Zeitschleife

 

Anmerkung: Erst einmal Achtung – FanFiction.

Diese Geschichte entstand auf der Grundidee J.K. Rowlings. Klar, viele Personen sind auch auf meinem Mist gewachsen und wenn ich sie irgendwo wiederfinde, werde ich davon nicht begeistert sein, aber da mir nichts dergleichen wirklich gehört und ich auch kein Geld damit verdiene, kann ich keine Rechtlichen Schritte dagegen eingehen. Aber fragt vorher, okay?

Zum Inhalt: Ganz ehrlich, wenn ich jetzt versuche irgendwie zusammenfassend eine Inhaltsangabe zu machen, werde ich mich bestimmt verhaspeln. Diese FF ist etwas verwirrender und ich würde euch womöglich irgendetwas vorneweg nehmen.

Pairings: HG/RW; GW/DT; DM /FM; HP/RT

FSK: mindestens 15! Hehe, hält sich eh keiner dran... ;D

Kapitel 1:  Verwirrung

Mit wehender Robe schritt Minerva McGonagall, seit sechs Jahren Schulleiterin von Hogwarts, hastig den Gang zum Schulleiter Büro entlang. Ungeduldig versuchte sie die Tür zu öffnen, aber ihre Hände waren so schwitzig, dass es ihr erst beim vierten Versuch gelang. Nachdem sie die Tür wieder geschlossen hatte eilte sie zu ihrem Kamin rüber und warf schnell eine Handvoll Flohpulver hinein.

„Tiergarten – Hogsmade!“, rief sie und stieg schon wenige Sekunden später durch den Kamin der Familie Weasley.

„Minerva! Du siehst ziemlich abgehetzt aus! Möchtest du Tee?“, begrüßte Hermine Weasley ihre ehemalige Lehrerin überrascht.

„Nein, nein! Danke! Hermine, wir müssen reden!“, entgegnete diese aber.

„Gut, dann lass uns in die Stube gehen!“, antwortete Hermine, immer irritierter.

Als sie Minerva in die Stube geführt hatte und sich beide Frauen gesetzt hatten, fing die gestresste Schulleiterin auch gleich an ihre Sorgen zu überbringen.

„Ich habe eben vom Ministerium die Liste der muggelgeborenen Hexen und Zauberer bekommen. Als ich beim vorletzten Namen angekommen bin, ist mir fast das Herz stehen geblieben! Ich kann es immer noch nicht glauben, aber ein Fehler ist ausgeschlossen. Es gibt wieder einen elfjährigen Harry Potter!“

Das Lächeln Hermine erstarrte augenblicklich. Das konnte nicht sein. Harry Potter, ihr bester Freund, ist vor achtzehn Jahren spurlos verschwunden, nachdem er Voldemort vernichtet hatte. Man fand zwar nie seine Leiche, aber er blieb verschwunden. Seitdem war sie jedes Jahr aufs neue auf der Suche nach ihm gewesen, bis sie es vor sechs Jahren entgültig aufgegeben hatte und akzeptierte, dass er nicht mehr da war.

Aber es konnte doch nicht sein. Es war unmöglich. Es –

„Minerva! Das. Kann. Nicht. Sein!“

„Ich weiß, aber es ist trotzdem real. Er wohnt in Surrey, Ligusterweg 4, wieder bei Tante und Onkel, wieder unter der Treppe, im Schrank und er hat wieder keine Ahnung. Ob die Narbe existiert weiß ich allerdings nicht!“

„Bekommt er die Briefe nicht?“

„Ja. Wir haben bereits dreißig verschickt, in den letzten vier Wochen, ich befürchte, dass wir wieder jemanden zu ihm schicken müssen, um ihn da raus zu holen.“

„Hagrid?“

„Er weiß noch nichts davon, aber eigentlich hatte ich vor ihm noch nicht so zeitig darüber zu informieren, seine Knie machen ihm wieder zu schaffen und ich bezweifle, dass er noch lange den Wildhüter machen kann, aber ich kann ihn nicht feuern, es tat schon so weh, ihm den Lehrerposten wegnehmen zu müssen, erst recht, nachdem er sich so reingearbeitet hat, aber sein Körper macht das einfach nicht mit.“

„Also, wen wirst du dann diesmal hinschicken? Und wirst du ihn bei den Dursleys lassen? Ich verstehe ja, dass das vor 34 Jahren sein musste, aber Voldemort ist seit Ewigkeiten weg, so, dass der Schutz eh egal ist!“

„Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht, erst mal musste ich mit jemanden reden, der weiß, wieso ich so durcheinander bin.“

„Wenn du willst, dann kann ich gehen, oder Ron -“

„Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Aber glaubst du nicht, dass es doch irgendwie... naja, etwas komisch für euch sein würde? Ihr habt ihn immerhin als Kind gekannt, ihr seit mit ihm aufgewachsen. Oje, ich will gar nicht darüber nachdenken, wie Gineva reagiert! Wenigstens unterrichtet sie ein Fach, was noch irrelevant für Harry ist. Alte Runen kommt erst in der dritten dran.“

„Ich weiß nicht wie sie reagieren wird, wahrscheinlich erst einmal genauso geschockt, wie ich. Was Ron wohl machen wird? Er müsste jeden Augenblick zu Hause sein, hoffentlich schlägt er nicht wieder irgendetwas kaputt, so wie, als Mina uns gestanden hat, dass sie die Bowtruckles hat laufen lassen.“

Das Gesicht von McGonagall änderte schlagartig seine Farbe von erschrockenem rot zu erschrockenem weiß.

„Was? Die Bowtruckles sind weg?“

„Minerva, das war vor zwei Jahren, aber es war der einzige Augenblick in meinem Leben, wo ich Ron so habe ausrasten sehen. Mit Charleys und Samanthas Hilfe, zufällig waren sie gerade zu Besuch, hatten wir sie aber drei Stunden später wieder eingefangen.“

Erleichtert atmete Minerva wieder auf.

„Mach das nie wieder mit mir! So etwas verkraftet mein Herz nicht mehr!“, lachte sie.

„Mammi! Mammi! Matthias hat meine Puppe angemalt! Und die Farbe geht nicht mehr ab!“, rief plötzlich ein sieben Jahre altes Mädchen mit rotgoldenen Locken, das in die Stube gerannt kam. Mit eingezogenem Kopf folgte ihr ein Junge mit braunen Locken, seine dunklen Augen konnte man nicht sehen, da sie beschämend auf den Boden gerichtet waren.

„Mina, was ist passiert?“, fragte Hermine etwas verwirrt, da sie durch den Enthusiasmus des Kindes die Frage nicht wirklich verstanden hatte.

„Ich sage doch! Matthias hat meine Puppe angemalt!“, rief sie noch einmal, während sie eine Puppe mit goldenem Haar entrüstet hochhielt. Das Gesicht war mit roten und blauen Punkten übersäht.

„Matthias! Kannst du mir bitte noch einmal sagen, wie alt du genau bist?“, erkundigte sich Hermine mit gespielter Strenge, in Wirklichkeit musste sie sich aber bitter das Lachen verkneifen. Der Schock von Harry Potter war kurzweilig vergessen.

„Elf, Mam!“

„Hast du vor in vier Wochen in die Schule zu gehen?“

„Ja, Mam!“

„Dann sage mir doch bitte, wie du das hinbekommen hast! Ich entsinne mich nicht, dass wir solche Stifte in diesem Hause haben, wo ist die Farbe her?“

„Aus Jakobs Zauberstab!“, murmelte er in seinen nicht vorhandenen Bart und blickte noch intensiver auf den Boden.

„Weiß Jakob davon?“, erkundigte sich Hermine mit hochgezogenen Augenbraun. Schon als Matthias sechs Jahre alt war, hatte sie bemerkt, dass ihm das eine höllische Angst einjagte.

Keine Antwort.

„Ich rede mit dir! Na, wie auch immer, wie hast du es geschafft Farbe aus seinem Zauberstab zu bringen?“

„Mairead hat mir einen Spruch beigebracht!“

Verblüfft starrte Hermine ihren Sohn an. Und dann musste sie sich lächelnd an ihre erste Zugfahrt nach Hogwarts erinnern, als Ron versucht hatte seine Ratte, die ja in Wirklichkeit Peter Pettigriew war, gelb zu zaubern, was aber nicht wirklich geklappt hatte.

„Mairead hat dir das wirklich gezeigt?“

„Ja, aber ich weiß keinen Spruch dagegen!“, murmelte er wieder, wieder in seinen nicht vorhandenen Bart.

Lachend holte Minerva, die die ganze Zeit amüsiert zugesehen hatte, ihren Zauberstab heraus.

„Jetzt schau mal genau zu, Junger Mann!“, sagte sie und zielte mit ihrem Zauberstab auf das Gesicht der Puppe.

„Finite Incantatem!“

Sofort war das Gesicht wieder elfenbeinfarben und mit wenigen Sommersprossen überdeckt. Ein breites Grinsen machte sich über Minas Gesicht breit.

„Jetzt sieht sie wieder schön aus!“, freute sie sich und sprang mit der Puppe unter dem Arm durch die Stube, die Treppe rauf und in ihr Zimmer.

Gerade wollte sich Matthias umdrehen und es ihr gleich tun, als er eine kräftige Hand an seinem Arm spürte.

„Nicht so schnell, mein Freund. Es ist zwar bewundernswert, dass du für dein Alter schon einen Gesichtsfärbefluch kennst, ich würde zu gerne wissen, ob das Maireads verdienst ist,  oder ob du einfach nur eine besondere Begabung dafür hast, aber ich kann das trotzdem nicht durch gehen lassen. Mina ist erst sieben und kann sich noch nicht wehren. Du wirst dich also in Zukunft zurück halten oder ich überlege mir das noch einmal mit der Schule. Vielleicht lasse ich dich ja erst nächstes Jahr gehen? !“

Erschrockene Augen schauten sie jetzt eindringlich an.

„Das kannst du nicht machen Mum! Ich freue mich darauf, seit Jakob das erste Mal nach Hause kam und davon geschwärmt hat. Lass mich bitte hingehen!“, bettelte er und stieß auf stahlharte Augen, die allerdings kurz davor waren ihre Fassade zu verlieren, Hermine musste wirklich fast lachen.

„Wenn du dich benimmst!“, erwiderte Hermine und ließ ihn gehen.

„Du bist eine geniale Mutter, Hermine!“, lobte Minerva sie, als Matthias verschwunden war.

„Danke. Möchtest du wirklich keinen Tee?“

„Nein, vielen Dank, ich muss wieder hoch zur Schule, ich werde dir schreiben, wenn ich mich entschieden habe, wer morgen zu Harry geht und ich werde dir schreiben, sobald ich heraus gefunden habe, welche Dinge hier genau faul sind!“

„Wir sehen uns!“, verabschiedete sich jetzt auch Hermine und führte die Schulleiterin zum Kamin. Mit einem kurzen Flammenaufschlag war sie verschwunden.

Nachdenklich ging Hermine in die Küche, um das Abendessen vorzubereiten. Ron müsste bald zurück kommen, dann muss sie dringend mit ihm darüber reden. Es war einfach zu unglaubwürdig, so dass sie es erst einmal irgendwie verarbeiten musste, ehe sie es verkraftete.

Ein Poltern, das von der Treppen kam, kündigte eines ihrer Kinder an.

„Mum, ich versteh dieses bekloppte Rezept nicht!“, fing Jakob gleich ohne große umschweife an.

„Sprache, Jakob!“, warnte Hermine ihn und nahm sich dann sein Pergament.

Stirnrunzelnd betrachtete sie es.

„Wusstest du eigentlich, dass Matthias deinen Zauberstab hatte?“, erkundigte sie sich nebenbei, während sie versuchte den Trank einzuordnen, den sie auf dem Pergament erkannte. Eine Überschrift fehlte, so dass sie erst einmal die Zutaten analysieren musste.

„Ähm... weißt du Mum... ich weiß ja,... ich weiß, dass ich ihm keine Schulsachen von mir geben soll, aber hat so eifrig gefragt, und mir erzählt, dass er unbedingt was ausprobieren musste. Sei nicht böse!“

„Ich bin nicht böse, nur erstaunt. Dein elfjähriger Bruder hat einen Gesichtsfärbefluch auf die Puppe von Mina gesetzt.“

Jakobs Kinnlade klappte runter.

„Was?“

„Mairead hat es ihm gezeigt. Ich – sie lachte kurz auf – habe dafür immerhin erst einmal ein Jahr Schule benötigt.“

„Wow!“

„Ja. Jakob, das ist ein Stärkungstrank, was verstehst du daran nicht?“

„Stark Mum! Das du das ohne Überschrift herausgefunden hast. Ich -“

„Ich bin Heilerin, falls du das vergessen hast, es wäre schade, wenn ich es nicht gewusst hätte!“

„Ja. Stimmt.“

„Außerdem frage ich mich gerade, weshalb Draco jetzt schon damit anfängt, wir hatten den Trank erst in der fünften durchgenommen.“

„Woher soll ich das wissen? Also, ich verstehe nicht, wieso man beim Typ A, also den für die physische Wirkung, ganz andere Zutaten braucht, als für den Typ B, der für die psychische Wirkung verantwortlich ist.“

„Genau das Problem hatte dein Vater auch immer gehabt!“, seufzte sie. „Also, du musst dir das so denken: Deine geistige Stärke ist ganz anders zusammen gesetzt, als deine körperliche. Die Strukturformel... warte mal kurz!“

Sie reichte ihm das Pergament und holte schnell ein altes Buch aus dem Wohnzimmer, das eher wie eine Bibliothek aussah, so viele Bücherregale standen in ihm.

„Hier – sie zeigte auf eine Seite mit merkwürdigen Zahlen und Buchstaben – sind sie. Einmal die Formel für deine geistige Hälfte und einmal die für deine körperliche. Siehst du, dass es ganz andere Stoffe sind, auf die gewirkt werden müssen. Deshalb auch die verschieden Zutaten.“

Mit zusammengekniffenen Augen studierte ihr ältester Sohn die Formeln und plötzlich leuchteten sie auf.

„Ah! Jetzt verstehe ich!“

Zufrieden drehte er sich um und ging wieder nach oben, kurz bevor er die Tür erreicht drehte er sich aber noch einmal um.

„Glaubst du Malfoy hat ein Problem damit, wenn ich das Buch erwähne?“

Professor Malfoy! Nein, ich glaube nicht, aber an deiner Stelle würde ich es einfach nur aufschreiben und es allenfalls erwähnen, wenn er danach fragt!“

„Nah, ich schreibe es lieber gleich dazu, sonst gibt es noch Punkteabzug!“, lachte er und verschwand entgültig.

Ehe Hermine über die Bemerkung lächeln konnte – sie erinnerte sie sehr an die Erinnerungen, die sie von Harry und Ron hatte, wie sie das gleiche immer über Professor Snape gesagt hatten – erschien ihre älteste Tochter im Türrahmen. Sie war ihrer Mutter aus dem Gesicht geschnitten und hatte wohl auch deren Intelligenz und Fleiß geerbt, sie war Jahrgangsbeste und würde dieses Jahr in die zweite Klasse kommen. Das Jahr, in dem Ginny von einem Tagebuch besessen gewesen war und fast gestorben war. Das Jahr, in dem Harry in die Kammer des Schreckens gestiegen war, um Ginny zu retten. Das Jahr, in dem raus kam, dass er ein Parselmund war. Das Jahr, in dem...

„Mum? Ich bin fertig mit den Hausaufgaben, soll ich dir beim Essen machen helfen?“, erkundigte sich ihre Tochter, nachdem sie misstrauisch auf die leere Küchenplatte geschaut hatte.

„Vorher würde ich dich aber gerne fragen, was dir einfällt deinem Bruder einen Fluch bei zu bringen!“, seufzte Hermine, als sie aus ihren Gedanken gerissen worden war und anfing Töpfe hervor zu kramen.

„Woher weißt du das?“, erkundigte sich Mairead, etwas erschrocken.

„Er hat ihn auf Minas Puppe gejagt“, kam die trockene Antwort.

„Oh. Sorry Mum. Matthias wollte unbedingt noch etwas lernen und das Fluchbuch, was mir Sven zum Geburtstag geschenkt hat, lag gerade vor mir... da habe ich halt einen Fluch genommen. Bist du böse?“

„Du sagtest NOCH etwas lernen? Was kann er denn sonst noch?“

„Öffnungszauber, Schwebezauber und Okkulus reparo!“

„Mairead, muss ich dich jetzt als überwältigende Lehrerin bewerten oder mir über Matthias Talent sorgen machen?“

„Ich weiß nicht, er lernt sehr schnell. Aber woran es letztendlich liegt weiß ich nicht. Bist du mir denn nun böse?“

„Nein, Mairead, keine Angst, aber ich wäre dir dankbar, wenn du bis zum Schulbeginn nicht mehr Lehrerin spielst.“

„Ist klar.“

„Mit wem wirst du eigentlich dieses mal in einem Zimmer schlafen? Auf Hogwarts meine ich.“

Sie holte Gemüse heraus, gab Mairead ein Messer und ein Brett, damit sie Wurzeln schneiden konnte, und machte sich dann selber an die Kartoffeln ran.

„Weiß nicht. Kein Lehrer hat mir was gesagt, auch Tante Gin nicht.“

„Du nennst sie nicht in der Schule so, oder?“

„Nein – entrüstet stemmte sie die Hände in die Hüften – niemals.“

„Gut. – Ich hoffe aber, nicht wieder mit Jungen, oder?“

Mit einem kalten Schauer über den Rücken erinnerte sie Hermine, wie sie das ganze Jahr Schüttelfröste gehabt hatte, wenn sie sich daran erinnerte, dass ihre Tochter mit Jungen, die nicht ihre Brüder waren, in einem Zimmer schlief.

„Mum, ich kann doch nichts dafür, dass ich in meinem Jahrgang das einzige Mädchen in Ravenclaw bin! Der Sprechende Hut hat das bestimmt nicht geplant. Außerdem war es mit Sven, Nick und Ciaran sehr lustig. Ich hätte nichts dagegen, wenn ich wieder mit ihnen in ein Zimmer komme.“

„Mairead, du wirst zu alt dafür! Ich hätte es niemals erlauben dürfen! Dein Vater hätte es niemals erlauben dürfen und Minerva hätte sich denken können, dass wir nicht ablehnen können.“

„Mum, es ist wirklich nicht schlimm! Ich finde es sogar ziemlich cool, und die Abende sind sehr lustig. Mit Mädchen hätte ich nicht halb so viel Spaß!“, verteidigte sie sich, plötzlich mit einem ziemlich energischen Unterton.

„Ich weiß außerdem gar nicht was du hast. Du hast in der Schulzeit doch auch nur mit Dad und diesem Harry Potter rumgehangen. Zufällig auch zwei Jungen!“

„Ich weiß, aber ich habe nicht mit ihnen und Dean, Neville und Seamus in einem Zimmer geschlafen.“

„Dean war in deinem Jahr?“, lenkte Mairead plötzlich überrascht vom Thema ab.

„Ja? Wieso überrascht dich das?“

„Naja, ich habe ihn immer nur als Onkel, als Gins Mann, als Kumpel gesehen, ich habe mir über seine Schulzeit nie Gedanken gemacht.“

„Nun, dann erzähle ich dir mal ein bisschen über die Kindheit deiner Verwandten. Dean war schon damals in der fünften Klasse hinter Gin her, aber sie hatte nur Augen für ihren Freund Harry.“  Schmerzhaft schluckte sie und erinnerte sich flüchtig an das Gespräch mit Minerva. Verdammt warum war alles so mysteriös in dieser Welt? Warum ist ihr bester Freund 24 Jahre jünger wieder aufgetaucht? Es war alles so merkwürdig.

„Als Harry dann im siebenten Jahr verschwand – sie schluckte noch einmal schwerfällig – war Gin für zwei Jahre erst einmal nicht ansprechbar, ich glaube niemand von uns litt mehr als sie. Dean war in dieser Zeit ein wirklich guter Zuhörer und Freund, irgendwann, drei Jahre später kam auch schon raus, dass sie heiraten wollten. Ein Jahr später kam dann noch Jael und fertig ist die Geschichte...“

„... im Kurzdurchlauf!“

„Genau!“

Schweigend schnippelten sie ihr Gemüse weiter und warfen gelegentlich welches in den Topf mit Brühe. Zum Essen wird es eine leckere Gemüsesuppe geben.

„Wo wir schon beim Erzählen sind, kannst du mir noch mal die Geschichte von Dad und dir erzählen?“

Ein lautes Lachen war die Antwort.

„Schatz, diese Geschichte müsstest du bereits in und auswendig keine, ich habe sie dir schon mindestens dreitausend mal erzählt.“

„Egal. Ich höre sie für mein Leben gerne. Kein Liebesroman kann das übertrumpfen und da du dich weigerst es aufzuschreiben und drucken zu lassen, muss ich dich eben regelmäßig darum bitten mir diese Geschichte zu erzählen!“

„Na gut, aber zwangsläufig wirst du mir dann auch beim Kücheputzen und Essenfertigstellen helfen müssen.“

„Versteht sich von selbst!“

„Okay, als dein Dad und ich uns das erste Mal gesehen hatten, war sofort eine riesige Spannung zwischen uns, die bis Halloween im ersten Jahr anhielt. Bis dahin hatte ich eigentlich keine Freunde, außer meine Bücher. Aber als ich dann durch einen Troll fast gestorben wäre, und nur durch Harrys und Rons Hilfe überlebte, hatte ich endlich zwei Freunde fürs Leben gefunden.“

Lachend unterbrach sie sich, als sie bemerkte, dass Mairead sie anstarrte, ihr wortwörtlich an den Lippen hing und das Gemüseschneiden eingestellt hatte.

„Schneide weiter, sonst endet hier die Geschichte, Schatz!“

Wie gerade wach geworden wandte sich ihre Tochter schnell wieder ihrem Gemüse zu, aber ihre Ohren waren immer noch gespitzt.

„So vergingen drei Jahre, wir schlichen uns an dreiköpfigen Hunden vorbei, besiegten einen Basilisken und lernten Harry Paten Sirius Black und einen Werwolf, der unser Lehrer war,  kennen. Im vierten Jahr hatten Ron und Harry dann einen ganz hässlichen Krach, versöhnten sich aber wieder, als Harry die erste Aufgabe des Trimagischen Tuniers bestand. Auf dem Weihnachtsball war dann die erste Begegnung mit deinem Vater die ich nicht kannte. Er war total eifersüchtig auf Viktor Krum, der Durmstrang Champion, mit dem ich dort war. Er versuchte natürlich die ganze Sache so rum zu drehen, dass sich eher nach einer Beschuldigung anhörte, die er gegen mich hatte, weil ich mit Harrys Rivalen ausging. Er sprach wochenlang nicht mehr mit mir. Ich glaube, irgendwann in der Zeit verliebte ich mich in ihn.

Nach weiteren Streitereien und Versöhnungen erreichten wir das Ende unseres fünften Schuljahres. Sirius starb bei einem Kampf gegen Todesser, Harry, Ron und ich kamen nur knapp davon. Das fünfte war besonders schwer gewesen, da Harry merkwürdige Stimmungsschwankungen hatte, fast wie bei einer Schwangeren, und das Ministerium uns nicht glaubte, das Voldemort zurück war.

Die Sommerferien verbrachte ich bei Rons Familie, da meine Eltern irgend so eine Kongressreise hatten. In der letzten Woche kam Harry auch dazu.

In den sieben Wochen, die ich im Fuchsbau war, war aber rein gar nichtsgeschehen, außer das ich mich immer mehr in Ron verliebte und mich trotzdem immer mehr mit ihm stritt. Man konnte es fast Folter nennen und ich war sehr unglücklich. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich war, als Harry kam und sich unsere Streitereien reduzierten. Ich hielt es natürlich für den Beweis, dass Ron nichts von mir wollte und nicht für die Möglichkeit, dass er versuchte sich von mit zu distanzieren. Er hatte doch tatsächlich geglaubt, dass ich was von Harry wollte. Das kam aber erst raus, als Harry mit Ginny zusammen kam und er mich trösten wollte...“

„Ich nahm sie in den Arm und wollte ihr mein Mitgefühl sagen, dass er sie nicht weiter beachtet hatte. Deine Mutter hat mich fast geschlagen, als ich zu Ende gesprochen hatte!“

Der Herr des Hauses war zurück gekehrt und schloss, nachdem er Hermines Satz beendet hatte, seine Frau erst einmal kräftig in die Arme und gab ihr einen innigen Kuss. Dann küsste er auch Mairead auf die Wange und sagte, dass er kurz nach den anderen Vieren schauen wolle.

„Und weiter?“, löcherte Mairead ihre Mum, als ob sie das Ende nicht kennen würde, während sie den Tisch mit Tellern und Besteck deckte.

„Nun ja, dein Dad sah aus, als ob er am liebsten im Erdboden versunken wäre und ich hatte nichts besseres zu tun, als ihn flüchtig auf den Mund zu küssen und in meinen Schlafsaal zu verschwinden.

Dann dauerte es drei Wochen, bis wir überhaupt wieder mit einander redeten.“

„Wieso eigentlich? Du hast nie erzählt, weshalb, immer schön ausgelassen!“

„Ja, ausgelassen, weil ich mir jetzt noch blöde dabei vorkomme, dass ich schon wieder ein Missverständnis heraufbeschworen hatte. Ron dachte nämlich, dass der Kuss nur freundschaftlich war, als ob ich damit seine Beschämtheit wegwischen wollte, deshalb war er natürlich verletzt, weil er es eigentlich anders wahr haben wollte. Und dadurch, dass er sich wieder von mir distanzierte, war ich wieder beleidigt und verletzt. ...  das kommt davon, wenn man nicht klar über seine Gefühle redet.

An einem besonders stressigen Tag hielt ich es dann aber nicht mehr aus und schrie ihn an, Gott sei Dank war der Gang ziemlich leer gewesen, so dass es nicht zu peinlich war. Ich beschimpfte ihn was das Zeug hielt und er hörte sich das ganze nur ruhig an. Irgendwann unterbrach er dann mein Gewüte, indem er mich in ein Klassenzimmer zog und küsste-“

Abrupt hörte sie auf, als sie bemerkte, dass Mairead erst 12 war und jetzt schon mehr gehört hatte, als für sie gut war.

„Ja?“

„Nun, unsere Beziehung verlief dann sogar einigermaßen normal, bis mir dein Dad einen Heiratsantrag machte, kurz bevor ich ihm sagen wollte, dass ich schwanger war. Fertig ist die Geschichte.“

„Mum! Das war NICHT alles. Weißt du ganz genau. Es gab schon Tage, an denen du informativer warst!“

„Ja, genau wie du weißt, dass du dafür ein bisschen jung bist. Vielleicht erzähle ich dir mehr, wenn du zwei Jahre älter bist!“

Ein geheimnisvolles Funkeln sprühte aus ihren Augen und Mairead wusste, dass sie für heute verloren hatte. Warum mussten Eltern auch so gemein sein? Sie war 12, okay, aber ein kleines bisschen mehr hätte sie ja wohl erzählen können!

„Holst du bitte deine Geschwister? Ich glaube, die Suppe ist langsam verkocht genug!“, unterbrach Hermine ihren Gedankenschwall lachend. Schmollend ging sie die Treppe hoch und sagte ihren Geschwistern Bescheid.

Im letzten Zimmer entdeckte sie ihren Dad, wie er mit Mina auf den Boden lag. Mina hatte die Augen zu und schien zu schlafen, ihr Dad war eindeutig wach, registrierte sie aber nicht.

„Ähm... Dad? Essen ist fertig!“, sagte sie schließlich und ging ohne ein weiteres Wort wieder runter, wo Jakob und Niel schon saßen. Matthias polterte hinter ihr die Treppe runter und Ron mit Mina auf dem Arm kam auch bald nach. Wie lange war es her, das Dad mit mir so gekuschelt hat, wie gerade eben mit Mina? Wie lange war es her, dass ich mich überhaupt an jemanden gekuschelt hatte? Mit meinen Freunden konnte man zwar lachen und viel Spaß haben, aber nicht so etwas. Meine Brüder mochten es auch nicht und Mina wollte lieber toben. Es war selten, dass man sie dressieren konnte. Und Mum? Irgendwie hatte sich das einfach schon lange nicht mehr ergeben.

„Mairead? Mairead! Möchtest du auch Brot?“, fragte Jakob jetzt schon zum dritten Mal und war kurz davor den Korb wieder abzustellen, als sie endlich aus ihren Träumereien erwachte und dankend eins nahm.

„Was ist eigentlich los mit dir? Du bist so still, normaler Weise kannst du dich doch gar nicht halten vor erzählen. Selbst wenn du kein Thema zum Plappern hast, dann zitierst du irgendwelche Bücher. Es ist gerade unheimlich still!“, fügte Jakob noch hinzu und stellte dann den Korb vor Minas Nase.

„Bin ich wirklich so schlimm? Herrje, das habe ich nie bemerkt. Ich werde mich bessern und ein passendes mittel Maß finden! Versprochen“, sagte sie und hob feierlich die Hand, als sie ihren Satz beendete.

„Fein. Sag mal bist du schon mit dem Schwall Hausaufgaben fertig?“

„Ja, endlich. Die letzten vier Wochen saß ich fast nur davor, besonders vor den Aufsätzen für Malfoy und Snape...“

„Professor Malfoy und Professor Snape!“, unterbrachen Hermine und Ron sie lächelnd im Chor und bekamen dafür ein Augenverdrehen geschenkt.

„Ist jetzt auch egal, zumindest waren die am Zeitaufwendigsten. Ich meine, entschuldige, vier Rollen Pergament, nur über strafbare Flüche? Ein bisschen übertrieben, oder? PROFESSOR Snape übertreibt maßlos!“

„Ja, PROFESSOR Malfoy auch, vier Rollen Pergament über Stärkungstränke. Total sinnlos, dabei könnte man das in zwei Sätze packen.“

Amüsiert unterbrach Hermine die Diskussion ihrer ältesten Kinder.

„Regt euch über Malfoy lieber nicht auf, als wir früher Snape in Zaubertränke hatten, bekamen wir immer mindestens fünf Pergamentrollen auf!“

Grinsend schauten sich Jakob und Mairead an, bevor sie im Chor verkündeten: „Mum, vergiss das PROFESSOR nicht!“

 

Das Abendessen war noch sehr amüsant, aber als die Uhr schon langsam auf die Mitternacht zu ging, schickten Hermine und Ron auch Jakob und Mairead ins Bett, die anderen Kinder schliefen schon friedlich.

„Und was machen wir jetzt noch so?“, erkundigte sich Ron, als sie endlich alleine waren, kam ihr immer näher und schlang schließlich seine Arme um ihre Taille.

„Ron!“, lachte sie, weil sie am Bauch besonders kitzelig war, „vorher müssen wir unbedingt reden. Minerva war heute hier!“

„Und was wollte sie?“

„Sie hat mir die Liste der muggelgeborenen Zauberer und Hexen gezeigt und dabei war Harry Potter!“

Schlagartig ließ Ron sie los und entfernte sich soweit von ihr, dass er sie vollkommen betrachten konnte.

„Wie bitte? Hermine, das geht nicht. Das ist unmöglich. Harry ist tot oder zumindest aufs unkenntliche verschwunden. Und selbst wenn, er wäre jetzt so alt wie wir, 35 und nicht vierundzwanzig Jahre jünger. Vielleicht heißt nur zufällig ein Junge genauso?“

„Ron, er lebt in Surrey, Ligusterweg 4, bei seinen Verwandten, unter der Treppe. Er MUSS es sein.“

Zitternd brach Ron auf einem Stuhl zusammen. Schockiert starrte er auf den blauen Fleck auf den weißen Küchenfliesen, ohne ihn wirklich zu bemerken.

„Hermine, dass kann nicht sein!“

„Ich weiß, aber trotzdem ist es wahr. Harry lebt, nur ist er jetzt so alt wie unser Sohn Matthias. Er muss wieder von vorne anfangen, wahrscheinlich hat er nicht einmal eine Ahnung, wer er ist.“

„Was werden wir tun? Was wird Minerva tun?“

„Sie wird mir morgen eulen. Bis dahin müssen wir abwarten!“

Stumm nickend erhob er sich vom Stuhl und taperte paralysiert hinter Hermine her, ins Schlafzimmer. Still zog sie sich aus und verschwand schnell ins Bad, als sie zurück kam stand Ron immer noch am gleichen Platz, unbewegt, vor sich hin starrend.

„Ron! Ich weiß, dass es unglaubwürdig, mysteriös, unglaublich, merkwürdig und unheimlich ist, aber du musst jetzt in Bett kommen!“, schrie Hermine ihn fast an, weckte ihn damit aber aus seiner Trance.

„Du bist wunderschön!“, bemerkte er plötzlich, vollkommen nicht zum Thema passend und betrachtete seine Frau. Hermine hatte nur eine Hot Pans und ein Bauchfreies Top an.

„Wie damals, in der siebten Klasse!“

Er hatte recht, sie sah wirklich immer noch wie damals aus. Die Haare zwar kürzer und gerade zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden, und die Haut braun gebrannt, immer noch vom letzten Urlaub, als sie Bill und Shoshana in Ägypten besucht hatten, aber immer noch so jugendlich schön wie damals.

Langsam ging er auf sie zu und schloss sie in seine Arme, vorsichtig suchten seine Lippen ihren lieblich schmeckenden Mund, zögernd schob er seine Hand unter ihr Top, zitternd zog er es über ihren Kopf. Das Mondlicht, das schwach durch das Zimmer schimmerte, spiegelte ihre weiblichen Kurven und die glatte Haut wieder. Ihre Brust war voll und reizte ihn mehr denn je, aber er blieb seiner Selbstkontrolle stand und verschlang sie nur mit seinen Augen. Er handelt immer noch wie beim ersten Mal, zögerlich und naiv. Es ist schon fast süß, man könnte meinen, er hätte keine Erfahrungen gesammelt in all den Jahren. Immer noch ist er nur darauf aus mich zu verwöhnen, nie denkt er mal an sich.

Schnell übernahm sie die Führung, in dem sie ihm zielstrebig das T-Shirt über den Kopf zog und dann ihre Hände in seine Haare vergrub, während sie ihn intensiv küsste.

„Du musst nicht immer meine Wünsche an erste Stelle tun, so wie die letzten neunzehn Jahre. Lass dich mal verwöhnen!“, flüsterte sie ihm verführerisch in sein Ohr, während er ihren Hals küsste. Bevor er reagieren konnte stieß sie ihn sanft auf das riesige Himmelbett und folgte ihm, anmutig wie eine Katze.

Er öffnete schon seinen Mund, um zu wiedersprechen, als sie ihn daran hinderte, in dem sie ihn wieder küsste. Zur gleichen Zeit machte sie sich an seinem Gürtel zu schaffen. Gekonnt streifte sie ihm die Hose runter und strich mit ihren Fingerspitzen über seine Beine. Amüsiert bemerkte sie die Gänsehaut, die er willkürlich bekam.

Ehe sie sich versah übernahm er wieder die Führung, weil er sich so gedreht hatte, dass sie unter ihm lag.

„Ich verwöhne dich aber gerne!“, flüsterte er ihr ins Ohr und wanderte ihren Oberkörper runter und küsste ihren Bauch. Geschickt nutze sie den Bruchteil der Sekunde, in der er kurzweilig inne hielt, und rollte sie so über ihn, dass er wieder unter ihr lag.

„Nix da! Heute drehen wir das ganze mal um!“, erwiderte sie und glitt mit ihren Fingern unter seine Boxershorts, flink zog sie ihre Hand aber wieder zurück und kniete sich so hin, dass er sich unter ihr drehen konnte.

„Drehe dich um!“, sagte sie und war überrascht, dass er das sogar ohne Widerworte tat. Vorsichtig fing sie an seinen Rücken, der übersäht mit Sommersprossen war, zu massieren. Zwischendurch hielt sie inne und strich ihn nur ganz leicht über den Rücken. Es machte ihn wahnsinnig, aber er blieb standhaft und zeigte nicht seine Erregung, was wiederum sie in den Wahnsinn trieb. Okay, spiel dein Spiel mit mir, ich werde dich kriegen, wenn du endlich nachgeben musst wirst du dich nicht zurück halten können!

Sachte beugte sie sich vor und fing an Küsse auf seinen Rücken zu platzieren, immer weiter wanderte sie nach oben zum Nacken, seine empfindlichste Stelle. Lächelnd nahm sie die plötzliche Verspanntheit zur Kenntnis und arbeitete sich weiter vor. Doch kurz vorm Haaransatz machte sie halt. Sie strich nur mir ihren Fingerkuppen an seinen Seiten entlang und starrte geistesabwesend auf seine Sommersprossen.

Als sie sich wieder gefangen hatte, glitt sie mit leichten Fingern seine Schenkel entlang und krabbelte seine Kniekehlen, so dass er leicht zusammenzuckte. Ja, dort war er ziemlich kitzelig. Ein leichtes Seufzen entfloh seiner Kehle und brachte sie zum Schmunzeln. Gleich habe ich dich. Nur noch ein paar Augenblicke und du kannst dich nicht mehr halten!“

Und tatsächlich hatte sie recht. Zwei Küsse und drei Berührungen später drehte sich Ron überraschend um und zog sie ungeduldig an sich ran. Dann drehte er sich kraftvoll und hielt ihre Handgelenke mit seinen Händen fest, damit sie nicht wieder die überhand gewinnen konnte. Fordern erkundete seine Zunge ihren Mund und sog den Geschmack nach Vanillezahnpasta eifrig in sich auf.

Dann ließ er ihre Hände aber doch los, da er ja sonst keine Hand frei gehabt hätte. Erregt zog er ihr die Hot Pans langsam runter, während sie das gleiche mit seiner Boxershorts machte. So kraftvoll und rücksichtslos war er noch nie gewesen, aber sie genoss jede Sekunde davon.

 

Das Mondlicht wurde immer schwächer und schimmerte nur noch ein wenig über die Haut zweier Körper, die nebeneinander lagen, zwei Hände über ihren Köpfen verschränkt. Die Punkte, an denen sich ihre Haut berührte, brannten immer noch vor Leidenschaft und Hitze, aber die Gesichter strahlten eine ungewohnte Befriedigung aus.

„Ich liebe dich!“, flüsterte er ihr sanft ins Ohr und küsste ihren Hals, während sie die Augen schloss und einfach nur genoss.

„Und du bist mir nicht böse, dass ich dein Konzept total durcheinander gebracht habe?“, flüsterte sie zurück ohne auf das plötzliche Aufhören der Berührungen am Hals zu achten.

„Sagen wir so: ich war erst etwas sauer, dann war ich einfach nur komplett durcheinander und danach habe ich nur noch wilde Lust gespürt. Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass so etwas in mir schlummert. Auf der anderen Seite es mir schon Angst eingeflößt, ich hatte mich kein Stück mehr unter Kontrolle, wenn du vor Schmerzen geschrieen hättest, hätte ich nicht gewusst, was ich machen soll.“

„Ich wäre selber Schuld gewesen, aber es ist egal, es ist ja nichts dergleichen passiert, wir haben uns lediglich neu kennen gelernt. Ich dich als rücksichtslosen, wollüstigen Rohling, der mir eine unglaubliche Lust geschenkt hat...“

„...und ich dich als hinterlistige Schlange, die es doch tatsächlich geschafft hat mich zu etwas zu machen was ich nie sein wollte.“

„Bereust du es?“

„Nein!“

„Dann rede nicht mehr, sondern schlafe!“

 

Gott sei Dank ist Mina erst sieben Jahre alt und kann so noch keinen Öffnungszauber! Gott sei Dank ist es so früh, dass ihre Geschwister niemals freiwillig aufstehen würden, Gott sei Dank ist sie nicht Mairead, die sehr wohl einen Öffnungszauber beherrscht, aber...

„Schatz, zerbrich dir nicht wieder den Kopf darüber, ob jemand hier rein kommen könnte. Keines unserer Kinder ist in der Lage diese Tür zu öffnen, da sie entweder zu jung sind, oder weil sie einen Brief auf dem Schreibtisch liegen haben, auf dem steht, dass es verboten ist in den Ferien zu zaubern“, murmelte Ron in ihr Haar und sie war schon kurz davor wieder einzunicken, als ihr Matthias einfiel.

„Ron! Wir HABEN ein Kind, dass dazu in der Lage ist.“

Erschrocken sprang Ron hoch und starrte Hermine fassungslos an.

„Nimm mich um diese Uhrzeit nicht auf den Arm. Ich will nur schlafen, das ist alles. Leg dich wieder hin und gut ist!“

„Ich nehme dich nicht auf den Arm. Matthias kennt den Spruch und kann ihn, laut Mairead, auch anwenden. Wir können ja gerne weiterschlafen, aber wir sollten uns vorher trotzdem anziehen, für den Fall, dass sie die Neugier packt und Matthias anstiften zu zaubern.

Nickend stand Ron auf und warf ihr ihren „Schlafanzug“ zu, den er im Zimmer aufsammelte („Wie zum Henker kommt dein Top auf den Kleiderschrank?“), dann zog er sich eine karierte Schlafanzugshose an, ließ seinen Oberkörper frei und legte sich wieder hin.

„Und jetzt schlafe schön!“, murmelte er und war auch schon weg. Sie aber konnte nicht mehr schlafen und blieb so mit offenen Augen wach und genoss einfach nur den Arm, der um sie geschlungen war und Minas Stimme, die vom Wohnzimmer aus erklang. Wie es aussah hatte sie sich ein Buch aus Hermines Sammlung geschnappt, ihre Worte hörten sich nämlich verdächtig ähnlich wie eine Page aus Shakespeares Romeo und Julia an. Lächelnd erinnerte sie sich an Minas fünftes Lebensjahr, als sie zu ihrer Mum kam und sie bat ihr das Lesen und schreiben zu lehren.

Unglaublich schnell hatte dieses Kind verstanden, wie sich Worte zusammen setzten und entwickelte eine ungewöhnliche Vorliebe für Theaterstücke. Noch eine ganze Weile lauschte sie dem Kind, bis sie nichts mehr hörte. Zumindest kurzweilig.

Matthias Stimme erklang plötzlich deutlich, aber nicht deutlich genug, dass man eventuell hätte verstehen können, worüber er mit seiner Schwester sprach. Irgendwann verstummte auch seine Stimme und als sie sich schon fast an die Stille gewöhnt hatte, vernahm sie ein leises, deutliches „Alohomora“ und die Schlafzimmertür öffnete sich.

„Guten morgen ihr beiden!“, kam die geflüsterte Begrüßung ihrer Mutter.

„Erschrocken bleiben die Kinder stehen, bis sie sich zu einer Antwort besannen: „Guten Morgen Mum!“

„Kommt mal leise her und springt dann ohne Vorwarnung auf euren Vater drauf!“, flüsterte sie lächelnd und kicherte fast, als sie das Leuchten in den Kinderaugen sah.

„Das habe ich gehört!“, brummte ihr Mann, machte aber keine Anstalt seine Augen zu öffnen und die Kinder hatten ihn nicht gehört, so dass sie trotzdem munter auf das Bett zurannten und übermütig auf ihren Vater hüpften.

„Wuha!“, rief Ron plötzlich und jagte seinem Sohn damit einen gewaltigen Schrecken ein, seine Tochter riss nur ungläubig die Augen auf und fing an zu hicksen.

Kurz darauf fing eine wilde Kissenschlacht an, wie schon lange nicht mehr im Tiergarten Weasley. Nach einer halben Stunde wurde sie allerdings von einem missbilligenden Räuspern unterbrochen. In der Tür standen Jakob, Niel und Mairead, die kritisierend die Augen auf das zerwühlte Bett hielten. Die Mundwinkel zuckten, aber nur sehr leicht, so dass Ron und Hermine es nicht merkten, und entwickelten sich fast zu einem Grinsen oder wenigstens Lächeln. Gefühllos streckte Jakob seiner Mutter den Arm entgegen, ein Brief klemmte zwischen seinen Fingern.

„Du hast eine Eule Mum!“, berichtete er ihr und kam zögernd ins Zimmer, um ihr die Post zu reichen.

Aufgeregt riss sie den Brief auf und bemerkt irritiert die Länge des Briefes. Eigentlich kannte sie von Minerva nur kurze, knappe Schreiben, nicht solche langen.

 

Guten Morgen meine Liebe,

Ich habe entschlossen, dass es wohl das beste wäre, wenn du oder Ron Harry heute abholen würdest, da ihr ihn ja eigentlich kennt und euch gut vorstellen könnt, wie ihr handeln müsst, um keine unnötigen Aufregungen herauszubeschwören.

Der Schlüssel seines Verlieses in Gringotts ist beigelegt, durch die Zinsen ist fast so viel wieder drin, wie damals, als er nach Hogwarts kam. Anbei ist auch ein neuer Hogwartsbrief, den Harry bekommen soll.

Leider habe ich noch keine Informationen über diese irritierende Situation auftreiben können. Wenn doch nur Dumbledore noch da wäre! Er wüste was zu tun ist! Ich habe sogar schon verzweifelt Kontakt zu seinem Bruder aufgenommen, aber ich erhalte keine Antwort, bis jetzt zumindest!

Ich würde es sehr begrüßen, wenn du vielleicht den Jungen erst einmal aufnehmen könntest, bis wir eine passende Lösung gefunden haben, ich möchte Harry nicht ein zweites Mal die Schmach antun unnötig lange bei seinen Verwandten leben zu müssen. Wenn wir schon die Möglichkeit haben das einzurenken, dann sollten wir das auch tun!

Kann ich auf dich und Ron zählen? Bitte schicke mir Harold mit deiner Antwort zurück.

Mit freundlichen Grüßen

Minerva McGonagall

Schulleiterin von Hogwarts

 

Schweigend gab sie den Brief Ron, der sie schon die ganze Zeit unauffällig musterte. Seine Augen rasten über das Papier und als er am Ende angekommen war seufzte er auf.

„Ich denke, wir können das nicht ablehnen. Wirst du gehen, oder soll ich?“

„Ich mache das! Dann kann ich auch gleich ein paar Takte mit den Dursleys reden, dass wollte ich schon vor fünfzehn Jahren!“, antwortete sie grimmig und brachte ihn damit zum lächeln.

„So kenne ich dich wie du leibst und lebst! Und vergiss nicht! Er hat heute Geburtstag! Du solltest ihm irgendetwas mitbringen, er hat seit elf Jahren keine Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke bekommen.“

„Ich bringe ihm einfach die Marzipantorte mit, die eigentlich für das Familientreffen morgen gedacht war. Wenn ich weg bin kann Mairead ja eine neue backen!“, erklärte Hermine und schaute forsch in die Runde.

„Mum, worum geht es überhaupt?“, fragte Jakob, der mit verschränkten Armen gegen den Türrahmen lehnte.

„Erkläre ich dir nachher!“, sagte Hermine bestimmt und sprang aus dem Bett.

„Ihr werdet euren Vater aus dem Bett kitzeln und dann zusammen frühstücken. Mairead? Backst du eine neue Torte?“

„Ja.“

„Danke, ich werde wohl erst ein bisschen später wieder kommen, da ich nicht weiß, wie lange das bei den Dursleys dauert und wie lange wir in der Winkelgasse bleiben werden.  – Ach ja, und her mit den Einkauflisten, eure Bücher bringe ich dann gleich mit, es sei denn, wir haben sie schon. Deinen Zauberstab Matthias, kaufen wir nächste Woche!“

Mit diesen Worten verschwand sie ins Badezimmer, den Arm voll mit ihren Klamotten.

Zehn Minuten später kam sie als sexy Bürodame wieder heraus. Ihre Haare hatte sie hoch gesteckt und ihre Wimpern ganz leicht mit Wimperntusche gefärbt. Der auberginefarbene Rock und der passende Blazer passten sich wunderbar an ihren Körper an, die hochhackigen Sandalen waren bis zu den Knöcheln geschnürt.

Im Schlafzimmer begegnete sie nur noch ihrem Ehemann, die Kinder waren bereits alle im Haus verteilt. Sein Schlucken ließ ein Lächeln über ihr Gesicht huschen.

„Du machst es mir nicht gerade leicht dich gehen zu lassen!“, sagte er schließlich, als er sie vollkommen betrachtet hatte.

„Ich weiß, aber heute Nacht kannst du mich wieder ganz alleine für dich haben!“, erwiderte sie lachend und ging dann ohne ein weiteres Wort aus dem Zimmer, in die Küche. Vorsichtig packte sie die Torte ein und gab ihrer ältesten Tochter, die gerade den Tisch deckte, einen Abschiedskuss. Im Vorbeigehen schnappte sie sich noch die Bücherlisten, kritzelte eine Antwort für Minerva und winkte ihren Kindern noch einmal zu.

„Bis nachher!“

„Mum, wirst du uns dann erklären, was überhaupt los ist?“, erkundigte sich Mairead, die gerade einen Teig anmischte.

„Ja!“

„Tschüss!“

„Bis nachher!“

 

Mit einem Krachen fiel die Tür ins Schloss und nach einem kurzen Blick an sich runter verschwand Hermine Weasley mit einem leisen >Puff< und tauchte in Surrey vorm Ligusterweg 4 wieder auf.

Zielstrebig schritt sie die drei Stufen hoch und drückte kräftiger als nötig auf den Klingelknopf.

Nach dem Erklingen eines interessanten Geräuschs, was sich sehr nach Füße tapern anhörte, öffnete sich die Tür und ein schmächtiger Junge stand in der Tür. Rabenschwarzes Haar, tiefgrüne Augen, eine schmale Figur, mehrmals geklebte Brille und eine blitzförmige Narbe auf der Stirn. Ich hatte ganz vergessen, wie er aussah! Die neugierigen Augen starrten sie wissbegierig an und produzierten ein leichtes Lächeln auf ihrem Gesicht. Woher kannte er bloß diese Person? Sie kam ihm so super bekannt vor. Diese braunen haare, braune Augen, winzige Sommersprossen. Ein flüchtiges Bild schwamm vor seinen Augen, allerdings war Hermine darauf wesentlich jünger. Aber woher kenne ich sie jetzt? Aus der Schule? War sie schon mal hier? Nein, dass geht nicht, dann wäre sie nicht so jung gewesen...

Hermine! Reiß dich zusammen und spiele deine Rolle!

Langsam bückte sie sich leicht zu ihm runter und fragte ihn in einem geschäftig klingenden Ton: „Sind deine Eltern da?“

„Onkel Vernon! Da ist eine Dame, die mit dir sprechen will!“, rief der Junge durch den Flur in die Küche und drehte sich dann wieder zu Hermine.

„Kommen sie doch herein!“

Unsicher überschritt Hermine die Türschwelle und rannte fast in einen dicklichen Mann, der mindestens einen Kopf größer war als sie.

„Sie müssen Mr. Dursley sein?“, fragte sie, wieder die Geschäftsstimme angeschlagen.

„Der bin ich, was kann ich für sie tun, junge Dame?“

„Oh, jede Menge. Es geht um diesen Jungen! – sie zeigte mit der Hand auf Harry – Ich würde ihn gerne mitnehmen!“

„Sind sie vom Jugendamt? Wir behandeln den Jungen gut, er bekommt genug zu Essen, er muss nicht nackt herumlaufen, er...“

„...er schläft unter der Treppe, er bekommt gerade so viel Essen, dass er nicht verhungert und seine Klamotten sind ihm fünf Nummern zu groß!“

„Woher wissen sie das?“, erkundigte sich Vernon erschrocken und  lief puterrot an.

„Ich habe meine Quellen. Geben sie mir einfach seine Sachen und lassen sie uns gehen!“

„Ich werde nichts dergleichen machen! Sie! –  plötzlich verstand er - Oh nein, ich werde den Jungen nicht auf diese bekloppten Schule lassen, ich werde auch kein Geld dafür ausgeben und meine Zeit darein investieren es vor den Nachbarn zu vertuschen!“

„Müssen sie auch nicht. Ich werde ihn für immer mitnehmen. Er wird nie wieder hier aufkreuzen und sie „belästigen“. Es ist zu ihrem besten!“

Ungläubig riss der Hausherr die Augen auf, genau wie Harry, allerdings hatten beide eher verschiedene Beweggründe. Der eine freute sich, dass er von zu Hause weggehen konnte und der anderen fragte sich, ob er dieser Frau trauen sollte, oder nicht.

„Ist das ihr Ernst? Ich bin den Jungen für immer los?“

„Ja!“

„Harry, packe deine Sachen!“ Das brauchte er ihm nicht zweimal sagen! Hastig lief er zum Schrank unter der Treppe, sammelte seine sieben Sachen zusammen und schnürte sie zu einem Bündel zusammen. Dann lief er zu dieser fremden Frau, die er nicht kannte, und folgte ihr nach draußen.

Kurz bevor sich die Tür hinter ihr schloss, steckte Hermine aber noch einmal den Kopf in die penible Wohnung und starrte Vernon böse an.

„Sie sind der schlimmste, schleimigste, ekelhafteste, unfreundlichste, verdammteste Muggel, den es auf der ganzen Welt gibt. Naja, ihr Schwester Marge übertrumpft das vielleicht noch, aber nur geringfügig!“ Dann knallte sie die Tür zu und drehte sich mit einem großen Schwung um, grüne Augen starrten ihn an.

„Wer sind sie eigentlich? Warum haben sie mich von den Dursleys weggeholt? Haben sie etwas mit den Briefen zu tun, die mir Onkel Vernon nie geben wollte? Ach ja: War echt stark, was sie eben gemacht haben!“

Seufzend setzte sich Hermine auf die Bordsteinkante und stützte ihren Kopf auf ihre Hände. Es ist schon fast unheimlich einfach gewesen. Hier hätte JEDER hinkommen können und Harry entführen können oder so. Das ist nicht gut.

„Setzte dich zu mir! Das wird eine lange Geschichte, und ich kann dich nicht in die Winkelgasse nehmen, ehe du weißt, wer du bist!“

Zögernd ließ sich der Junge neben sie nieder. Misstrauisch beäugte er sie von der Seite. Auf der einen Seite sah sie so sehr nach einer typischen Kollegin von Vernon aus und auf der anderen Seite beschimpfte sie seinen Onkel und setzt sich sorglos auf den Boden, über den schon tausende Menschen gegangen waren.

„So, ich bin Hermine Granger und möchte auf keinen Fall, dass du mich mit Miss oder mit Sie ansprichst, ich bin Hermine und du Harry, fertig! Okay!“

„Ich weiß!“

Stille.

„Wie bitte?“

„Ich weiß, dass du Hermine Granger bist, ich habe von dir schon einmal geräumt, allerdings warst du da wesentlich jünger.“

Interessant. Merkwürdig. Angsteinflößend. Spontan entschied sie sich, erst einmal das eben Gehört schnell wieder zu vergessen.

„So, und hier ist dein Brief, den du schon vor vier Wochen lesen solltest!“ Würdevoll kramte sie den Brief heraus und übergab ihn ihm.

Mit weit aufgerissenen Augen überflog er das Pergament und schluckte schwer, als er endete.

„Zauberer? Ich bin wirklich ein Zauberer? Hermine, das kann nicht sein! Du irrst dich bestimmt, ich bin niemals ein... ein Zauberer. Dann wäre ja meine...“

Und dann fiel ihr aus, WIE schwer es wirklich sein würde ihrem ehemaligen besten Freund seine ganze Situation zu erklären. Er war doch erst elf! Auf der anderen Seite war er ziemlich zäh, wenn er der gleiche war, wie vor 24 Jahren. Er würde es verkraften. Niemals durfte sie den gleichen Fehler machen wie Dumbledore und Harry irgendetwas verschweigen, also musste sie gleich mit der ganzen Wahrheit raus.

„Doch bist du. Und wenn du mich dir eine Geschichte erzählen lässt... – sie hielt kurz inne, um ihren neuen Gedanken zu überdenken und gefallen daran zu finden, ja, dass würde besser sein – dann wirst du mich verstehen. Also, vor vierundzwanzig Jahren kam ebenfalls ein junge nach Hogwarts, auch er hieß Harry Potter und lebte hier. Er war ein Held, da er den dunkelsten Magier seit Grindewald fast vernichtet hatte. Aber er musste geschützt werde, deshalb kam er zu seinen Verwandten.“

Plötzlich flackerten seine Augen und Traumbilder der letzten Nacht spielten sich in seinem Kopf ab.

„Hermine, ich weiß davon, du brauchst mir nichts erzählen. Ich habe von dir wirklich geträumt und von so einem rothaarigen Jungen. Wir saßen zusammen in einer alten Lokomotive und dann war da noch ein Riese...“, plapperte er plötzlich drauf los und Hermine hörte interessiert zu. Jetzt konnte sie ihre Neugier nicht zurück halten.  Es gibt also eine Verbindung. Sein erstes Leben ist mit diesem durch die Traumwelt verbunden. Das muss ich unbedingt Minerva erzählen.

Harry war fertig mit seiner Geschichte, die sich hauptsächlich um das erste Schuljahr des anderen Harrys drehte. Nachdenklich musterte Hermine ihn von der Seite.

„Dann weißt du ja schon alles von uns!“,  meinte sie ihn einem gespielt lockeren Ton, aber Harry merkte es nicht.

„Ist das normal, das Zauberer solche Träume haben?“

„Nein Harry, eigentlich ist das sehr ungewöhnlich. Dumbledore ist übrigens tot und Ron, der rothaarige Junge, und ich sind jetzt verheiratet und haben fünf Kinder. Der Mittlere, Matthias, kommt jetzt auch nach Hogwarts, ebenso Jael, eine Cousine von Matthias. Ron arbeitet als Lehrer und der Riese von dem du sprachst, Hagrid, ist jetzt schon bald in dem Alter, das ihm seine Rente sichert.“

„Es gibt diese ganzen Personen wirklich?“

„Ja, und du hast Tatsachen geträumt, die 1991 passiert sind, vor 24 Jahren. Es waren reale Träume Harry.“

„Das verstehe ich jetzt nicht.“

„Glaube mir, so ein Fall ist noch nie vorher in unserer Welt passiert. Wir müssen selbst erst einmal nachforschen. Ich kann es dir auch nicht erklären.“

„Aber du sagst mir Bescheid, wenn ihr was wisst? Die ganzen Träume haben mir ganz schön Angst eingeflößt und ich konnte nie mit jemanden darüber reden. Onkel Vernon war immer so abgeneigt und verbat mir jemals Worte wie Zauberer oder Magie zu verwenden.“

„Er hatte Angst davor. Seine Schwägerin, die Schwester von der Tante, also deine Mutter, war eine Hexe. Das war alles irreal für ihn, aber ja, ich werde dir alles erzählen, was wir darüber wissen.“

Sie saßen noch eine Weile nebeneinander auf der Bordsteinkante und schwiegen sich an, bis Hermine ihre Tasche bemerkte und sich erschrocken mit der Hand gegen die Stirn schlug.“

„Ich bin so ein Trottel! Harry, es tut mir so leid... Herzlichen Glückwunsch!“

Sie überreichte ihm die Marzipantorte, aber Harry schaute sie nur verwirrt an.

„Ich habe doch erst am 31.Januar Geburtstag!“, erwiderte er ihren Gefühlsausbruch vollkommen irritiert und brachte sie zum zittern.

„Was?“

„Ich habe erst in einem halben Jahr Geburtstag! Dann werde ich zwölf. Bis dahin werde ich die Torte aber dankend aufbewahren!“, versuchte er noch zu scherzen, aber ging nicht darauf ein.

„Das tut mir jetzt leid Harry, ich wollte dich jetzt nicht mit so einem Kram überfordern. Ich dachte, dass du am gleichen Tag Geburtstag hättest, wie der andere...“

„Ist schon gut. Wollen wir jetzt los?“

„Ja, ist gut, es ist schon nach eins. Möchtest du mit der Subway, dem Fahrenden Ritter oder per Flohpulver reisen?“

„Mit dem Bus!“, murmelte Harry mit leuchtenden Augen und schaute sich gespannt Hermines Bewegungen an. Nachdem „Lumos“ seiner Begleiterin erschein wie aus dem Nichts ein roter, dreistöckiger Bus. Die Fahrer waren immer noch Ernie und Stan.

Während der Fahrt waren Harrys Augen kein einziges Mal mehr still, so gut es ging versuchte er alles an Informationen aufzusammeln, was er sammeln konnte. Und er war schon fast traurig, als sie ihm sagte, dass sie da wären und die Zeit gekommen war auszusteigen.

„Lächelnd verabschiedeten sie sich von Ernie und Stan, die kein einziges Kommentar über Harry abgelassen hatten. Es ist nicht zu fassen, wie schnell Menschen vergaßen. Schon im gleichen Jahr, wie Harry verschwand, hatte das Ministerium es geschafft alles zu vertuschen. Ich bezweifle nicht einmal, dass sie dafür nicht irgendeinen faulen Zauber benutzt haben, kaum einer kennt ihn noch oder verbindet Voldemort mit ihm, es ist echt unfair!

Neugierig öffnete Harry die Tür zum Tropfenden Kessel, nachdem Hermine ihm die Tür gezeigt hatte. Das Pub war nicht übermäßig voll, so das man auf den ersten Blick ausmachen konnte, ob welche da waren, die sie kannten.

„Hallo Mrs. Weasley! Brauchen sie ein Zimmer? Werden sie länger bleiben?“, begrüßte Tom, der immer älter werdende, zahnlose Wirt freundlich und unterbrach seine Arbeit – Gläser putzen.

„Oh nein, ich werde heute abend wieder nach Hause fahren, muss nur ein paar Einkäufe in der Winkelgasse erledigen. Mein Freund hier – sie legte ihre Hand auf die Schulter von Harry, der neben ihr stand, und schaute in Toms Gesicht, um seine Reaktion abzuwarten – kommt in die erste Klasse.“

„Oh, guten Tag, junger Mann. Bist du schon aufgeregt?“

Höflich nickte Harry und schaute dann unsicher zu Hermine hoch, die missmutig zur Seite schaute; sogar dieser nette Wirt, der zu den ersten gehört hatte, als Harry damals wieder aufgetaucht war, der ihn gesehen hatte, hatte ihn vergessen.

„Auf Wiedersehen Tom! Und grüßen sie ihre Familie von mir!“, verabschiedete sie sich schnell und schob Harry zu der Wand, durch die es zur Winkelgasse ging.

„Sie ihre auch, Mrs. Weasley!“, rief Tom noch hinterher und machte sich dann wieder an seinen Gläsern zu schaffen.

Hastig zog Hermine ihren Zauberstab, hielt aber inne, kurz bevor sie gegen den ersten Stein tippte.

„Verdammt!“, murmelte sie, „So kann ich nicht gehen.“

Sie zog mit ihrem Stab Kreise um sich und murmelte etwas, was Harry aber nicht verstehen konnte. Als sie fertig war, stand sie in einer dünnen, dunkelgrünen Robe da und sah wesentlich zufriedener aus. Als sie Harry Blicke bemerkte lächelte sie kurz und tippte dann auf bestimmte Steine und öffnete somit den Durchgang zur Winkelgasse.

Der Gesichtsausdruck von Harry war überwältigend.

„So schön war sie in meinen Träumen nicht!“, sagte er nur und folgte dann stumm seiner Begleiterin.

„Ich werde als erstes die Bücher holen. Willst du mitkommen, oder hier bei Madam Malkin bleiben, um deine Roben machen zu lassen?“, erkundigte sich Hermine, nachdem sie bei Gringotts waren, um sein Geld zu holen. Es war in der Tat wieder fast soviel wie damals...

„Ich denke, ich werde hier bleiben. Glaubst du, dass ich diesem blonden, unfreundlichem Jungen begegne?“, wollte er wissen und schaute ihr offen in die Augen.

„Oh nein, dieser blonde Junge ist bereits fünfunddreißig Jahre alt und wird dich in Zaubertränke unterrichten! Außerdem ist er nicht mehr sonderlich unfreundlich. Nur noch ein bisschen“, antwortete sie grinsend und trennte sich von ihm, indem sie sich auf ein großes Gebäude bewegte und Harry die Tür zum Geschäft von Madam Malkin.

 

„Hogwarts, mein Lieber?“, begrüßte ihn eine freundliche Frau und schob ihn, ohne eine Antwort abzuwarten, auf einen kleinen Hocker und ordnete an, das verzauberte Maßbänder seine Maße nahmen.

Neben ihm stand ein blondes Mädchen, dass ein kleines bisschen größer war als er. Sie hatte lange, glatte Haare, die sie kunstvoll hochgebunden hatte, ihre blauen Augen musterten Harry interessiert.

„Kommst du auch nach Hogwarts?“, erkundigte sie sich mit einem leichten Lächeln, anscheinend hatte sie die Frage der Hexe nicht mitbekommen.

„Ja, komme ich, du auch?“

„Ja! Mein Bruder auch, weißt du, wir sind Zwillinge, aber weil wir gleich groß sind, hat Mum nur mich hier gelassen und ist mit Xerxes zu Florish & Blotts gegangen, um unsere Bücher zu kaufen.“

„Ich habe leider keine Geschwister. Ich bin nur bei meinen Verwandten aufgewachsen.“

„Muggel?“

„Ähm – er erinnerte sich wage an einen Traum und die Bedeutung dieses Wortes – ja.“

„Du armer. Meine Eltern sind Gott sei Dank beide Magier. Aber die Eltern meiner Mum sind Muggel, sind jedoch ganz nett, nur haben sie so komische Sachen in ihrem Haus. Kannst du mir mal erklären, wozu man einen Sternseher gebrauchen könnte?“

Grinsend nickte Harry.

„Eigentlich heißt das gerät Fernseher, man kann ihn anmachen und interessante Dinge gucken, zum Beispiel verfilmte Bücher, Nachrichten, Dokumentationen. Viele Muggel schauen fast den ganzen Tag fern, nicht wirklich mein Fall, aber mein Cousin könnte zum Beispiel gar nicht ohne leben.“

Interessiert hörte das Mädchen zu und sprang von ihrem Hocker runter, als er geendet hatte, weil ihre Roben fertig waren.

„Warte noch zwei Minuten, dann sind deine auch fertig!“, erklärte die Hexe und ging in einen anderen Teil des Geschäftes.

„Ich kann auf dich warten, wenn du willst. Ich muss eh hier bleiben, bis meine Mum mich abholt.“

„Ja, Hermine holt mich auch hier wieder ab.“

„Hermine?“

„Hermine Granger, sie hat mich von meinen Verwandten weggeholt und geht mit mir jetzt meine Schulsachen einkaufen.“

„Wow. Hermine Granger ist wohl die berühmteste Heilerin seit Dilys Derwent. Und mit DER bist du hier? Klasse, ich wollte sie schon immer mal kennen lernen. Mein Dad war mit ihr auf der Schule und meine Mum ist mit ihr befreundet, aber ich habe sie noch nie gesehen.“

Verzerrte Bilder. Vier Gestallten standen in einer großen Halle, wahrscheinlich Hogwarts. Drei Jungen und ein Mädchen. Der eine Junge von den anderen ein Stück entfernt; hasserfüllte Blicke.

„Aber dein Dad und sie haben sich nicht sonderlich gut verstanden“, sagte Harry und hüpfte jetzt auch von seinem Hocker, zahlte und setzte sich dann mit dem Mädchen nach draußen auf einen länglichen Stein. Von Hermine und ihrer Mutter war keine Spur.

„Spielst du Quidditch?“, erkundigte er sich neugierig. Seine Träume vom Fliegen waren zwar alle sensationell gewesen, aber er saß noch nie auf einem Besen und wollte deshalb alles darüber erfahren.

„Nein, aber mein Bruder spielt. Ich komme in der Beziehung eher nach meiner Mutter. Wir mögen die Höhe nicht sonderlich und bleiben deshalb eher auf dem Boden. Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich sogar sagen, dass ich ziemliche Angst vorm Flugunterricht habe!“, gestand sie und blickte nach unten auf ihre Schuhe.

„Es wird schon nicht so schlimm sein! Es fliegen so viele und es ist noch nichts passiert. Es ist bestimmt nicht gefährlich!“

„Du redest schon wie mein Bruder!“, lachte sie. „Wie heißt du eigentlich?“

„Harry Potter!“, antwortete er, ohne eine Reaktion abzuwarten.

„Interessant, ich heiße Xenia Malfoy. Mein Dad ist der Zaubertränkelehrer und ist gerade in der Apotheke, um neue Zutaten zu kaufen.“

„Ist deine Mum auch Lehrerin?“

„Nein, sie arbeitet als Ausbilderin im Aurorencamp. Erst war sie Aurorin gewesen, aber nachdem sie ihr eines Knie so zertrümmert hat, dass selbst ein Heiler sie nicht mehr ganz bekommt, humpelt sie ziemlich und kann nicht mehr auf Patroulliengänge gehen und deshalb leitet sie jetzt mit Alastor Moody das Camp.“

„Ich glaube da kommt Hermine! Mit deiner Mum“, unterbrach er sie plötzlich, als er zwei Frauen, beide in dunkelgrüne Roben gehüllt, und eine Junge von der Buchhandlung kamen.

„Stimmt, und Mum ist auch dabei und Xerxes.“

„Hallo ihr beiden!“, begrüßte Hermine sie und überreichte Harry einen Stapel Bücher.

„Hier, dass sind deine, und jetzt gehen wir erst einmal was essen! Den Zauberstab, die Zaubertankzutaten und den anderen Kram können wir auch später holen!“

Mit diesen Worten setzte sie sich in Bewegung. Die blonde Frau der Junge und Xenia folgen ihnen. Ohne weiter auf Harry einzugehen, unterhielt sich Hermine mit der Frau. Harry kam das ganz gut gelegen, da er eher damit beschäftigt war seine Bücher zu tragen.

„Soll ich dir helfen?“, bot der Junge, Xerxes, ihm an.

Dankbar nickte Harry und gab die Hälfte seiner Bücher den Jungen, der nur einen Beutel trug, und der schien nicht sehr voll zu sein.

„Mein Dad müsste auch gleich nachkommen. Er...“

„...war noch in der Apotheke. Ich weiß, deine Schwester hat davon erzählt.“

„Diese Schwatzliese!“, brummte Xerxes, „Sie kann nie ihr Mund halten.“

Harry schluckte die Bemerkung runter, die ihm auf der Zunge brannte. DU wolltest es mir doch auch gerade erzählen!

 

Im Tropfenden Kessel setzten sie sich um einen großen Tisch und begrüßten wenig später Xenias und Xerxes Vater. Hermine küsste ihn sogar auf die Wange, und er tat es ihr gleich.

„Hermine! Schön dich zu sehen! Wie geht es dem Herrn Ehemann? Und den Kindern? Bist du heute alleine hier?“, erkundigte er sich und setzte sich neben seine Frau, nachdem er ihr einen Kuss gegeben hatte.

„Ich bin in Begleitung. Siehe da, zufällig sitzt er gerade neben deinen Kindern!“

Nichtahnend drehte sich Draco um, um sich ihre Begleitung anzusehen, als ihm auch schon die Kinnlade herunterklappte.

„Wie? Der sieht ja aus wie Potter!“, bemerkte er, mit gesenkter, entsetzt erschrockener Stimme.

„Er sieht nicht nur so aus, es ist es auch!“, erklärte Hermine, ebenfalls mit gesenkter Stimme. Im Schnelldurchlauf  erzählte sie ihm die Geschichte und endete mit einem: „Und was merkwürdig ist: Anscheinend erkennt ihn kein Mensch wieder. Kein Zauberer auf der Straße, nicht einmal der Wirt Tom. Hat das Ministerium damals was gedreht, dass er aus den Köpfen der Menschen verschwindet? Aber wieso habe ich ihn dann nicht vergessen? Oder Minerva? Und du hast ihn ja auch wiedererkannt!“

Während sich Hermine mit den Malfoys unterhielt, versuchte Harry nicht neugierig hinzuhören, sondern unterhielt sich mit den Zwillingen, die sehr nett waren.

„Weisch u irwndwas üer de Schauerweld?“, erkundigte sich Xerxes mit vollem Mund, seine Schwester zog es vor den Mund zu halten, wenn er voll war.

Erst wollte Harry nicken, erinnerte sich dann aber rechtzeitig daran, dass das etwas merkwürdig wäre, schließlich waren die Träume nicht normal, wie Hermine bestätigt hatte, und somit dürfte er eigentlich nichts wissen. Deshalb schüttelte er leicht den Kopf und schluckte sein Essen runter.

„Könnt ihr mir was über Hogwarts erzählen?“, fragte er dann noch, damit es überzeugend rüber kam.

„Klar!“, begeisterte Xerxes sich, nachdem er seinen Mund geleert hatte.

„Es gibt vier Häuser, Slytherin, Hufflepuff, Ravenclaw und Griffindor, jedes Haus hat seine Quidditchmannschaft, und jedes Jahr kämpfen die Häuser um den Hauspokal. Mein Dad hat erzählt, dass Hufflepuff ihn die letzten zwei Jahre gewonnen hat, was das erste Mal seit der Entstehungsgeschichte Hogwarts der Fall sei, aber dieses Jahr werden wir uns bemühen, dass Slytherin wieder gewinnt.“

„Ach, du weißt jetzt schon, dass du nach Slytherin kommst?“, erkundigte sich Harry und dachte an den Traum den er hatte, als „er“ und Draco Malfoy bei Madam Malkin waren.

„Naja, eigentlich nicht, aber bis jetzt waren alle Malfoys in Slytherin. Hast du schon eine Ahnung, wohin du kommen könntest?“

„Du Trottel! Wenn er nichts über Hogwarts weiß, wird er auch nichts darüber wissen!“, schaltete seine Schwester sich ein und verdrehte gekonnt die Augen.

„Stimmt!“, sagte er lahm zurück und wandte sich wieder seinem Essen zu, Harry war seinen Gedanken wieder alleine gestellt.

Es ist so unfair, ich weiß eigentlich alles über Quidditch, Hogwarts und die Zaubererwelt, aber ich kann nichts sagen, da ich Hermine so in Schwierigkeiten bringen würde und außerdem ist es ja schon merkwürdig, dass ich alles schon weiß.

Wo ich wohl die restlichen Sommerferien verbringen werde? Bei Hermine und ihrer Familie? Wahrscheinlich nicht. Sie hat schon viele Kinder und ich würde ihr bestimmt nur zur Last fallen.

„Harry? Harry! Harry!? Wir wollen gehen!“, schrie Hermine fast, da er nicht reagierte.

„Was?“, schreckte er auf, „Oh..., okay, wohin zuerst?“

Die Malfoys waren bereits gegangen, traumatisiert folgte Harry Hermine aus dem Tropfenden Kessel. Blind vor Träumereien stolperte er in Ollivanders Zauberstäbe und wachte erst wieder richtig auf, als er gegen den Tresen lief. Er blickte hoch und betrachtete die aufgetürmten Schachtel, in denen wohl die Zauberstäbe waren.

„Guten Tag! Was kann ich für sie tun?“, erkundigte sich Mr. Ollivander, als er plötzlich aus der Dunkelheit trat. Silberne Augen blitzen Harry an, so dass der Junge einen Schritt nach hinten machte.

„Ein Zauberstab für den jungen Herrn, bitte!“, erklärte Hermine und prüfte den alten Mann mit einen undurchdringlichen Blick, aber der Mann kümmerte sich nicht darum, sonder ging zum Tresen, um ein Maßband zu holen.

„Mrs. Weasley, nicht wahr? Ich habe gehört, dass sie eine recht steile Karriere als Heilerin gemacht haben. Lag es an ihrem Zauberstab? Elfenbein mit Drachenherzfaser, fünfzehn Zoll?“

Sie zuckte die Schultern und duckte sich leicht, als er die Schublade öffnete, und ein Maßband heraus flog, um Harrys Maße zu nehmen.

Das kann doch nicht wahr sein! WIESO erkennt Ollivander Harry nicht? Erkennt doch jeden, erinnert sich an jeden Käufer... das ist doch unmöglich! Herr Gott, gleich platze ich vor Wut!

„Welche Hand ist deine Zauberhand?“, erkundigte sich Ollivander, ohne auf Hermines dampfenden Ohren (natürlich nur symbolisch gemeint) einzugehen.

„Ich bin Rechtshänder!“, antwortete Harry schüchtern und folgte mit seinen Augen Ollivander, der zu einem Regal ging, während der Abstand Harrys Nasenlöcher gemessen wurde.

„Hier! Versuchen sie den. Rotkirsche mit Einhornhaar, zwölf Zoll, federt ein wenig.“

Harry nahm ihn in die Hand und schwang in herum, doch ehe er die Hand wieder still halten konnte, nahm Ollivander ihm den Stab ab. Nein, keine gute Idee. Hier: Linde mit Drachenherzfaser, extrem biegsam, 8 Zoll.“

Bevor Harry etwas machen konnte, nahm Ollivander ihn Harry wieder weg.

„Nein, auch nicht, hier: Pappel und Phönixfeder! Sechszehn Zoll, sehr stabil.“

Harry probierte und probierte. Wie in meinem Traum! Aber als nach einer Stunde immer noch keiner gefunden wurde, verlor Hermine, die sich bereits einfach auf den Boden gesetzt hatte, die Nerven.

„Sie haben nicht zufällig einen aus Stechpalme mit Phönixfeder, elf Zoll? Handlich und geschmeidig?“, erkundigte sie sich mit barscher Stimme und stemmte die Hände in die Hüfte.

„Stechpalme, meine Liebe? Wir benutzen dieses Holz nur sehr selten, und noch seltener mit Phönixfedern! Wie kommen sie bloß auf so eine Verbindung?“

„Ich weiß nicht, aber irgendetwas anderes sollten sie vielleicht ausprobieren, dieser Junge scheint zu den schwierigen Kunden zu gehören“, sagte sie ihn einem festen, aber nicht unfreundlichen Ton.

„Hmm, ich müsste mal ins Lager schauen, dort bewahren wir in der Regel die bereits benutzen Zauberstäbe auf. Letzte Woche haben wir eine neue Lieferung bekommen, von den Zauberstäben verstorbener Benutzer.“

Mr. Ollivander verschwand durch eine Tür in einen Nebenraum, Harry schaute Hermine mit großen Augen an und sie selber kochte vor Wut. Und es gab niemanden, der darüber soweit Bescheid wusste, dass sie ihn hätte fragen können. Vielleicht irgendwelche Ministeriumsangestellte, aber ob die reden würden?

Die Tür zum Nebenraum öffnete sich und Mr. Ollivander kam mit einem kleinen Stapel Zauberstäbe wieder zurück.

„Ich habe gleich mal alle mitgebracht. Und es ist sogar einer dabei, der auf ihre Beschreibung passt! Woher wussten sie das nur? Hier, junger Mann, Stechpalme, Phönixfeder, elf Zoll, geschmeidig und handlich.“

Ein Gefühl von Schwerelosigkeit durchströmte Harry und ließ seinen Zauberstab aufleuchten. Ohne weiter darüber nachzudenken, schwenkte er ihn durch die Luft und murmelte „Lumos“, so wie er es sich aus seinen Traum gemerkt hatte. Mr. Ollivanders und Hermines Augen leuchteten und sprühten vollkommenen Schrecken aus.

„Harry! Woher kannst du das?“, erkundigte sich Hermine, als sie sich wieder gefasst und Mr. Ollivander ehrfürchtig den Zauberstab entgegen genommen hatte.

„Geträumt!“, murmelte Harry, als er bemerkte, dass es wahrscheinlich unpassend gewesen war.

Mit hochgezogen Augenbrauen räusperte sich Mr. Ollivander kurz und sagte zu Harry: „Ja, ähm, ich denke, fünf Galleonen sind angemessen. Früher wird er mal sieben gekostet haben, aber ist bereits über dreißig Jahre alt und auf keinen Fall mehr wert! Und, Mrs. Weasley, es würde mich doch sehr interessieren, woher sie das wussten.“ Er gab Harry den Zauberstab zurück.

Harry zahlte schnell und verließ dann mit Hermine, die keine Antwort auf Mr. Ollivanders frage gab, den Laden.

 

„Hermine?“

„Hmm?“

„Du meintest doch, dass ich, oder zumindest jemand, der so aussah und so hieß wie ich, vor vierundzwanzig Jahren schon einmal existierte, oder?“

„Ja?“

„Wieso spricht mich darauf keiner an? Weshalb haben Mr. Malfoy und du euch darüber so leise unterhalten? Und vor allem: Seit wann bist du mit Mr. Malfoy befreundet? Früher habt ihr euch doch gehasst, oder?“

Ein kurzes Lächeln huschte über Hermines Gesicht.

„Ja, wir haben uns mal abgrundtief gehasst, aber als Harry Potter, also im gewissen Sinne du, damals verschwand, und ich direkt daneben war, brach ich zusammen. Keiner war dabei, so dass ich ganz alleine war. Die anderen Zauberer schwirrten im Verbotenen Wald herum, aber ich wurde erst einmal nicht gefunden. Drei Stunden später fand Draco mich, zusammen gekauert, verletzt und mit verheultem Gesicht. Das war das erste Mal, wo er nicht an unsere Feindschaft dachte und mich einfach nur tröstend in den Arm nahm. Ich glaube, da fing unsere „Freundschaft“ an.

Aber zu dem Problem, weshalb dich keiner mehr erkennt, kann ich nichts sagen. Ich weiß es nämlich nicht. Vielleicht hast du es gemerkt, aber ich habe fast gekocht vor Wut, als sogar Mr. Ollivander keine Ahnung hatte, wer du bist.“

„Ja, man hat es gemerkt. Gehörte dieser Zauberstab – er hielt seinen hoch – damals meinem Vorgänger?“

„Scheint so, der einzige andere, der aus den gleichen materialen bestand, war dreizehneinhalb Zoll lang. Ich frage mich nur, woher er den hat. Ich dachte immer, das der Zauberstab mit Harry Potter zusammen verschwand.“

Ohne Vorwarnung blieb Hermine plötzlich vor einem Geschäft stehen und Harry prallte voll gegen sie.

„Wir müssen hier deinen Kessel und eine Waage kaufen und vielleicht finden wir auch ein paar praktische Behälter für deine Zutaten.“

Er folgte ihr in den hellen laden und betrachtete neugierig die ganzen Kessel, die es in wirklich jeder Größe und in jedem Material zu kaufen gab. Interessiert blieb er vor einem Sortiment goldener Kessel stehen. Hastig kramte er seinen Brief raus und überprüfte, welchen er brauchte. Zinn, Normgröße 2.

„Schade!“, murmelte er und ging an den Regalen vorbei, um die Abteilung der Zinnkessel zu suchen. Schließlich wurde er fündig und erkannte auch, weshalb es Zinn sein sollte. Zwischen zehn  Silbersickel und fünf Galleonen war doch ein erheblicher Unterschied.

Er griff sich einen in der passenden Größe und suchte Hermine, die er vor einem Regal voller Wagen wieder fand.

„Oh, da bist du! Ich glaube, ich habe eine passende Waage gefunden. Und kleine Kisten sind tatsächlich im Sonderangebot! Komm, wir sollten uns beeilen, heute ist Freitag und die Geschäfte machen früher zu und wir müssen schließlich noch Zaubertrankzutaten, deine Kristallgefäße und Drachenhandschuhe besorgen.“

Sie eilte zur Kasse, aber nicht ohne vorher an einem Tisch vorbei zu laufen, um dort kleine Kisten und Kästchen einzusammeln, und stellte alles auf einem Tresen ab. Harry bezahlte dem Zauberer hinter der Kasse eine Galeone, drei Silbersickel und fünf Knut. Hermine tat das gleiche, wahrscheinlich für ihren Sohn Matthias, der ja auch neu nach Hogwarts kam.

Dann ließ er sich von Hermine rausschieben und betrat mit ihr den nächsten Laden, wo es allerhand Schutzkleidung zu kaufen gab. Ohne großartig suchen zu müssen, fanden sie ein passendes Paar Drachenhandschuhe. Und in einer Nummer größer kaufte auch Hermine eines. „Für Matthias!“, war ihr Kommentar dazu, als sie bezahlte.

„Jetzt nur noch zur Apotheke. Wenn ich mich nicht irre, haben sie auch Kristallfläschchen. Komm! Die Apotheke liegt ein bisschen abseits.“

Er musste fast rennen, damit er mit ihr Schritt halten konnte, aber als er an Qualität für Quidditch vor bei kam, musste er einfach stehen bleiben. Hermine bemerkte es erst, als sie bereits weitere fünfzig Meter gegangen war.

Lächelnd kam sie zurück und stellte sich neben ihn.

„Ja, immerhin ist das geblieben. Du hast zwar sechs Monate später Geburtstag, aber immerhin hast du deine Leidenschaft fürs Fliegen nicht verloren. Ich persönlich konnte mich noch nie fürs Fliegen begeistern und habe immer noch meinen alten, klapperigen Sauberwisch Sieben. Ron lacht mich immer noch aus, wenn er sich daran erinnert.“

Schweigend hörte Harry ihr zu, schweifte aber gelegentlich mit seinen Gedanken ab, da er immer wieder an den Schnatz, den goldenen Schnatz denken musste.

„Es ist so unfair!“

„Was?“

„Das ich dieses Leben jetzt ein zweites Mal lebe und eigentlich bereits alles weiß und doch nichts wissen darf!“

Irgendwie scheint dieser Harry um einiges weiser zu sein, als der Harry von damals.

„Ich weiß und ich verspreche dir, das wir eine Lösung finden werden, aber erst einmal müssen wir zur Apotheke!“

 

Er folgte ihr wieder, diesmal ging sie aber langsamer.

„Hermine? Werde ich wieder eine Chance haben, schon dieses Jahr in der Hausmannschaft zu spielen?“

„Ich bezweifle es. Alle Positionen sind in allen Häusern besetzt, selbst wenn du Professor McGonagall wieder überzeigen kannst, wirst du allenfalls auf der Reservebank sitzen.“

Hermine, hör auf den Jungen so zu demotivieren. Du hättest es auch freundlicher sagen können! – Ich weiß, aber je direkter, desto weniger falsche Hoffnungen macht er sich. S hat sowieso schon so viel auf seinen jungen Schultern zu tragen. – Ja, daran bist du zum Teil Schuld, hättest ihm ja nicht gleich alles auf die Nase binden müssen! – Verschwinde! Ich will mich nicht mit mir selber streiten!

Fast wäre sie an der Apotheke vorbeigelaufen, wenn Harry sie nicht aufgehalten hätte.

Wie immer roch es ziemlich unangenehm in diesem kleinen Raum, aber es gab interessante Sachen zu begutachten. In einer Ecke gab es einen rieseigen Korb mit Käferaugen (Harry erinnerte sich an seinen aller ersten Traum) und auch die Einhornhörner zu je einundzwanzig Galeonen das Stück fand er wieder. Doch irgendwie war die Apotheke in seinem Traum um einiges größer gewesen.

Während er sich neugierig umschaute, vertiefte sich Hermine mit der Hexe hinter dem Tresen in ein Gespräch – anscheinend kannten sie sich – und fragte nach zwei Sortimenten Kristallfläschchen und den diesjährigen Zaubertrankzutaten, auch zweimal.

Kurz bevor der Apotheke schließen würde, verließen Harry und Hermine sie und schlenderten die Gasse entlang.

„Wollen wir noch ein Eis essen gehen, ehe ich dich meiner Familie vorstelle?“

„Oh ja, das wäre echt cool!“, begeisterte sich Harry und folgte ihr mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Wenig später hatten sie beide eine große Eistüte mit jeweils fünf Kugeln in der Hand.

„Hermine, war die Apotheke früher eigentlich größer?“, erkundigte sich Harry neugierig, während er sich durch seine Eiskugeln arbeitete.

„Ja, war sie tatsächlich, aber nach einem Anschlag der Todesser, lass mich kurz überlegen... vor fünfzehn Jahren, musste sie neue Räumlichkeiten belegen und es gab nichts größeres.

 

Nach weiteren zehn Minuten erreichten sie wieder den Tropfenden Kessel, dass Eis war bereits alle. Hermine klopfte mit ihrem Zauberstab wieder gegen vereinzelnde Backsteine, damit sich das Tor öffnete. Gespannt folgten Harrys Augen dem Geschehen.

 

Wenig später waren sie durch den Kamin des Tropfenden Kessels mit Hilfe von Flohpulver zu Hermines Haus gereist. In der Stube war niemand, aber Hermine störte sich nicht daran. Entweder waren ihre Familienmitglieder oben, draußen oder geisterten irgendwo in Hogsmade herum.

„Setzt dich Harry!“, sagte sie zu ihm und eilte in die Küche, um zu schauen, ob irgendetwas erledigt werden muss. Währenddessen setzte sich Harry etwas unsicher auf einen samtüberzogenen Hocker und starrte durch die Tür, die ins Wohnzimmer, bzw. in die Bibliothek führte.

In greller, pinker Schrift stand auf neongrünem Papier eine Nachricht.

 

Hey Schatz!mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmlsl

Die Kinder und ich sind in den drei Besen. Komm doch mitsll

Harry nach, wenn du wieder da bist. Die Torte ist fertig undk

der Hausputz erledigt.lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllmlll

Ich liebe dichlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllfl

Ronllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllkl

 

Lächelnd legte sie das Papier auf den Küchentisch und blickte halb erstaunt – weshalb auch immer – auf, als Harry in die Küche kam.

„Du hast ein echt schönes Haus und nicht so penibel sauber, wie bei den Dursleys.“

„Danke. Harry, wollen wir zu den Drei Besen? Meine restliche Familie ist da und dann kannst du sie auch gleich kennen lernen. Oder möchtest du dich erst einmal ausruhen und dir dein vorrübergehendes Zimmer anschauen?“

„Nein. Ich meine, nicht unbedingt, das kann ich ja auch noch später machen!“, sagte er etwas verlegen und betrachtete den blauen Fleck auf dem Küchenfußboden, den Ron am Abend zuvor auch sehr interessant gefunden hatte.

„Aber ich habe schon eine Frage. Ich denke nicht, dass ich jetzt hier wohnen werde, oder? Wo werde ich bleiben? Zu den Dursleys komme ich anscheinend nicht zurück – worüber ich sehr froh bin!“

„Ich weiß es nicht genau, aber ich denke, dass du die restlichen Ferien bei uns verbringen wirst und danach sehen wir weiter. Aber du kannst mir glauben, wir werden eine langfristige Lösung finden! Und jetzt komm.“

Sie ging zur Haustür, wartete, bis Harry sie eingeholt hatte, trat raus und zeigte Harry dann den Weg zu den Drei Besen. Die Sonne schien noch recht heiß und hell, obwohl es schon spät nachmittags war. Nach dem zurücklegen der halben Strecke, zog sich Hermine den grünen Umhang aus und lief den Rest des Weges in einer kurzen, schwarzen Jeans – die ihre langen, braunen Beine enthüllte - und einem ärmellosen, V-Ausgeschnittenen, engen, blauen Top.

Auch wenn Harry erst elf war und für so etwas eigentlich kein Interesse hatte, musste leicht schlucken. Als Hermine dann auch noch ihren Zopf löste und sich gedankenverloren durchs Haar fuhr, war es aus und er schaute schnell zur Seite, wo zufällig die heulende Hütte stand.

„Wir sind da, Harry!“, hörte er plötzlich Hermines Stimme, als sie noch weitere hundert Meter gegangen und bei dem Pup angekommen waren.

 

„Da seit ihr ja!“, begrüßte Ron sie und öffnete den Mund, um weiter zu sprechen, als er Harry erblickte. Verdammt, wie damals, als ich ihn das erste mal sah. Elf Jahre, unschuldig, freundlich, höflich, mein bester Freund.

„Hallo Harry!“, sagte er etwas steif und zeigte dann mit seiner Hand auf zwei freie Plätze am Tisch.

„Was wollt ihr trinken?“, erkundigte sich Ron und riss seine Augen unnatürlich auf.

Prüfend schaute Hermine auf ihre blaue, mit Brillianten besetzte Armbanduhr, die Ron ihr zum zehnten Hochzeitstag geschenkt hatte. Das war der Tag, an dem sie ihre alte Uhr, die sie immerhin fünfundzwanzig Jahre getragen hatte, abgelegt hatte, und im Verbotenen Wald begraben, zu Harrys Ehren. Es tat ihr immer noch weh.

„Ich denke es ist spät genug, um ein bisschen Alkohol zu genießen!“, lächelte sie listig. „Ich nehme einen Irish Coffee. Harry, was möchtest du?“

„Was gibt es hier denn so?“, fragte er schüchtern. „Ich denke nicht, dass es hier Brause gibt, oder?“

„Nicht wirklich!“, schaltete sich Mina mit piepsiger Stimme ein, „Aber die Milch ist gut, und dann gibt es gelben, grünen und roten Punsch, Butterbier, - Hermine schaute tadelnd in ihre Richtung -  oder auch nicht, Orangensaft, Kürbissaft, Mineralwasser und so ne braune Soße, aber ich würde sie an deiner Stelle nicht probieren... sie schmeckt irgendwie nach Spülwasser!“

„Okay, dann nehme ich Kürbissaft!“, entschied er sich, als ihm wieder eine Erinnerung einfiel, wie Kürbissaft schmeckte.

Am gesamten Abend trank er vier Liter Kürbissaft. Wie sehr hatte er diesen Geschmack vermisst

Es ist alles so verwirrend. Harry ist wieder da, lebendig, mit verstrubeltem Haar, genau wie damals. Mit den gleichen Eigenschaften und ich weiß nichts. Nicht wie das passieren konnte, nicht was man hätte tun können. Das erste Mal in meinem Leben fühle ich mich total unwissend, habe keinen Sinn mehr zu existieren.

 

 

Kapitel 2:  Rawiya Thankmar

 

„Ein Kürbissaft, bitte!“, rief ein schwarzhaariger Mann Rosmerta zu, die ihm eines ihrer seltenes Lächeln schenkte. Er hatte immer noch diese ätzende Angewohnheit dieses süße Getränk zu trinken. Nicht einmal Butterbier konnte ihn davon abhalten.

„Geht klar!“, antwortete sie und begab sich hinter den Tresen, das Tablett, welches sie unter dem Arm trug, setzte sie nicht ab.

Nach einer Minute wurde der Mann es müde, ihr hinterher zu schauen und wandte sich deshalb wieder seiner Zeitung zu. Den Tagespropheten hatte seit achtzehn Jahren nicht mehr angerührt, so war es doppelt spannend mal wieder rein zuschauen.

„Immer noch der gleich Mist!“, murmelte er in seinen ordentlich gestutzten Bart und blickte mit seinen undurchdringlichen Augen, grün wie Smaragde, auf, als ein Glas mit rötlichem Saft vor seine Nase gestellt wurde.

„Mach zwei Sickel, mein Herr!“, forderte Rosmerta, lächelte dabei aber verschmitzt, als sie ihre Hand vor seine Nase hielt.

Schräg blickte er nach oben, ehe er sich die Mühe machte seinen Geldbeutel raus zu kramen, und ihr drei silberne Münzen in die Handfläche legte.

„Rest ist Trinkgeld!“, brummte er mit einem kaum erkenntlichen Grinsen.

„Danke, mein Herr!“

Sie verschwand und er war wieder alleine mit seiner Zeitung.

Ich habe lange nicht mehr so einen Stuss gelesen, seit der Geschichte, wie sie das Verschwinden von vierzig Leuten vertuschten. Sammlungsverdeckungszauber... pah! Das ich nicht lache. Und nun? Sie wundern sich, weshalb die Regierung immer weiter fällt. – Ach, wenn doch Ron hier wäre... oder Hermine, oder Ginny, oder... Hermine und Ron wären jetzt bestimmt schon ewig verheiratet und Ginny und ich? Vielleicht auch...

Er trank seinen Saft, las die schwachsinnigen Artikel des Tagespropheten und beachtete nicht die Zeit. Um dreiundzwanzig Uhr schreckte er plötzlich hoch, als er seine Uhr ticken hörte.

Es war die rot, goldene Uhr Hermines, die er vor Ewigkeiten im Wald gefunden hatte. Noch jetzt wunderte er sich, wie sie dahin kam, und dann auch nicht in einer Schachtel, plus Brief, leider konnte er die Ziffern nicht erkennen, da die Tinte durch den Regen total verlaufen war. Nur drei Worte hatte er erkennen können. In Gedenken, Hermine.

Seit diesem Tag trug er die Uhr Tag und Nacht und studierte jedes Buch, was ihm vielleicht weiterhelfen könnte. Was hatte das zu bedeuten?

Aber erst einmal war wichtig, dass er jetzt einen Termin hatte, den man nicht warten lassen sollte.

Rawiya Thankmar, eine ungewöhnliche Frau, garantiert, war mehr als schwierig, aber trotzdem faszinierte sie Harry Potter so sehr, dass er sich mit ihr intensiver befasste, als es andere billigten. Es interessierte ihn nicht im geringsten. Die einzigen Menschen, die ihm je etwas bedeutet hatten, waren allesamt verschwunden und er verspürte nicht den Drang, sich zu viele neue Freunde zu machen, zu groß war der Schmerz, wenn man sie verlor. Lieber hielt er die Zahl überschaulich klein. So waren so ziemlich die einzigen Menschen, mit denen er sich befasste, Rawiya und ein alter Mann, dem er in Irland begegnet war. Niemand kannte seinen Namen, auch Harry nicht, er nannte ihn nur Freund, und das war er wirklich.

Von Freund hatte Harry in zwei Jahren mehr gelernt, als in den gesamten sieben Jahre, die er zur Schule ging. Und man spricht nicht von dunklem Zauber, sondern von ungewöhnlichen Heilzaubern, Verwandlungen und muggeliger Verteidigungen.

Wenn Harry es bekannt machen würde, gälte er als mächtigster Zauberer, jetzt, als Dumbledore verschwunden war, und das mit fast fünfunddreißig!

Natürlich nannte er noch wesentlich mehr Menschen seine Freunde, aber niemand lag ihm so sehr am Herzen, wie diese beiden Menschen.

Schnell verließ Harry das Pub und eilte einen Feldweg zum Schloss hoch. Noch waren Sommerferien, so dass er es sich erlauben konnte unter der Woche nach Hogsmade zu gehen, aber bald würde die Schule anfangen und dann müsste er seine geliebten Streifgänge durch den Wald und Umgebung erst einmal sein lassen. Wie sehr er sich schon auf die nächsten Ferien freute, er war ewig nicht mehr in Irland gewesen und vor sechs Jahren hatte er Freund das letzte Mal gesehen.

Als die letzten Sonnenstrahlen untergingen, erreichte Harry das Schloss, aber er ging nicht hinein, sondern lenkte seinen Weg zu Hagrids alten Hütte. Niemals hätte er gedacht, das Hagrids Nachfolger die Hütte beziehen würde, aber Rawe hatte es getan. Dafür war er ihr furchtbar dankbar.

Zaghaft klopfte er an die massige Tür, Rawe hörte ihn trotzdem.

„Du bist spät dran!“, murmelte sie, als sie die Tür mit Zauberhand öffnete.

Zögernd trat er ein. An den neuen Anblick hatte er sich immer noch nicht gewohnt. Das Bett ist ca. einen Meter geschrumpft und war trotzdem noch gewaltig. Der Tisch und die beiden Sessel in blauem Brokat waren ebenfalls wesentlich kleiner, als ihre „Vorgänger“. Der Boden war mit einem alten, chinesischen Teppich bedeckt, den Harry ihr persönlich aus China mitgebracht hatte.

„Ich weiß!“, sagte er und ließ sich unaufgefordert auf den Sessel, der noch frei war, fallen.

“Tee?“, erkundigte sie sich und erhob sich, legte vorher aber das Buch, welches sie gelesen hatte, zur Seite.

„Ja, bitte!“, sagte er und schielte neugierig zu ihrem Buch. Enuzkruz hulounic vehmelsn. Theoretische magische Tiere?

„Rawe, was ließt du da?“, erkundigte er sich interessiert. „Was gibt es neues über theoretische magische Tiere. Oder ist das die alte Ausgabe?“

„Seit wann kannst du Alte Runen lesen? John hat mir gesagt, dass du früher nie Alte Runen belegt hast. Hermine Granger war aus deinem Jahrgang die einzige aus Griffindor.“

„Man muss so etwas ja nicht in der Schule lernen!“, lächelte Harry und nahm dankend die dampfende Tasse Fencheltee entgegen.

„Das stimmt natürlich auch. Na gut,... ich glaube, das ist die neuste Ausgabe. Ingeborg Hendrixen hat dieses Buch, glaub ich, zwanzig mal oder so umgeschrieben. Das neuste, was sie hinzugefügt hat, ist ein Kapitel über Heliopathen. Ich habe es fast beendet. Ist sehr interessant. Möchtest du mal schauen?“

„Oh ja, gerne, wenn du nichts dagegen hast. Ich werde mir das Buch morgen mal ausleihen, oder so. Heute komme ich eh nicht mehr dazu.“

„Was hast du denn noch so wichtiges vor?“

„Nun ja, als erstes wird dieses Gespräch wohl wieder bis in den morgen dauern, und dann werde ich tot müde ins Bett fallen.“

„Selber schuld. Wenn du eher gekommen wärst, dann hätten wir das schneller erledigt. Naja, egal. Wie war deine Reise?“

„Abenteuerlich, sowie jede andere auch. Der Medizinmann aus den Appalachen hat mich drei Woche in eine Art Kurzlehre genommen. – Plötzlich lachte er leise – Und als ich mich verabschiedete, gab er mir wortlos ein Amulett. Es gibt genau drei Stück davon. Eines trug er, das Zweite habe ich und das dritte ist mit Dumbledore verschollen. Anscheinend war er auch einmal Schüler unter Medizinmann Schwarze Traumwolke.“

„Wie kann man Schwarze Traumwolke heißen?“, fragte Rawe total abwesend, während sie mit ihrem Haar spielte. Es war sehr lang, gelockt und kastanienbraun, aber im Moment war es hochgesteckt und nur einzelne Strähnen hangen in ihrem Gesicht. Ihre stahlblauen Augen blitzen und brachten die feinen, aber zahlreichen Sommersprossen zum funkeln.

„Ich denke, so heißen halt Indianer, bzw. Mitglieder des alten Medizinervolks. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie weitläufig ihr Wissen über heilende Magie ohne Zauberstab ist!“

Kurz schreckte Rawe hoch, schüttelte ihren Kopf verwirrt und schaute dann nervös zu Harry rüber.

„Harry, ich habe dich gerade nicht verstanden, was hast du gesagt?“

Lächelnd wiederholte Harry seinen Satz, das passierte öfter. Rawe war dafür bekannt, dass sie oft gedankenverloren abschweifte. Dies war auch der einzige Grund, weshalb er sie nicht als Lehrerin einstellte. Zu oft würde die Klasse unbeaufsichtigt sein, weil sie nicht in dieser Welt war.

Schweigend saßen sie in ihren Sesseln, schlürften Fencheltee und grübelten über verschiedene Sachen nach, als sie beide gleichzeitig aufschreckten, als sich ihre Standuhr zu Wort meldete. Es war Mitternacht.

„So!“, verkündete Rawe dramatisch, während sie sich vom Sesseln erhob und zu ihrem Schrank ging. Heraus holte sie ein großes Paket.

„Alle Gute zum Geburtstag, Schulleiter!“

Sie überreichte ihm das Paket, nachdem sie ihn fest umarmte und einen Kuss auf seine Wange platzierte.

„Aber...“, wollte er einwenden, ließ es aber dann doch sein, es hätte eh keinen Sinn.

Zaghaft öffnete er das Paket und fiel fast aus dem Sessel, als er erkannte, WAS es war. Ein dickes, uralt aussehendes Buch, ein Pergament, ein verschnörkelter Schlüssel und eine versilberte Feder lagen darin.

„Rawe! Die Sakrilikien! Woher...? Wie...?“

„Harry Potter!“, sagte sie streng, „Sei still oder ich bereue es noch. Seit ich dich kenne, habe ich nach ihnen gesucht. Ich wusste schon immer, dass du daran besonders interessiert warst. Du glaubst gar nicht, wie anstrengend es war, den ganzen Kram zusammen zu suchen!“

„Rawe, ich habe fast zwanzig Jahre daran gesessen und versucht sie zusammen zusuchen. DU hast genau fünf Jahre gebraucht, um ALLE zusammen zu kriegen. Wie hast du das geschafft?“

„Ich werde es dir ein andern Mal erzählen. Jetzt sage mir erst einmal, welche Sprache das ist, die in dem Buch steht. Ich konnte nicht einen Satz entziffern.“

Neugierig öffnete er das Buch und wurde erst einmal von einer Staubwolke und dann von verwirrten Buchstaben erschlagen. Verschiedene Wörter verzierten in verschiedenen Schriftarten die Seiten. Merkwürdige Skizzen schmückten sie aus.

„Das ist ein Code, soviel ich weiß eine Mischung aus Hebräisch, Alte Runen, Ägyptisch, Griechisch, Latein und Elbisch. Ich werde Wochen brauchen, um das zu übersetzten!“

„Vergiss darüber aber nicht deine Pflichten, als Schulleiter, sonst bereut das Ministerium noch deine Einstellung. Ich meine, erst jüngster Hausmannschaftssucher seit hundert Jahren, dann der jüngste Zauberer, der den Animaguszauber, Apparierzauber und Selbstkontrollierzauber auf einmal beherrschte. Dazu kommt, dass du, lass mich überlegen, sechs Mal den dunklen Lord besiegtest und überlebt hast. Zuletzt wurdest du jüngster Schulleiter überhaupt. Langsam reicht es, oder? Du solltest deine Position nicht unnötig gefährden!“

„Ist ja schon okay, Rawe!“, lachte er vergnügt, als er ihre genauen Untersuchungen bemerkte und bewunderte. Diese Frau war wirklich bemerkenswert mysteriös. Sie war drei Jahre jünger als er und doch so gescheit. Und dann noch in der Lage Dinge zu beschaffen, was er in zwanzig Jahren nicht geschafft hätte.

Irritiert blickte er auf, als er noch ein Päckchen vor seiner Nase schwenken sah. Es war blau. Dunkelblau.

„Was? Noch mehr? Rawe, alleine DAS hier entspricht mehr als allen Geburtstag- und Weihnachtsgeschenken, die ich überhaupt von die verlangen könnte. Was ist das jetzt noch?“

„Eine Kleinigkeit.“

Er kannte ihre Kleinigkeiten. Letztes Mal war ihre Kleinigkeit ein silberner Ring, der aus drei verschnörkelten Schlangen bestand. - Sie gehörte zu den wenigen, die wusste, dass er ein Parselmund war. – Und den bekam er zum Nikolaus.

Misstrauisch öffnete er das Päckchen. Heraus plumpste ein noch kleineres Schächtelchen. Ein Schummelpaket. Jetzt wurde er neugierig. Hastig öffnete auch diese Hülle und legte ein längliches Etwas frei, dass in grünes Seidenpapier eingewickelt war. Letztendlich war es eine Zigarette.

„Hä?“ Harry konnte nicht verhindern, dass dieser laut seiner Kehle entwich.

„Vielleicht glaubst du ja immer noch, dass du alles vor mir geheim halten könntest, aber ich habe schon vor Monaten gemerkt, dass du von diesen Muggeltabakdingern abhängig bist. Du bist dauernd von einer Rauchwolke umgeben. Aber ich dachte mir, dass du dir somit jede Menge Gold sparen könntest. Sie wird nie vollkommen erlischen und wenn du sie ausdrehst, dann vervollständigt sie sich sofort.“

„Danke!“, stieß er vollkommen überwältigt aus, sprang dann aber plötzlich auf, schloss seine beste Freundin in die Arme und wirbelte sie einmal herum. Wie Geschwister... nur, dass sie mir mehr als nur eine Schwester bedeutete.

Er setzte sie wieder ab und schaute ihr tief in ihre lachenden Augen.

„Wie lange kennen wir uns jetzt?“, fragte er unschuldig.

„Ich denke, so ca. zehn Jahre, wieso?“, fragte sie genauso unschuldig zurück. Ihr schelmisches Grinsen zeigte mehr als deutlich, dass sie was im Schild führte.

„Ach, nur so, wir sollten mal über eine Jubiläumsfeier nachdenken.“

„Jubiläumsfeier? Wofür? Das wir uns zehn Jahre lang nicht gestritten haben?“

„Nein, dafür, das wir uns zehn Jahre ertragen haben, trotz mancher Komplikation und Schwierigkeit. Das macht uns so schnell keiner nach. Ich glaube, uns kann nie etwas auseinander bringen!“

„Könnte sein!“, stimmte sie zu und legte dann unerwartet ihren Kopf auf seine Brust. So verweilten sie stumm eine Weile, bis sie wieder ihre Stimme erhob.

„Du bedeutest mir wirklich viel!“, erklärte sie zärtlich und versetzte Harry damit in eine Art Schockzustand.

Verdammt noch mal. Wenn ich darauf jetzt eingehe, und ich würde es wirklich gerne, dann ist unsere Freundschaft aus. Sie würde nie wieder existieren können und wenn... ich will da gar nicht rüber nachdenken.

„Du... mir... auch... “, erklärte er schließlich, gab seinen inneren Gefühlen nach. Wir benehmen uns wie Kinder! Ich könnte mir in den Hintern beißen!

Langsam löste sich ihr Kopf von seiner Brust. War es jetzt wirklich endlich aus dem Sack? War es SO leicht gewesen? Das kann doch nicht sein!

Ihre Münder näherten sich unheimlich langsam. Und dann verschmolzen sie mit überwältigender Leidenschaft. Ich habe jetzt meine beste Freundin verloren, um meinem, noch nicht ganz erloschenem, Gefühl nachzugehen... der Liebe.

In dieser Nacht passierte mehr, als Harry es eigentlich geplant hatte. Es war einfach zu heftig. Sie benahmen sich wie Teenager und dann doch wieder wie Erwachsene, die sich zwanzig Jahre nicht gesehen hatten und so ihre Leidenschaft bannen mussten. Aber so ähnlich war es ja auch.

 

Vor ungefähr zehn Jahren:

Die Nacht war eiskalt und ein unangenehmer Schauer durchfuhr ihn, als er den Platz erreichte. Schon wieder hatte irgendein durchgeknallter Zauberer die wahnsinnige Idee erreicht, Voldemorts Nachfolger werden zu können. Es war das Zeitalter der grausamen Massenmorde, Dunklen Zauber und Unsicherheit. Vor acht Jahren war Voldemort mit über vierzig anderen Zauberer, Hexen und Freunde verschwunden. Viele von ihnen standen auf der guten Seite.

Was ist gut? Was ist böse? Voldemort selber sagte einmal, dass es nichts dergleichen gäbe. Nur Macht und die, die sie nicht erkannten.

Ein Feld voller Tode erstreckte sich vor seinen traurigen Augen. Das Ministerium hatte ihn mit ungefähr zwanzig Orden ausgezeichnet und so ziemlich jede Arbeitstelle ist ihm angeboten worden, als er die Schule verließ, als der einzige Griffindor. Nur wenige waren aus seinem Jahrgang nicht verschwunden. Fast alle Lehrer mussten kurzfristig ersetzt werden und der Schulleiterposten wurde die restliche Schulzeit bis zu den Ferien vom Ministerium selber erledigt.

Jetzt saß seit fast zehn Jahren Mary-Rose Henning auf dem Schulleiterplatz, würde aber in zwei Jahren abdanken. Dann wäre der Platz wieder frei.

Harry selber hatte sich gleich nach seinem Abschluss (bester von zehn Absolventen) zum Ausbildungslager der Auroren begeben und drei Jahre dort verbracht. Er arbeitete sehr hart und verkürzte seine Zeit um ganze zwei Jahre. Normalerweise war nämlich fünf Jahre das Minimum der Aurorenausbildung. Wieder wurde er mit Orden überhäuft.

Wie viele habe ich jetzt? Fünfunddreißig? Hey, ich bin gerade mal fünfundzwanzig. Wie soll das aussehen, wenn ich so alt bin, wie Dumbledore es war?

Zeit zum Trauern hatte er nie gehabt. Zu hart pochte der Durst nach Antworten in seinem Kopf. Er WOLLTE wissen, was damals passiert war. Erwusste, das niemand von ihnen tot war, es hätte Leichen gegeben. Also musste er auch nicht trauern, sie waren ja nicht tot. Er hatte allenfalls das Privileg sie zu vermissen und ja, das tat er!

In der Ausbildungszeit sprach er wenig und nur dann, wenn er dazu aufgefordert wurde, nie von eigenem Antrieb. Seine Kameraden mieden ihn, da er ihnen seltsam vor kam. Tja, wer dachte das nicht?

 

Danach wurde er Auror im Dienste des Ministeriums. Seinen Urlaub benutze er für Reisen in fremde Länder und Studien anderer Kulturen und Zaubermöglichkeiten. Es dauerte nicht lange und er beherrschte alle Kampfsportarten über Kendo, Karate, Fechten, Samuraifechten, Juijutsu, Kickboxen und vieles mehr. Das war sehr praktisch, da kein schwarzer Magier auf die Idee kam, das man ihn vielleicht auch ohne Magie angreifen könnte.

Nebenbei lernte er Heilkünste aus dem Osten, der Sahara, dem Himalaja und den tiefen der amerikanischen Steppen.

Kein Zauberer und keine Hexe kannte seine Macht, die Dumbledores um einiges übertrumpfte. Gott sei Dank.

Aber jetzt war erst einmal ein anderes Problem zu lösen. Langsam schritt an den leblosen Gestallten vorbei, legte über jede seine Hand und überprüfte damit de Personalien und die Art, wie sie gestorben waren. Zwischendurch hielt er inne, um die Informationen auf einem Zettel zu notieren. Als er fertig war apparierte er zum Tropfenden Kessel.

„Potter!“, raunte eine Stimme hinter ihm. Überrascht drehte er sich um und blickte in die Augen von Pansy Parkinson. Auch sie gehörte der Aurorengesellschaft von Cromwell an, und obwohl sie erst drei Jahre nach Harry ihre Ausbildung beendete, war sie jetzt seine Chefin. Selber Schuld. Ich hätte den Posten ja annehmen können, dann müsste ich mich von ihr nicht schikanieren lassen. Hätte es halt besser wissen müssen!

„Parkinson.“

„Ja. Hast du die Daten?“

„Ja. Siebenundzwanzig Tote. Zehn Frauen, der Rest Männer. Alle von Unverzeihlichen Flüchen berührt, aber gestorben sind die meisten durch das Durchschneiden ihrer Kehle. Hier ist die Liste mit Namen und den restlichen Daten!“

Er gab ihr das Pergament und ein süffisantes Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Ich verstehe immer noch nicht, weshalb du jemals diesen Job nicht angenommen hast. Dein Gehalt wäre doppelt so hoch und du müsstest nicht so dreckige Arbeit machen wie jetzt. DU könntest mich jetzt zusammenstauchen, wenn du wolltest und du diesen Job hättest.“

„Ich mag die Büroarbeiten aber nicht und außerdem müsste ich DICH dann ja losschicken, um solch wichtige Arbeit zu absolvieren, das wäre nicht gut für den Ruf der Auge (Auroren Gesellschaft)“, gab er schlagfertig zurück und drehte sich lächelnd zur Seite, als er Pansys bestürztes Gesicht sah.

„Ein Butterbier, bitte!“, rief er Tom, dem alten Wirt zu.

„Potter, werde nicht frech, sonst muss ich dich feuern...“

„Für was? Chefbeleidigungen? Selbst wenn, du kommst damit eh nicht durch das Expositionsverfahren. Versuche also gar nicht erst mit mir darüber zu verhandeln.“

„Durch bitte welches Verfahren?“

„Expositionsverfahren. Mal echt Parkinson, hast du dich jemals schon mit unserem System auseinandergesetzt? Jede Kündigung wird durch das Expositionskomitee überprüft. Und wenn du so einen Schwachsinn lieferst, und das wirst du, da du keine anderen Gründe vorweisen kannst, kommst du nicht einen Millimeter weiter.“

Ein Schnauben kam von seinem Gegenüber und ein Butterbier von Tom.

„Geht heute aufs Haus!“, erklärte er fröhlich und ging wieder, ohne auf Pansy weiter zu achten. Sie hatte immer noch kein Getränk vor sich.

„Danke Tom!“, rief Harry ihm hinterher und nahm einen großen Schluck. Es war draußen schweinekalt und so war ein warmes Butterbier das beste, was gerade kommen konnte.

Dann blickte er wieder auf und registrierte Pansys verkniffene Miene.

„Hast du kein Geld für was zu trinken, Parkinson?“, erkundigte er sich mit gespielter Fröhlichkeit und wartete gespannt auf ihre Antwort.

„Ich hätte, aber ich gehöre nicht zu den Menschen, die während ihrer Arbeitszeit Alkohol trinken, denn falls es dir nicht aufgefallen ist, in Butterbier ist Alkohol. Sag mal, Potter, hörst du mir überhaupt zu?“, endete sich zornig, aber Harry hörte wirklich nicht mehr. Seine Augen war auf ein Mädchen, oder junge Frau, fixiert, die er leider nur von hinten sehen konnte. Ihre braunen Locken reichten ihr bis zur Hüfte. Es hatte einen leichten Rotschimmer und erinnerte ihn so sehr an Hermine. Plötzlich legte sie den Kopf ein bisschen in den Nacken und lachte aus voller Kehle. Es hörte sich identisch mit Hermines an. Wie konnte das angehen? Seine beste Freundin war vor acht Jahren verschollen. Es ergäbe keinen Sinn.

Wütend fing Pansy Harry an zu beschimpfen, aber er reagierte nicht einmal mit einem missbilligenden Blick darauf. Er beobachtete einfach nur die junge Frau und hoffte die ganze Zeit, dass sie mal ihr Gesicht zu ihm drehen könnte. Irgendwann stand die rotbraun Lockige auf und durchquerte das Lokal. Zu spät bemerkte Harry, dass sie sich in die Winkelgasse begeben hatte. Als es dann endlich bei ihm klickte, sprang er auf, verabschiedete sich hastig von Pansy, die ihn immer noch zornig anfunkelte und beschimpfte, und verließ ebenfalls den Tropfenden Kessel.

Viel zu langsam öffnete sich das Tor zur Winkelgasse und als er endlich durchpasste, stolperte er fast über einen Stein, der unglücklicherweise genau vor seinen Füßen lag.

„Verflucht noch einmal!“, zischte er wütend, rappelte sich auf, um sich auf die gründliche Suche nach „Vielleicht-Hermine“ zu begeben. Ungeduldig durchstreifte er jedes Geschäft. Nirgends sah er sie. Schon fast mutlos kehrte er zum Pub zurück, als er in einer Nebenstraße wieder dieses Lachen hörte.

„Hermine?“, flüsterte er unsicher und folgte den lauten. Nach einer scheinbar ewig dauernden Unendlichkeit

Dort saß sie. Auf einer dunkelgrünen Bank, in einer kleinen Gasse neben dem Büchergeschäft Florish & Blotts. Ihre Haare hingen an ihr vorbei vor ihrem Gesicht und verdeckten es deshalb. So sah sie immer noch wie Hermine aus. Langsam kam sie näher.

So wie sich ihr Lachen angehört hatte, amüsierte sie sich über die Pagen in dem Buch, das sie gerade las. Es war das Monster Buch der Monster. Langsam überschlugen sich die Zufälle, oder?

„Hermine?“, flüsterte er noch einmal zaghaft, keine Reaktion.

„Es ist nicht zu fassen! So einen Schwachsinn habe ich noch nie gelesen. Wie konnte mit Charly das nur empfehlen? So ein Müll!“, meckerte sie plötzlich los. Den Schatten neben ihr hatte sie immer noch nicht bemerkt.

Plötzlich warf sie ihren Kopf leicht zurück und entblößte dadurch ihr Gesicht. Fast traurig wich Harry zurück. DAS war eindeutig nicht Hermine Granger. Hermine hatte keine Sommersprossen, keine Stupsnase und niemals SOLCHE Augen!

„Hallo!“, begrüßte sie ihn plötzlich, als sie ihn endlich bemerkte.

„Darf ich fragen, wer du bist und was du da machst? Bist du ein Kidnapper und planst mich zu verschleppen? Oder bist du nur wieder so ein Typ, der Frauen sucht, sie aufreißt und sie dann wieder fallen lässt?“, erkundigte sie sich forsch und zog herausfordernd die Augenbrauen hoch.

„Ich würde sagen weder noch, habe dich nur verwechselt!“, antworte Harry steif und wandte sich wieder um, um zu gehen.

„Hey! So lasse ich mich nicht abspeisen! Was wolltest du von mir? Oder sag mir zumindest, für wen du mich hieltest. Das passiert nämlich in letzter Zeit andauernd. Einmal bin ich Gundula Ferrys, dann wieder Henrietta Schleeper und letztes Mal war ich Hermine Granger!“, sagte sie laut und stand auf. Mit den Händen in die Hüften gestemmt sah sie fast bedrohlich aus, trotz ihrer 1, 62m. Naja, Harry würde bald merken, dass man NIEMALS nach der Größe gehen sollte.

„Hermine Granger? Wer hielt dich dafür?“, fragte Harry total bestürzt. Nur mit Mühe erinnerte er sich daran, wer noch alles existierte, der Hermine kannte.

„Eine Freundin meiner Tante. Vivianne Vektor, sie ist Lehrerin in Hogwarts, aber das spielt jetzt keine Rolle. Antworte mir!“, forderte sie barsch und ging ein Schritt auf ihn zu. Diese kleine Person schien schnell in Rage zu geraten.

„Hermine Granger war meine beste Freundin. Sie war vor acht Jahren verschollen und rede nicht so mit mir! Du machst mir keine Angst.“

Sie kam noch näher und reckte ihr Kinn.

„Also?“

„Wie? Also!?“

„Antworte mir jetzt!“

„Warum sollte ich? Ich bin nicht für dich gefährlich, es sei denn, du bist eine dunkle Zauberin, aber wenn du dich über so ein Buch – er zeigte auf den grünen Umschlag des Buches, das bereits auf dem Boden lag – aufregt, kann einfach nicht dunkel sein!“

Er ging betont lässig drei Schritte zurück, drehte sich um und wollte gehen, als er auf schon mit verdrehten Rücken auf dem Rücken, auf dem Boden lag.

„Harry Potter, drehe niemals einem Zauberer/ einer Hexe den Rücken zu, wenn du in einer heftigen Diskussion vertieft bist und nichts über dein Gegenüber weißt!“, flüsterte sie ihm plötzlich ins Ohr und ließ ihn dann los.

Erstaunt stand er auf und suchte mit seinen Augen die ihren.

„Meister Pjotr Kiostunon? Woher zum Henker kennst du den?“, fragte er perplex. Nach der Information, woher sie seinen Namen kannte fragte er nicht. Wieso auch? Seine Narbe war berühmt, auch wenn er sich dafür falsch vorkam.

„Er war drei Jahre mein Lehrer. Gestern kam ich erst nach Haus und am Tag meiner Reise erzählte er mir von dir. Du sollst sein bester Schüler gewesen sein! Allerdings habe ich davon nicht viel gemerkt!“

„Glaube mir, meine Sinne haben mich noch nie getäuscht und heute sagten sie mir: das Mädel ist clean. Ich irrte mich nicht. Aber du hast recht, ich sollte vorsichtiger sein!“

„Stimmt.“

Sie lachte. Wie Hermine. Seufzend setzte er sich schließlich auf die dunkelgrüne Bank, sie setzte sich neben ihn.

„Also, ich bin Harry Potter, ich bin kein Kidnapper und auch kein Typ, der Mädchen aufreißt. Ich hielt dich tatsächlich für Hermine Granger. Es wäre zu schön gewesen, wenn sie es gewesen wäre!“

Mitfühlend legte die Frau ihre Hand auf seine Schulter und tätschelte sie ein wenig. Das war schon recht viel, wenn man bedachte, dass sie sich gerade mal zehn Minuten kannten.

„Vivianne hat mir die Geschichte erzählt. Ist schon grausam seine ganzen Freunde auf einen Schlag zu verlieren, und dann auch noch so!“

Schweigend saßen sie noch zehn Minuten so, ihre Hand blieb auf seiner Schulter ruhen.

„Ich glaube, ich sollte langsam zurück zu Pansy, sonst feuert sie mich wirklich noch!“, sagte Harry dann und schaute über seine Schulter in das Gesicht der kleinen, jungen Frau.

„Deine Freundin?“, fragte sie misstrauisch und nahm die Hand von seiner Schulter.

Prustend vor Lachen schüttelte Harry seinen Kopf.

„Niemals, nicht für alles Geld der Welt. Sie ist meine Chefin, obwohl wir im gleichen Alter sind und ich sogar wesentlich eher mit der Ausbildung fertig war. Ist alles ein bisschen dumm gelaufen und noch dazu eine lange Geschichte.“

Lächelnd stand sie auf und bückte sich nach ihrem Buch, dass immer noch auf dem Boden lag. Dabei fielen ihr wieder die langen Locken ins Gesicht und als sie diese hinters Ohr strich, erinnerte sich Harry nur wieder unfreiwillig an Hermine.

„Wie heißt du eigentlich?“, fragte er noch, ehe er sich entschloss zurück zu gehen.

„Rawiya Thankmar.“

Mit einem >Plop< verschwand sie dann und hinterließ einen verwirrten Harry. Noch während seiner Rückkehr zu Pansy fragte er sich: „Rawi... was bitte? Das hat mir überhaupt nichts gebracht.“

 

Im Tropfenden Kessel stand immer noch Pansy, knallrot vor Wut, beleidigt wegschauend und zeternd mit sich selber sprechend. Nach einem kurzen „Sorry!“, setzte er sich wieder hin und betrachtete sein Butterbierglas, was zwar noch halbvoll war, aber bereits eine Temperatur von unter zwanzig Grad hatte. Keine gute Sache. Entweder kalt, oder heiß, aber nicht lauwarm. Mit einem leisen Spruch ließ er die Temperatur wieder steigen und lächelte vergnügt.

„Du bekommst Zwangsurlaub! So geht das nicht. Du kannst nicht einfach dreißig Minuten keine Reaktion auf meine Bemerkungen haben, dann für zwanzig Minuten verschwinden und denken, mit einem kurzen „Sorry!“ wäre das wieder vergessen!“, schrie sie ihn an und beschwor somit seine bestürzte Miene.

„Was? Pansy, das kannst du nicht machen!“, erklärte er verwirrt. „Ich dachte, ich hätte Hermine gesehen!“

„Hör. Auf. Hermine ist weg, genauso wie alle anderen aus jener Nacht. Belästige mich nicht mehr mit diesem Thema! Du bist für drei Monate suspendiert, dann kannst du wieder kommen und dich an deine wartende Post ranmachen. Bis dann.“

Ohne ein weiteres Wort verschwand sie und ließ Harry zurück, der auf der einen Seite unglaublich frustriert war und auf der anderen Seite lächelnd darüber nachdachte, was ihm das für Vorteile bringen könnte. Er war zum Beispiel sehr lange nicht mehr in Irland gewesen. Irgendwie vermisste er das Bier dort... und Freund. Wie lange war es her? Zwei Jahre? Klar, sie hatten sich Briefe geschrieben, aber das war doch was anderes, als sie persönlich zu sehen, zu quatschen, bis die Sonne wieder aufgeht und dabei teure Zigarren zu rauchen.

Kurzerhand hatte er die Koffer gepackt und stand vor Freunds Haustür. Schon am nächsten Tag schrieb er einen Brief nach England. Seine Kündigung an Pansy, die mehrere bestürzte Rückmeldungen schickte und mit allen Mitteln versuchte ihn zurück zuholen. Vergeblich. Die Ära Harry Potter als Auror war vorbei.

Nur durch Zufall hörte Harry von Durchreisenden, das Pansy Parkinson vors Gericht gezogen wurde und eine detaillierte Untersuchung stattgefunden hatte. Sie wurde zwar freigesprochen, aber verlor ihren Job mit der Begründung: Unüberlegtes und unverantwortliches Verhalten in einer Folgenschweren Entscheidung.

Harry war zwei Jahre nicht in England gewesen, bis er endlich seine Ausbildung bei Freund beendete. Wie schon gesagt, in den sieben Jahren Hogwarts hatte er nicht einmal annähernd so viel gelernt, wie in den zwei Jahren bei Freund.

Fast wie ein mitteloser lebte er, obwohl er ein ansehnliches Vermögen in Gringotts bunkerte. Es war Teil der Ausbildung. Drei Liter Wasser, ein Laib Brot mit einer Scheibe Wurst und Käse und ein Apfel standen ihm täglich zu. Nicht mehr und das achtzehn Monate lang. Die meiste Zeit bekam er Lektionen in zehn verschiedenen Sprachen, Kickboxunterricht und Heilzaubererklärungen. Nur selten bekam er überhaupt Schlaf und mit der Zeit fragte er sich, wie er das überhaupt überlebte. Doch er schaffte es und ging siegreich aus der Lebensschlacht. Mit großem Erfolg.

Erfahrener denn je, kehrte er nach England zurück und ließ als aller erstes wem in die Arme? Rawiya Thankmar.

„Harry?“, fragte sie leise, unsicher lächelnd und hob die sechs Bücher auf, die sie hat fallen lassen.

„Rawi...- “, stotterte Harry, kam aber einfach nicht weiter, da er dafür zu fassungslos war.

„Ja. Wo warst du bloß? Niemand wusste von dir und ich konnte dich einfach nicht ausfindig machen, und dabei wollte ich dir die ganzen zwei Jahre mal einen Besuch abstatten, um dir das hier wieder zu geben!“, erklärte sie, krempelte ihre Robe nach oben und entblößte eine rotgoldene Uhr.

Verblüfft und zu überrumpelt um sich schnell zu bedanken, nahm Harry die Uhr entgeistert entgegen. Er hatte sich einen Tag fast den Körper total zerschunden, als er bemerkt hatte, dass sie weg war.

„Danke!“, sagte er schließlich schlicht, als er wieder die Kühle des Armbandes spürte.

„Gern geschehen, und wenn du gerade nichts wichtiges vorhast, dann können wir ja einen Kaffee trinken gehen.“

Sie packte seinen Arm, als ob sie schon Jahre enge Freunde wären, und zog ihn, perplex, wie er war, zu einem kleinen Kaffee, am Ende der Winkelgasse. Jetzt bemerkte er, dass ihre Haare kurz waren, zumindest kürzer, als vorher, ungefähr nur noch bis zur Schulter.

Lächelnd hob sie ihre Hand in Richtung des Kellners und symbolisierte mit merkwürdigen Zeichen, dass sie gerne zwei Kaffee hätte.

„Also, wo warst du?“

„Irland. Bei einem Freund!“

Zweifelnd hob sie eine Augenbraue, als ob sie sagen wolle, dass sie sich nicht so gerne mit so wenigen Informationen abgab.

„Und was genau hast du zwei Jahre auf dem Land gemacht?“

„Gelernt.“

„Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen, was hast du gelernt?“

„Rawi...“

„Rawe reicht.“

„Rawe, wir kennen uns im Prinzip erst eine halbe Stunde. Die letzten zwei Jahre kannst du nämlich wirklich nicht zählen, da wir uns nie gesehen haben. Warum benimmst du dich so, als ob wir die besten Freunde wären und fragst mich so neugierig aus? Ich meine, ich kann dir gerne sagen, dass ich zehn Sprachen, professionelles Kickboxen und  Heilkünste gelernt habe, aber was bringt dir das? Das bringt dich eher dazu weiter zu fragen, und irgendwann wäre ein Punkt erreicht, wo du zu weit gehst, zumindest für einen Menschen, der mich noch nicht lange kennt.

Wir können ja gerne Kaffee trinken, aber lass es erst einmal dabei!“

Bestürzt verzog sie ihr Gesicht und senkte es ein wenig, minimal. Mit glänzenden Augen starrte sie einige Minuten schweigend vor sich hin.

„Ich brauche dringend Anschluss. Ich war in Deutschland auf der Zaubererschule, aber meine Mum wollte, dass ich zurückkomme. Jetzt ist sie letztes Jahr gestorben und ich bin hier sitzen geblieben und werde wohl auch nicht mehr gehen.

Durch die dunklen Praktiken meines Vaters werde ich verhöhnt und nicht ernst genommen. Ich dachte du wärst so ziemlich meine letzte Chance, deshalb stürzte ich mich so sehr auf dich, es tut mir Lid, wird nicht mehr vorkommen, versprochen.“

Plötzlich klickte es in Harrys Kopf. Dunkel erinnerte er sich an ihren Nachnamen. Thankmar. Erst vor fünf Jahren wurde ein schwarzer Magier gefasst... Miguel Thankmar. Daher der Name.

„Ist okay, ich war auch ein bisschen unsensibel. Seit der Geschichte vor zehn Jahren, bilde ich mir immer ein, dass ich der einzige Mensch mit Problemen bin. In der Beziehung bin ich einfach ein bisschen zu sehr mit mir beschäftigt. In wie weit geht den diese Missgunst?“

„Zur Zeit arbeite ich in einem Muggelzoo, da mir kein Zauberer Arbeit gibt. Meine Spezialisierung liegt bei magischen Wesen, aber keine Schule will mir den Job der Lehrerin in Pflege Magischer Geschöpfe geben, obwohl er auf drei Schulen gesucht wird. Auch ansonsten bekomme ich immer wieder Ablehnungen mit Bemerkungen wie zu geringer Erfahrungshorizont oder dunkle Vergangenheit. Was kann ich für die Praktiken meines Vaters?“

„Du arbeitest bei den Muggeln? Wow. Nun, über Jobs kann ich dir nicht so viel erzählen. Ich habe meinen gekündigt, als mir die Chance bot zwei Jahre bei einem Meister zu lernen. Und wie du vielleicht bemerkt hast – er zeigte kurz auf seine Tasche neben ihn – bin ich erst heute wieder gekommen, so dass ich noch keine Möglichkeit hatte in mein Haus zu gehen.“

„Du hast ein eigenes Haus?“

„Ja. Als die gesamte Familie Weasley verschwand, erklärte an sie ein Jahr später für tot. In dem Testament von Arthur Senior, war ich der Nächstbegünstigte nach all seinen Familienmitgliedern. Ich erbte sozusagen sein Haus, sein Geld, wobei das nicht sehr viel war, und all sein Hab und Gut.“

 

Letztendlich zog sich das Gespräch, das zuerst auf unfruchtbaren Boden gestoßen war, doch ziemlich in die Länge und wenn das Café nicht zugemacht hätte, hätten sie wohl noch länger dagesessen.

Sie tauschten ihre Lebensgeschichten aus und merkten, dass sie sich auf der einen Seite total ähnlich waren und andererseits wieder total verschieden. In der ganzen Zeit, in der sie redeten, wechselte Rawes Stimmung ungefähr sieben Mal. Zuerst war Harry ein wenig erschrocken, über den plötzlichen Wechsel, aber schon beim dritten Mal lächelte er nur darüber. Rawe war eine Frau, die sehr leidenschaftlich war, auch wenn sie ihre momentane Meinung erklären wollte. Ihren Zorn, ihren Hass, dann wieder Intelligenz und Gutmütigkeit zeigten sich in ihren Augen, wenn sie ein Thema besonders berührte.

Nur ungern ging Harry alleine nach Hause, auch wenn ihm bewusst war, dass er fast dafür gesorgt hatte, dass diese Unterhaltung gar nicht stattgefunden hätte. An diesem einen Abend war ihm die drei Jahre jüngere Frau sehr ans Herz gewachsen und er wusste, dass sie gute Freunde werden würden.

Seufzend schloss er das Haus auf, tappte in die Küche und schaltete das Licht an. Erst hatte er ja beschlossen nichts an diesem Haus zu ändern, damit die Weasleys ihr Haus wieder so übernehmen konnte, wie sie es verlassen hatten, aber als er mit der Auroren Ausbildung fertig war, entschloss er sich, nicht auf ein unwahrscheinliches Rückkehren zu warten.

Die nächsten Ferien verreiste er das erste Mal nicht, sondern stellte den gesamten Haushalt auf den Kopf. Alle persönlichen Sachen der Weasleys verpackte er ordentlich in Kisten und stellte diese auf den Dachboden, der komischerweise total ausgestorben war. Hier stand wirklich gar nichts herum.

Dann stellte er alle Möbel in den Garten und renovierte von Grund auf. Die Wände erhielten alle einen neuen Anstrich in weiß oder hellblau, und der Fußboden wurde überarbeitet und Schäden repariert. Dann sortierte er aus, welche Möbel seinem Geschmack entsprachen und welche mit auf den Dachboden kommen würden.

Ungefähr die Hälfte behielt er. Dann besuchte er Muggelantiquitätengeschäften, sammelte Sperrmüll ab und kaufte sich Holz, für eigene Kreationen.

Sein Schlafzimmer bestand jetzt aus einem einzigen Bett, allerdings zwei Meter breit, einem selbstgebauten Kleiderschrank und einer Kommode. Die Tapete war nicht mehr sichtbar, da er sie mit Fotos seiner Freunde übersäht hatte. Im Prinzip sah sein Zimmer recht kahl aus, wenn man von der bunten Wand absah. Eine Frau fehlte, das war offensichtlich, weil irgendwie nur sie für nutzlose Gegenstände sorgte, die ein Zimmer einladend gestalteten.

Die Küche war jetzt hell und freundlich, sah aber immer unbenutzt aus, obwohl Harry sehr wohl gut kochen konnte. Aber die Zeit fehlte.

Die restlichen Zimmer hatte er entweder als Gästezimmer eingerichtet, als Arbeitszimmer, drei Zimmer waren nur mit Büchern bestückt, oder als Wohnzimmer, allerdings ohne Fernseher.

 

Erschöpft ließ er sich in seinen absoluten Lieblingssessel fallen, den er schon gemocht hatte, als dieses Haus noch den Weasleys gehörte. Er war zwar grottenhässlich (dunkelbraun, mit dunkelgrünen, rosanen und beigen Blümchen), aber er zog seine Blicke auf sich, und außerdem war er so riesig wie ein kleines Bett.

Das Buch, welches er das letzte Mal vor zwei Jahren in der Hand gehabt hatte, lag immer noch neben dem Sessel auf dem kleinen Tisch. Neugierig hob er es auf und überprüfte, an welcher Stelle er geendet hatte, das hatte er nämlichtotal vergessen. Drei Minuten später war er schon wieder in der Lektüre so tief versunken, dass er nicht einmal merkte, das nicht ein Gramm Staub auf seinen Möbeln war. Wie konnte das sein? Darüber machte er sich aber keine Gedanken, das Buch war erst einmal spannender.

Bevor er die letzte Seite anfangen konnte, war er aber eingenickt. Es war ein langer Tag gewesen. Man sollte Verständnis dafür zeigen!

In seinen Träumen verfolgten ihn zwei Mädchen, beide mit langen, rotbraunen Locken. Nie sah er ihre Gesichter, aber ihr Gelächter war identisch, so auch ihre Bewegungen und Reaktionen, und doch blitzen immer blaue oder braune Augen auf, nie mit derselben Farbe. Fast wahnsinnig jagte er sie, holte sie aber nie ein. Irgendwann erschien ein rothaariges Mädchen und die Lockenhaarige verschwanden. „Vergiss mich nie!“, flüsterte ihre melancholische Stimme leise.

Schweißnass wachte Harry auf. Seine Brille hing schief über seiner Nase und das Buch lag auf dem Boden, der Deckel oben.

Immer noch schockiert von seinem letzten Traum, taperte Harry zitternd in die Küche, um sich Tee aufzusetzen. Warum spukte plötzlich Ginny, über die er fast hinweg war, in seinen Träumen umher? Und was sollte der Kram mit Hermine und Rawe? Mag sein, dass er nie über Professor Treawnleys Unterricht begeistert war, aber das Träume eine Bedeutung hatten, daran glaube er schon, als er das erste Mal vom Tod seiner Eltern geträumt hatte. Damals waren sie in seiner Vorstellung in einem Autowrack umgekommen und dementsprechend sahen seine Träume aus. Seine Mutter hatte in diesen Träumen schwarze Locken gehabt und sein Vater die grünen Augen. Tja, er wusste es nicht besser.

Entschlossen schnell wieder klar zu werden, verschwand er erst einmal für fünfzehn Minuten unter der Dusche. Als er dann in die Küche zurückkehrte, war das Wasser schon lange am Kochen, so dass er den Tee aufbrühen konnte.

In dem Moment, als er sich leicht drehte, um an die Schranktür zu kommen, in der seine Lieblingstassen waren, bekam er einen riesigen Schreck, als Rawe aus dem Nichts erschein.

Seine erste Tasse ging zu Bruch.

„Oh, das tut mir leid!“, entschuldigte sie sich schnell und reparierte den Schaden schnell mit einem wirksamen Spruch.

„Ich wollte dich wirklich nicht erschrecken, aber irgendwie reizte es ich heute morgen, dir einen spontanen Besuch abzustatten. Hübsches Haus.“

„Danke. Auch Tee?“

Er wartete nicht ihre Antwort ab, sondern füllte einfach noch eine zweite Tasse mit heißem, duftenden Tee. Zusammen setzten sie sich an den Küchentisch und legte ihre Hände um die Tassen, ohne zu trinken.

„Hast du heute Termine?“, fragte sie plötzlich aus heiterem Himmel und blickte hoch, da sie die letzten zehn Minuten auf ihre Hände gestarrt hatte.

„Eigentlich nicht. Ich müsste vielleicht meine Post überarbeiten. Nebenbei hatte ich gestern gemerkt, das meine Eingangspost doch recht hochgestapelt war. Viele hatten nicht gewusste, dass ich in Irland war, deshalb haben sie nicht an ´Harry Potter`, sondern an den ´Fuchsbau` geschrieben. Aber eigentlich habe ich dazu keine Lust den ganzen Kram heute zu erledigen. Vielleicht mache ich ein bisschen im Garten, der hätte es mal nötig, und die Gnome spielten gestern total verrückt.“

„Du hast Gartengnome? Interessant. Ich glaube, ich habe zwanzig Zauberergärten durchforstet ohne welche zu finden. Merkwürdig, dass gerade bei dir welche sind. Darf ich mitmachen?“

Zweifelnd runzelte Harry die Stirn.

„Du willst meinen Garten mit entgnomen? Rawe, das ist total stupide Arbeit, aber wenn du willst. Dann sollten wir aber bald anfangen. In dieser Jahreszeit sind sie hauptsächlich um diese Uhrzeit wach und toben durchs Gestrüpp.“

Begeistert trank sie ihren Tee aus und folgte ihm dann nach draußen. Der Garten war nach ihrem Geschmack. Wild und abenteuerlich. Hier gab es bestimmt noch mehr, als nur Gnome, an magischen Wesen.

Über zwei Stunden wirbelten sie kleine Biester durch die Luft, ehe sie keine Lust mehr dazu hatten. Zwischendurch veranstalteten sie einen kleinen Weitwurf und zuerst sah es wirklich so aus, als ob Harry ohne Probleme gewinnen würde, bis Rawe einen unglaublichen Wurf von fast fünfzig Metern schaffte.

Lachend und leicht verschwitzt kehrten sie ins Haus zurück.

„Wie lange ist das bloß her, als ich das letzte Mal mein inneres Kind herausgelassen habe?“, fragte Rawe in den Raum hinein, als sie sich wieder in die Küche gesetzt hatten.

„Keine Ahnung, ich weiß nur, dass es bei mir Ewigkeiten her ist!“, erklärte er und starrte sein Glas Wasser an. Ihm war wirklich verdammt heiß. Mitten im Sommer... verdammt, in vier Tagen war der 31. Juli.

„Was ist los?“, erkundigte sie sich, als er plötzlich seinen Gesichtsausdruck änderte.

„Wie...? Ach nichts, mir ist nur so heiß.“

„Glaube ich nicht. Du hast bald Geburtstag und feierst den siebenundzwanzigsten, nicht wahr?“

Leicht errötet erwachte Harry aus seiner Halbstarre.

„Naja, ne, feiern kann man dazu nicht sagen. Ich habe mir in den letzten Jahre nicht gerade die meisten Freunde gemacht. Ich hätte niemanden, mit dem ich zusammen feiern könnte, außer vielleicht meinen Freund aus Irland, aber der hat mich schon die letzten zwei Jahre ertragen, ich glaube, erst einmal braucht der ne Pause von mir.“

„Wie hast du deine letzten Geburtstage gefeiert?“

„Gar nicht, ich habe versucht sie zu vergessen. Weißt du, es ist nicht so leicht, genussvoll einen Geburtstag zu feiern, wenn all deine Freunde verschollen sind. Vergessen ist da die einzige wirkungsvolle Möglichkeit!“

„Das ist Ansichtssache. Einige verstecken sich vor der Gesellschaft, andere bauen sich ein vollkommen neues Leben auf. Wir beiden streben wohl eher die erste Möglichkeit an.“

„Du hast keinerlei Freunde?“, wunderte sich Harry vollkommen überrumpelt. Verachtung und Hohn war eine Sache, er kannte das selber, zwar auf eine andere Art, aber es war da, doch er hatte zumindest in der Schulzeit immer Freunde gehabt.

„Nein. Als meine Mutter noch lebte, ja, da war es noch erträglich, aber seit sie tot ist, geben mir die wenigen Hexen und Zauberer, die noch hinter mir standen, die Schuld an ihrem Tod, ich war sehr einsam.

Ich habe versucht mich mit Muggeln anzufreunden, aber die einzigen, mit denen ich was zu tun habe, sind so eingeschränkt, verbissen und laufen mit Scheuklappen herum!“

„Ich kenne es, aber weshalb sollst du die Schuld am Tod deiner Mutter haben?“

„Schwarze Magier. Es ist egal, wie weit ich mich davon fernhalte, es holt mich immer wieder ein und bring mich in Schwierigkeiten. Erst mein Dad, dann kommen sie und verfolgen mich solange, bis alle glauben, dass ich darin verstrickt bin. Nur mit Hilfe meiner Mum rette ich mich vor Mordanschlägen. Und dann wird sie von einem Todesser hingerichtet und irgendwelche Indizien sprechen schon wieder gegen mich. Ich bin schon mein ganzes Leben von Pech verfolgt.“

Schweigend hörte Harry zu und spürte einen gewissen Groll gegen die Gesellschaft anwachsen. Das Leben einer jungen Frau so zu zerstören, nur weil ihr Vater sich für die dunkle Seite entschieden hatte.

„Wo wohnst du zur Zeit?“

Mit verschmitztem Lächeln schaute sie ihn an.

„Soll ich es dir zeigen?“

„Ist es denn so nah? Wir können ja nicht apparieren, ich weiß ja nicht wohin.“

„Nein, es ist ganz in der Nähe... aber apparieren könnten wir auch, was meinst du, wie ich hier hingekommen bin?“

Sie stand auf und nahm seine Hand. Ohne weitere Worte zog sie aus dem Haus, die Straße runter und hielt in einer Siedlung mit Mehrfamilienhäusern an. Noch drei Weitere Straßen und sie waren da. Alleine das Haus sah von außen schon aus, al ob es gleich zusammen fällt. Vorsichtig folgte er ihr die Feuerleiter hoch und stieg ihr hinterher durch ein Fenster.

„Weshalb nehmen wir bitte diesen Weg?“, flüsterte er ihr ins Ohr, weshalb er flüsterte wusste er nicht.

„Erkläre ich dir drinnen!“, sagte sie, aber in einer normallauten Stimme. Also folgte er ihr weiter, bis sie in einem halbdunklem Zimmer standen. Das Fenster war zu winzig, um den Raum vernünftig zu beleuchten, deshalb schaltete Rawe das Licht an.

Schockiert blieb Harry kurzweilig das Herz stehen. Die Decke bestand aus losen Leisten, die zum Teil so aussahen, als ob sie gleich runter kommen wollten. Der Teppich war türkis und hatte viele, hässliche graue Flecken. Der Schrank und das Bett sahen aus, als ob sie halbherzig zusammen gezimmert waren und schon zwanzig Jahre auf den Buckel hatten.

„Sehen die anderen Zimmer auch so aus?“, fragte er unsicher und sah sie zweifelnd an.

„Die Küche ja, das Badezimmer geht, mehr Zimmer hat diese Wohnung nicht. Und der Vermieter hat mir schon gekündigt. Weißt du, der Tierpfleger Job ist nicht so klasse bezahlt und das hier war das einzige, was ich in der Muggelwelt bezahlen konnte. Aber letzten fand ein Einbruch in meiner Bank statt und irgendetwas passierte, dass mein Konto plötzlich leer war, keine Versicherung will helfen, deshalb hat mich mein Vermieter vor drei Wochen gekündigt und will mich bis Ende der Woche hier raus haben.“

Stirnrunzelnd ging Harry einmal durch da Zimmer, in die Küche, ins Bad und kam mit einer noch krauseren Stirn wieder.

„Wie teuer ist diese Wohnung?“

„Dreihundert Dollar.“

„Schweinerei, sie ist nicht einmal die Hälfte wert, und weshalb sind wir jetzt von oben gekommen? Wartet dein Vermieter unten, um dich abzufangen und anzubrüllen?“

„Nein, aber meine Nachbarnhaben einen gewissen Groll gegen mich und starten gewisse Mobattacken gegen mich!“

„Herr Gott noch mal! In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich??? Das ist nicht zu fassen. Und warum lebst du überhaupt bei Muggeln, die Zauberer können dir doch nicht verweigern, eine Wohnung zu geben!“

„Doch, das können sie auf jeden Fall, das kannst du mir glauben! Sie können auch noch mehr, aber das steht jetzt nicht zur Debatte. Du kennst nicht zufällig jemanden, der einen Untermieter sucht?“

„Doch, ich kenne viele, aber sie würden nie jemand Fremdes nehmen. Aber so kannst du nicht leben. Erst mal wirst du zu mir kommen, dann suchen wir einen vernünftigen Job für dich und dann sehen wir weiter.“

„Glaubst du, dass schaffe ich nicht alleine? Wenn ich wollte, könnte ich dir eine tausend Meter lange Liste aufstellen mit den verschiedenen Taktiken, die ich schon durch gegangen bin. Mir will einfach keiner zu hören und weshalb das bei dir anders ist, weiß ich auch nicht. Jetzt geh, ich muss nachdenken!“, fuhr sie ihn an und schob ihn zum Fenster. Irritiert apparierte er.

 

Zu Hause angekommen, setzte er sich noch mal im Gedanken mit Rawe auseinander. Irgendetwas stimmt doch nicht mit ihr oder zumindest damit, wie sich die Gesellschaft benimmt.

Mit einer mittelgroßen Wut im Bauch machte sich Harry über seinen Posteingangskorb her. Über fünfzig Briefe hatten sich dort während seiner Abwesenheit angesammelt. Von der Auge, die um seinen Kündigungswiderruf baten, von der Zeit, als sie noch nicht wussten, dass er in Irland war, von Betrieben, die ihn gerne einstellen würden, von Rawe drei, zuletzt fiel ihm ein schwarzer Briefumschlag mit grellgrüner Schrift in die Hand.

Ehrfürchtig öffnete er ihn und las mit erschrockenen Augen, die Schriftzeile, ebenfalls in grellgrüner Schrift auf schwarzem Papier.

Ich weiß, wo sie sind.

Unbewusst ließ er das Papier fallen und Tränen stiegen ihm in die Augen. Es musste jemand sehr mächtiges sein, wenn er oder sie es wirklich wusste. Niemand hatte die siebenundvierzig Personen gefunden. Keine Spur war gefunden worden, außer der Fund Hermines Uhr, und davon hatte er nie gesprochen.

Den restlichen Tag war er nicht mehr zu gebrauchen gewesen, da er nur damit beschäftigt war, in alten Ordnern, Schriftstücken und Pergamenten zu überprüfen, wer dahinter stecken könnt. Seine Untersuchungen gaben im Endeffekt aber gar nichts.

 

Am nächsten Tag ging er in den Tropfenden Kessel, um sich in seiner Einsamkeit ein Butterbier zu gönnen. Im laufe des Nachmittag wurden es aber zehn in Kombination mit zwei doppelten Feuerwhiskeys und einem Himbeeren Rum.

Total angetrunken übergab er sich seinem Frust und fing an jämmerlich zu heulen, so dass der alte Wirt Tom ganz erschrocken zu ihm rannte, ihn in ein Zimmer brachte und erst einmal in Ruhe ließ.

In der Nacht wachte er auf, mit gewaltigen Kopfschmerzen und Knochenschmerzen im ganzen Körper

Nie wieder nur einen Schluck. Das ist ja Horror!

Im Prinzip hatte er erst jetzt seine ganzen Trauer über den Verlust seiner Freunde verarbeitet. In seinem Kopf schwirrten nur Selbstvorwürfe und zum Teil Selbstmordgedanken. Diese eine Person, die davon wusste... wer war sie? Oder er. Und warum zum Henker wollte er nicht mehr sagen.

Nachdem er einen Brief und zwei Galleonen zurück gelassen hatte, verließ er den Tropfenden Kessel und apparierte nach Hause. Dort ließ er sich heißes Wasser ein und stieg mit einem tiefen Seufzer ins Wasser, das stark nach Rosmarin duftete.

Danach ging er ins Bett und verschlief fast den gesamten nächsten Tag.

 

So vergingen viele weitere Tage. Irgendwann nahm er einen Kellnerjob in der Muggelwelt an und sonderte sich immer mehr von seiner „Gattung“ ab. Von Rawe hörte er eine lange Zeit nichts.

Seine Melancholie wurde immer schlimmer und verwandelte sich bald in eine Depression. Ohne es zu wissen, vegetierte Rawe, nicht mal sehr weit von ihm, auf eine ähnliche Weise. Nur das sie sauer auf ihren Ausbruch war und schon lange überlegte, wie das wieder gut machen konnte.

Irgendwann, kurz vor Halloween, sie war in der Zeit bereits fünfmal umgezogen, weil niemand sie lange duldete, raffte sie sich zusammen und besuchte Harry.

Erschrocken musste sie einsehen, dass er noch schlimmer aussah, als kurz vor seinem Geburtstag. Nicht nur ausgezerrt und halb verhungert, sondern auch müde, zusammengefallen und dreißig Jahre älter, als er war.

„Harry!“, sprach sie ihn vorsichtig von hinten an, als sie ihn noch erwischte, bevor er das Haus betrat.

„Rawe.“

Es war eine Feststellung und keine Frage. Was sollte man auch in solch einer Situation tun. In die Arme fallen konnte man nicht, nicht nach einem Streit und drei monatiges Nichtsehen. Unschlüssig blieb er auf seinem Weg zur Haustür stehen, dasselbige tat sie vor ihrem Auto. Sie lebte jetzt in London, und da sie zur Zeit vollkommen in der Muggelwelt lebte, brauchte sie ein Auto für die Überzeugung. Die Fähigkeit zu Fahren und den Führerschein mit Registrierung, hat sie sich alles mittels eines Zauberspruches angeeignet.

Bevor sie anfing zu sprechen holte sie einmal tief Lust und legte dann los.

„Harry, es tut mir leid, wegen... naja, damals. Ich hätte nicht so sinnlos eingeschnappt sein dürfen. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Es kam einfach so zustande. Ich habe mich verletzt gefühlt, nachdem du mir indirekt gesagt hattest, dass ich nicht in der Lage bin selbst eine langfristige Wohnung für mich zu finden.

Leider hattest du recht, ich bin seit dem Streit fünf Mal umgezogen, aber ich war halt verletzt. Dummerweise bin ich nicht so geübt im entschuldigen, deshalb hat es so lange gedauert, bis ich mich durchgerungen habe.

Es tut mir wirklich leid.“

Unbewusst verlor er seine Kraft stehen zu bleiben, er klappte einfach zusammen und saß, die Hände vors Gesicht haltend, auf dem Fußboden, gab aber keinen Laut von sich.

Betont vorsichtig schlich sich Rawe heran und setzte sich neben ihn.

„Was ist los?“, erkundigte sie sich im mütterlichen Ton, „Ich würde ja gerne glauben, dass dich diese Entschuldigung so umgehauen hat, aber du sahst schon vorher schrecklich aus. Was genau ist passiert?“

Er ließ seine Hände fallen und starrte abwesend auf den Weg, stumm, aber er genoss schon alleine die Anwesendheit dieser Person. Noch nie war er so einsam gewesen, wie die letzten drei Monate.

„Ich erkläre es dir drinnen!“, erklärte er plötzlich mit Fassung und stand auf. Nachdem er seinen Schlüssel heraus gekramt hatte, die Tür öffnete und sie sich ins Wohnzimmer setzten, fing er an zu erzählen.

„Nach unserem Streit, obwohl ich es eher sinnloses Angezicke nennen möchte, habe ich meine Post durchgesehen, und im letzten Brief stand etwas, wie: Ich weiß, wo sie sind. Natürlich meinte der Verfasser damit das Verschwinden meiner Freunde und den ganzen anderen. Alles kam wieder hoch. Die Gesichter meiner Freunde, so, wie ich sie zum letzten mal sah, das erste Jahr danach. Ich konnte einfach nicht mehr.

Ich wette, mein neuer Boss hätte mich schon lang gefeuert, wenn ich ihm einen Anlass dazu gäbe. Im Moment denken nämlich alle meine Kollegen und er, dass ich voll unter Drogen stehe oder so. Wegen meinem Gewicht, den Augenringen und der Müdigkeit. Ich kann aber nachts einfach nicht schlafen und mein Appetit ist nicht sonderlich groß.“

Bestürzt erkannte Rawe die Parallelen zu ihrer Vergangenheit. Wie ihr Vater entdeckt wurde, sich alle von ihr abwandten und sie furchtbar einsam war. Das alles war noch zehn mal so schlimm, wie es sich anhörte. Harry schien es ähnlich zu gehen.

Nach dieser Erkenntnis ging sie zu Harry rüber, der ihr gegenüber saß, und legte ihrer Arme von hinten um ihn. Sie drückte kräftiger zu, als sie eigentlich wollte, schenkte Harry damit aber mehr Kraft, als sie wusste.

„Es ist so schön, dass du wieder da bist. Obwohl unserer Bekanntschaft insgesamt auf drei Tage beruht, bist du mir oft näher, als alle anderen zusammen“, murmelte er leise.

„Und ich bin so froh, dass ich endlich meine Furcht vor dieser Begegnung überwunden habe. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie ich mich gefühlt habe.“

So ging es noch eine ganze Weile, bis sie beide gleichzeitig loslächelten und voneinander abließen.

„Harry, ich wurde schon wieder gekündigt!“, erklärte sie zwischendurch auf einmal. „Bei den Muggeln bin ich irgendwie zu langsam mit dem zahlen, aber was soll ich machen? Mein Gehalt wurde letzten Monat gekürzt und die Mieten werden immer teurer. Ich habe jetzt angefangen auch noch nachts zu arbeiten, aber der jetzige Mieter will mir das nicht glauben und hat mich rausgeschmissen.“

„Wie lange noch?“

„Eine Woche!“

„Rawe, ich will dir wirklich nicht das Gefühl vermitteln, dass du nicht in der Lage bist, Wohnungen und Geld zu halten, trotzdem steht mein Angebot noch. Ich werde dich nicht rauswerfen, weil ich keine Miete nehmen muss. Höchstens Essensgeld, aber ich denke, dass wir das hinkriegen. Und Gesellschaft würde mir wirklich gut tun.“

Seufzend lehnte sie sich in den blauen Ohrensessel, in dem sie saß, zurück. Sie machte es sich schwieriger, als es sein musste, aber trotzdem zögerte sie. Die Unabhängigkeit würde einfach zu sehr für ihren Geschmack eingedämmt sein.

„Ich weiß nicht Harry.“

„Hör zu, dieses Haus hat eine riesige Küche, zwei Badezimmer, ein Arbeitszimmer, ein gigantisches Wohnzimmer, drei Räume voller Bücher, mein Zimmer und drei ungenutzte Gästezimmer. Sage mir, was ich mit dem ganzen Platz anfangen soll? Du könntest hier wohnen und wir müssten uns nicht mal über den Weg laufen.“

„Die Küche ist wirklich schön...“, fing sie an, als er sie mit leuchtenden Augen plötzlich unterbrach.

„Ich zeige es dir einfach kurz. Oder lang, das wird sich ergeben. Eigentlich kannst du dann nicht mehr nein sagen, nicht wenn du die Zimmer, die du nehmen könntest, siehst! Komme mit!“

Gespannt folgte sie ihm die Treppe hoch. Sie fingen mit einem gemütlichen Badezimmer an, das ihr auf anhieb gefiel. Es war gelb und freundlich. Das Fenster war groß und mit Pflanzen zugestellt. Eigentlich nicht typisch für Männer...

Dann begutachtete sie nach und nach die Gästezimmer, von denen zwei ihr gehören könnten. Sie flippte fast aus vor Begeisterung. Alle waren sie fast so groß wie ihre gesamte Wohnung und dabei waren sie gemütlich und einladend. Einfach klasse.

Obwohl ihre Entscheidung fast schon gefallen war, zögerte sie nicht, sich auch die restlichen Zimmer zeigen zu lassen. Lobend ging sie an der ausladenden Büchersammlung vorbei, probierte diesen und jenen Sessel aus und als sie wieder in der Küche angekommen waren, sprang sie einmal in der Luft um sich selber, warf die Arme dramatisch in die Höhe und rief strahlend: „Okay, ich nehme an. Wenn es dich wirklich nicht stört und dir keine Umstände macht.“

„Sonst hätte ich es nicht angeboten!“, konterte Harry und erwiderte ihr Strahlen.

„Okay, ich bin gleich zurück, hole nur kurz meine Sachen!“

Mit einem Puff verschwand sie und ließ einen erstaunten Harry zurück, der plötzlich von zwei wohl bekannten Gefühlen überschwemmt wurde. Vernunft und Bauchgefühl.

Du kennst sie nicht. – Na und, sie ist nett und ich kenne immerhin schon ihre Macken, es kann nicht allzu schlimm werden! – Woher willst du das wissen? Vielleicht war das nur eine kleine Kostprobe? Vielleicht hat sie böse Absichten? – Wenn wir nicht klar kommen oder ich schlimme Eigenschaften bei ihr entdecke, dann werfe ich sie raus. – Man kann auch gleich richtig handeln. Lerne sie erst richtig kennen! – Halt die Klappe!

Mit einem weiteren Puff war sie wieder da. Nur eine kleine Tasche war in ihrer Hand, in der anderen hielt sie immer noch einen Stift.

„Wieder da?“

„Das ist alles, was du hast?“

„Ja, erwarte nicht so viel von mir. Ich habe nur zwei Roben, dann drei Sortimente Muggelkleidung, einen Schlafanzug und Unterwäsche. Ich glaube ich habe schon erwähnt, dass meine finanzielle Situation nicht rosig ist?“, erklärte sie, aber mit einem kleinen drohenden Zittern in ihrer Stimme.

„Aber die Kündigung und ein Anschreiben ist verfasst und unterschrieben und mit einem kleinen Wink im Zauberstab war die Bude im tadellosen Zustand!“

„Aha. Nun ja, such dir deine Zimmer und richte dich ein. Wenn du versprichst sie wieder zurückzupacken, dann kannst du dich auch frei bei den Büchern bedienen.

Ich werde jetzt kurz bei der Jobsuchenabteilung im Ministerium melden, um mir wieder eine Beschäftigung zu suchen, aber vielleicht sollte ich auch kurzzeitig auf einen Job in der Muggelwelt zurückgreifen?“

Es war keine Frage an sie. Mit einem Nicken akzeptierte sie sein Vorhaben und sah nicht einmal mehr, wie er sich auflöste, da sie schon die halbe Treppe erklommen hatte. Mit einer riesigen Vorfreude auf ihre Zimmer. Wie ein Kind...

 

Kurz vorm Ministerium erschien er wieder. Wegen gewisser Schutzschilde konnte man nicht direkt hinein apparieren.

Aber eine halbe Stunde kam er schon wieder raus, da er zwar von hundert Jobmöglichkeiten überschwemmt wurde, aber keine dabei war, die ihn reizte. Geh ich halt zum Sekretservice der Muggels oder mache eine Ausbildung zum Streifenpolizist. Bis sich was besseres findet.

Als nächstes verbrachte er wirklich seine Zeit damit für die Polizei zu arbeiten. Eine Ausbildung musste er nicht machen, da er die nötigen Unterlagen schnell beschaffen konnte. Aber auch das wurde ihm bald zu langweilig, so stieg er zur Gastronomie um - nachdem er weitere drei Wochen in Irland bei seinem Freund war - wo er drei Jahre arbeitete.

Kochen, Kellnern und die Geschäftsleitung mimen machte ihm sehr viel Spaß, doch nach drei Jahren durchgehendem Arbeiten brauchte er eine Pause. Diesmal reiste er zusammen mit Rawe nach Norwegen und Finnland und erkundigte mit ihr zusammen die Trollinseln, auf der sie nur knapp dem Tod entgingen, weil sie versehentlich in eine Trollkolonie gelangt waren und zuerst keinen Ausweg mehr sahen.

Danach bekam Rawe endlichen einen eigenen, gut bezahlten Zaubererjob bei einem Drachenpfleger in der Nähe von Birmingham, der die letzten in England lebenden Drachen überwachte.

Dieser Job füllte se endlich aus und brachte ihren chaotischen Wesenszug erst einmal ins Gleichgewicht.

 

Jetzt lag er mit ihr in diesem übergroßen Bett in Hagrids alter Hütte und dachte an sein Leben ohne Hermine und Ron. Und natürlich all die anderen, die ihm irgendwie fehlten. Neben ihm atmete Rawe regelmäßig, aber mit einem leichtem Rasseln und beunruhigte ihn so ein wenig. Dieses Rasseln erinnerte ihn irgendwie an Voldemort, er wusste nicht, wieso. Unruhig wälzte er sich unter seiner Decke. Gott sei Dank teilten wir uns nicht eine, sonst wäre sie gewiss wach geworden!

Ärgerlich ließ er die nächsten Jahre Review passieren. Es passierte nicht mehr viel. Er wurde nach seiner Geschäftsführerkarriere sein Muggelleben satt und kehrte wieder zurück zu den Zaubererberufen. Irgendwie hatte er immer noch nicht das gefunden, was er für seine Bestimmung hielt, dennoch gab er die Suche nicht auf, nein, eher wurde er angespornt noch mehr kennen zu lernen und sein wahres ICH zu entdecken. Nach einem weiteren Jahr ziellosem suchen, drei Monate unterrichtete er auf Hogwarts, als der Lehrer von Verteidigung gegen die dunklen Künste zeitweilig ins Ausland musste, zwei Monate schrieb er Artikel für eine kleine Zeitung,... bekam er einen wichtigen Brief vom Ministerium. Der derzeitige Schulleiter wollte abdanken und sie suchten einen würdigen Nachfolger. Unglaublicherweise fiel er erste Wahl auf ihn, als sie die Akten der in Frage kommenden Personen durchforsteten und dabei auf seine Erfahrungen stießen.

Gleich, nachdem er den Brief gelesen hatte, war er den restlichen Nachmittag damit beschäftigt, Bücher von den gesamten Schulleitern zu suchen, um herauszufinden, wie alt diese jeweils waren, als sie ernannt wurden. Keiner war jünger, als achtundvierzig. ER, Harry Potter, war gerade mal dreiunddreißig.

Lächelnd erinnerte er sich an damals, als er in der ersten Klasse seit einem Jahrhundert zum Sucher ernannt wurde. Das nennt man wohl Wink des Schicksals. Er nahm an und ein Jahr später, als Rawe unbegründet gekündigt wurde, ernannte er sie zur neuen Wildhüterin, der Wildhüter, der nach Hagrid in der Hütte lebte, starb nämlich.

Und schon waren sie im Jetzt gelandet. Die Freundschaft zu Rawe war zerbrochen und zu einer Beziehung mutiert. Die letzten Jahre waren mit Stress und Verstimmungen geprägt worden, aber sie hatten sich arrangiert und hatten sich schon vor Jahren ineinander verliebt. Ja, in der Tat. Schicksal.

Endlich, als er das verarbeitet hatte, fiel er in einen tiefen Schlaf und erwachte erst am nächsten Mittag, Rawe war schon lange wach, hatte die magischen Tiere in ihrem Garten gefüttert und stand gerade am Herd, um zu kochen.

„Guten Morgen!“, zwitscherte sie fröhlich, drehte sich aber nicht um, sondern hantierte weiter am Herd herum.

„Morgen!“, seufzte er verschlafen und setzte sich Augenreibend auf.

„Du solltest dich beeilen. Heute wollte der neue Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste kommen. Du weißt schon, dieser... Franzose... keine Ahnung wie er hieß.“

Stöhnend ließ Harry sich wieder ins Bett fallen. Auf  seine Anwerbungen hatte sich niemand gemeldet, außer ein blutjunger Franzose von 23 Jahren. Der Bewerbung zufolge, schien er gut Englisch zu sprechen, aber er wollte sich nicht darauf verlassen. Letztes Jahr hatte sich ein Bulgare gemeldet, wieder als einziger, und auch bei ihm trog der Schein, sein Englisch war miserabel gewesen.

„Francois Gerald!“, murmelte er und fing an nach seinen Klamotten und der schwarzen Robe zu angeln.

„Genau. Er wollte um drei kommen, oder?“

„Ja!?“

„Dann hast du noch eine Stunde, also genug Zeit, um noch mit mir zu essen!“, jetzt drehte sie sich um und lächelte ihm offen ins Gesicht.

„Was gibt es denn?“, erkundigte er sich neugierig, während er sich mit einer widerspenstigen Socke abmühte.

„Nichts kompliziertes, du kennst meine Kochkünste. Nur Nudeln mit Tomatensoße. Ich war letzten in einem Muggelladen, da gab es so ne Fertigpackung, ist ganz einfach!“

Strahlend zeigte sie eine gelbe Packung hoch, halbherzig blickte Harry hoch, um sie zu registrieren. Nachdem er endlich seine Socke über dem Fuß ziehen konnte, quälte er sich noch in sein ärmelloses T-Shirt, sprang auf und ging zu  Rawe rüber.

Sie bemerkte es nicht, und wenn, dann ignorierte sie es. Lächelnd schlang er seine Arme um ihre Taille, unter den grünen Pullover, und lehnte seine Stirn gegen ihren Nacken. Ihr Lächeln sah er nicht, aber sie tat es und genoss das Gefühl seiner Hände auf ihrer Haut.

„Harry, wir müssen jetzt essen!“, befahl sie lachend, als sie registrierte, das die Nudeln schon kurz vorm matschig sein waren und die Soße fröhlich vor sich hinspritzte, weil sie schon ewig kochte.

 

Nach dem Beenden des etwas katastrophalen Essens, die Nudeln waren wirklich matschig und die Soße schmeckte leicht angebrannt, verabschiedete sich Harry und wollte schon zur Tür, als ihm eine Hand auf der Schulter zurückhielt.

Den gesamten Morgen hatten sie kein Wort über die letzte Nacht fallen gelassen und auch an körperlichen Berührungen war es nicht sehr üppig gewesen. Und auf einmal überfiel sie ihn mit einem Kuss, der die der letzten Nacht wie „Nichts“ aussehen ließ. Überrascht reagierte er erst gar nicht darauf, bis er sich dann besann, und sie zurückküsste. Dann entspannte er sich endlich, ließ seine Hände erneut unter ihren Pullover wandern und fing an ihren Hals zu küssen.

„Nein Harry, heute Abend! Jetzt muss du hoch zum Schloss!“, wehrte Rawe ihn ab, als sie bemerkte, was er vorhatte, da sie irgendwie zum Bett gelangt waren.

„Ist okay!“, murmelte er in ihr Haar und verschwand dann schnell, ohne einen weiteren Kuss, sie hatten sich weiß Gott gründlich genug verabschiedet.

 

Oben im Schloss angekommen, ging er sofort, ohne den herumwuselnden Hauselfen Beachtung zu schenken, wie er es sonst tat, in sein Büro, vor dem schon ein junger Mann mit braunem Haar, braunen Augen und sommersprossigem Gesicht wartete.

„Oh, Hallo, ich hoffe, ich bin nicht viel zu spät!“, begrüßte Harry ihn freundlich, mit besorgtem Blick auf seine Uhr.

„Oh nein, ist schon okay. Ich war auch ein bisschen zu früh. Bin also selber Schuld!“, erklärte der Mann im einwandfreiem Englisch, nur mit einem Hauch von Akzent.

Erstaunt riss Harry die Augen auf und fragte ihn, nachdem er das Passwort gemurmelt hatte: „Darf man fragen, woher sie so exzellent Englisch sprechen?“

„Meine Mutter ist zwar Französin, aber mein Dad kommt aus England, so wuchs ich in Frankreich mit zwei Sprachen auf.“

„Interessant!“, bemerkte Harry geistesabwesend und führte den Mann zu seinem Platz.

„Also“, fuhr er fort, „sie kommen aus Frankreich, haben nach ihrem Schulabschluss drei Jahre auf der International School Instruction studiert und dann ein Jahr auf einer Dorfschule in Kanada. Ist das soweit richtig?“

„Ja.“

„Wieso wollen sie jetzt hier unterrichten?“

„Mein Erfahrungshorizont konnte nicht weitergebildet werden, in Kanada. Deshalb suchte ich etwas größeres und dann stieß ich auf ihre Anwerbung. Sie hatten bis jetzt noch nie viel Glück an dieser Schule, das diese Stellung länger als ein Jahr gehalten wurde, oder?“

„Ehrlich gesagt, nein. Wie es scheint, ist diese Stelle wirklich verflucht. Als Schüler habe ich darüber gelacht, aber wissen sie, nach dem Miterleben von vierundzwanzig Lehrern, jedes Jahr einer, habe ich überlegt, ob vielleicht doch was dran ist.“

„Ich habe keine Angst davor, falls sie das befürchten. Wir werden sehen, ob es wieder der Fall sein wird.“

„Gut, nachdem wir das geklärt haben...“

Um Zeit zu gewinnen und sich seine nächste Bemerkung gut zu überlegen, schaute er noch mal auf den Lebenslauf des Mannes und schaute dann hoch.

„Sie wissen, dass sie der jüngste Lehrer sein werden?“

„Sagen wir so, ich habe fast damit gerechnet!“, erklärte Gerald lächelnd und fuhr sich nervös durch das kurze Haar.

„Gut, hier ist eine Liste ihrer Kollegen mit den wichtigsten Daten und Informationen, dann ist hier noch ein Stundenplan, damit sie wissen, wann sie wen unterrichten, und noch ein Notenheft, für ihre Bemerkungen über die einzelnen Schüler. Ich erwarte von ihnen, dass sie es ordentlich führen. Wir müssen uns intensiv über unseren Schülern informieren.“

Erstaunt betrachtete Professor Gerald das angeblich kleine Büchlein, von dem ihm seine Mutter schon erzählt hatte. Es war alles andere als klein, sondern war schon fast so groß, wie ein Muggelschulheft und dabei so dick wie die lateinische, vollständige Bibel. Und es war tiefschwarz, und nicht rot, wie sein Dad es immer beschrieb. Vielleicht waren aber auch die Lehrerausrüstungen in Frankreich etwas anders, als in Großbritannien.

„Ähm, okay.“

„Seien sie nicht so erschrocken über die Größe dieses „Heftes“. Sie müssen bedenken, das jeder Schüler seine eigene Seiten hat. Ich habe es ihnen übrigens abgenommen, die Namen jedes Schülers hineinzuschreiben, nur die Erstklässler müssen sie noch eintragen, da ich sie noch nicht den einzelnen Häusern zuordnen konnte, wie sie sicher verstehen!“

Er hatte von der Hausverteilung gehört, allerdings wusste er nicht, wie dies gemacht wurde. Deshalb fragte er mit neugieriger Stimme.

„Oh, wir haben einen Filzhut, der das für uns übernimmt!“

Harry zeigte auf ein Regal, wo der Hut drin lag, wie es aussah schlummerte er vor sich hin.

„Ach, das hab ich ja ganz vergessen. Da sie nie auf diese Schule gingen, müssen sie auch noch ausgewählt werden. So steht es in der Schulordnung, fragen sie mich nicht, wieso, ich habe sie nicht gemacht.“

Stirnrunzelnd ließ er den Schulleiter gewähren, als dieser ihm einen alten, geflickten Filzhut aufsetzte.

„Hmm, schon wieder ein Lehrer. Ich verstehe einfach nicht, weshalb ich euch auch noch einteilen muss!“ – „Ich kann doch auch nichts dafür!“, dachte Gerald und zuckte zusammen, als er merkte, dass dieser Hut anscheinend seine Gedanken hören konnte. – „Ich weiß, es ist trotzdem Schwachsinn. Naja, egal. Du bist ein mutiger Kerl, aber auch sehr fleißig und intelligent. Am liebsten lebst du nach Büchern!“ – „Äh, ja“ – „Gut, dann mache ich dich mal zu einem Ravenclaw!“

Das letzte Wort hatte er so laut gesagt, dass es nicht nur Gerald, sondern auch Harry verstand.

„Okay, das wäre auch geklärt. Dann zeige ich ihnen mal ihr Büro, ihr Klassenzimmer und ihre Schlafräume.“

„Danke!“

Harry führte ihn in den zweiten Stock, in dem sich die Privaten Räume der Lehrer befand. Er wies Professor Gerald die hinteren drei Räume zu, die zum größten Teil schon mit Möbeln bestückt waren.

„Das ist praktisch, dann muss ich nicht den ganzen Inhalt meiner Wohnung in London hier hin verfrachten!“, stellte Gerald erfreut fest.

„Ja, im Hinterzimmer schlafen sie, hier vorne ist ein Raum mit Couch, Bücherregalen und eine kleine Kochnische, wenn sie mal ihr essen verpassen und keine Hauselfen rufen wollen oder sonst was ist, weshalb sie sie brauchen, aber sie können mir glauben. In den seltensten Fällen wird sie regelmäßig benutzt!“

Lachend nickte der junge Mann und zeigte damit, dass es bei ihm wohl auch so sein wird.

„Ja, und dort ist ein Badezimmer mit einem Waschbecken, einer Dusche, einer Badewanne und einer Toilette!“

„Gut. Das ist komfortabler als in meiner Wohnung!“, rief Gerald erfreut aus.

„Im vierten Stock ist ihr Klassenzimmer mit anschließendem Büro. Kommen sie mit, es wird wohl etwas länger dauern, um ihnen alles dort genau zu zeigen, und dann wollen sie bestimmt auch noch den Rest des Schlosses sehen!“

Schweigend gingen sie die Treppen zum vierten Stock hoch, aber ihre harmlosen Absichten wurden von einer eigenwilligen Treppe zunichte gemacht. Sie ändert plötzlich die Richtung.

„Was ist das?“, fragte Gerald erschrocken und klammerte sich vollkommen unnötig an das Geländer.

„Unsere Treppen ändern manchmal gerne ihre Richtungen, daran gewöhnt man sich aber schnell, vertrauen sie mir. Sie müssen nur darauf achten, dass sie trotzdem dort ankommen, wo sie hinwollen!“

Nachdem die Treppe sich nicht mehr bewegte, mussten sie über drei Treppen einen Umweg machen, damit sie wieder dahin kamen , wo sie geendet hatten, ehe die Treppe zeigte, was sie konnte.

Als sie dann  endlich im vierten Stock ankamen, was viel länger dauerte, als man annehmen durfte, hielt Gerald vor Begeisterung die Luft an. Sein Klassenzimmer war toll, aber das anschließende Büro war besser, als in seinen verrücktesten Vorstellungen.

Der Schreibtisch war aus dunklem Teakholz und hatte eine riesige Arbeitsfläche, noch war er leer. Die Bücherregale waren ebenfalls aus dunklem Holz und leer. Bald wären sie es nicht mehr. Auf dem Boden lag nur ein kleiner Teppich, ansonsten bestand er aus Parkett. Im Zimmer waren genug Kerzen, Öllampen und verzauberte Lichter, so dass der Raum auch nachts hell genug war.

„Ihre Arbeitsunterlagen müssen sie natürlich von zu Hause mitbringen!“, schmunzelte Harry, als er das Leuchten in Geralds Augen sah.

„Klar!“

 

Als er am Abend auch mit der Führung durch Hogwarts fertig war, verabschiedete er sich von dem neuen Lehrer und sagte ihm noch, dass er sich auf die Zusammenarbeit mit ihm freuen würde, dann gingen sie verschiedene Wege. Professor Gerald ging aus dem Schloss, um hinunter nach Hogsmade zu gehen. Er hatte dort ein Zimmer gemietet. Morgen würde er wieder nach England gehen, wahrscheinlich disapparieren.

Harry musste zurück in sein Büro. So gerne er auch hinunter zu Rawe gehen würde, die Eingangspost wartete auf ihn.

Seufzend ließ er sich auf seinen Schreibtischsesselnieder und blätterte gelangweilt die Briefe durch. Stockend hielt er beim letzten an. Dieser war schwarz und mit grellgrüner Schrift versehen. Im Laufe der letzten acht Jahre hatte er insgesamt fünf dieser Briefe bekommen. Es war immer nur ein schwarzer Zettel drin, der mit einem oder zwei Sätze in grellgrün versehen war. In diesem stand: Jetzt, wo du die Sakrilikien hast, wirst du das Rätsel lösen!

Alleine aufgrund dieser Briefe, kam er überhaupt auf die Idee, nach diesen Sakrilikien zu suchen, zwar hatte Rawe und nicht er sie alle gefunden, aber er hatte sie nun. Aber was sollte er damit machen?

Nachdem Lesen der anderen Briefe, zwei Briefe von Eltern neuer Schüler, eine Beschwerde einer Mutter, die sich darüber beklagte, dass ihr Sohn nicht Schulsprecher wurde und eine Bescheinigung vom Ministerium für einen Besuch im mittleren Fernost, nahm er sich die Kiste, die von Rawe nach oben genommen hatte und fing an, die erste Seite des Buches zu übersetzten. Obwohl es sehr mühsam war, hatte er nicht allzu große Schwierigkeiten damit. Freund hatte gute Arbeit geleistet, als er ihm Sprachunterricht gegeben hatte. Er musste kein einziges Wort nachschlagen. Alleine mit dem übersetzten des endgültigen Satzes hatte er leichte Probleme, da er oft Schwierigkeiten hatte, den Bezug zwischen den Wörtern zu finden.

 Als er endlich mit der erste Seite fertig war, stand die Sonne schon ziemlich tief. Er entschloss sich hinunter zu gehen. Sie könnten einen Spaziergang machen oder einfach nur reden. Das taten sie oft und meistens hatten sie sehr viel Spaß dabei, nur selten blieben sie die ganze Zeit ernst.

Er räumte die Briefe in die „Briefschublade“, legte das Buch auf einen Stapel leeres Pergament, richtete die Federkiele in seinem Holzkistchen und stand dann zufrieden auf.

 

Kapitel 3:  Eine freudige Nachricht

 

Die Nacht war schrecklich gewesen. Erst um drei Uhr morgens konnte sie schlafen, weil ihr die ganze Zeit Harry Potter und ihre Kinder im Geist herumspukten. Mairead und Jakob verstanden sich nicht so gut mit ihm, aber sie akzeptierten ihn, machten ihn nicht an und gaben ihr bestes, um freundlich zu ihm zu sein. Matthias, Niel und Mina verstanden sich dafür um so besser mit ihm.

Noch um ein Uhr morgens plapperte Mina glücklich vor sich hin über ihren neuen besten Freund, und was sie alles machen wollte und wie toll die Welt doch war. Ron hatte es sich zur Aufgabe gemacht sie ins Bett zu bringen und hatte damit die schwerste Aufgabe, die er hätte wählen können gewählt.

Sie wollte partout nicht schlafen und konnte nur mit drei Einschlafgeschichten, einem Lied und schmeichelnden Worten bestochen werden. Mairead und Jakob gingen alleine ins Bett, um sie musste sich Hermine glücklicherweise nicht mehr kümmern und auch Harry und Matthias brauchten nur geringfügige Überwachung.

Aber Niel war ungewöhnlich gesprächig und verwickelte seine Mutter in eine Diskussion über die Bauweise von Zauberstäben, da sie leider nebenbei die Geschichte um Harrys Zauberstab erwähnt hatte.

Als er dann endlich schlief, schlich sie aus dem Zimmer und stolperte prompt über etwas. Eine braune Mappe lag zu ihren Füßen und gewann sofort ihre Aufmerksam. Nachdem sie vorsichtig zum Bett ihres jüngsten Sohnes schielte, öffnete sie die Mappe mit geschickten Fingern und fiel fast um vor Überraschung, als sie erkannte, was der Inhalt war.

Auch wenn es ziemlich dunkel war, konnte sie jeden einzelnen Strich erkennen. Niemand war ihr bekannt, der SO gut zeichnen konnte. Mit einzelnen Strichen traf er perfekt bestimmte Personen. Lächelnd erkannte sie sich selber auf einem der Blätter, wie sie gerade ihre Füße hochlegte und (bestimmt) ein gutes Buch las. Ein Blatt weiter erkannte sie Ron, wie er sich gerade intensiv mit einem Niffler beschäftigte.

Als sie alle Zeichnungen durchgeblättert hatte, packte sie schnell die Blätter wieder in die Mappe, verließ das Zimmer und eilte ins Schlafzimmer, wo Ron schon auf sie wartete.

„Wo warst du?“, erkundigte er sich, nachdem er sein Hemd ausgezogen hatte.

„Oben bei Niel, dort habe ich eine sehr interessante Entdeckung gemacht. Eigentlich dachte ich ja immer, dass wir gute Eltern sind, aber wenn wir wie viele Jahre auch immer, nicht einmal merken, dass wir einen Künstler in der Familie haben, dann stelle ich das mal ganz schnell in Frage!“

„Wie meinst du das?“

„Niel malt, wie ein Fotograph fotografiert. Seine Bilder sehen so echt aus. Jede einzelne Person habe ich erkannt, jeder Strich ist überlegt gesetzt, ich kann es ehrlich gesagt kaum glauben!“

„Du willst mir sagen, dass Niel oben einen Stapel Pergamentblätter hat, auf denen perfekte Bilder sind?“

„Ja.“

„Du hast recht, mit deinem in Frage stellen!“

„Wie müssen morgen darüber mit ihm reden!“

„Ja.“

Sie ging ins Bad, um sich die Zähne zu putzen, als ihr plötzlich sehr schwindelig wurde. Weil ihr schwarz vor Augen wurde und sie nichts mehr sah, ließ sie sich auf den Boden sinken und klammerte sich an den Bettpfosten.

„Was ist?“, erkundigte sich Ron erschrocken und eilte zu ihr rüber.

„Nichts. Nicht. Mir ist nur etwas schwindelig. Ich putze jetzt Zähne und dann versuche ich schnell zu schlafen. Morgen habe ich Dienst!“

Sie ließ einen verduzten Ron zurück, taumelte ins Badezimmer, kam zurück, legte sich neben Ron ins Bett und schloss die Augen.

Sie wollte nichts mehr hören oder sehen. Ron hatte sie zwar nichts gesagt, aber in Wirklichkeit war es etwas mehr als nur ein wenig schwindelig. Ihr Kopf schummerte immer noch und hinter ihren Augen breitete sich ein unangenehmes Ziehen aus.

Doch sie konnte nicht schlafen. Neben sich bemerkte sie zwar, wie Rons Atem regelmäßig wurde und das er höchstwahrscheinlich eingeschlafen sein musste, aber ihr selber war es nicht vergönnt zu schlafen. Harry, Matthias und Niel spukte in ihrem Kopf herum, machten die Kopfschmerzen noch unerträglicher und hinderten sie daran einzuschlafen.

Am nächsten morgen weckte sie der Wecker aus einem einstündigen Schlaf. Die Kopfschmerzen waren zwar weg, aber ein leichtes Unwohlsein durchströmte sie immer noch.

Seufzend löste sie sich aus der klammernden Umarmung ihres Gatten und torkelte ins Bad. Nach einer erfrischenden Dusche putze sie die Zähne, zog sich ihren Arbeitsumhang an und ging in die Küche. Ron war ebenfalls wach, saß am Küchentisch und las Zeitung. Er sah sehr überrumpelt und verschlafen aus. Seine Haare waren unordentlich, ungekämmt. Die Boxershorts und das ärmellose T-Shirt untermalten den Anblick.

„Kaffee kocht!“, berichtete er ohne von der Zeitung aufzusehen.

„Kommst du heute wirklich mit sechs Kindern alleine zurecht?“, fragte sie unsicher, während sie sich ein Brot schmierte.

„Klar!“, brummte er und faltete die Zeitung zusammen.

„Steht schon wieder nur Schrott drin!“

„Schatz, vergiss nicht, heute abend kommt die Familie zu Besuch! Würdest du das Abendessen wohl vorbereiten? Janis meinte, es könnte später werden.“

„Später? Warum gerade heute. Naja, mache dir mal keine Sorgen über das Abendessen. Ich werde es vorbereiten und wenn du viel zu spät kommst und nicht mal zum Kochen kommst, dann wird eines deiner großartigen Kinder bestimmt bereit sein, deinen Part zu übernehmen.“

„Danke. Aber ich werde mir Mühe geben noch zum Kaffeetrinken zu kommen. Ich will nicht die herrliche Torte von Mairead verpassen.“

„Das verstehe ich.“

„Ach, ich soll dir von Bill ausrichten, dass er und Shoshana leider nicht kommen werden. Sie haben gerade irgendeine Entdeckung gemacht und müssen die Einsatztruppe überwachen.“

„Das verstehe ich nicht. Können die sich nicht einmal Zeit nehmen? Wie oft haben wir die beiden jetzt schon gesehen, seit dem Tod von George? Zweimal? Bill kann sich nicht immer herausreden, wenn wir uns mal treffen. Nächstes Mal wirst du das nicht durchgehen lassen!“, regte er sich auf und warf die Arme theatralisch in die Luft.

Lächelnd trank sie ihren Kaffee aus, schluckte den letzten Brotbissen herunter und küsste ihn mit unschuldigen Augen auf die Wange.

„Mache ich!“

„Hey!“

Irritiert runzelte Hermine die Stirn. Warum meckerte er sie mit einem „Hey“ an, wenn sie ihm doch gerade versichert hatte, dass sie es machen wird.

„Was?“

„Du willst doch nicht ernsthaft gehen, ohne mir einen vernünftigen Abschiedskuss zu geben, oder?“

Sofort glättete sich ihre Stirn.

„Ach so!“

Feixend beugte sie sich zu ihm und ließ ihre Lippen über seine streifen. Als klar war, dass sie ihn ärgern wollte, indem sie ihm einen vernünftigen Kuss verwehrte, zog er ihren Kopf mit seiner Hand hinunter und presste seinen Mund auf ihren. Es war nicht wirklich romantisch, aber doch irgendwie schön.

Sternesehend löste sie sich schließlich von ihm und verließ das Haus, um endlich zur Arbeit zu apparieren.

 

Mit wild in der Luft fuchtelnden Armen kam ihr gleich eine rundliche Frau entgegen, es war Janis.

„Dr. Granger, sie sind viel zu spät!“, klagte sie und bugsierte sie hastig in die Kammer mit den Heilerkitteln.

„Es tut mir leid Janis, ich wurde aufgehalten, warum bist du überhaupt so überdreht und ungeduldig?“ Normalerweise war Janis immer die ruhigere von den beiden.

„Zwei Krankmeldungen von Praktikanten, die Küche ist total überfordert und braucht Hilfe, ich kann das aber nicht alles alleine machen!“

„Wie, in der Küche wird Hilfe gebraucht?“

„Tim und Frank sind ganz alleine dabei, die ganzen Tränke zu brauen und nebenbei müssen sie noch das Mittag kochen. Selbst wenn sie doppelt so viele Hände und Zauberstäbe hätten, haben wir noch Zeitprobleme. Wir haben zehn neue Einlieferungen und dabei sind drei Stufe 3 Risikofälle bei. Hermine, bitte beeilen sie sich und helfen sie Tim und Frank, ich glaube nicht, dass sie lange dem Druck standhalten können!“

Hastig zog sich Hermine ihren Kittel an und eilte in die Küche. Wenn Janis es sogar schaffte ihren Vornamen zu benutzen, was sie eigentlich strikt nicht tat, dann musste es sich wirklich um einen extremen Notfall handeln.

In der Küche herrschte totales Chaos. Tim versuchte das Umrühren eines Stärkungstrankes und das des Mittagessens gleichzeitig zu machen. Frank schnippelte in rasender Geschwindigkeit die Zutaten klein und dabei sah es so aus, als ob er sich jeden Moment in die Finger schnitt.

„Hermine! Gott sei Dank, ohne dich wären wir verloren!“, begrüßte Tim sie und wies ihr gleich an, dass sie bitte den Stärkungstrank weiter bearbeiten solle.

„Was steht noch an?“, erkundigte sie sich, während ihr missbilligender Blick den Trank prüfte. Irgendetwas fehlte noch.

„Erst einmal braucht der Stärkungstrank noch eine Teufelsknolle und einen tropfen Krötenblut. Dann müssen wir noch mal die gleiche Menge Stärkungstrank Typ B zubereiten.

Janis hat außerdem drei Liter Blutverdünnungstrank, einen Liter Zwiebelsirup und fünf Packungen Gokulumpastillen bestellt. Alles so schnell wie möglich!“

Zwiebelsirup? Was will Janis bitte damit? Der wird doch nur zum kurzzeitigen Bannen von Vampiren und für Bisswunden von knallrümpfigen Krötern benutzt. Und Gokulumpastillen?! Eigentlich waren sie die Medizin von Drachenpocken, aber eigentlich war der Vorrat ausreichend, für die Anzahl der Fälle, die im Krankenhaus verweilten und selbst wenn, wie konnte der Vorrat so schnell geschwunden sein? Eigentlich war doch gerade die Skrofungolose am Start und nicht die Drachenpocken.

Was ist hier eigentlich los?

Seufzend machte sie sich an die Arbeit und ackerte den ganzen Vormittag durch, bis sie alles geschafft hatten.

Verschwitzt ließen sich die drei auf ungemütliche Klappstühle fallen, um sich ein wenig auszuruhen. Fünf Stunden hatten sie nicht sitzen können, sondern sind durch die Küche wie Irre gerannt, um alles herzustellen.

„Mann Hermine, danke, das es dich gibt!“, seufzte Frank und gab ihr einen dicken Kuss auf die Wange, Hermine, die das schon gewöhnt war, lächelte und winkte freundlich ab.

„Alleine hätte ich das auch nicht gewuppt. Nur zu dritt konnten wir das schaffen. Wir sind halt ein cooles Team!“

„Allerdings!“, fügte Tim trocken hinzu und erhob sich, um seinen Zauberstab zu holen. Mit einem lockeren Schlenker füllte er mehrere Dutzend Schüsseln mit einem dickflüssigen Eintopf und schickte sie mit einem einfachen Zauber nach oben.

„Ich gehe auch mal nach oben, um zu schauen, was überhaupt der Auslöser für diesen Stress ist!“, verkündete Hermine und stieg mühsam die Treppen hoch in den zweiten Stock, wo Janis Stationsheilerin war. Nachher müsste sie selbst noch in den vierten Stock, um ihrer eigentlichen Arbeit nachzugehen. Cameron Higgins wird alleine gewiss Schwierigkeiten haben.

 „Janis! Ich muss mit dir reden!“, rief sie der Frau zu, als sie dieses als Janis erkannte.

„Hermine, du kannst mir gar nichts glauben, wie froh ich bin, dass du den ganzen Kram brauen konntest. Wir haben neun neue Drachenpocken Fälle. Dann noch zwei kleine Jungen, die übelst von knallrümpfigen Krötern zugerichtet worden sind und ein zusammen gewachsenes Ehepaar. Wir vermuten illegale Verbindungsrituale, die irgendwie schief gegangen sind; frag einfach nicht nach.“

„Neun Fälle Drachenpocken? Wie kann das sein?“

„Ich weiß es nicht. Ich bin nur froh, dass du die Gokulumpastillen zubereiten konntest, sonst hätten wir hier morgen schon Tote!“

„Und wie war das mit dem illegalen Ritual? In welcher Station liegen sie?“

„Erst einmal haben wir sie in den Vierten Stock gebracht, auf die Methuslaemstation. Greg hat noch Hoffnungen für einen Fluchbruch, aber die beiden, ich glaube sie heißen Flenkers, wollen uns partout nicht sagen, was es genau ist. Und sie lassen die Heiler das Ganze nicht genauer untersuchen, weil... naja, sie an einer ganz bestimmten Stelle verschmolzen sind!“

Die leichte Röte, die in Janis´ Gesicht stieg, ließ Hermine genau wissen, was sie meinte.

„Hmmm, hört sich übel an, also ich gehe mal hoch und schaue, ob Cameron Hilfe braucht, wenn das nicht der Fall ist, dann schaue ich mal bei Greg vorbei!“

Sie ging an der rundlichen, kleinen Frau vorbei und stieß am Treppenabsatz fast mit einem Praktikanten zusammen.

„Oh, das tut mir sehr leid, Dr. Granger, ich war mit meinen Gedanken woanders!“, erklärte der Junge verlegen und schaute auf den Boden.

„Schon okay, pass nächstes Mal nur auf, Heiler Zacharias wäre bestimmt nicht begeistert, wenn ihm das passieren würde!“, sagte Hermine lächelnd und setzte ihren Weg fort.

 

Nachdem sie abgecheckt hatte, das Cameron KEINE Hilfe brauchte, bot sie Greg ihre Hilfe an.

„Dich schickt der Himmel!“, sagte er erleichtert.

„Die Flenkers weigern sich einfach uns zu sagen, was passiert ist. Ich weiß gar nicht, weshalb sie überhaupt hier sind!“

„Ich rede mit ihnen!“, erklärte Hermine und legte tröstend ihre Hand auf seine Schulter. Er zeigte ihr das Zimmer und als sie es betrat musste sie sich ernsthaft zusammenreißen nicht loszuprusten.

Der Anblick, der sich ihr bot, erinnerte sie stark daran, wie es ausgesehen hatte, als sie in der siebten Klasse mit Ron in den Raum der Wünsche geplatzt ist und genau diesen Anblick ertragen mussten. Nur damals fand sie es wesentlich peinlicher, als jetzt.

„Guten Tag“, grüßte sie und versuchte dabei ein schadenfrohes Grinsen zu unterdrücken. Es tat ihr ja leid, aber es sah einfach zu herrlich aus!

Eine Frau mit blonden Locken lag halb auf einem dunkel Haarigen Mann, stützte sich aber mit den Händen ab. Wüten schaute sie in sein Gesicht.

„Noch so eine Heilerin!“, stöhnte die Frau und blickte sie jetzt  böse, kalt an.

„Nein, wir werden nicht verraten, weshalb wir zusammen gewachsen sind, und wir werden ihnen auch keinen Einblick verschaffen!“

„Glauben sie mir, darauf bin ich auch gar nicht scharf. Aber darf ich fragen, wie sie hier hinkommen konnten, ich meine, es gibt doch gewiss keine Hose für vier Beine, oder?“

Lachend warf Mrs. Flenker ihren Kopf zurück.

„Nein, gewiss nicht. Aber in meinem Kleiderschrank habe ich eine übergroße Robe gefunden, irgendwie konnten wir uns darin einwickeln.“

„Aber das Gehen war bestimmt etwas komplizierter, oder?“, hackte Hermine noch nach, mit einem belustigten Lächeln, was die andere Frau anscheinend sympathisch fand, denn auch sie lächelte ein wenig zurück.

„Das können sie mir glauben!“, sagte schon wieder sie.

„Sagen sie, kann ihr Mann eigentlich auch reden?“, erkundigte sich Hermine in einem unschuldigen Ton und brachte damit beide zum Lachen.

„Ja, kann ich!“, antwortete diesmal der Mann. Er hatte eine melancholische, tiefe Stimme und schaute sie mit einem flüchtigen Lächeln an.

„Aber meine Frau redet sehr gerne und ich nicht!“, schloss er schlicht und fing sich damit einen wütenden Blick.

„Wie dem auch sei, ich kann ihnen nicht helfen, wenn sie mir nicht sagen, was passiert ist!“, erklärte Hermine und setzte sich auf einen Stuhl, der eigentlich für Besucher bestimmt war.

„Hören sie, nur weil sie Dr. Granger sind, werden sie nicht mehr erfahren, als die anderen.

„War der Zauber illegal?“

Schweigen

„Okay, dann weihe ich sie mal in die Weite unserer Untersuchungen ein. Sie wollen nichts sagen und auch nicht zeigen, was passiert ist. Damit machen sie sich sehr verdächtig, deshalb glauben wir, es war ein ritueller Verbindungszauber, höchstwahrscheinlich illegal.“

Schweigen.

„Warum wollen sie es nicht erzählen?“

Und wieder Schweigen.

Hermine gab es auf und verließ kopfschüttelnd den Raum. Im Gang begegnete ihr Greg.

„Und?“

„Sie reden nicht, aber lass dieses Zimmer streng von den Sekretleuten überwachen, ich glaube nicht, dass sie wirklich verhext sind.“

„Wie?“

„Vielleicht haben sie was vor? Ein Mord in St. Mungo ist sehr schwer, seit hier kein Fremder Zauberer oder Hexe länger als 21 Uhr bleiben darf. Tun sie es einfach, morgen werden wir schauen, was genau los ist.“

„Morgen ist Sonntag!“

„Das stimmt!“

„Hast du da nicht frei?“

„Nein, meine zwei freien Tage habe ich mir schon genommen. Das waren nämlich die beiden letzten Tage. Wieso?“

„Ach, ist schon gut. Ich bin etwas verwirrt.“

Nachdenklich schaute sie ihm hinterher. Greg war schon ein geplagter Mann. Seit dem Tod seiner Mutter vor vier Jahren, war er nur vom Pech verfolgt. Seine zweite Ehe ist am Kriseln, sein Sohn ist in Askaban gelandet, da er den Imperio Zauber verwendet hatte und sein Ansehen in der Zauberwelt nahm von Tag zu Tag mehr ab.

Sie ging zurück in ihre Station, wo sie zwei Kindern eine Geschichte erzählte, Nevilles Eltern liebevoll bemutterte und im Labor ihren Forschungen nachging.

Gegen drei Uhr nachmittags fühlte sie wieder diesen unberechenbaren Schwindel. Ihre Augen flatterten und ein dumpfer Nebel stieg in ihren Kopf. Das letzte, was sie noch bemerkte, was, wie sie unsanft zu Boden fiel.

Glücklicherweise ging gerade Janis an der Labortür vorbei und bekam alles mit. Führsorglich hob sie die jüngere Frau hoch und trug sie in ein leeres Krankenzimmer, wo sie Hermine auf ein weißbezogenes Bett legte.

Nachdem sie ihr eiskalte Lappen auf die Stirn gelegt hatte, schlug Hermine langsam die Augen auf.

„Janis? Was ist passiert?“, fragte Hermine erschrocken und richtete sich ruckartig auf, ließ sich aber sofort wieder fallen, als unangenehme Schwärze wieder aufstieg.

„Sie sind umgekippt. Haben sie heute morgen nichts gegessen?“, hackte Janis misstrauisch nach und musterte ihre Kollegin kritisch.

„Doch!“, erboste sich Hermine mit gerunzelter Stirn.

„Ich habe ein gutes Frühstück genossen!“

„Und Mittagessen?“

„Ich habe den Eintopf probiert!“, gestand Hermine und ihre Stirn glättete sich wieder.

„Hermine, sie können nicht einfach ihre Mahlzeiten ausfallen lassen. Schauen sie sich an, sie sind fast nur ein Gerippe! Ein Wunder, dass sie es geschafft haben, fünf Kinder auf die Welt zu bringen.“

Hermine runzelte wieder die Stirn.

„Mag ja sein, dass ich nicht zu den Üppigereren gehöre, aber ein Gerippe bin ich nicht!“

„Ich will jetzt nicht streiten, Dr. Granger, es steht fest, dass sie zu wenig essen. Gehen sie  nach Hause, ihre Schicht ist jetzt eh um. Und dann, tun sie mir den Gefallen, genießen sie das Abendessen.“

Lachend stand Hermine langsam auf.

„Das trifft sich gut, wie haben heute jede Menge Besuch und meine Tochter hat einen herrlichen Kuchen gebacken!“

Ein leichtes Grinsen huschte über Janis Gesicht, als sie sich verabschiedeten und Hermine endlich nach Hause disapparierte.

 

„Hermine! Da bist du ja!“, begrüßte Ginny sie als erstes. Ihre Haare waren hochgesteckt und nur zwei Einzelne Locken fielen ihr ins Gesicht. Ihr wohl gerundeter Bauch zeigte, dass sie im achten Monat schwanger war. Ginny hoffte, dass das Kind da war, bevor sie wieder zu Arbeit müsste, sie ließ sich nur ungern vertreten.

„Ginny! Schön dich zu sehen“, antwortete Hermine mit einem schwachen Lächeln.

„Wie siehst du bitte aus?“, erkundigte sich ihre Freundin erstaunt und half Hermine sich hinzusetzen.

„Ich bin eben umgekippt, deshalb bin ich wohl etwas weiß!“, lachte Hermine und eine leichte Röte kehrte zurück in ihr Gesicht.

 

Gelächter drang durch die Tür in die Stube, wo Hermine hin appariert war.

„Lass uns mal zu den anderen gehen!“, beschloss Hermine, als sie fünf Minuten schweigend herumgesessen hatten.

„Hmm, ich komme gleich. Erst einmal muss ich wohin! Und dann muss ich unbedingt mit dir über Harry reden. Ron wollte nicht alles erzählen, er meinte, du wüsstest besser Bescheid. Ich bin fast in Ohnmacht gefallen, als er zu mir kam und mir höflich und schüchtern die Hand reichte!“, meinte Ginny ernsthaft.

Hermion ging nach draußen in den Garten, während Ginny die Treppe nach oben verschwand, wo ein Badezimmer war.

Lautstark wurde Hermine begrüßt, aber nur von ihrem Gatten auf ihre Blässe angesprochen.

„Bist du umgekippt oder so was?“, erkundigte er sich besorgt, als er ihr einen zärtlichen Begrüßungskuss gegeben hatte.

„Du hast es erraten. Janis hat mich erbost entlassen und mir geraten meinen Bauch zu füllen. Sie glaubt, ich habe andauernd Schwindelgefühle, weil ich nicht genug esse“, erklärte Hermine leicht hin und setzte sich zwischen Ron und Charly.

„Da, haue ein. Die Torte ist köstlich!“, sagte ihr anderer Nachbar amüsiert und schnitt seiner Schwägerin ein dickes Stück ab.

Als Hermine herzhaft kaute und erstaunt bemerkte, dass die Torte wirklich genial war, fühlte sie sich ein wenig beobachtet, weil alle sie anstarrten. Ist ja kein Wunder, SIE waren alle fertig.

„Ähm, ihr müsst eure Gespräche nicht einstellen und mir beim Essen zuschauen!“, sagte sie dann schließlich, als es unheimlich still wurde und sie alle anschauten.

Alle mussten bei diesem Kommentar fast loslachen und drehten sich dann wieder ihren Gesprächspartnern zu, Hermine atmete erleichtert durch, weil sie sich nun ungestört fühlte. Allerdings änderte sie ihre Meinung wieder, als Ron immer mal wieder zu ihr rüberschielte, den Kopf schief legte und sie einige Sekunden anstarrte.

„Ron, was ist?“, fragte sie, als sie es nicht mehr aushielt.

„Obwohl du jetzt bereit bei deinem dritten Stück Torte bist, ist dein Gesicht immer noch kreidebleich und irgendwie siehst du heute besonders gebrechlich aus!“

„Ron, ich bitte dich. Erinnere dich, WER letztens beim Armdrücken gewonnen hat (vor zwei Wochen waren sie mit Ginny und Dean in einer Kneipe, in der Nähe von Dean geerbtem Haus, wo sie sich, leicht angetrunken, auf einen sinnlosen Armdrückkampf eingelassen hatten. Mit machten auch einige Gäste der Nachbartische, aber Hermine schlug sie alle, auch Ron, der seit Jahren mit riesigen Tieren arbeitete und auch einen Muggelbauarbeiter, der mit der Niederlage überhaupt nicht zurechtgekommen war) und hör dann auf über meine Statur zu mäkeln!“

„Ich mäkele nicht, ich beschreibe allenfalls, was ich sehe. Und du bist weiß und dünn.“

„Aber ich esse und mir geht es gut!“, erwiderte sie schlagfertig und schob sich das letzte Tortenstück auf den Teller. Es war aber nicht von der Marzipantorte ihrer Tochter, sondern ein Schockladenkuchenstück, den Ginny gebacken hatte.

„Mine, bist du vielleicht schwanger?“, rätselte Samantha, Charleys Frau, plötzlich und beäugte sie kritisch.

Zweifelnd runzelte Hermine die Stirn und zog die Augenbrauen hoch.

„Schwanger? Nein. Schon vor sechs Jahren haben wir uns entschieden, das Mina das letzte Kind sein wird.“

„Das muss ja nichts heißen. Fürs nicht Schwanger werden muss man schließlich was tun.“

„Und du glaubst das haben wir vergessen? Samantha – sie musste leicht lächeln – ich arbeite in St. Mungo. Glaube mir, wenn einem jeden Tag vor Augen geführt wird, was man machen muss, dann garantiert da! Jeden verdammten Tag verbringe ich in der Küche und manchmal stelle ich den Luniperiodatrank selber her.“

Kopfschüttelnd wandte sie sich wieder ihrem Kuchen zu und hielt das Thema für abgeschlossen, bis Samantha noch einmal anfing.

„Und wenn schon. Du siehst wirklich kränklich aus, und trotzdem isst du wie eine, die vier Wochen fasten musste. Dir ist klar, dass das dein viertes Stück Kuchen ist, oder?“

„Ja, das ist mir klar. Noch kann ich zählen. Ich hatte heute einen wirklich stressigen Tag und keine Zeit Mittagessen zu gehen. Ich hoffe dann ist mir erlaubt, über Kuchen, übrigens zu meinen Lieblingsspeisen gehörend, herzufallen.

Und außerdem, hatte ich in meinen fünf anderen Schwangerschaften nicht einmal ein Schwindelgefühl oder eine blasse Gesichtshaut. Ich hatte nie Appetit und wollte nur schlafen. Wie du siehst, bin ich aber energiegeladen und habe sehr wohl Hunger!“

Sie steckte sich schwungvoll die beladene Gabel in den Mund und zeigte mit ihrem Blick, dass sie dieses Thema nicht noch einmal anschneiden wollte.

„Wo sind eigentlich die Kinder?“, fragte sie dann, um nicht ganz distanziert zu wirken.

„Also, Harrison und Demina diskutieren über irgendeine Aktion in der Schule. Du weißt ja, Harrison wurde zum Schulsprecher ernannt, so wie ich damals!“, erkläre Percy stolz und schloss dann schnell den Mund, als seine Frau Penelope ihn kritisch anschaute.

„Naja, und Demina ist ja eine der Vertretungsschülerinnen. Jakob und Mairead haben sich mit einem riesigen Stapel Bücher in einen hinteren Teil des Gartens verzogen, ich glaube Mina und Niel sind auch dabei, und Jael, Matthias und... Ha-Harry Potter sind oben und beschäftigen sich mit ihren Schulsachen“, endete er und als er Harrys Namen erwähnte, wurden alle still und Ginny, die sich gerade hinsetzten wollte, da sie wieder gekommen war, fing an zu zittern.

„Ich glaube, du musst uns einiges erklären, Hermine. Ron wollt partout nichts sagen, ermeinte, du wüsstest mehr. WAS ist hier passiert?“, forderte Fred mit stark zitternder Hand.

„Ich weiß es nicht, Fred!“, fing Hermine traurig an.

„Vor drei Tagen kam Minerva zu mir runter und berichtete mir aufgelöst, dass das Ministerium ihr die Muggelgeborene Schülerliste geschickt habe. Der Name Harry Potter stand ganz unten.

Sie bat mich, ihn gestern zu holen und mit ihm die Sachen zu kaufen und ihn, wenn es mir möglich sei, für den Rest der Ferien hier zu behalten.“

„Hat das Ministerium irgendeine Anmerkung mitgeschickt, dass sie sich um diesen Fall kümmern werden?“, fragte Ginny aufgeregt und verschluckte sich dabei fast.

Das Kopfschütteln von Hermine ließ sie traurig in den Sessel zurücksinken.

„Aber wie konnte das passieren? Ist es sicher der Harry Potter, den wir meinen?“, warf Angelina, Freds Frau, dazwischen.

„Wer weiß, vielleicht ist es nur ein zufälliges Double?“

„Ein Double, das die gleiche Narbe hat, bei den gleichen schrecklichen Muggels lebt, genauso aussieht und Träume von seinem anderen Leben hat?“, zweifelte Hermine.

„Träume?“, warf Penelope ungeduldig dazwischen.

„Ja. Er kannte mich schon vorher, er wusste alles mögliche über Hogwarts. Er wusste sogar, dass Draco mal ein ziemlicher Feind von uns war.“

„Das ist merkwürdig! Ich meine, etwas über solch eine Situation gelesen zu haben. Zu Hause werde ich mal schauen!“, erklärte Penelope fassungslos und war für den Rest des Abends nicht mehr zu gebrauchen, da sie vollkommen mit ihren Gedanken beschäftigt war.

„Oh Schreck!“, unterbrach Dean plötzlich das Schweigen.

„Er hatte doch gestern Geburtstag, oder? Und ich habe ihm nicht einmal gratuliert! Ich Trottel.“

„Er hatte nicht Geburtstag. Er hat am 31. Januar Geburtstag!“, erklärte Hermine, die kurz auflachen musste, als sie die erschrockene Miene ihres alten Schulkamerads gesehen hatte.

„Er hat im Januar Geburtstag? Wieso das? Das ist doch unmöglich, es sei denn...“

„Alles war gleich, genauso wie damals. Nur sein Geburtstag und die Tatsache, das er schon alles einmal geträumt hatte, war anders“, sagte Hermine, der immer unbehaglicher zumute wurde.

Das Schweigen, das darauf folgte, war irgendwie sehr unangenehm und störend. Als Mina angerannt kam und begeistert auf ihre Mutter zusprang, atmeten alle erleichtert auf, weil die Stille durchbrochen war.

„Mum! Endlich bist du wieder da! Wir haben sooo viel erlebt – sie breitete ihre Arme aus um die Größe bildlich zu demonstrieren – und Harry ist wirklich lieb!“, piepste sie und schwang sich auf ihren Schoß.

„Habt ihr viel Spaß gehabt?“, erkundigte sich die Mutter liebevoll.

„Ja. Jakob liest uns gerade die Schatzinsel vor, aber Niel malt dabei die ganze Zeit und das kratzen der Stifte ist doof. Deshalb lesen Mairead und Jakob jetzt leise und Niel malt.“

Schlagartig fielen ihr die Bilder des Vorabends wieder ein.

„Was malt er denn?“, fragte sie belustigt, da Mina darüber alles, nur nicht begeistert aussah.

„Mich! Aber meine Nase ist immer viel zu groß!“

Das Gelächter am Tisch war groß, als sie zu Ende gesprochen hatte. Natürlich hatten ihr alle aufmerksam zugehört und waren sehr amüsiert über ihre Ausdrucksweise. Außerdem hatten sich jeder etwas anderes kurioses vorgestellt, als sie erwähnte, wen er malte. Keiner konnte sich vorstellen, das die Nase wirklich das einzige Problem sein könnte.

 

Nachdem Mina wieder zurückgelaufen war, zweifellos um auch ein Buch zu lesen, kamen in den nächsten zwei Stunden alle Kinder einmal vorbei um Hermine „Hallo!“ zu sagen und irgendetwas loszuwerden.

Demina und Harrison boten sich an das Abendessen fertig zu stellen und machten Hermine damit eine Riesenfreude.

Während die anderen Familienmitglieder sich weiter unterhielten, beobachtete Hermine die beiden Ältesten durch das Küchenfenster. Harrison und Demina schienen unglaublichen Spaß dabei zu haben das schon gewaschene Gemüse zu zerschneiden, in eine Auflaufform zu legen, Käse darüber zu streuen und die Form anschließend in den Backofen zu schieben.

Wie kleine Kinder. Man mag gar nicht glauben, dass sie fast sechszehn und fast achtzehn sind!

Sie würden ein schönes Paar abgeben, wenn sie nicht verwandt wären! Oh mein Gott, worüber denke ich überhaupt nach? Das ist ja krank. Hermine, sie sind Freunde, ja, sie sind verwandt... und Freunde. Sie verstehen sich gut, wahrscheinlich, weil sie beide die Ältesten sind, vielleicht auch, weil sie beide eine etwas wichtigere Rolle in Hogwarts spielen. Sie haben die gleichen Hobby: Lachen, Lehrer ärgern – Sie erinnerte sich an das letzte Schuljahr, wo Ron ihr am ersten Dezemberwochenende erzählt hatte, wie sauer er war, als er erfahren hatte, das Schüler sich den Spaß erlaubt hatten vier Niffler in der Schule loszulassen, einen in jedes Stockwerk. Das Chaos war katastrophal und nur durch Zufall hatte sie ein Gespräch mitbekommen, in dem sich Harrison und Demina darüber unterhalten hatten... und nicht nur über DIESEN Streich. – die beliebtesten Schülerautoritäten seit Bill Weasley sein, Kochen und Fliegen. Zwar hatte Harrison das Fliegen wegen seiner Schulsprecherfunktion und den bevorstehenden UTZ´s aufgegeben, - genau wie Demina, die es wegen der ZAG´s und der Vertretungsschülersache tat -  trotzdem war er ein toller Treiber. So ganz nicht Percys Geschmack, was jedem in der Familie sehr gut gefiel.

Harrison hatte sowieso nicht sehr viel mit Percy gemeinsam, auch nicht mit Penelope. Lediglich das Aussehen und wenige Charaktereigenschaften. Der Humor, die Feinfühligkeit und der Gemeinschaftssinn kamen aber woanders her. Vielleicht von Arthur, dem Großvater oder von irgendeinem Bruder Percys.

Bill würde sich sehr freuen, wenn er die Ähnlichkeiten zwischen sich und seinem ältesten Neffen erkennen würde. Aber er war seit Georges Tod sehr mit sich, Shoshana und Ägypten beschäftigt. Erst zweimal war er seitdem wieder in England gewesen. Unmittelbar nach Georgs Tod und dann noch einmal vier Jahre später. Dann waren sie und Ron vor vierzehn Monaten einmal in Ägypten gewesen, für eine Woche, aber in dieser hatten sie Bill und Shoshana nur dreimal kurz gesehen. Sie waren sehr beschäftigt.

Wie es aussah, war Shoshana schon sehr speziell mit den alten Schätzen und Zauberern dieser Welt vertraut. Sie hatte am letzten Tag eine heftige, aber freundliche Diskussion mit Hermine, in der die ältere doch tatsächlich verloren hatte.

In Schatzsuche war das junge Mädchen halt besser ausgebildet worden, als die angesehenste Heilerin Englands seit Dilys Derwent.

Shoshana war sehr braun gebrannt und dennoch waren die unzähligen Sommersprossen auf ihrem Gesicht, den Schultern, dem Rücken sehr deutlich zu sehen. Ihre dunkelroten Haare hatten nichts von dem ihres Vaters, das hellorange war, sondern war eher eine Mischung aus Georges und dessen Frau, die bei Shoshanas Geburt gestorben war. Mafalda war Griechin gewesen und hatte kastanienbraune Locken gehabt. Shoshanas Haare waren glatt und kurz. Ihre eigene Begründung war, dass lange Haare bei der Arbeit in Pyramiden, Gräbern und Höhlen sehr unpraktisch wären...

 

„Hermine? Hermine?! HERMINE!“

„W-Was?”, schreckte Hermine aus ihren Gedanken hoch, als Ron ihr ins Ohr brüllte.

„Wo bist du bloß mit deinen Gedanken? Gin redet schon seit zehn Minuten auf dich ein und du reagierst einfach überhaupt nicht.“

„Tut mir leid, ich war gerade ganz woanders.“

„Das haben wir gemerkt!“, feixte Fred, der es zwar vorzog nicht mehr dumme Streiche zu spielen, aber noch immer einen grenzenlosen Humor hatte.

„Hermine, du wolltest mir letztes Mal schon dieses merkwürdige Buch zeigen! Bevor wir es wieder vergessen, wäre ich dir dankbar, wenn du mir es JETZT zeigen könntest!“, wiederholte Ginny ihre Bitte, die sie zehn mal wiederholt hatte, ehe Ron auf Hermine eingeredet hatte.

„Oh... ähm... klar! Komm mit!“

Die beiden Frauen standen auf und gingen hinein, in das mit Büchern überfüllte Wohnzimmer. Hermine musste einige Minuten suchen, da sie sich erst im Regal geirrt hatte. In der Zwischenzeit  begutachtete Ginny einige Buchrücken in Mina Lieblingsregal. Dort standen alle Muggel Theaterstücke, die bekanntesten Romane, Biographien wichtiger Muggelpersönlichkeiten und andere Werke durcheinander drin. An einer Stelle, wo gut sechs Bücher fehlten, blieb Ginny stehen.

„Was genau fehlt hier?“, erkundigte sie sich neugierig und strich mit einem Finger über das Holz.

Mit einem kurzen Blick über die Schulter analysierte Hermine die Lage und lächelte kurz auf.

„Die Schatzinsel von R.L. Stevenson, 20.000 Meilen unter dem Meer von Jules Verne, Medicus von Noah Gordon, eine Biographie von Mozart, ein Gedichtsband und gesammelte werke Goethes. Ein verdammt dicker Wälzer, ich schätze, dass Mina gerade vor dem sitzt.

Hier ist übrigens dieses merkwürdige Buch!“

Sie reichte Ginny ein dickes, halb zerfallenes Buch, das eine unleserliche Schrift auf dem Deckel trug. Die Seiten waren mit fremdartig klingenden Wörtern in einer unregelmäßigen Schrift verziert und kein einziger Satz ergab einen Sinn.

„Hermine! Das ist ein Sakrileg, danach sucht die gesamte Zauberwelt seit über zweihundert Jahren. Ein gewisser Linus Joycé hat es geschrieben, soviel war bekannt. Es soll in sechs Sprachen geschrieben sein, durcheinander. Man munkelt, es sei Hebräisch, Alte Runen, Ägyptisch, Griechisch, Latein und Elbisch, aber ich will das lieber selber überprüfen.

Aber ein kannst du mir glauben! Wenn es DAS Buch ist, dann hast du einen unglaublichen Fund gemacht.“

„Wenn es alles so ist, wie du sagst... es ist vielleicht nicht schwer Zauberer zu finden, die Alte Runen und Ägyptisch  schreiben, sprechen und übersetzten können, bei den anderen Sprachen könnten wir Probleme bekommen, glaubst du nicht?“

„Mach es nicht so kompliziert Hermine. Shoshana und Bill können beide fließend Ägyptisch, Griechisch und Latein. Eine alte Schulfreundin von mir war Jüdin, sie kann Hebräisch und jemanden, der Elbisch kann, werden wir wohl auch finden!“

„Es wird JAHRE dauern, bis wir das übersetzt haben!“

„Ich weiß.“

Ginny ließ sich in einen Sessel fallen, Hermine tat es ihr gleich, allerdings hatte sie, im Gegensatz zu Ginny, einen hoffnungslosen Gesichtsausdruck.

„Wir sollten zurück zu den anderen!“, meinte Ginny plötzlich, als sie bemerkte, dass sie schon über zwanzig Minuten mit Büchern beschäftigt waren.

Langsam stand sie auf und stützte dabei ihren Rücken. Hermine achtete nicht darauf, ob sie irgendetwas stützen musste, abrupt stand sie auf und lag eine zehntel Sekunde später auf den Boden. Der Schmerz, der sich durch ihren Unterleib zog, fraß sie von innen auf und erst nach einigen Augenblicken wurde ihr klar, dass sie schrie, schrie, wie noch nie in ihrem Leben.

Sie krümmte sich zusammen und versuchte irgendetwas zu machen, was ihre Schmerzen stoppte, aber nichts half. Dass Ginny sich neben sie gekniet hatte und ihre Hand festhielt, bemerkte sie nicht. Nur der Schmerz zählte, und der war groß.

Als sie irgendwann, Zeit spielte für sie keine Rolle mehr, hochgehoben und ins Bett getragen wurde, beruhigte sie sich ein wenig und unterdrückte den Schmerz, aber nicht für lange.

Ihre Schreie gingen durchs ganze Haus und lockte die Kinder an. Mina war ganz verstört, als sie ihre Mutter so sah und Mairead musste sich erst einmal ihrer annehmen, um sie abzulenken. Demina und Harrison machten dasselbe mit den drei elfjährigen. Jakob blieb mit Niel an seiner Seite unschlüssig an der Schlafzimmertür seiner Eltern stehen und beobachtete das geschehen, bis die Tür vor seine Nase zugeknallt wurde.

Hermines Schreie hörten so plötzlich auf, wie sie gekommen waren. Die Schmerzen waren einfach plötzlich weggeblasen. Mit aufgerissenen Augen und schwer bebender Brust starrte Hermine in acht Augenpaare. Nur Charley hatte sich ein Herz genommen und schaute nach den Kindern.

„Wie geht es dir, Schatz?“, erkundigte sich Ron zaghaft, als Hermine wieder anfing normal zu atmen.

„JETZT in diesem Moment gut, vor zwei Minuten dachte ich noch, ich würde sterben. Was war das? Es fühlte sich an, als ob ich einen tollwütigen, bissigen Flubberwurm in mir hatte, der die Länge einer Mitgarschlange hatte.“

„Ich benachrichtige Galotschka!“, erklärte Penelope und verschwand mit einem tonlosen Puff.

Galotschka war eine Heilerin in Hogsmade und eine gute Freundin von Hermine. Von ihr hatte die junge Heilerin viel gelernt und in reichlichen Diskussionen hatten sie zusammen mehrere Zaubertränke entwickelt, Zaubersprüche entdeckt und Bücher geschrieben. Sie war die einzige Heilerin, von der sich Hermine behandeln ließ.

Nach kurzem Schweigen, meldete sich Dean zu Wort.

„Ich muss gestehen, dass ich einen kurzen Moment dachte, dass Ginny ihre Wehen bekommen hätte. Aber als ich die Angst und die Panik in den schreien gehört hatte, dachte ich, ihr wäret angegriffen worden, oder so. Ich hatte noch nie so einen Schock gehabt.“

„Tut mir leid Dean, glaube mir, geplant war das nicht. Kaum einer wird überraschter als ich gewesen sein. Ich hatte noch nie solche Schmerzen wie eben gehabt“, erklärte Hermine und ließ sich, da sie sich halbherzig aufgerichtet hatte, wieder ins Bett zurückfallen.

Ron sprang erschrocken in die Luft, als Penelope unmittelbar neben ihm wieder auftauchte.

„Galotschka ist nicht zu finden! Ihr Bruder meint, dass sie Hausbesuche macht und erst spät nachts wieder kommen wird. Er will sie aber benachrichtigen, sobald sie kommt. Solange müssen wir warten, oder... das würde ich vorschlagen, wir bringen Hermine nach St. Mungo.“

„Nein! Keine Macht der Welt wird mich dahin bugsieren. Ich werde mich nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Heilern untersuchen lassen. Basta. Schluss. Aus. Ende“, weigerte sich Hermine, noch ehe ein weiteres Wort gesprochen wurde.

„Warum stellst du dich bloß so an? Du arbeitest mit denen alle zusammen. Du kennst sie alle, du weißt wer etwas besonders gut kann und wer was nicht gut kann. Sie vertrauen dir, warum vertraust du IHNEN nicht?“, predigte Ron und warf theatralisch dir Arme in die Luft. Die anderen beobachteten nur das Schauspiel und Hermine kam sich vor, wie ein Ausstellungsstück. Wenn acht Personen um ein Bett standen, in dem man lag, konnte man das gut nachfühlen.

„Ron, lass gut sein“, beschwichtete Percy ihn unbehaglich.

„Ach Percy, halt du dich daraus!“, fuhr Ron ihn an und schaute seine Verwandten böse an, als ob sie sich alle gegen ihn verschworen hätten.

„Ron, jetzt reicht es wirklich! Lass Hermine das entscheiden, sie hat auf dem Gebiet zehnmal mehr Erfahrungen als du“, mischte sich Fred jetzt aufgebracht ein und packte Ron hart am Arm.

„Ihr seid wirklich schlimm. Wie wäre es, wenn wir das so regeln. Hermine darf selber entscheiden, was mit ihr passiert, aber wenn sie noch einmal so einen unkontrollierten Schmerz hat, dann lässt sie sich nach St. Mungo bringen“, sagte Samantha fest und brachte damit die Männer tatsächlich dazu, dass Thema fallen zu lassen.

„Ist okay, aber...“

„Ron“, meldete sich Ginnys zarte Stimme zu Wort, „lass gut sein, es ist vorbei und deshalb gibt es auch kein Aber. Ich finde, wir decken jetzt den Tisch, essen danach und fahren dann nach Hause.“

Ein stilles Nicken von Ron bestätigte die Aussage und endlich kehrte wieder Frieden ein.

„Kannst du überhaupt aufstehen?“, erkundigte sich Penelope freundlich und bot Hermine auch gleich ihren Arm, um sich zu stützen.

„Ich denke schon, danke. Könnte mir jemand meinen Morgenmantel geben? Und eine Haarbürste? Ich sehe gerade so aus, als ob ich einen Krampf hatte und den Anblick möchte ich den Kindern ersparen.“

Angelina, die während der Diskussion kein Laut von sich gegeben hatte, reichte Hermine die gewünschten Sachen und half ihr auch in den Morgenmantel. Als Hermine noch im Schlafzimmer blieb, um ihre Haare zu kämmen und sich kurz das Gesicht zu waschen, gingen die anderen raus, damit der Tisch gedeckt werden konnte und jemand den Kindern erzählte, dass alles in Ordnung war.

Ron blieb auch im Schlafzimmer und beobachtete Hermine beim Haare kämmen und Gesicht waschen, fast so, als wolle er sicher gehen, dass sie nicht wieder zusammen klappte.

„Ron, gehe doch auch schon einmal runter und mixe mir einen Sidcare, ja?“, sagte sie plötzlich trocken und verrenkte sich, um vom Badezimmer ins Schlafzimmer schauen zu können.

„Sicher Schatz, nach so einer Attacke ist Alkohol eine gut überlegte Sache“, gab Ron genauso trocken zurück.

„Dann tue irgendetwas anderes, aber sitze da nicht auf dem Bett und beobachte mich, ich kann super auf mich selber aufpassen.“

„Sicher, das haben wir ja eben gesehen. Ich kann immer noch nicht glauben, dass du dich nicht untersuchen lässt, vielleicht bist du ernsthaft krank.“

„Nein, bin ich nicht, es war ein vorrübergehender Krampf...“, sie hielt inne und war auf alles gefasst, als es schon wieder in ihrem Unterleib anfing zu rumoren. Wütend presste sie ihre Hand dagegen und verfluchte sich im inneren selber. Nach zwei Minuten verschwand das Unwohlsein und blieb auch für den Rest des Abends weg.

„Komm, wir gehen!“, sagte sie dann schließlich und zog ihren Mann vom Bett hoch.

„Siehst du, ich bin immer noch stärker als du!“, lachte sie, als es ihr mühelos gelang ihn hochzuziehen und auf seine Füße zu stellen.

„Das stimmt, wie du das auch immer schaffst. Nimmst du Stärkungstränke zu dir? Oder trainierst du heimlich? Sag es mir, ich werde schweigen, wie ein Grab.“

„Nichts. Ich mache gar nichts, außer regelmäßig zu arbeiten und unregelmäßig zu essen. Reim dir die Merkwürdigkeiten selbst zusammen. Vielleicht liegt es an meinen Genen? Mein Dad war ein sehr kräftig gebauter Mensch, genauso wie meine Mum.“

„Trotzdem bereitet mir die Geschichte noch Unbehagen, aber immerhin siehst du jetzt etwas farbenfroher aus!“, erwiderte er und gab ihr einen zärtlichen Kuss.

 

Das Essen verlief sehr lustig und laut, der Vorfall mit Hermines Bauchkrämpfen war vorrübergehend vergessen, so redeten sie über die bald beginnende Schule, die plagende Arbeit und natürlich Quidditch.

Angelina, die nicht nur ihrem Mann beim Laden half, sondern auch als Trainerin der neuen Mannschaft Blue Pegasus arbeitete, hatte viele lustige Anekdoten über die Trainingsabläufe zu erzählen und Fred konnte gar nicht genug für seine neusten Kreationen werben. Hermine war immer noch strikt gegen seine Scherzartikel und verbat sogar den Kindern sie zu kaufen oder als Geschenk anzunehmen, aber natürlich hörte ihr Nachwuchs nicht auf sie, wie heißt es so schön? Verbotenes ist doppelt verlockend.

Erst recht Harrison und Demina konnten gar nicht genug davon für ihre Pläne benutzen. Freilich, sie waren nicht die Kinder von Hermine, aber diese ließ es natürlich auch nicht sein, strenge Predigten für ihre Nichten und Neffen zu halten.

 

Eine Zeit lang unterhielten Mina und Niel die Angehörigen, in dem sie sich lautstark über das Kratzen von Niels Stiften ausließen. Ginny bekam so einen Lachanfall - weil sie sich so niedlich ausdrückten - dass sie tatsächlich auf dem Boden lag und eine Zeit nicht aufstehen konnte vor Lachen. Ihr liefen die Tränen und nach fünf Minuten machte sich Dean langsam Sorgen, ob das normal, eine Nebenwirkung der Schwangerschaft oder eine Krankheit war.

Als sich aber gegen zehn Uhr abends alle verabschiedeten, hatte sie sich wieder beruhigt und konnte sogar vernünftig das Flohpulver benutzen und deutlich reden, so dass sie ihr Ziel nicht verfehlte. Disapparieren wollte Dean sie dann aber doch nicht, unter anderem, weil es dem Kind schadete, aber auch, weil er der Ruhe nicht traute.

„Wir sollten auch ins Bett gehen!“, meinte Ron, als auch der letzte durch den Kamin verschwunden war. Jael war ein bisschen anstrengend gewesen, weil sie darum gebettelt hatte diese Nacht im Tiergarten schlafen zu dürfen. Letztendlich hatte Ginny zugestimmt, nachdem auch Ron und Hermine ihr okay gegeben hatten.

Außer Jakob, der dafür gesorgt hatte, dass alle im Bett landeten, waren alle in ihren Zimmern und schliefen, bzw. taten sie so. Mina las noch, Niel zeichnete, Mairead lernte und Jael, Matthias und Harry redeten über das kommende Schuljahr und tauschten dabei Informationen aus. Ausversehen rutschten Harry einige Erinnerungen seiner Träume heraus, aber die anderen beiden nahmen es hin und fragten nicht nach, woher er es wusste.

„Mum?“, fragte der Älteste plötzlich, der an der Küchentür lehnte und aufmerksam seine Hände betrachtete.

„Ja?“

„Was war vorhin los? Ich weiß, dass ich jetzt furchtbar neugierig bin, aber du hast mir wirklich Angst gemacht. Bist du irgendwie schwer krank und verheimlichst uns das, oder was?“

Nachsichtig lächelte Hermine und gab ihrem Sohn einen Kuss auf die Stirn.

„Jakob, es ist alles in Ordnung, es war ein unangenehmer Bauchkrampf, ja, aber ich bin nicht schwer krank. Morgen werde ich noch mal zu Galotschka gehen, aber ich bezweifle, dass es irgendwelche spektakulären Neuigkeiten geben wird,... schlafe schön.“

Jakob ging mehr schlecht als recht zufrieden mit der Antwort nach oben und in sein Zimmer, Hermine lächelte ihm selig hinterher, er bemerkte es nicht.

„Du gehst morgen wirklich noch einmal zu Galotschka? Versprichst du mir das?“, fragte Ron zweifelnd und küsste seine Frau innig, so dass die Antwort ein paar Minuten herausgezögert wurden.

„Ja, versprochen!“

„Hast du Lust auf ein heißes Bad?“, fragte Ron scheinheilig und lächelte sie schief an.

„Immer!“, stimmte sie zu und ging auch gleich ins Badezimmer, um ihr Lieblingsschaumbad herauszukramen, Wunschtraum. Es war ein Duft, der immer genau so roch, wie man ihn gerade haben wollte. So konnten auch zwei mit vollkommen verschiedenen Geschmäckern zusammen baden, ohne das Streit entstand.

Lächelnd erinnerte sie sich an ihre ersten Ehejahre, in denen sich das Ritual des gemeinsamen Badens entwickelt hatte. Oft gab es stundenlange Diskussionen, ob sie nun Waldbeeren (Rons Favorit) oder Tropicalfire (Hermines absoluter Lieblingsduft) nehmen sollte, meistens sind sie dann auf Mandelmilch ausgewichen, mit dem sie beide etwas anfangen konnten.

In den ersten Jahren von den Kindern gab es dann aber doch ein wenig Streit. Damals war die Badewanne noch groß und die Kinder jung genug, um auch mal zu zweit zu baden.

Jakob und Mairead hatten als drei und fünf Jährige mal einen heftigen (so weit die Aufzeichnungen stimmen auch den einzigen) Streit, in dem sie drum gezankt hatten, wer denn nun recht hatte. Roch es nach Erdbeere oder Kokosnuss?

Hermine war damals nicht in der Lage gewesen den Kindern begreiflich zu machen, dass es für jeden anders roch. Irgendwann waren sie dann selber darauf gekommen, aber bis dahin hatten sie sich andauernd in der Wolle, bzw. die ganze Zeit.

 

Das Wasser war so heiß, dass sich die Spiegel beschlugen und das ganze Badezimmer bald mit Nebel gefüllt war. Hermine ließ sich von Ron den Rücken massieren und sog den Duft von Honig, diesmal zog sie diesen Geruch vor, in sich ein. Nach und nach entspannte sich ihr verkrampfter Rücken, der während des Bauchkrampfes auch jede Menge abbekommen hatte.

Am nächsten Tag wurde Hermine schon um fünf Uhr aus dem Schlaf gerissen, da sich eine Eule zur Aufgabe gemacht hatte, sie mit allen Mitteln zu wecken, damit sie eine wichtige Nachricht früh genug lesen würde.

Der Brief war von Greg.

 

Hermione,

deine Vermutung stellte sich tatsächlich als richtig heraus, die Flenkers gehören zu dem engeren Kreis einer dunklen Organisation, die noch nicht beim Namen genannt worden ist. Die Detektivzentrale hat bereits Leute geschickt, die sich den Flenkers angenommen, und sie abgeführt hatten.

Wusstest du, dass Alice und Frank Longbottom mal Auroren waren? Zumindest schien der enorme gesundheitliche Anstieg der beiden den dunklen Zauberern Angst einzuflößen.

Wenn es geht, dann komme so schnell es geht! Einige Detektive wollen dich verhören, weil du doch diese Ahnung hattest. Wenn du es aber nicht vor acht Uhr schaffst, dann musst du morgen Nachmittag persönlich dorthin gehen.

Liebe Grüße

Greg

 

Stöhnend stand sie nun auf und las den Brief noch einmal, um zu entscheiden, was sie jetzt machen sollte. Jetzt aufzustehen stimmte sie nicht glücklich, aber den Sonntagnachmittag nutze ihre Familie eigentlich immer, um etwas gemeinsam zu machen, sei es Spiele zu spielen, zu lesen, zu kochen oder auszugehen.

„`Mine? Was´n los?“, murmelte Ron schlaftrunken, der sich im Halbschlaf versuchte aufzurichten.

„Greg hat mir eine Eule geschickt. Die Flenkers, von denen ich erzählt habe, sind Schwarzmagier, und ich soll entweder jetzt oder morgen nachmittag verhört werden.“

„Morgen? Morgen ist doch Sonntag.“

„Ich weiß.“

„Naja, jetzt aufzustehen ist aber auch krank. Wie spät haben wir es?“

„Kurz vor fünf. Eigentlich habe ich auch noch gar keine Lust aufzustehen. Mein Dienst fängt erst um acht an. Daraus schleiße ich, dass de Verhörung nicht länger als zwei Stunden dauern würde...“

„Gehe morgen, dann verschieben wir unsere Aktivitäten eben auf abends.“

Ron war schließlich aus seinem Halbschlaf erwacht und saß jetzt aufrecht neben Hermine, die grübelnd das Kinn auf ihre Hände stütze.

Als Ron seinen Arm um sie schlang, ihr einen Kuss auf die Wange gab und seine Hand unter ihr Top gleiten ließ, schrak sie leicht zusammen und musste dann plötzlich lachen.

„Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, wenn du plötzlich kratzt. Es ist echt nicht zu fassen, wie lange sind wir jetzt schon zusammen? Wie lange verheiratet? Und immer noch kann ich mich daran nicht gewöhnen, an das normalste der Welt.“

„Gut, ich lasse mir einen Vollbart wachsen, damit du dich zwangsweise daran gewöhnen musst!“, meinte Ron trocken und strich mit seiner Wange über ihre, um sie ein wenig zu ärgern.

„Ach Ron, das sagst du seit fünfzehn Jahren. Und du hast es nie gemacht und ich habe mich nie daran gewöhnt. Es wird halt so bleiben!“

Nachdenklich nickte er und stürzte sich dann plötzlich auf sie, bedeckte sie mit Küssen und sie lachten wie welche, die hemmungslos durchgekitzelt wurden. Gott sei dank, das Zimmer war mit einem Lärmdämpfungszauber belegt. Sonst wäre die Kinder wohl jeden zweiten Abend angetanzt, um sich zu erkundigen, was denn los wäre, ob jemand verletzt sei.

 

Gegen halb sieben standen Hermine und Ron dann auf, duschten gemeinsam und frühstückten dann, ausgiebig und mit vielem Lachen, das die Kinder anlockte, da in der Küche kein Lärmdämpfungszauber herrschte.

Als es Zeit war, disapparierte Hermine, um ihre Arbeit anzugehen, dieser Tag versprach um einiges stressfreier zu sein als der vorherige.

©2005-Janine Wenzel