrfahrt nach Kilkee, einem kleinen Kaff, mitmachen, aber irgendwann möchte ich die volle Wahrheit kennen lernen!“
„Versprochen!“, kam es aus zwei Mündern gleichzeitig.
Nach einer weiteren zwanzigminütigen Konservation verschwand Dumbledore wieder und ließ James und Hermine zurück.
„Wir werden morgen also starten?“, erkundigt sie sich noch mal zur Nachfrage und machte dabei ein trauriges Gesicht.
„Ja, ich befürchte schon. Ich weiß, dass dir Dublin sehr am Herzen liegt, aber es wird ein zweites Mal geben und jetzt ist erst einmal deine Sicherheit wichtiger.“
Erschöpft vom ereignisreichen Tag schlief sie sehr bald auf der Couch ein, auf der sie beide wegen einer heftigen Diskussion über Lehrmethoden gesessen hatten. Da seine Schulter als Kopfkissen herhalten musste und er es nicht übers Herz brachte sie zu wecken, indem er aufstand, blieb er seufzend sitzend und machte es sich so bequem wie möglich. Hin und wieder fiel aber sein Blick auf ihr entspanntes Gesicht. Ihre Haare hangen in ihrem Gesicht wirr durcheinander, da sich ihre Frisur vollkommen gelöst hatte.
Nervös schaute er immer wieder weg, doch lange hielt er seinem Vorsatz nicht stand, sondern betrachtete wieder eingehend ihr Gesicht und mussten sich eingestehen, dass sie sehr hübsch war, wenn auch nicht perfekt.
Erst in den morgen Stunden schlief er ein, vorher wollte einfach sein Kopf nicht. Sein Kopf muss irgendwie auf ihren gefallen sein, denn sonst wäre sie wohl nicht um halb vier wach geworden. Irritiert brauchte sie einige Minuten, ehe sie begriff, wo sie war. Lächelnd bewegte sie sich nicht, sondern lauschte den geheimnisvollen Atemgeräuschen von James. Obwohl sie nicht gleichmäßig waren, beruhigten sie sie und so schlief sie bald wieder ein.
Am nächsten morgen hatte sie das unschuldige Gebilde, Kopf an Kopf schlummern, zu einem chaotischen Zustand entwickelt. Halb verknotet verbrachten sie einige Zeit damit, sich zu entwirren und sich dann verschmitzt „Guten Morgen“ zu wünschen.
Zuerst ging sie ins Bad, packte dann ihre Sachen, während er im Bad war, zusammen frühstückten sie, dann kündigte sie und verließ etwas traurig mit James an ihrer Seite die Stadt.
Nächstes Ziel: Sligo. Sie würden mit einem billigen Flug hinreisen, da es die günstigste, schnellste und praktische Möglichkeit war. Apparieren konnten sie nicht, da Hermine sich nicht auf waghalsige Beschreibungen einlassen wollte, wie es dort aussehen könnte, damit sie wusste, wie sie hinkam.
Sie würden nicht lange dort bleiben, sonder am nächsten Tag einen Flug nach Cork nehmen. Schon jetzt hatte Hermine keine Lust mehr. Versteckspielen oder flüchten war nicht ihr Ding, sie stellte sich lieber gleich. Aber natürlich war ihr klar, dass sie damit ihr Testament machen würde.
Sie nahmen sich eine Ferienwohnung etwas außerhalb von Cork, wo sie fünf Tage wohnen würden, auf keinen Fall länger.
Das Haus hatte nur ein Schlafzimmer, so dass James anbot im Wohnzimmer auf der Couch zu schlafen.
Kritisch betrachtete sie das beige Ding, was sich Couch nannte. Dann betrachtete sie die Größe von James und schüttelte bestimmend den Kopf.
„Wie sind keine kleinen Kinder, James. Das Bett im Schlafzimmer ist riesig, wir werden wohl beide darin Platz finden!“
Verschmitzt lächelnd zuckte er gleichgültig die Schultern und brachte die beiden Reisetaschen in das hintere Zimmer, während sie sich über die Tüte Einkäufe hermachte, die sie vorher in Cork gemacht hatten. Von irgendetwas mussten sie ja leben!
„Hast du Hunger?“, erkundigte sie sich, als er wieder zurück kam.
„Riesigen.“
„Dann koche ich mal etwas... Nudeln?“
„Mir egal, ich werde alles essen, was du kochst!“, fügte er hinzu und lächelte ihr dreist ins Gesicht.
Schmunzelnd suchte sie nach passenden Kochtöpfen und bereitete in nicht einmal einer halben Stunde ein herrliches Mittagessen zu.
„Lecker!“, bestätigte er, als sie fertig waren und räumte freiwillig den Tisch ab und wusch per Zauberhand das Geschirr ab.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du freiwillig den Tisch abräumst!“, lachte sie und wischte mit einem Lappen, ohne Zauberstab, den Tisch ab.
„Wieso?“
„Weiß nicht, irgendwie hattest du mir kurzzeitig das Gefühl gegeben, dass du nicht von Hausarbeit wissen willst!“
„Tja, dann hast du dich wohl geirrt, allerdings wirst du mich wohl wirklich nie vor einem Herd finden. Ich kann ja viel, aber wenn jemand mein selbstgekochtes Essen probieren müsste, würde ich vorher alles an Gegengiften und Übelkeitsmedikamenten besorgen, damit ich gleich danach Schadenbeseitigung betreiben kann!“
Ein unbeschwertes Kichern von Hermine brachte ihn auch zum Grinsen, obwohl er eigentlich so tun wollte, als ob er wegen ihrer Beleidigung eingeschnappt war.
„James!“, unterbrach sie plötzlich ihr Kichern mit einer ernsten Stimme.
„Werden wir heute wieder nicht das Haus verlassen können?“
„Ich befürchte nein, Hermine!“
„Mal im Ernst, dann kann ich auch genauso meine Ferien in Hogwarts verbringen, da kann ich wenigstens gelegentlich noch an die frische Luft!“
„Mag sein, aber willst du deine Ferien AUCH noch da verbringen? Ich weiß ja, wie sehr du die Schule liebst, aber das wirst du auch nicht mitmachen wollen.“
Mit einem leicht gequälten Gesichtsausdruck ließ sie sich auf einen Stuhl nieder, seufzte und vergrub ihr Gesicht in ihre Arme, weinte aber nicht.
Hilflos stand James daneben und wusste einfach überhaupt nicht, was er tun sollte. Schließlich setzte er sich neben sie und streichelte leicht ihren Arm.
„Das ist so unfair! Sie wollen mich doch nur benutzen, oder? Um Harrys Versteck zu finden. Ich bitte dich, es ist ja nicht einmal ein Versteck. Er lebt in den Sommerferien immer bei seinen durchgeknallten Verwandten. Selbst Muggel kommen dahin, ohne einen Zauber benutzen zu müssen. Dann braucht man mich ja wohl nicht als Köder. Weshalb haben die Todesser also ein Problem damit?“
Erschrocken schwieg sie, als sie merkte, was sie a gerade gesagt hatte.
„Ähm... ich meine,... das ist natürlich gut, dass sie das nicht wissen, aber trotzdem. Was wollen sie überhaupt von ihm?“
Bis zum heutigen Tage hatte Harry seinen beiden Freunden nicht gesagt, was in der Prophezeiung stand. Daher konnte Hermine ja nicht wissen, das Voldemort im Prinzip nur aus seinem eigenen Schutz nach Harry suchte um ihn zu töten, bevor dieser dasselbe mit Voldemort tat.
Im Gegensatz zu Hermine wusste James von der Prophezeiung, und so sehr Hermine ihm auch ans Herz gewachsen war, gegen Harry hatte er immer noch den gleichen Hass, der ihm eingeimpft worden war. Und trotzdem stand seine Loyalität genau zwischen Dumbledore und dem dunklen Lord. Es missfiel ihm gewaltig, dass er so war, aber er war jetzt nun einmal hineingerutscht und Ende der Geschichte.
„Wir können ja Karten spielen!“, schlug er plötzlich vor, um schnell seine Gedanken zu vertreiben und sie abzulenken.
„Okay...“,stimmte sie murmelnd zu und kramte aus ihrer Reisetasche eine Rommeeblatt heraus.
Sie spielten drei geschlagene Stunden Rommee, bis sie keine Lust mehr hatte und sich beide ein Buch schnappten, um ein wenig zu lesen.
Endlich konnte sie das Buch „Codex des Winters“ anfangen. Schon als sie die Einleitung verschlungen hatte, war sie praktisch nicht weiter ansprechbar.
Ungefähr in der Mitte des Wälzers, stieß sie auf merkwürdige Skizzen, die wie ein Spiegel, ein Schlüssel, ein Buch, eine Standuhr und eine Feder, allesamt eingeschneit, aussah.
Den Text dazu, der sich über eine halbe Seite in winziger Schrift zog, verstand sie erst, als sie ihn dreimal gelesen hatte. Die Textstelle war auf Alte Runen geschrieben und deshalb musste sie erst ihr Gedächtnis nach den richtigen Vokabeln erforschen.
Übersetzt klang er ungefähr so:
Auf fünf Plätzen der Erde sind
die fünf Heiligtümer verborgen. Allerdings nur nach einer These des weisen
Methaphormes. Niemand hat sie je gefunden, aber Abbildungen und Hinweise findet
man in vielen Kulturen. Viele Geheimverbände verloren wichtige Mitglieder, die
auf der Suche verschollen waren.
Unter ihnen war auch Irenäus
Fjodor Stanislaus Uz, der zu den Oberhäuptern des Überwachungsausschusses aller
Verbände gehörte. Einzig ein letzter Brief wurde von ihm gefunden, der den Weg
nach Kilkee, einem kleinen, unbedeutenden Dorf Irlands, beschrieb. Dort soll
sich angeblich der Spiegel der Umkehrung befinden, gefunden wurde er aber nie,
so oft das Dorf auch durchkämmt wurde.
Ähnliche Wegbeschreibungen
wurden in der ganzen Welt in geheimen Briefen gefunden.
Wenn man allen Hinweisen
Glauben schenkt, und das liegt nahe, da sie alle zusammen passen, dann
ist auf jeden Kontinent, je auf einer Insel in einem kleinen Städtchen ein
Heiligtum verborgen.
Zum einem in Europa scheint es
das Dorf Kilkee in Irland zu sein. An
einem Hügel, im Keller eines Häuschens. Theoretische Karten bitte aus Seite
782ff nachschlagen.
In Afrika ist es Toliara auf
Madagaskar. In einer Holzhütte, so schrieb J. K. Lessingson, soll sich hinter
einem Wandteppich ein modrig riechender Gang befinden, der zur Feder des
Wissens führen soll. Der ganze Ort wurde sechs mal durchsucht, keine Hütte
entsprach den Vorgaben.
Ähnlich geht es mit
Australien, Amerika und Asien weiter. Auf Haiti in Gonaîves soll in einem Grab
statt eines Sarges eine Standuhr vergraben sein, die Uhr der allmächtigen Zeit.
Das Buch des Wissens soll in
Negombo, Sri Lanka, einer asiatischen Insel, liegen.
Der Schlüssel zur Macht soll in Australien auf Tasmanien
in der kleinen Stadt Hobart versteckt in einer silbernen Truhe sein.
Der Ursprung der Winterheiligtümer war in Ägypten, wo die
Forschungen durch Sinuhe, einem magischen Heiler begannen.
Es ist bekannt, dass die Orte, an denen sie versteckt
sind, einer Temperatur von minus 20°C ausgesetzt sind. Diese Schlussfolgerung
kam, als ein Werk einer unbekannten Autorin erschein, die angeblich alle
Heiligtümer gesehen hat, kennen tat sie niemand und gefunden wurde sie auch
nicht.
So häufen sich die mysteriösen Zufälle und auf die Lösung kommt keine Menschenseele...
„James?“, unterbrach sie ihren Lesefluss, hob aber nicht den Blick.
„Ja?“, kam es auf gleiche Weise zurück.
„Wollten wir nicht nach Kilkee?“
„Ja? Wieso fragst du? Du weißt, dass wir erst fünf Tage hier bleiben, dann zwei Tage in Galway verbringen und erst dann in Kilkee für die restlichen Ferien bleiben?“
„Ja. Nur, ich habe hier was interessantes über Kilkee gefunden und dachte... wenn wir sonst nichts zu tun haben?“
„Und was ist das?“
„Wenn du Alte Runen beherrscht, dann ließ selbst!“
Sie reichte ihm das Buch und lehnte sich in den Sessel, in dem sie saß, zurück, während er stirnrunzelnd sie Zeilen las. Er schein die Sprache recht gut zu beherrschen, denn nach einmaligem lesen hob er schon den Kopf und sah Hermine ratlos an.
„Hermine, seit drei Jahren suche ich schon nach einem ähnlich zusammenfassenden Text, wieso musst gerade du ihn finden?“
„Wieso hast du so was gesucht? Mir sagt der text so gut wie gar nichts und ich lese recht viel, so dass ich erwarte, wenigstens etwas in der art schon mal vorgefunden zu haben.“
„Die fünf Heiligtümer wirst du in keinem erhältlichem Buch finden. Ich bin auf sie, bzw. über Informationen über sie, in Ägypten bei Ausgrabungen gestolpert.
Die Uhr der allmächtigen Zeit könnte mir helfen meinen...“, er brach ab.
Wollte er es ihr wirklich sagen? Dass sein bester Freund von einer dunklen Bestie, die Voldemorts gefährlichster Rivale war, persönlich umgebracht worden war? Wenn ja, dann müsste er vielleicht auch von der unangenehmen Tatsache berichten, dass er DIESER Person diente? Nein, das eine verlangte nicht gleich das andere.
„Mein bester Freund starb vor drei Jahren. Nach Percy Weasley war er der beste unseres Jahrgangs. Der dunkle Lord brachte ihn persönlich um.“
„Der dunkle Lord? Voldemort? Verdammt, das tut mir leid. Und mit dieser...“
Er unterbrach sie barsch mit einer dominanten Bewegung mit der Hand. Er hatte vergessen, das der dunkle Lord für sie Voldemort war. Nein, der dunkle Lord, von dem er sprach, war ein schwarzer Mann ohne Namen. Der Beinname „dunkler“ kam zum Teil durch seine Grausamkeit, aber auch wegen seiner Hautfarbe, zustande.
„Es ist nicht Voldemort gewesen, Voldemort ist gegen diese Bestie ein Nichts. Nein, der dunkle Lord hat keinen anderen Namen. Er hat zwar den gleichen Groll auf Dumbledore und ähnlich grausame Attacken gegen Muggel gestartet, allerdings ist dieser Schwarzmagier ein Reinblut und ist nicht wie Voldemort ein Halbblut.
Und er will nicht nur die Weltherrschaft, er arbeitete gegen Voldemort und alle anderen Schwarzmagier, die nicht ihm dienen.“
Die Sprachlosigkeit Hermines stand deutlich auf ihrem Gesicht. Es dauerte einige Minuten, ehe sie sich räuspern und was sagen konnte.
„Es gibt noch so einen Irren?“
„Ja, und er will Harry Potter auf seine Seite holen, weil er der einzige ist, der, wie es in der Prophezeiung stand, Voldemort umbringen kann.“
„Welche Prophezeiung?“
„Hat dein bester Freund dir nichts davon erzählt? So viel ich weiß, hatte ihr leichte Bekanntschaft im fünften Jahr mit ihr. Sie sagte vor ungefähr achtzehn Jahren, das ein Junge, dessen Eltern schon dreimal dem dunklen Lord, in diesem Fall Voldemort, entkamen, Voldemorts schlimmste Gefahr sein wird.
In Frage kam der Sohn der Longbottoms und der Junge der Potters. Voldemort wählte Harry und unterschrieb damit sein Todesurteil.“
„Und was ist, wenn es Neville gewesen wäre?“, fragte Hermine durcheinander, verwarf aber den Gedanken sofort wieder, da Neville nicht die Eigenschaften dafür zu besitzen schien.
„Die Prophezeiung war so formuliert, das Voldemort seinen ebenbürtigen Gegner wählen würde...frag mich nicht, ich habe sie nur durch Erzählungen gehört.“
„Nein, Harry hatte es mir wirklich nie erzählt. Und dein Freund wurde von diesem anderen dunklen Lord umgebracht?“
„Ja, und mit der Uhr der allmächtigen Zeit,...“
„... könntest du es rückgängig machen?“
„Ja. So steht es geschrieben.“
„Bist du sicher? Ich hatte in der dritten Klasse einen Zeitumkehrer. Vorher musste ich einen fünf Meter hohen Stapel Formulare ausfüllen, in denen ich beschwor, es niemanden zu erzählen, wenn ich reise niemanden zu treffen, den ich in der zeit mit meinem anderen Ich über den Weg gelaufen bin und auf keinen fall was zu ändern. Auf jedem Formular stand mindestens sechs mal: Niemand darf sie sehen!“
„Mit der Uhr ist es anders.“
„Woher willst du das wissen?“
„Wenn man meinen Unterlagen trauen kann, und davon gehe ich aus, dann st es halt so!“
Er stand abrupt auf und ging in der Stube auf und ab.
„James, wir sollten ins Bett gehen. Es ist bereits ein Uhr morgens und ich bin ein Mensch, der immer früh auswacht und wenn ich dann nur ein paar Stunden geschlafen habe, bin ich unausstehlich!“
„Es ist ein Uhr morgens?“, wiederholte James völlig ungläubig und starrte auf die Küchenuhr. Sein Herz machte einen erschreckenden Aussetzer und der Herzinfarkt war nicht mehr weit weg.
„Wir haben SO lange gelesen? Das ist ja nicht zu fassen. Nicht mal Abendbrot haben wir gegessen!“
„Ich weiß. Willst du erst ins Bad oder...“
„Geh du mal zuerst, ich schmier mir noch ne Scheibe Brot, sonst kann ich gar niht schlafen.“
Kopfschüttelnd und etwas verwirrt ging Hermine in das kleine, orange Bad, um sich zu waschen, die Zähne zu putzen und ihre haare zu kämmen.
Als sie fertig war, ging sie etwas verträumt durch die Badezimmertür und lief prompt in James hinein.
Sie hatte nur noch in Top und eine Schlafanzugshose an. Als James mit seinen Händen ihre Arme berührte, bekam sie eine angenehme Gänsehaut und blickte langsam nach oben.
Seine Augen leuchteten ungewöhnlich hell und vom durchdringenden blau war fast nichts mehr zu sehen.
Ein Schauer lief über ihren Rücken und verstärkte die Gänsehaut um mindestens ein doppeltes. Nachdem er sie nach fünf Minuten immer noch nicht losgelassen hatte, entzog sie sich ihm langsam und verschwand in das Zimmer, in dem das Doppelbett stand.
Zehn Minuten später kam er dazu und kroch unter die zweite Decke, gesprochen wurde kein weiteres Wort.
Jeder war mit seinen eigenen Gedanken zugange. Hermine fragte sich, weshalb James nach der Beendigung ihres Gesprächs so komisch gewesen war, James dagegen war mit der Textstelle und ihrer Bedeutung beschäftigt. Mit dem Spiegel der Umkehrung konnte er zwar nichts anfangen, aber er würde ihm vielleicht bei der Suche nach der Uhr helfen.
©2005-Janine Wenzel