Freiheit

 

Kapitel 1

 

Ich weiß nicht wie ich hier hingekommen bin. Ich weiß nicht mehr, wie ich heiße und ich habe keine Ahnung, ob ich überhaupt existiere!

Ich sitze in einer Luke, die mich sehr an die Luken in einem U-Boot erinnern. Hinter mir sah ich die Kulisse eines echten, alten U-Boots. Aber vor mir,... vor mir sah ich etwas Unglaubliches. Ein nebelverhangener Raum erstreckte sich vor mir. Ich konnte zwar nicht die Wände sehen, aber ich ging davon aus, dass es ein Raum war. Ich konnte sowieso nicht wirklich viel erkennen, weil es hier ziemlich düster war. Es drang nur ein leichtes Dämmerlicht durch den Nebel. Ich kam mir wie in einem Traum vor. War ich in einem Traum?

Plötzlich spürte ich, wie ich einen Stoß bekam. Ich verlor das Gleichgewicht und stürzte nach vorne. Verdammt! Jetzt naht mein Ende. Aber ich fiel und fiel und ich fiel immer noch. Die Luft war schwer, schwül und hatte eine hohe Luftfeuchtigkeit.

Sollte ich jetzt ewig fallen? Mein Gott, was hat das für einen Sinn? Das geht doch gar nicht! Wo bin ich bloß?

Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf, bis ich eine Stimme hörte.

„Alles hat einen Sinn. Du bist hier, um dich zu finden. Du wirst noch eine ganze Weile fallen. Doch wenn du unten ankommst wirst du der ersten Prüfung gegenüber stehen. So lange werde ich dir alle Fragen, so weit ich sie dir beantworten kann, beantworten.“

„Okay“, schrie ich in die Leere, „wieso falle ich so langsam? Das ist doch nicht normal!“

„Das hat eine ganz simple Antwort. Hier im Nirwana herrscht eine besondere Luftmischung, welche die Luft so schwer und dicht macht, dass man einfach langsamer fällt. So bleibt uns mehr Zeit zum Unterhalten, sonst wärst du ja schon nach drei Stunden unten, wenn es die gleiche Luft wie auf der Erde wäre.“

„Im Nirwana? Ich bin Tod? Was ist passiert? Hatte ich einen Unfall? Wer bin ich überhaupt??“

„Das sind allerhand Fragen auf einmal, aber ich werde versuchen sie zu beantworten. Als erstes: Ja, du bist hier im Nirwana, aber das Nirwana ist nicht das Totenreich, auch wenn es in der realen Welt immer als ein solches abgestempelt wird. Da dies kein Totenreich ist, erübrigt sich deine zweite Frage. Du bist nicht Tod. Noch nicht. Du hattest auch keinen Unfall, sondern etwas anderes, was ich dir aber nicht verraten darf. Und wer du bist darf ich dir auch nicht verraten. Wenn du das nämlich wüsstest, dann wärst du gar nicht hier. Hier kommen nur Menschen hin, die nicht wissen wer sie sind, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben machen wollen, die nicht  in der Lage sind, ihr Leben in den griff zu kriegen.

„Das ist ja super. Ich darf ja anscheinend eine Menge nicht wissen. Kannst du mir wenigstens verraten, wie viele Kilometer ich falle? Und woraus die Luftmischung besteht?? Oder ist das alles auch streng geheim?“

„Werden sie nicht frech junge Frau! Du fällst circa 30 km tief, ganz genau kann ich es dir allerdings nicht sagen, weil wir noch keine Möglichkeit gefunden haben es genau zu berechnen. Die Luft hier besteht aus 60% Radon, 20% Xenon, 10% Krypton und 10% Sauerstoff. Außerdem haben wir hier 35 °C. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 80%. Sind das genug Informationen vorerst?“

Ich fühlte mich irgendwie überfordert. Mit wem sprach ich? Mit Gott? Oder jemand anderes?? Vielleicht bilde ich mir auch ein mit jemanden zu sprechen und führe einfach nur Selbstgespräche? Doch wer antwortet mir? Das Wissen kann doch nicht einfach so kommen, oder? Was quäle ich mich eigentlich so? Warum genieße ich nicht die Zeit, in der ich mich schwerelos fühle und falle einfach weiter??

„Du brauchst dich wirklich nicht quälen! Ich bin weder Gott noch eine Stimme in deinem Kopf! Ich bin jemand, der dich die erste Zeit durch das Nirwana führt. Ich muss zwar gestehen, das ich mich bis jetzt ziemlich langweile, aber das wird sich bestimmt noch legen!“

„Wieso hast du gehört, was ich gedacht habe? Und wieso langweile ich dich?“

„Du hast nicht gedacht. Hier ist denken und sprechen dasselbe. Es ist also egal, was du von beidem tust, ich weiß immer was du gerade sagst, bzw. denkst. Warum du mich langweilst? Ganz einfach: Du stellst dumme Fragen, anstatt dich zu erkundigen, was noch auf dich zukommt. Was interessiert es dich, wieso du langsamer fällst, als bei einem Standart-Luftgemisch? Andere, die schon das durchgemacht haben, was dir noch bevorsteht, haben wesentlich mehr Interesse gezeigt.“

„Ich zeige doch Interesse! Vielleicht Frage ich in deinen Augen unwichtige Dinge, aber mir sind sie wichtig. Ich habe sehr viel Spaß an Flugberechnungen und Ähnlichem. Ich wollte nur die Höhe und die Luftbestandteile wissen, damit ich berechnen kann wie lange ich fallen werde.“

„Hochinteressant. Leider muss ich dir sagen, dass du sehr lange fallen wirst und die Zahl ist so hoch, dass du sie niemals im Kopf berechnen kannst! Aber du langweilst mich schon nicht mehr so sehr!“

„Du hast recht. Ich bin nicht wirklich weit gekommen mit der Berechnung der Flugzeit, aber egal, dann werde ich eben nicht weiter darüber nachdenken, vielleicht vergeht die Zeit dann ja auch schneller, wenn es hier nur nicht so schwül wäre! Würde es dir was ausmachen, wenn ich meinen Pullover ausziehe?“

„Du kannst machen was du willst. Unten wirst du sowieso etwas zum Anziehen bekommen, was du die ganze Zeit, die du hier verbringst, tragen wirst. Außerdem kann ich eh nichts sehen, also ist es egal.“

Ich zog den schweißnassen Pullover über meinen Kopf und warf ihn von mir. Aber dann passierte etwas, was mir fast den Verstand raubte. Der Pullover fiel nicht, so wie ich, auch hinunter, sondern flog nach oben durch den Nebel. Wenige Zeit später war er nicht mehr zu sehen. Bin ich jetzt schneller geworden, oder ist der Pullover wirklich nach oben geflogen?

Da kein Kommentar von der Stimme kam, ging ich davon aus, das es nicht wichtig war. Ich hielt also meinen Mund. Es war schon alles merkwürdig hier. Es wurde zwar langsam heller und der Nebel wurde auch dünner, aber erkennen konnte ich immer noch nichts. Schon merkwürdig, echt.

„Okay, sag mir was du von mir hören willst!“

„Na endlich. Jetzt wird´s wirklich spannend. Gut, ich möchte, das du mich beleidigst. Was dir spontan einfällt. Ich gebe dir eine Minute.“

„Was soll denn der Blödsinn? Ich dachte an was...“

„Fang an Mädchen...“

„Okay,... Korinthenkacker, Idiot, Ochse, Schwein, dummer Hund, störrischer Esel, Stinkstiefel, Latrinenparolenverbreiter, Gesülzheini, Fliegengehirn, Gernegroß, Brechmittel, Anöder, Nervensäge, Langweiler, Kotzbrocken,...

„Die Minute ist um. Das war doch gar nicht mal so schlecht. Wenn ich ehrlich sein soll, ich kenne niemanden, den ich schon mal den Weg begleitet habe, der so einfallsreich war. Okay, du hast wohl einen Hass gegen Tiere, zumindest hast du sie oft benutzt, aber es waren auch sehr ausgefallene Sachen dabei. Woher hast du diese Spontanität?“

„Keine Ahnung. Sag du es mir. Ich hasse Tiere übrigens nicht, mir fiel nur nichts besseres ein. Und jetzt sage mir bitte, warum du mit mir so einen Unsinn machst! Meinetwegen können wir irgendwo drüber diskutieren, aber lass uns was vernünftiges machen, bitte!“

„Du scheinst zu den Menschen zu gehören, die nur Ernste Sachen im Leben machen, was? Schade, ich hätte gerne weiter mit dir rumgealbert. Weißt du, es ist ziemlich langweilig hier rumzuhängen und sich mit irgendwelchen Leuten zu unterhalten, die hier alle Tage mal vorbeikommen. Meistens mag ich diese Menschen nicht einmal, aber es ist ja mein Job!“

„Ich wollte dir nicht den Spaß nehmen, aber ich sehe darin einfach keinen Sinn. Erkläre es mir doch einfach, vielleicht verstehe ich es dann...“

„Du wirst es nicht verstehen. Wenn ich Glück habe, dann verstehst du es, wenn du hier wieder weg bist! Das wird aber noch eine ganze Weile dauern. Du scheinst mir ein ganz harter Brocken zu sein. Bei dir war es wohl allerhöchste Eisenbahn, dass du hier her kommst, was?“

„Wenn ich wüsste, weshalb ich hier bin, dann könnte ich dir auch diese Frage beantworten!“, schrie ich scharf in die Leere.

„Du bist hier um dich wiederzufinden, bis du das geschafft hast, wirt du nicht wissen wie du heißt, wer du warst und woher du kommst, ist das klar?“

„Ja,...“

Stille. Die Stimme, mit der ich die ganze Zeit geredet hatte, sagte nichts weiteres und ich hatte keine Lust mich weiter mit einem Nichts zu unterhalten, also sagte ich nichts und versuchte auch nichts zu denken. Mit der Zeit wurde mir das aber zu langweilig. Ich wusste nicht, wie lange ich schon am fallen war, aber es war bestimmt eine lange Zeit. Der Nebel hatte sich bereits ganz aufgelöst, wage konnte ich erkennen, was auf dem Boden war.

„Oh Gott, was passiert, wenn ich auf den Boden knalle? Das kann ich doch gar nicht überleben!?“

„Tja, das wird deine erste Prüfung sein. Aber ich muss schon sagen, du bist wirklich spät darauf gekommen. Andere zittern schon, kurz nachdem sie den Stoß verspürten. Warum kommst du erst jetzt darauf?“

„Weil ich den Boden gesehen habe. Davor war ja alles Nebelverhangen, da kam ich mir vor, als würde ich schweben, da war mir auch egal, was noch kommt, aber jetzt sehe ich, wie ich mich den Boden nähere.“

„Tja, das ist das Problem der Schwerkraft, die kann man nicht mal mit einer besonderen Luftmischung aufhalten, aber mit was anderem!“

„Wenn du mir von dem Anderem erzählen wolltest, dann würdest du bestimmt weiterreden, da du das aber nicht tust, soll ich das wohl nicht wissen, deshalb frag ich gar nicht erst weiter...“

„Recht hast du.“

„Würdest du mir dann bitte wenigstens den Gefallen tun und mir sagen, wie ich die restliche Zeit vernünftig nutzen kann?“

„Mach, wozu du Lust hast, aber schlafe bitte nicht ein, dafür hast du später noch genug Zeit.“

Das hat doch alles keinen Sinn! Erst erzählt mir diese schwachsinnige Stimme, dass ich sehr lange hier sein werden und dann gab sie zu, das ich nicht mehr lange leben werde, muss ich das verstehen??

„Nein, das musst du nicht verstehen, aber ich muss dich verbessern: Ich habe nicht gesagt, dass du sterben wirst, ich habe lediglich gesagt, dass dies deine Prüfung sein wird.“

„Weißt du das du mich nervst? Und weißt du noch was? Ich werde jetzt schlafen, auch wenn du das nicht willst. Wenn ich schlafe kann ich nämlich träumen und mir scheint, dass dies das einzige ist, was jetzt noch Sinn macht. Gute Nacht!“

Ich schloss meine Augen und verschränkte die Arme unter meinem Kopf. Ich fühlte mich befreit und leicht wie eine Feder. Bis zu meinem Tod wollte ich diese Gefühl genießen und diese Leichtigkeit voll ausnutzen. Ich fiel immer mehr in Trance, bis ich letztendlich einschlief.

 

Kapitel 2

 

Eine leichte Brise hauchte über mein Gesicht. Ich öffnete meine Augen und schloss sie gleich wieder. Die Sonne schien mir grell ins Gesicht und ich musste mich erst mal an sie gewöhnen. Ich war mir sicher, dass ich noch immer fiel, weil ich mich immer noch so leicht fühlte, aber von wegen. Ich lag auf einer Wiese. Die Grashalme ragten über meinen Kopf hinaus. An ihren Spitzen erkannte ich zartgelbe Blüten. Es war wie in einem Traum.

War ich in einem Traum? War dies alles wirklich??

„Hey Stimme! Wo bist du? Bin ich jetzt Tod, oder was?“

„Nein, du hast die Prüfung bestanden. Du bist jetzt sozusagen ein Level weiter.“

„Hey, du bist nicht der, der mich beim allen begleitet hat! Wer bist du, und was willst du? Ich habe keine Lust mehr auf solche Spielchen.“

„Du darfst mich nennen, wie du willst! Ich werde dich jetzt eine Weile begleiten und dir helfen, dein Selbst wiederzufinden. Du wirst in der Zeit in dem Haus dort drüben wohnen und ansonsten das machen, was ich von dir verlange.“

„Und wenn ich es nicht tue? Du kannst mich schließlich nicht dazu zwingen!!“

„Da hast du recht, aber wenn du vielleicht mal bedenkst: Als du dir vorgenommen hattest zu schlafen, um die Zeit, die dir noch blieb so zu nutzen, wie du es wolltest, da hat sich die zeit rapide verkürzt. Hättest du von Anfang an so gedacht, dann wärst du schon lange hier unten. Glaube mir, wenn du nicht so viel fragen würdest, wäre vieles angenehmer für dich! Du wärst viel schneller hier raus und du könntest dann wieder das machen, wozu du Lust hast.“

„Wozu war dann diese verdammte Stimme da, wenn sie mir gar nichts gebracht hat?“

„Um dich zu prüfen. Sag mal, bist du wirklich so naiv, oder tust du nur so? Die Prüfung bestand darin, eine unbegrenzte zeit so zu nutzen, wie es für dich am besten war. Wenn du ein anderer Mensch gewesen wärst, dann hätte es gar keine Stimme gegeben, weil du dich gerne unterhalten hättest, aber bei dir war es so, das dich so was nur anödet. Ich lasse dich jetzt allein, damit du dich an die Umgebung gewöhnen kannst.

Auf einmal herrschte Stille.

Ich war unglaublich erleichtert, dass ich mich wieder zurücklegen konnte, ohne das mich eine gestaltlose Stimme davon abhielt, weil sie mich in Rage brachte. Leider musste ich zugeben, dass sie recht hatte. Sie hatte meine Charaktereigenschaft, Unterhaltungen zu hassen, richtig gedeutet. Ich glaube, die Stimme hatte mich sogar ein bisschen  beeindruckt. Endlich verstand ich einigermaßen, was ich hier tun sollte.

Mein Selbst finden. Was war mein Selbst? Ich hatte keine Ahnung. Um mich ein bisschen abzulenken, stand ich wieder auf und schlenderte zu dem Haus, in dem ich wohnen sollte. Es gefiel mir auf anhieb. Kein Kitsch, aber auch nicht langweilig schlicht. Bestimmt würde das Haus anders aussehen, wenn ich ein anderer Mensch wäre, nicht war?

Ich bekam darauf keine Antwort, aber ich war mir sicher, dass ich recht hatte.

Ich ging langsam auf die Haustür zu. Der Garten war wild und voll mit Unkraut. Genau so, wie ich es mochte. Als ich dir Tür öffnete, kam mir ein Schwall von Nichts entgegen. Das Haus war vollkommen leer. Aber das störte mich nicht. Ich schritt durch alle Zimmer. Sie waren alle groß und hell. Aber eins machte mich stutzig. Von außen konnte man sehen, dass das Haus zwei Stockwerke hatte, aber ich sah hier nirgends eine Treppe oder so was. Ich fand das schon sehr merkwürdig, aber ich sagte nichts und ich hörte auch nichts, woraus ich wiederum schlussfolgerte, dass es was bestimmtes zu bedeuten hat, was ich noch herausfinden musste. Irgendwie musste ich zugeben, dass ich dies alles doch ziemlich aufregend fand und interessiert alle beäugte.

Nachdem ich mir das Haus genau angesehen hatte, ging ich wieder raus und betrachtete den Garten genauer. Hier wuchsen alle möglichen Kräuter und Pflanzen. Er sah aus wie ein richtiger Urwald. An mein Haus grenzte ein Kornfeld und dahinter war ein gigantischer Wald zu sehen.

Da ich keine Möbel in meinem Haus hatte, aber nicht auf dem Boden schlafen wollte, ging ich in den Wald, um Moos zu holen. Der ganze Waldboden war damit übersät, so dass ich kein schlechtes Gewissen dabei hatte, als ich welches rausriss.

Als ich meinen Arm voller Moos hatte, schlenderte ich wieder nach Hause. Unterwegs fand ich einen riesigen Strauch mit Erdbeeren. Ich versuchte mir die Stelle zu merken, damit ich später noch mal wieder kommen konnte, um mir welche zu holen. Irgendetwas muss ich ja schließlich essen.

Das Moos legte ich in eine Ecke vom größten Zimmer. Am Ende sah es sogar ziemlich gemütlich aus. Auf einmal flackerte eine irrsinnige Idee in mir hoch. Wie sähe es wohl aus, wenn hier drin der ganze Fußboden mit Moos und Gras ausgestattet wäre? Und Bäume in jedem Zimmer durch die Wände wachsen würden? Wenn alles mit Efeu überwuchert wäre?? Eine Hängematte aus Lianen existieren würde?  Alle Kräuter, die man kennt, hier wachsen könnten? Und alle Blumen?

Ich stellte es mir unglaublich traumhaft vor. Mit dieser Idee im Kopf verließ ich das Haus und suchte im „Garten“ nach einem geeignetem Transportmittel für meine Erdbeeren. Und tatsächlich: Ich fand einen Korb unter einem Haselnussstrauch. Ich nahm in an mich und füllte ihn voll mit Erdbeeren.

Als ich wieder ins Haus ging, wurde ich fast von dem mir erbotenen Anblick erschlagen. Alles war genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich kam mir vor wie in einem Wald.

„Okay, ich weiß jetzt, das du alles machen kannst, was du willst. Erzähl mir jetzt bitte, was mir bevorsteht!“, schrie ich in die Stille. Ich erwartete gar keine Antwort, weil ich eigentlich auch keine hören wollte, aber die Stimme stellte mit belustigtem Unterton fest: „Du bist ganz schön hitzig! Warum dankst du mir nicht einfach, das dir die Mühe, dies alles selber zu errichten, erspart blieb.“

„Warum machst du das mit mir? Ich habe dir nichts getan. Warum warnst du mich nicht, wenn du so was machst. Wenn du meine Gedanken lesen kannst, ist das verdammt unfair. Dadurch fühle ich mich ganz schön unterlegen!“

„Du bist mir unterlegen. Es wäre ja auch schrecklich, wenn es nicht so wäre. Dann müsstest du den Laden hier schmeißen, aber da du dein Selbst noch nicht gefunden hast, wäre das eine Katastrophe. Gib dich mit dem zufrieden, was du hast.“

„Ich habe aber nichts. Ich weiß nicht wer ich bin, was ich hier genau soll und wie lange ich es hier alleine aushalten muss.“

„Du hast jede Menge. Du hast dieses Haus, du hast den Garten und egal was du dir wünscht, es wird dir in den meisten Fällen erfüllt.“

„Na und? Ich fühle mich wie ein Wurm. Ich existiere und gelegentlich komme ich davon, aber ich werde immer von jemandem beobachtet, der bereit ist, sofort zuzuschlagen, wenn ich eine falsche Bewegung mache!“

© Janine Wenzel